

Volltreffer: Diese Lego-Alternative von Mattel braucht keinen Vergleich zu scheuen
Beim Blick auf die Pressebilder des Modells eines Mercedes 300 SL habe ich mich regelrecht schockverliebt. Jetzt muss das Set nur noch halten, was die Bilder versprechen.
Mit seinen markanten Flügeltüren war der Mercedes 300 SL einer der ersten Supersportwagen überhaupt. Er verfügte als erstes Serienfahrzeug über eine Direkteinspritzung und war 1954 mit einer Höchstgeschwindigkeit von 260 km/h technologisch seiner Zeit voraus. Seine zeitlose Formgebung macht den Wagen zu einem der weltweit begehrtesten Oldtimer.
Der kleine Verwandte im Maßstab 1:10 ist mit 1600 Teilen etwas für fortgeschrittene Klemmbausteinfans. Entsprechend liegt die Altersempfehlung von Mattel auch bei 17 Jahren.
Ein Unterschied zu anderen Herstellern zeigt sich schon beim ersten Blick: Mattel liefert seinen Modellen ein Hot-Wheels-Modell des gleichen Fahrzeugs mit. Diese Zugabe ist auch nicht im freien Handel erhältlich.
Im Karton stecken 28 nummerierte Tüten und eine 330 Seiten starke Anleitung. Aus ihr fällt eine kleine Folie mit Aufklebern heraus. Die überrascht mich, weil Mattel eigentlich Werbung dafür macht, dass die Steine bedruckt sein sollen. Im Blister des Kartons finde ich dann noch Metallteile wie den Mercedes-Stern sowie vier Radkappen. Und damit geht's ans Bauen.
Die ersten Schritte
Der erste Bauabschnitt umfasst zwei Tüten. Ich komme zügig damit voran, dank der eindeutigen Abbildungen der Anleitung. Die Steine fühlen sich wertig an und haben eine gute Klemmkraft. Mir fällt allerdings auf, dass sie teilweise etwas stumpf wirken. Interessanterweise kann ich diesen leichten Schleier bei einigen Steinen wegwischen, bei anderen nicht. Bei den meisten Steinen sind auch die Reste von Angussmarken sichtbar. Sie sind aber nicht fühlbar und beeinträchtigen den Bau ebenfalls nicht. Somit stört mich diese kleine Unschönheit nicht.

Am Ende des ersten Abschnitts behalte ich eine Handvoll Steine zurück. Darüber schweigt sich die Anleitung aus. Es sind Kleinteile, die ich für Verbindungen benötige. Genau die Dinger, die auch schnell beim Öffnen einer Tüte auf dem Teppich landen und schwer zu finden sind. Ich gehe also davon aus, dass Mattel damit Mindermengen verhindern will. Das finde ich gut.
Huch, was ist das?
Im zweiten Abschnitt zeigt sich eine Besonderheit im Vergleich zu Lego: Ich muss die ersten «temporären Steine» einsetzen. Die signalorangefarbenen Steine sitzen an der Unterseite des Modells und stützen die Konstruktion während des Baus.
Der Fahrzeugrahmen besteht aus drei zusammengesteckten Elementen. Wenn ich auf der Oberseite Steine fester andrücken muss, verhindern die temporären Elemente, dass sich die Verbindung darunter wieder löst. Das habe ich so noch bei keinem anderen Hersteller erlebt. Finde ich clever und gut durchdacht.

Eine schlechte Nachricht habe ich allerdings: Auch bei Mattel finden sich zahlreiche bunte Steine, genau jene «Farbpest», die bei vielen Klemmbaustein-Enthusiasten so verhasst ist. Sogar «schweinchenrosa» ist dabei. Mich stört das allerdings nicht, im Gegenteil: Die Farben beschleunigen den Bau, weil ich die Teile schneller finde und nicht erst mühsam nach Größe sortieren muss.
Das dürfte allen, die mit Klemmbausteinen hantieren, schon passiert sein: Einmal nicht aufgepasst und mit zu viel Kraft gedrückt und schon lässt sich ein Fehler nur noch mühsam korrigieren. Deshalb legen die Hersteller meist ein «Spezialwerkzeug» bei.
Das von Mattel bietet gleich mehrere Ansatzpunkte. Ich kann damit nicht nur zwei Steine auseinanderhebeln, sondern auch Röhrenverbindungen lösen. Ein Ende erinnert sogar an einen Kapselheber. Ein kurzer Blick in die Anleitung zeigt: Dieses Ende brauche ich später, falls ich die Radkappen wechseln möchte. Das Tool gefällt mir und tut auch seinen Dienst. Nur mit den Fingernägeln war das Lösen der Radkappen doch etwas fummelig.
Da seid ihr ja endlich!
Nach einer guten Stunde stecke ich im vierten Bauabschnitt – und da tauchen sie endlich auf: die ersten bedruckten Steine. Im Original sind das verchromte Schriftzüge und der obligatorische Stern auf dem Kofferraumdeckel.
Ich bin froh, dass die Steine bedruckt sind. Meine Erfahrungen mit Lego sagen mir nämlich, dass es sonst ein echtes Gefummel gegeben hätte, gleich große Aufkleber so auf den Stein zu kleben, dass er gerade ausgerichtet ist. Genau das nervt mich an den Sets von Lego immer.

Meine Sammlung an überzähligen Steinen vergrößert sich weiter. Mattel scheint es wirklich gut zu meinen.
Viele schöne Details
Der weitere Bau verläuft genauso strukturiert wie die ersten Abschnitte. Es wackelt nichts, alles passt. Die Spaltmaße sind mit Lego vergleichbar. Das Zusammensetzen der Steine macht viel Spaß und die Größe der Arbeitspakete ist aus meiner Sicht gut gewählt. Es gibt keine Ausreißer nach oben oder unten.
Meine Motivation bleibt hoch. Immer wieder entdecke ich Dinge mit einem «Hach»-Faktor. Ob es nun die (selbstverständlich) bedruckten Armaturen im Cockpit sind, die Haltegurte für das Gepäck, Kabel für die Zündung oder der Hebel, um die Motorhaube vom Innenraum aus anzuheben. Und dann sind da ja auch noch der Innen- und Außenspiegel aus Metall und die profilierten Reifen aus Gummi.

Mit jedem Abschnitt wird das Modell natürlich schwerer. Und beim Zusammensetzen der Karosserie bewähren sich die temporären Steine an der Unterseite. Ich will vermeiden, dass später etwas wackelt oder sich ein Teil löst. Deswegen drücke ich die Teile für die Außenhaut mit etwas mehr Kraft auf das Chassis. Den Druck federn die besonderen Steine an der Unterseite gut ab. Nichts biegt sich, nichts fliegt weg.
Und fertig!
Nach rund zehn Stunden bin ich fertig. Der Mercedes steht vor mir. Der positive Eindruck vom Beginn hat sich fortgesetzt. Ich hatte keine Probleme und alles hat gepasst. Auch die Anleitung hat keine Fragen aufgeworfen.

Übrig sind zwei Tüten mit Steinchen, mit denen ich das Modell zu einem Rennwagen umbauen kann. Das erklärt auch die wenigen Aufkleber, die mich zu Anfang überrascht hatten. Das sind die Startnummern und Sponsorensticker für die Rennausführung. Die Sammlung mit Reservebausteinen ist inzwischen ziemlich umfangreich. Mattel ist in dieser Hinsicht großzügig.

Jetzt baue ich auch endlich die Vitrine für das Hot-Wheels-Auto zusammen. Das hätte ich laut Anleitung nämlich als Erstes tun sollen. Hab ich nicht gemacht. Ich Rebell.
Fazit
Ein Klemmbaustein-Modell der Spitzenklasse
Pro
- hoher Detailgrad
- strukturierter Bau
- gute Klemmkraft der Steine
- Druck statt Sticker
- gedruckte und verständliche Anleitung
- exklusives Hot-Wheels-Modell als Bonus
Contra
- teilweise matter Farbeindruck der Steine

Hamburger, Leseratte, Eishockey-Fan. Papa und Grosspapa. Bastelt ständig an seinem Smarthome herum. Interessiert an DIY, Outdoor, Mode und Kosmetik.
Unsere Expertinnen und Experten testen Produkte und deren Anwendungen. Unabhängig und neutral.
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