Während du schläfst: Die KI ist aktiv
Hintergrund

Während du schläfst: Die KI ist aktiv

Das Schlafzimmer als Elektronik-freie Zone? Vielleicht nicht mehr lange – jedenfalls wenn es nach Firmen geht, die in Matratzen und Kopfkissen Technik einbauen. So soll dein Schlaf dank KI besser werden.

Auch vor Kissen und Matratzen macht die technische Revolution nicht halt. Das hat die Consumer Electronic Show, kurz CES, in Las Vegas Anfang des Jahres gezeigt. Insbesondere in Asien stecken in einem Kopfkissen schon länger nicht mehr nur Schaumstoff oder Daunen. Konstruktionen mit kleinen Motoren sollen für die richtige Schlafposition des Kopfes sorgen – und natürlich zeichnen Smartphone-Apps alles auf, von der Anzahl der Atemzüge pro Minute über die Tiefschlafphasen bis hin zum Geräuschpegel.

Das Schnarchen haben verschiedene Hersteller zum Hauptgegner erholsamen Schlafs auserkoren, unter anderem auch die Firma 10minds. Und natürlich den Kampf gegen das Schnarchen als schlagendes Verkaufsargument gewählt. Denn die Rhonchopathie, so der medizinische Fachbegriff, und damit verbunden die Schlafapnoe, sind in Schlafzimmern weit verbreitet. Auch wenn das die Schnarchenden selbst oft nicht wissen.

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Wenn weniger Stress am Tag oder Entspannungsübungen vor dem Einschlafen nicht helfen, soll Technik zu gutem Schlaf verhelfen. 10minds hat dafür das Motion Pillow entwickelt und 2021 auf den Markt gebracht. Dafür haben die Südkoreaner bereits im ersten Jahr sowie auch 2022 und 2023 einen Innovationspreis der CES gewonnen. Auch 2024 gab es einen Preis, den «Best Innovation Award». Ausgezeichnet wurde die Verbindung der Bewegungskissen-Technologie mit einem KI-System. Das überwacht die Bewegungen der schlafenden Person, ausserdem die Geräusche, also auch das Schnarchen.

Für ihr Motion Pillow hat Herstellerin 10minds einen Preis an der CES gewonnen.
Für ihr Motion Pillow hat Herstellerin 10minds einen Preis an der CES gewonnen.
Quelle: 10minds

KI erkennt die Schnarchgefahr

Aus den Daten entstehen für die Künstliche Intelligenz Muster. Zum Beispiel soll sich daraus ableiten lassen, wann ein Mensch zu schnarchen beginnt. Präventiv blasen sich dann die kleinen Airbags im Kissen so auf, dass schon vorher der Kopf quasi zur Umlagerung motiviert wird – und so Schnarchen und damit unruhiger Schlaf gar nicht erst als Problem auftritt. Die Studie eines amerikanischen Schlafforschers hat gezeigt, dass eine seitliche Rotation des Kopfes um 30 Grad hilft, Schnarchen zu verhindern. Dadurch würden sich die Atemwege öffnen.

Damit Motion-Pillow-Nutzende aber nicht vom Lärm der sich aufblasenden Luftsäcke erwachen, hat die Firma eine spezielle Art des Noise Cancelling erfunden.

Ebenfalls «intelligente» Kissen gibt es von Nitetronic. Das Unternehmen ist 2012 in Hamburg gegründet worden. Inzwischen gehört es zur US-Firma Aiworks Global, unter deren Dach sich allerlei weitere smarte Gesundheitsprodukte finden – vom Bürostuhl mit Lendenwirbelheizung bis zur Matratze, die dich massiert, wenn du auf ihr liegst.

Das Anti-Schnarch-Kissen Z6 von Nitetronic funktioniert ähnlich wie das der südkoreanischen Konkurrenz. Unterschiedliche Schichten und sechs unabhängige Luftkissen-Zonen sollen bei einsetzendem Schnarchen den Kopf sanft umlagern können. Auch das Z6 soll sehr leise sein, der Hersteller gibt einen Wert von 28 Dezibel an. Das liegt irgendwo zwischen der Emission, die beim Atmen entsteht und einem sehr leisen Flüstern.

So soll das Nitetronic Z6 funktionieren: Um den Kopf umzulagern, werden die Luftkammern aufgeblasen oder es wird Luft abgelassen.
So soll das Nitetronic Z6 funktionieren: Um den Kopf umzulagern, werden die Luftkammern aufgeblasen oder es wird Luft abgelassen.

Die cleveren Kissen haben ihren Preis

Bei uns im Shop kannst du für ein sehr gutes klassisches Kopfkissen gut und gerne 300 Franken oder Euro und mehr ausgeben. Die vermeintlichen Technologie-Wunder liegen noch einmal deutlich darüber. Nitetronic verlangt im eigenen Shop für sein Z6 über 600 Euro. Für das Motion Pillow werden 700 US-Dollar aufgerufen. Dafür gibt es dann aber nicht nur ein Kissen, sondern auch ein per Schlauchkabel verbundenes Steuerungsgerät. Dieses steht dann auf dem Nachttisch oder neben dem Bett, zeichnet Geräusche auf, verbindet sich mit dem WLAN und liefert den Luftdruck für das Aufblasen der in den Kissen verbauten Luftkammern.

So sieht die smarte Matratze von DeRucci aus: Wer schläft nicht gerne am Strand. Noch spektakulärer aber ist die Technologie unter dem Stoff.
So sieht die smarte Matratze von DeRucci aus: Wer schläft nicht gerne am Strand. Noch spektakulärer aber ist die Technologie unter dem Stoff.
Quelle: DeRucci
Hier der schematische Aufbau der DeRucci-Matratze; auch die Airbags sind zu sehen.
Hier der schematische Aufbau der DeRucci-Matratze; auch die Airbags sind zu sehen.
Quelle: DeRucci

Es geht allerdings noch teurer. So hat das chinesische Unternehmen DeRucci – nicht vom italienischen Namen ablenken lassen – in Las Vegas eine Matratze für über 8000 US-Dollar vorgestellt. Die T11 Pro Smart Mattress enthält 23 AI-Sensoren. Sie steuern in Echtzeit 18 integrierte kleine Airbags in der Matratze. Damit sollst du in jeder Schlafposition optimale Unterstützung bekommen. Ausserdem gibt es Wärme: In der Hightech-Schlafunterlage sind Infrarot-Heizröhren verbaut.

Die neuesten Hightech-Wunder fürs Schlafzimmer haben wir noch nicht im Shop. Wärst du interessiert an diesen Produkten? Welche Technologie findest du spannend? Lass es mich und die Community in den Kommentaren wissen.

Titelfoto: Nitetronic

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Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln. 


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