«Twist Soap» denkt feste Seife neu

«Twist Soap» denkt feste Seife neu

Pia Seidel
Pia Seidel
Zürich, am 25.06.2020
Dass eine feste Seife auf Reisen in der Dose im Wasser schwimmt, hat bald ein Ende. Der Seifenspender von der Schweizerin Martina Borsoi ist nicht nur der Gegenentwurf zu in Plastik verpackter Kosmetik, sondern auch ein mobiler Begleiter.

Eigentlich hätte die Abschlussarbeit der ZHdK-Studentin Martina Borsoi in Marokko entstehen sollen. Anfangs Semester wird die Reise jedoch wegen COVID-19 abgesagt. Der Aufenthalt war als Teil eines Austauschprogrammes des Bachelor-Studiengangs «Trends und Identity» gedacht. Trotzdem hält Martina an ihrer ursprünglichen Idee fest und entwickelt sie weiter. Da sie auch in Zeiten der Corona-Krise nicht darauf verzichten möchte, feste Seife zu verwenden, entwirft sie ein praktisches System für unterwegs. Ich treffe die Absolventin in einem Zürcher Café, wo sie mir erklärt, was ihre «Twist Soap» anders macht.

Was steckt hinter der Soap-to-go?
Martina Borsoi: Die Twist Soap ist eine feste Naturseife, die du von Kopf bis Fuss verwenden kannst. Sie lässt sich mit dem passenden Seifenspender und einer Drehung portionieren.

Wie bist du auf die Idee gekommen?
Ich benutze schon lange feste Seifen, hatte aber vorher keine Naturseife, die für jeden Zweck taugte. Meinen Plastikverbrauch habe ich zwar reduziert, aber ich konnte keinen Seifenspender finden, der feste Seife erst bei Gebrauch portioniert. Als während der Corona-Krise der Aufruf vom BAG kam, dass man, wann immer möglich Flüssigseife benutzen sollte, wollte ich dort ansetzen. Es muss doch irgendwie möglich sein, einen Seifenspender zu entwickeln, der die hygienische Verwendung fester Seifen erlaubt.

Keine Rückschritte in Sachen Nachhaltigkeit: Martina Borsois Prototyp bietet die Möglichkeit, Seife bei Bedarf zu portionieren.
Keine Rückschritte in Sachen Nachhaltigkeit: Martina Borsois Prototyp bietet die Möglichkeit, Seife bei Bedarf zu portionieren.

Wie setzt sich die Seife zusammen?
Die Basis meiner Naturseife besteht aus Wasser, Natronlauge sowie pflanzlichen Ölen und Fetten. Da ich aufgrund der Einschränkungen in der Corona-Krise lokal denken musste und in Flims lebe, stiess ich auf den Caumasee. Der Bergsee wird oft als Heilquelle bezeichnet. In Mythen wurde sein Wasser für das Lindern verschiedener Hautprobleme, Ausschläge und Augenbeschwerden verwendet.

Wonach duftet die Seife?
Da Wasser allein nach nichts riecht, hatte ich die Idee, ätherische Öle aus den Hölzern des Waldes zu machen, der um den See herum verläuft. Die ätherischen Öle der Cauma-Edition gestaltete ich mit Fichtennadeln, Weisstannen und ein wenig Arve.

Durch das Drehen lässt sich die feste Seife raspeln. Bild: Martina Borsoi
Durch das Drehen lässt sich die feste Seife raspeln. Bild: Martina Borsoi

Wie ist das Design entstanden?
Zuerst machte ich viele Skizzen. Vor allem wegen der Funktion und um herauszufinden, welche Drehmechanismen es gibt oder wie eine Raspel funktionieren kann. Ich bin keine Industriedesignerin, habe mich aber schon immer ein wenig in diesem Bereich bewegt. Mit den Skizzen ging ich zu einem Schreiner aus Flims und erstellte mit ihm verschiedene Prototypen. Ich wollte weg von der normalen eckigen Form. Ausserdem musste es für unterwegs und den Versand eine platzsparende und stapelbare Lösung sein. Zudem sollte das Design genderneutral sein. Etwas Unaufgeregtes mit einem Twist.

Wie funktioniert der Seifenspender?
Im Innern der zylinderförmigen Hülle gibt es zwei Mechanismen: Den Drehmechanismus, der die Seife wie ein Lift nach unten zu der Raspel führt sowie die Raspel zum Portionieren des Seifenkerns. Wenn die Seifenpatrone aufgebracht ist, kann eine neue eingesetzt werden.

Falls es rutschig wird, sorgen der Griff sowie drei goldene Noppen am Spender für Griffigkeit. Bild: Martina Borsoi
Falls es rutschig wird, sorgen der Griff sowie drei goldene Noppen am Spender für Griffigkeit. Bild: Martina Borsoi

Aus welchen Materialien besteht der mobile Seifenspender?
Da ich lokal denken musste, stiess ich auf eine heimische Buche. Sie hat den Vorteil, dass sie von Natur aus feinporig und wasserabweisend ist. Neben Holz besteht die Twist Soap aus bearbeiteten, messingfarbenen Chromstahl.

Hast du noch andere Materialien getestet?
Ich kam ziemlich schnell auf Holz, auf dem sich Bakterien im Vergleich zu Plastikoberflächen weniger lang halten. Auch Chromstahl, das oft für Besteck verwendet wird, schien mir die optimale Wahl für die goldenen Details zu sein, weil es nicht rostet.

Die Naturseife hat Martina in der eigenen Küche unter den Sicherheitsvorkehrungen selber hergestellt. Bild: Martina Borsoi
Die Naturseife hat Martina in der eigenen Küche unter den Sicherheitsvorkehrungen selber hergestellt. Bild: Martina Borsoi

Wie erklärst du dir, dass ein Seifenspenderkonzept für feste Seifen nicht bereits auf dem Markt ist?
Bei meinen Recherchen stiess ich auf ein ähnliches Prinzip, das in den alten Zügen und Toiletten der SBB zu finden war. Du konntest am Spender drehen und hattest die Seife in Pulverform griffbereit. Ich glaube allerdings, dass die Seife im Behältnis bereits vorab zu Pulver verarbeitet worden ist und nicht fest war. Dieses Prinzip wollte ich deshalb anders und besser umsetzen. Mein fester Seifenkern lässt sich frisch raspeln, damit nichts in der Dusche verklebt.

Wie bist du vorgegangen, um die Seife herzustellen?
Zu Beginn wusste ich nicht, wie man Seife macht. Darum suchte ich nach Kontakten und landete bei einer Apothekerin, die mir ihre Grundrezepte beibrachte. Sie zeigte mir auch, wie ich einen holzigen und warmen Geruch gestalte. Per Zoom entwickelten wir das Rezept, die Zutaten kaufte ich aus einer Bio-Drogerie und stellte die Seife im Anschluss in meiner Küche her.

Jede Grösse – 20 g für den Alltag, 50 g für Reisen und 100 g für Zuhause – besitzt die passende Aufhängung. Bild: Martina Borsoi
Jede Grösse – 20 g für den Alltag, 50 g für Reisen und 100 g für Zuhause – besitzt die passende Aufhängung. Bild: Martina Borsoi

Wie geht es für dich mit dem Diplom in der Tasche und der Twist Soap weiter?
Ich will das Produkt auf den Markt bringen. Ich verorte es in nachhaltigen Concept Stores und habe bereits positive Rückmeldungen erhalten. Das gibt mir Kraft, weiterzumachen. Ich teste weiterhin, was am Produkt noch verbessert werden kann. Das Seifenrezept würde ich später gerne einer Produktion weitergeben und anschliessend die Produktlinie erweitern. Die Cauma-Edition ist erst der Anfang.

Bis Martina die Twist Soap in grösseren Mengen produzieren kann, ist ihr Design von der ZHdK geschützt. In der Zwischenzeit kannst du der Jungdesignerin auf ihrem Instagram-Account folgen und erfährst dort, wann die Soap-to-go erhältlich ist.

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Pia Seidel
Pia Seidel
Senior Editor, Zürich

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres. – Albert Einstein


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