Tot, aber doch lebendig: Die Rückkehr des James Dean dank CGI
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Tot, aber doch lebendig: Die Rückkehr des James Dean dank CGI

Luca Fontana
Luca Fontana
Zürich, am 07.11.2019
Hollywood-Ikone James Dean starb 1955 bei einem Autounfall. Nun wurde er für das kommende Kriegsdrama «Finding Jack» gecastet. Der Tote wird komplett am Computer animiert.

Wie The Hollywood Reporter berichtet, wird der tote Schauspieler James Dean im kommenden Vietnam-Kriegsdrama «Finding Jack» posthum die Rolle des Rogan übernehmen, einem Platoon Leader.

Historisches Bild von James Deans tödlichen Autounfall
Historisches Bild von James Deans tödlichen Autounfall

Was in HBOs «Game of Thrones» ein mit den Greyjoys verbundenes Leitmotiv ist – «What Is Dead May Never Die» – könnte im Falle James Deans gar nicht besser zutreffen. Denn der ikonische Schauspieler, der während der goldenen Ära Hollywoods in den 1950er mit Filmen wie «Rebel Without a Cause» und «East of Eden» internationalen Ruhm erlangt hat, ist am 30. September 1955 bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Er war gerade mal 24-jährig.

Wiedererweckung dank CGI

Der Film wird von Anton Ernst und Tati Golykh inszeniert. Produziert wird er vom Filmstudio Magic City Films, das sich die Rechte an James Deans Bild von dessen Familie gesichert hat. Für die hochkomplexen Computereffekte verantwortlich zeichnen sich die kanadische Spezialeffekt-Schmiede Imagine Engine – bekannt für ihre Arbeiten an «Game of Thrones», «Deadpool» und Netflix’ «Lost in Space» – sowie die afrikanische Effekte-Schmiede MOI Worldwide, die vorallem in der Werbung tätig ist.

Dank Computer, Archivaufnahmen, Fotos, Body-Doubles und Ersatz-Schauspielern für die Stimme wird der tote Schauspieler wieder zum Leben erweckt. Regisseur Anton Ernst verspricht sich nichts Geringeres als «eine realistische Version von James Dean». Konkret:

Wir haben weit und breit nach dem perfekten Schauspieler gesucht. Rogan hat nämlich eine sehr komplexe Charakterentwicklung. Nach monatelanger Recherche entschieden wir, dass James Dean am besten für die Rolle geeignet sei.

Zu den Befürchtungen, dass CGI-James-Dean ähnlich befremdend wirken könnte, wie einige Jahre zuvor CGI-Peter-Cushing als Grandmoff Tarkin in «Rogue One: A Star Wars Story», sagte Regisseur Ernst:

Wir fühlen uns geehrt, dass Deans Familie uns unterstützt und alle Vorkehrungen treffen wird, um sein Erbe als einer der ikonischsten Filmstars aller Zeiten intakt zu halten. Wir haben nicht vor, seine Fans im Stich zu lassen.

Ob da wirklich nur künstlerische Interessen zuoberst stehen?

Alles nur ein teurer PR-Gag?

Bei besagtem Beispiel des Grandmoff Tarkin wurde der verstorbene Peter Cushing via CGI wiedererweckt, weil er schon im Original-«Star Wars» anno 1977 die Rolle gespielt hat. Obwohl das Endresultat beeindruckt, kann CGI-Tarkin nicht darüber hinwegtäuschen, nicht echt zu sein: Vom «Uncanny Valley» ist die Rede. Also vom beklemmenden Gefühl, etwas zu betrachten, dass nur knapp nicht fotorealistisch ist.

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Im Falle James Deans hingegen wurde der Schauspieler «verpflichtet», weil es auf dem ganzen Planeten keinen anderen geben soll, der besser geeignet wäre und noch lebt.

Aber es wird noch verreckter.

Die Filmemacher und CMG Worldwide – die Agentur, welche die Bildrechte James Deans für dessen Familie verwaltet – hoffen nun, dass sie die CGI-Technologie bald auch bei anderen bekannten Persönlichkeiten einsetzen dürfen.

Mark Roesler, CEO von CMG Worldwide:

Der Film eröffnet vielen unserer Kunden, die nicht mehr bei uns sind, eine ganz neue Chance!

Zu CMG Worldwides Kunden gehören mehr als 1700 Persönlichkeiten aus der Unterhaltungsbranche, dem Sport und der Musikbranche. Darunter Burt Reynolds, Christopher Reeve, Ingrid Bergman, Neil Armstrong und Jack Lemmon.

Regisseur Anton Ernst fügt noch hinzu:

Unsere Partner in Südafrika sind sehr erfreut. Die Technologie könnte überall eingesetzt werden. Etwa, um historische Ikonen wie Nelson Mandela nachzustellen. So könnten wir neue Geschichten von Bedeutung für das kulturelle Erbe Südafrikas erzählen.

Ich bin wohl nicht mit genug Mittelfingern zur Welt gekommen, um zum Ausdruck zu bringen, was ich von der ganzen Sache halte. R.I.P. war einmal. Wie siehst du das?

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Luca Fontana
Luca Fontana
Editor, Zürich
Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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