UNO Pride: Nur Pinkwashing oder steckt mehr dahinter?
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UNO Pride: Nur Pinkwashing oder steckt mehr dahinter?

Ramon Schneider
Ramon Schneider
Zürich, am 09.06.2021
Es ist «Pride-Month» und gefühlt jedes zweite Unternehmen verpasst seinen Produkten ein Regenbogen-Makeover. So auch Mattel mit der neuen UNO-Sonderausgabe «Play with Pride». Alles nur Geldmacherei?

Jedes Jahr findet im Juni die «Pride» statt. Ein Monat, in dem sich die LGBTQIA+-Community um mehr Toleranz und Vielfalt in der Gesellschaft bemüht und auf noch immer bestehende Ungerechtigkeiten und Probleme aufmerksam macht. In den vergangenen Jahren haben auch die Marketingabteilungen von grossen Herstellern bemerkt, dass sich zu dieser Zeit praktisch alles verkauft, was im Regenbogengewand daherkommt. Nutzen diese Unternehmen nur die Gunst der Stunde aus, um ein paar Scheine mehr in die Kassen zu spülen oder zeigen sie damit tatsächlich Haltung und unterstützen die LGBTQIA+-Community?

Predigen Firmen gegen aussen hin eine offene und tolerante Kultur, leben diese aber intern nicht aus, verkommt der Regenbogen zu einem oberflächlichen Marketinginstrument. Das nennt sich Pinkwashing. Das Firmenlogo oder die Produkte in den Spektralfarben zu zeigen, sagt noch nichts über das Engagement einer Firma in der LGBTQIA+-Community aus. Um herauszufinden, ob ein Unternehmen nur Geld verdienen will und Pinkwashing betreibt, muss man genauer hinsehen. Genau das möchte ich tun, und zwar mit der neuen Sonderausgabe des weltweit beliebtesten Kartenspiels «UNO Play with Pride».

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Betreibt Mattel Pinkwashing?

Schaust du dir die Verpackung vom neuen UNO genauer an, entdeckst du oben links den Schriftzug «In Partnership with It Gets Better Project». Das «It Gets Better Project» ist eine NGO, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, lesbische, schwule, bisexuelle, transgender und queere (LGBTQIA+) Jugendliche rund um den Globus zu unterstützen, zu stärken und zu verbinden.

Doch wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Mattel und der NGO genau aus? Auf Anfrage hat mir Mattel geschrieben, dass sie die Mission von «It Gets Better Project» unterstützen und ihnen als Teil dieser Partnerschaft eine Spende von 50’000 US-Dollar zukommen liessen. Weiter helfen sie der NGO bei der Organisation ihres Digital Pride Festivals (23. bis 24. Juni 2021), indem sie unter anderem Geschichten daraus auf ihren Social-Media-Kanälen teilen.

Wie sieht Mattel als Arbeitgeber aus?

Ein weiterer, aber fast noch wichtigerer Punkt ist, wie sich ein Unternehmen als Arbeitgeber:in für die Gleichberechtigung, Inklusion und Selbstbestimmung ihrer Arbeitnehmer:innen einsetzt. Noch vor ein paar Monaten stand Mattel den Anschuldigungen gegenüber, dass in ihrer Barbie-Fabrik in China Frauen sexuell belästigt wurden.

*Sexuelle Belästigung** bei Barbie
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Sexuelle Belästigung bei Barbie

Laut einer Pressemitteilung von Mattel versucht das Unternehmen einen vielfältigen, gerechten und inklusiven Arbeitsplatz anzubieten. Dafür haben sie bereits weltweit eine 100-prozentige Lohngleichheit für alle Mitarbeitenden, die ähnliche Arbeit verrichten, eingeführt. Zudem wollen sie den Anteil an Frauen und ethnisch gemischten Mitarbeitenden auf allen Ebenen der Organisation erhöhen. Aktuell stellen die Frauen mit 58 Prozent bereits die Mehrheit im Unternehmen und 42 Prozent ihrer Belegschaft sind von unterschiedlicher ethnischer Herkunft. 2021 hat Mattel bereits zum zweiten Mal in Folge die volle Punktzahl beim Corporate Equality Index von der Human Rights Campaign, eine der grössten LGBTQIA+-Organisationen in den Vereinigten Staaten, erreicht. Darin werden Unternehmen unabhängig durchleuchtet und auf ihre inklusive Kultur und soziale Verantwortung überprüft.

Obwohl der Vorfall in der chinesischen Barbie-Fabrik noch immer im Raum steht, scheint Mattel ein modernes Unternehmen zu sein, das sich um das Wohl ihrer Mitarbeitenden bemüht.

Vorbild für andere Unternehmen

Als ich von der neuen Sonderedition «UNO Play with Pride» hörte, war ich zuerst skeptisch. Zu oft schon wurden bei Produkten einen Regenbogen aufgemalt, um lediglich den Absatz zu steigern. Bei grossen Firmen solltest du dich daher immer gut informieren, was oder wen du mit deinem Kauf unterstützt. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen und bei Unklarheiten nachzufragen. Mattel hat mich in diesem Fall positiv überrascht. Sie unterstützen nicht nur LGBTQIA+-Organisationen, sondern kümmern sich auch intern um Gleichberechtigung und Inklusion ihrer Mitarbeitenden. Davon können sich manch andere Unternehmen eine Scheibe abschneiden.

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Ramon Schneider
Ramon Schneider

Junior Editor, Zürich

Bezahlt werde ich dafür, von früh bis spät mit Spielwaren Humbug zu betreiben.

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