Vorsicht, Falle! Schnappschussjagd mit der Minox DTC 550 WiFi
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Vorsicht, Falle! Schnappschussjagd mit der Minox DTC 550 WiFi

Michael Restin
Michael Restin
Zürich, am 15.07.2020
Wer anderen eine Falle stellt, kann selbst Probleme bekommen. Das liegt nicht an der Minox, sondern an der rechtlichen Situation. Die kleine Beobachtungskamera liefert brauchbare Qualität – und Stoff für billige Witze.

Mein Jagdinstinkt ist definitiv geweckt. Es ist ein fast schon verloren gegangenes Gefühl, nicht zu wissen, was ich fotografiert habe. Und wie früher bei den frisch entwickelten Urlaubsfotos, sind auch bei der Minox mindestens 70 Prozent Mist. Die Fotofalle löst noch gnadenloser aus, als ich es auf Schulreisen oder an Mittelmeerstränden getan habe. Ohne Rücksicht auf Ausdruck und Ästhetik. Kein Wunder: Statt eines Farbfilms hat sie eine SD-Karte im Speicherslot. Sobald sich etwas in ihrem Wirkungsbereich bewegt, macht es nicht einmal «Klick». Die Opfer werden mit einer Auslöseverzögerung von 0,4 Sekunden und Schwarzlichtblitz unbemerkt abgeschossen, bei Tag und Nacht. Das sorgt für verstörende Fotos und Videos.

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Siehst du das Problem – abgesehen von meinem Gesichtsausdruck? Im öffentlichen Raum Fotofallen aufzustellen, findet der Gesetzgeber nicht wirklich cool. Genau wie der österreichische Politiker, der vor ein paar Jahren zur Freude der Boulevardblätter mit der falschen Frau im Wald erwischt wurde. Und wie der andere österreichische Politiker, der zur Freude der Boulevardblätter mit der falschen Frau im Wald erwischt wurde. Und wie der andere österreichische Politiker, der auf Ibiza... lassen wir das. Felix Austria.

«Wildkameras, auch Fotofallen genannt, sind vergleichbar mit Webcams und gemäss Datenschutzgesetz (DSG) in der Regel nicht zulässig. Privatpersonen dürfen auf öffentlichem Grund keine Video- oder Fotoüberwachung betreiben.»
Auszug aus dem Merkblatt von jagdschweiz.ch

Hmmm. Ähnlich wie bei einem Hoverboard, handelt es sich bei der Minox um ein Spielzeug, mit dem du offiziell fast nirgends spielen darfst. Es sei denn, du überzeugst die zuständigen Behörden von deinem Projekt. Oder natürlich auf Privatgrund, wo niemand versehentlich gesehen werden kann. Da mein Privatwald gerade neu aufgeforstet wird, muss ich auf den Garten ausweichen. Vielleicht kann ich wenigstens die Katze, die ihn für eine riesige Freiluft-Toilette hält, auf frischer Tat ertappen. Da die Kamera nur vor Spritzwasser geschützt ist (IP54), verberge ich sie unauffällig. Nicht aus Angst vor Katzenurin. Wer weiss, ob sie anhaltenden Regen überlebt.

Stilecht getarnt und mit einem Vorhängeschloss geschützt. Die Daten sind sicher!
Stilecht getarnt und mit einem Vorhängeschloss geschützt. Die Daten sind sicher!

Mehr Batterien als ein Gameboy

Befestigungsmöglichkeiten gibt es reichlich. Ausser dem Stativgewinde an der Unterseite findest du ein weiteres an der Rückseite. Eine Wandhalterung und ein Spanngurt für Baumstämme gehören ebenfalls zum Lieferumfang. In Batterien musst du allerdings extra investieren, ganze acht AA-Zellen schluckt das Fach. Das sind doppelt so viele wie der Ur-Gameboy, an den mich die Minox entfernt erinnert. Sie soll damit bis zu sechs Monate lang durchhalten. Meine Batterien sind nach einigen Nächten im Einsatz noch bei 90 bis 95 Prozent. Alternativ kannst du an der Unterseite ein Netzteil anschliessen (6V/2A).

Alternativlos ist meiner Meinung nach die Konfiguration über die App (iOS/Android). Auf dem kleinen 2.4-Zoll-Farbmonitor, der sich im Inneren verbirgt, macht das über die fummeligen und laut klackenden Hartplastik-Buttons wenig Freude. Noch dazu schaltet er sich nach einer mir unverständlichen Logik regelmässig ein und aus. Am Handy, mit dem du dich im Umkreis von 10 Metern über Bluetooth und WLAN verbinden kannst, geht das komfortabler. Bei mir allerdings nicht immer auf Anhieb. Manchmal brauche ich mehrere Versuche, bis die Verbindung steht. Dann ist die Bedienung sehr übersichtlich.

Das Innenleben: Batteriefach, SD-Slot, USB-Anschluss, das Display und ein paar Buttons.
Das Innenleben: Batteriefach, SD-Slot, USB-Anschluss, das Display und ein paar Buttons.

Du kannst wählen, mit welcher Verzögerung die Kamera auslösen soll und ob sie Fotos, Videos oder beides gleichzeitig macht. Die Videolänge lässt sich zwischen 10 und 180 Sekunden mit einer Auflösung von maximal 1920x1080/30fps einstellen. Bei Fotos liefert der CMOS-Sensor 4 Megapixel (interpoliert bis 16 MP) und höchstens neun Serienbilder. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, eine Intervallaufnahme in bestimmten Zeitabständen zu aktivieren. Das liest sich alles wenig beeindruckend, reicht aber für interessante Schnappschüsse. Dem IR-Blitz, der eine Reichweite von 15 Metern hat, sei dank. Vorausgesetzt, dir läuft ein neugieriges Tier vor die Linse.

Ist das etwa... ein Igel?
Ist das etwa... ein Igel?
Hat sich da etwa... das Gras bewegt?
Hat sich da etwa... das Gras bewegt?

Wildlife im Wohnzimmer

Erste Erkenntnis: Die Nachbarskatze muss nachts nicht raus. Zweite Erkenntnis: Auf den Bär, der sich in der Minox-Beispielgalerie durchs Fenster einer Gartenhütte zwängt, kann ich lange warten. Vermutlich hat ihn jemand geschoben. Dritte Erkenntnis: Um die Funktion zu beurteilen ist es schlussendlich egal, was sich vor der Linse bewegt. Wenn du unbedingt Rehe im Video sehen willst, bitte hier entlang. Ich setzte jetzt auf Laborbedingungen. Wildlife im Wohnzimmer tut es auch.

Dieses 3.8 Meter lange und 1.8 Tonnen schwere Flusspferd befindet sich ungefähr in einem Meter Abstand zur Kamera. Bei einem Meter beginnt der Fokusbereich des Objektivs (7.45 mm/Blende 2.4), das ein Sichtfeld von 46° abdeckt. Der Erfassungswinkel des Bewegungssensors beträgt 40°, die Auslösedistanz bis zu 20 Meter. Überraschend, dass das ganze Tier ins Bild passt. Ebenso überraschend ist für mich die Temperatur von 30 Grad, die im Zeitstempel angezeigt wird. Sie scheint mir in diesem Fall etwas zu hoch zu sein. Abschliessend eine Anmerkung zum Ton: Er rauscht etwas, aber es gibt ihn.

Fazit: So gut und billig wie Witze über Österreich

Spass beiseite: Für den Preis finde ich okay, was die Minox DTC 550 WiFi kann. Sie macht ihren Job und liefert spannende Einblicke, wenn du ein interessantes Beobachtungsrevier hast. Österreich scheint sich da anzubieten. Spass nochmal beiseite: Die rechtliche Lage solltest du im Kopf haben, wenn du dich für diese oder eine andere Wildkamera interessierst. Am getesteten Modell stört mich vor allem, dass es nicht vollständig wetterfest ist. Fix installiert eignet sie sich ansonsten auch zur Überwachung von Gebäuden. Mit der Bild- und Tonqualität kann ich leben und es macht wirklich Spass, die Aufnahmen auszuwerten. Kleine Schwächen bei der Bedienung und die ungenaue Temperaturanzeige verzeihe ich. Vielleicht stimmt sie auch. In freier Wildbahn geht es manchmal eben heisser zu und her als gedacht. Grüsse nach Österreich!

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Michael Restin
Michael Restin

Editor, Zürich

Sportwissenschaftler, Hochleistungspapi und Homeofficer im Dienste Ihrer Majestät der Schildkröte.

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