Deine Daten. Deine Wahl.

Wenn du nur das Nötigste wählst, erfassen wir mit Cookies und ähnlichen Technologien Informationen zu deinem Gerät und deinem Nutzungsverhalten auf unserer Website. Diese brauchen wir, um dir bspw. ein sicheres Login und Basisfunktionen wie den Warenkorb zu ermöglichen.

Wenn du allem zustimmst, können wir diese Daten darüber hinaus nutzen, um dir personalisierte Angebote zu zeigen, unsere Webseite zu verbessern und gezielte Werbung auf unseren und anderen Webseiten oder Apps anzuzeigen. Dazu können bestimmte Daten auch an Dritte und Werbepartner weitergegeben werden.

Kritik

«Theropods» im Test: Das Adventure, das kein Wort sagt

Kevin Hofer
20.8.2026

Mit «Theropods» wagt sich Indie-Entwickler Lost Token an das Point-and-Click-Genre heran und lässt dabei keine Worte fallen – und es funktioniert.

Ihr Leben hatte sich die kindliche Kriegerin wohl anders vorgestellt: Auf einem Spaziergang im Urwald wird sie zusammen mit ihren Eltern von einem T-Rex angegriffen. Die mutige Mutter verteidigt ihre Familie, fällt dem gefiederten Vielfrass aber zum Opfer. Einige Jahre später ist aus dem Kind eine junge Frau geworden und erneut schlägt das Unheil zu. Ihr Stamm wird von einem verfeindeten angegriffen, ihrem Vater wird der Schädel eingeschlagen und sie muss flüchten. Selbstverständlich will sie Rache üben und ihr Dorf befreien.

Zimperlich gehen die Charaktere nicht miteinander um.
Zimperlich gehen die Charaktere nicht miteinander um.

Auch wenn die niedliche Pixel-Grafik etwas anderes vermuten lässt: «Theropods» ist brutal. Es liegen schon mal zerstückelte Leichen herum – auch wenn die aufgrund der elementaren Darstellung nur schwer erkennbar sind. Daneben bietet das Spiel interessante Rätsel und eine stimmige Geschichte, die fast komplett ohne Worte auskommt.

Gebrabbel statt Dialogbäume

Ich steuere die junge, namenlose Frau. Namenlos ist sie, weil das Spiel keinen Text bietet. Wirklich keinen. Auch das Menü kommt nur mit Piktogrammen aus. Unterhalten sich die Charaktere, ist nur unverständliches Gebrabbel zu hören – gesprochen wird also doch irgendwie. Die Stimmen haben mich anfangs genervt, mit der Zeit fand ich die «Sprache» sympathisch. Es erinnert mich an die Erwachsenen in den «Peanuts». Aufgrund der Gestik weiss ich aber immer genau, was sie sagen und was abgeht.

Gesprochen wird nicht – ausser mit den Fäusten.
Gesprochen wird nicht – ausser mit den Fäusten.
Quelle: Lost Token

Ganz neu ist die Idee nicht. Die Tschechen von Amanita Design erzählen in «Machinarium» oder «Botanicula» seit Jahren wortlos und lassen ihre Figuren in Kunstsprache brabbeln. Dennoch ist dies die grosse Stärke von «Theropods». Das Spiel zeigt mir Geschichte und Stimmung allein über die Pixel-Bilder und das Audiodesign. Das macht das Spiel zugänglich und erleichtert die Lokalisierung, weil es keine braucht.

Die Story wird mir in cineastischen Zwischensequenzen vermittelt, statt wie sonst aus der typischen Sidescrolling-Perspektive. Das ergänzt sich gut und wirkt stimmig.

Die Zwischensequenzen ergänzen die Story passend.
Die Zwischensequenzen ergänzen die Story passend.

Der Soundtrack untermalt die Szenerie perfekt. Mir fällt aber keins der Stücke besonders auf – negativ und positiv. Das Sounddesign ist gelungen. Der T-Rex klingt furchteinflössend, beim Grollen des Berges habe ich tatsächlich den Eindruck, dass dieser demnächst zusammenfällt. Auch die Kampfgeräusche wirken authentisch.

Vom Faustkeil zur Bruchlandung

Neben der namenlosen Frau steuere ich später noch ein Alien, das auf dem Planeten bruchlandet. Ich wechsle also quasi von der Prähistorie in ein Sci-Fi-Setting. Der Twist ist gelungen. Steuere ich das Alien, interagiere ich anders mit der Umgebung als mit der jungen Kriegerin – dem Alien steht etwa ein Roboter zur Verfügung. Später vermischen sich die Spielstile, vor allem, wenn ich zwischen den beiden Charakteren hin- und herwechsle, was gut umgesetzt ist.

Und plötzlich steuere ich ein Alien.
Und plötzlich steuere ich ein Alien.

Steuern tue ich beide in bester Point-and-Click-Manier. Mit dem Cursor zeige ich den Charakteren, wo sie hin sollen. Kann ich mit etwas oder jemandem interagieren, verfärbt sich der Cursor orange. Das ist aufgrund des Pixelmatschs praktisch. Ich sehe sonst nicht immer auf den ersten Blick, womit ich interagieren kann.

Oben rechts befindet sich ein Icon für mein Inventar. Dieses öffnet sich, wenn ich draufklicke. Hier kann ich Gegenstände auswählen oder kombinieren. Aufgrund der pixeligen Darstellung weiss ich manchmal nicht, was für einen Gegenstand ich soeben aufgesammelt habe. Ein Blasrohr habe ich etwa für einen Stock gehalten und kam deshalb nicht gleich auf die Lösung eines Rätsels.

Das Inventar verschwindet schon mal im Pixel-Matsch.
Das Inventar verschwindet schon mal im Pixel-Matsch.

Genau hier liegt die einzige Schwäche von «Theropods»: Die charmante Pixel-Optik arbeitet gegen die Rätsel. Was auf dem Screenshot hübsch aussieht, ist im Inventar manchmal ein Ratespiel. Dass interaktive Objekte orange aufleuchten, wenn ich mit dem Cursor drüberfahre, hilft – ich muss den Bildschirm aber trotzdem Pixel für Pixel abfahren. Eine Taste, die mir alle Hotspots auf einen Schlag anzeigt, fehlt. Das ist 2026 eigentlich Standard und hätte mir Sackgassen erspart.

Ein Hinweissystem gibt es nicht. Nötig ist es selten, weil die Szenen überschaubar bleiben und ich kaum Gegenstände mitschleppe. Sterben kann ich nicht und unlösbar machen kann ich mir das Spiel nie.

Solide Rätselkost, keine Ziege

Wobei ich beim Entscheidenden für ein Point-and-Click-Spiel bin: den Rätseln. Die Entwickler von Lost Token erfinden das Rad nicht neu, liefern aber solide Rätselkost. Mit Ausprobieren komme ich immer irgendwie auf die Lösung. Sie sind mal logisch, etwa, wenn ich fünf Knöpfe in einer bestimmten Reihenfolge drücken muss, mal absurd, etwa, wenn ich dem Giftschleim speienden Dino mit einem Schädel die Spucke abgewinnen muss. Der Mix macht Spass und sorgt für Kurzweil.

Wie bekomme ich die Qualle dazu, dass sie den Spinosaurus elektrifiziert?
Wie bekomme ich die Qualle dazu, dass sie den Spinosaurus elektrifiziert?

Dabei schreite ich in zügigem Tempo in der Geschichte fort. In den rund drei Stunden, die ich bis zum Abspann brauche, fühlt sich das Spiel nie in die Länge gezogen. Auch habe ich nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Der Umfang passt.

Fazit

Ein Adventure, das die Klappe hält

«Theropods» beweist, dass ein Point-and-Click-Adventure keine Worte braucht. Nicht ein einziges. Was Lost Token stattdessen liefert, sind eine Handvoll Pixel, ein bisschen Gebrabbel und viel Körpersprache. So verstehe ich jede Szene. Das ist die eigentliche Leistung dieses Spiels, und sie macht es gleichzeitig zum zugänglichen Adventure: keine Sprachbarriere, keine Textwände, kein Menü, das ich erst studieren muss.

Die Rachegeschichte erfindet dabei nichts neu und der Soundtrack bleibt mir nicht im Ohr. Dafür sitzt das Sounddesign, der Sprung von der Prähistorie ins Sci-Fi-Setting ist gelungen und die Rätsel treffen die Balance zwischen logisch und absurd, ohne mich je zu blockieren. Nur die niedliche Pixel-Optik schiesst sich gelegentlich selbst ins Knie, wenn ich ein Blasrohr für einen Stock halte.

Nach drei bis vier Stunden läuft der Abspann und mir fehlt nichts. Genreneulinge kommen hier so leicht rein wie nirgends sonst, und wer tief im Genre ist, bekommt auch seine Rätsel.

Pro

  • Geschichte auch ohne Text verständlich
  • gelungener Mix aus Prähistorie und Sci-Fi-Setting
  • guter Mix aus logischen und absurden Rätseln, keines unfair
  • kein Leerlauf, der Umfang passt

Contra

  • Pixel-Optik erschwert das Erkennen von Gegenständen
  • die Rachegeschichte ist vorhersehbar

1 Person gefällt dieser Artikel.


User Avatar
User Avatar

Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.


Kritik

Welche Filme, Serien, Bücher, Games oder Brettspiele taugen wirklich etwas? Empfehlungen aus persönlichen Erfahrungen.

Alle anzeigen

Weitere Beiträge aus dem Magazin

Alle anzeigen

Weitere Beiträge aus dem Magazin

Kommentare

Avatar