
Hintergrund
Haustiere: Für jedes Alter gibt es ideale Begleiter
von Janina Lebiszczak

Haustiere bedeuten immer auch Arbeit. Wenn du Mitbewohner suchst, die keine grossen Ansprüche haben, wenig Platz brauchen und sich grösstenteils selbst versorgen – warum keine Ratten?
Hunde, Katzen und Vögel – das sind die Haustiere, die unsere Redaktorinnen und Redaktoren haben. Dank der Beiträge hier im Magazin weisst du, wie viel Arbeit so ein Tier bedeutet und welche Produkte du dafür bei uns kaufen musst, vom Katzenklo bis zum Hundespielzeug.
Ich habe selbst kein Haustier und eigentlich auch nicht vor, mir eines zuzulegen. Ich wüsste nicht, wann ich mit einem Hund Gassi gehen sollte. Von einer Katze mag ich mich nicht besitzen lassen. Und die Erinnerungen an die Kaninchen, die ich als Kind hatte, haben vor allem viel mit dem Reinigen des stinkenden Käfigs zu tun.
Trotzdem kommt das Thema gelegentlich auf, wenn unsere elfjährige Tochter den Wunsch nach einem Haustier verspürt. Für mich käme – wenn überhaupt – nur ein Haustier in Frage, das platzsparend, pflegeleicht und anspruchslos ist. Denn ich weiss: Die Arbeit würde am Ende grösstenteils an meiner Frau und mir hängenbleiben.
Unterhaltsam dürfte ein allfälliger Mitbewohner natürlich schon sein, wäre er zudem kuschelig, fände Frau Tochter das gut. Gibt es so eine eierlegende Wollmilch-Haustier-Sau überhaupt?
Ich frage Susy Utzinger. Sie ist Geschäftsführerin der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz (SUST) und Expertin für Fragen rund ums Haustier. Bevor ich mit ihr meine Liste mit potenziellen Kandidaten durchgehen kann, stellt sie die entscheidenden Fragen, die vor der Anschaffung eines Haustiers immer gestellt werden sollten:
Antworten auf die erste Frage habe ich schon gegeben. Bei Frage 2 wird es kniffliger, deshalb hilft die Expertin und geht mit mir eine Liste von Tieren durch, die ich vorbereitet habe. Am Ende landen wir bei einem Tier, das ich so nicht auf der Liste hatte. Es ist auch keines, das in der neuesten Galaxus-Umfrage eine Rolle gespielt hat.
Grundsätzlich, so erklärt mir Susy Utzinger, kann ich als Mensch zu einer Echse keine soziale Beziehung aufbauen. Den Tieren fehlt für komplexe Gefühle wie Freude oder Zuneigung die nötige physische Voraussetzung, nämlich das limbische System. Bestenfalls lernt ein solches Reptil, dass du keine Gefahr bist. Dann läuft es nicht weg, sondern akzeptiert dich als einen verlässlichen Futterlieferanten.
Wer sich eine Echse hält, hat vor allem eine schöne Freizeitbeschäftigung, die auch darin besteht, das Terrarium auszugestalten. Dazu sei jedoch Fachwissen nötig, denn gerade Anfängerinnen und Anfänger könnten nur schwer einschätzen, wie wohl sich das Tier fühle, so Susy Utzinger. Sie sagt:
«Reptilien leiden vor allem still. Wir Menschen merken – anders als bei Hunden und Katzen – nicht, wenn es einem Reptil schlecht geht.»

Leopardgecko und Bartagame, genauso wie die kleinere Schmuckhornagame, sind am ehesten geeignet, wenn du mit der Haltung von Reptilien beginnen willst. Beim nachtaktiven Leopardgecko genügt ein relativ kleines Terrarium, zum Beispiel mit 80 x 40 x 40 Zentimetern. Für Bartagamen sind dagegen Terrarien mit mindestens 120 x 60 x 60 Zentimetern empfohlen. Diese führen wir derzeit nicht im Shop.
Nicht unterschätzen solltest du die Betriebskosten, wenn du ein Reptil hältst. Sie fressen dir zwar nicht die Haare vom Kopf, aber ihr Terrarium muss immer schön warm gehalten werden. Den Verbrauch spezieller Lampen wirst du auf der Stromrechnung bemerken. Und so eine Echse kann alt werden. Der Leopardgecko lebt in einem Terrarium gerne mal 15 Jahre.
Fische schaffen es in manchen Ländern auf den Podestplatz der beliebtesten Haustiere. Wenn sie so in ihrem Aquarium herumschwimmen, wirken sie friedlich und anspruchslos, ausserdem leuchten sie schön. Doch es braucht viel Wissen, ein Aquarium in Schuss zu halten – von Wasserqualität über Temperatur und Filterleistung bis hin zur Frage, wer mit wem kann in so einer künstlichen Fauna.
«Fische sind keine Deko, sondern empfindliche Lebewesen», sagt mir Susy Utzinger. Viele Menschen unterschätzten, wie sehr Stress, falsches Futter oder ein zu kleines Becken die Tiere belasten können. Ähnlich wie bei den Reptilien gelte:
«Ein Fisch mit Schmerzen zieht sich zurück, frisst weniger – und wir bemerken es oft erst, wenn es zu spät ist.»

Für den Start mit einem Aquarium eignen sich robuste Arten wie Guppys, Platys oder Zebrabärblinge. Sie verzeihen Fehler eher und sind friedlich im Umgang miteinander.
Auch bei Fischen fallen laufende Kosten an: Filter, Heizung und Beleuchtung laufen täglich, Futter und Wassertests kommen hinzu.
Die wichtigste Frage lautet hier: Ist das Tier tag- oder nachtaktiv? Wer mit dem Haustier spielen will, für den kommen Kaninchen oder Meerschweinchen in Frage. Wie wir Menschen schlafen sie nachts und sind am Tag aktiv. Hamster oder auch Chinchillas mögen die Dämmerung und Nacht. Wer sie tagsüber weckt, tut ihnen keinen Gefallen.
Bei den tagaktiven Kaninchen sollte genügend Auslauf vorhanden sein, und zwar draussen im Garten. Zum Kuscheln eignen sie sich prinzipiell weniger, weil sie Fluchttiere sind. Auch wenn es vielleicht so aussieht, ein Chüngel fühlt sich nicht wohl auf dem Arm eines Kindes und lässt sich mit Wonne streicheln. Das Tier ist eher in einer Art Angststarre.

Bei Meerschweinchen verhält es sich ähnlich. Werden sie hochgenommen und gestreichelt, nehmen sie das als Bedrohung wahr. Am liebsten würden sie sich dann in eine Höhle zurückziehen und dort verstecken, bis die Gefahr vorbei ist.
Susy Utzinger sagt, dass es kein Kleintier gibt, dass man guten Gewissens in einem kleinen Käfig halten kann. Hamster, Kaninchen und Meerschwein brauchen Platz, Auslauf und Spielmöglichkeiten. Für einen Hamster sieht die Tierschutzverordnung gerade einmal 0.18 Quadratmeter Platz vor, das ist ein Käfig mit der Grundfläche von 60 mal 30 Zentimeter, wie hier zu sehen.
Tierschutzorganisationen empfehlen dagegen mindestens einen Quadratmeter, mehr als das Fünffache. Für Kaninchen im Freien haben wir passende Gehege im Sortiment, wie zum Beispiel diese Maisonette-Appartements.
Alle bisher genannten Tiere haben einen Nachteil: Sie können keine «echte» Beziehung zu Menschen aufbauen. Anders als Ratten. Sie gehören zu den intelligentesten Kleintieren, verstehen ihren Namen und können Tricks lernen. Sie sind fähig, eine Bindung zu «ihrem» Menschen zu entwickeln. Jedes Tier hat zudem einen eigenen Charakter, ist zum Beispiel eher verspielt oder schüchtern.
Ratten sind extrem soziale Tiere, Halterinnen und Halter berichten, dass sie die menschliche Gesellschaft suchen und geradezu geniessen. Sie suchen den Kontakt, spielen gerne und zeigen Zuneigung. Sie klettern zum Beispiel in den Ärmel deines Hoodies. Oder sie knabbern sanft an deinen Fingerspitzen, so wie das unter Rattenfreunden üblich ist.
Geht es Ratten gut, weil sie Freude an kleinen Spielen haben, kannst du es den Tieren ansehen. Dann knirschen sie leicht mit den Zähnen, ihre Augen vibrieren dabei, in der Fachsprache «Boggling» genannt. Was auf den ersten Blick seltsam aussieht, kannst du dir als das Ratten-Äquivalent zum Schnurren einer Katze vorstellen.

Ratten dürfen nicht alleine gehalten werden, sie brauchen Artgenossen um sich. Ideal sind zwei oder drei Ratten, am besten gleichgeschlechtlich. Oder Weibchen mit einem kastrierten Bock (ja, so heisst die männliche Ratte). Beim Käfig für Ratten sind die 0,5 Quadratmeter gemäss Schweizer Tierschutzverordnung das Mindeste. Mehr ist besser, sagen Tierschutzorganisationen oder zum Beispiel auch der Verein der Rattenliebhaber und -halter in Deutschland. Die Mitglieder geben auf ihrer Website wichtige Tipps zum Rattenheim.
Susy Utzinger hat mich im Gespräch fast so weit, dass ich mir ernsthaft eine kleine Bande Ratten als Haustier vorstellen könnte. Nur gibt es natürlich auch hier einen Haken: Ratten ist nur ein kurzes Leben beschieden. Mit zwei oder spätestens drei Jahren sterben sie. Uff. Ich sehe mich schon kleine Gräber im Garten für die verstorbenen Ratten ausheben.
Ich versuche meine Ratten-Annäherung erst einmal auf literarischem Weg.
Hast du Erfahrungen mit Ratten oder anderen Haustieren aus meinem Beitrag? Teile sie mit der Community. Vielleicht hilfst du ja damit jemandem bei der Entscheidungsfindung.
Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.
Praktische Lösungen für alltägliche Fragen zu Technik, Haushaltstricks und vieles mehr.
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