Deine Daten. Deine Wahl.

Wenn du nur das Nötigste wählst, erfassen wir mit Cookies und ähnlichen Technologien Informationen zu deinem Gerät und deinem Nutzungsverhalten auf unserer Website. Diese brauchen wir, um dir bspw. ein sicheres Login und Basisfunktionen wie den Warenkorb zu ermöglichen.

Wenn du allem zustimmst, können wir diese Daten darüber hinaus nutzen, um dir personalisierte Angebote zu zeigen, unsere Webseite zu verbessern und gezielte Werbung auf unseren und anderen Webseiten oder Apps anzuzeigen. Dazu können bestimmte Daten auch an Dritte und Werbepartner weitergegeben werden.

Shutterstock
Hintergrund

Was eine Zahnfleischentzündung mit deinem Herzen zu tun hat

Anna Sandner
24.2.2026

Entzündungen schaden dem Körper – besonders den Blutgefäßen – so viel steht fest. Da liegt die Vermutung nahe, dass eine chronische Zahnfleischentzündung auf Dauer das Herz-Kreislaufsystem schwächt. Wie du dich schützen kannst und wo der Haken an der logischen Schlussfolgerung liegt.

Gute Mundhygiene lohnt sich doppelt: Sie sorgt für frischen Atem und bewahrt dich vor hohen Zahnarztrechnungen. Aber es gibt noch einen Grund, der im ersten Moment abwegig klingt: Womöglich schützt du mit der Zahnbürste indirekt auch deine Blutgefäße.

Wie es zu der Hypothese kommt? Zahnfleischentzündungen treten in Studien auffällig oft zusammen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf – also mit Krankheiten, die zum Herzinfarkt führen können. Ob schlechte Mundhygiene dabei wirklich der Auslöser für die geschädigten Gefäße ist oder nur ein Begleitsymptom eines ungesunden Lebensstils, beschäftigt die Forschung seit Jahren. Die Antwort ist komplex, für deine Gesundheit jedoch entscheidend.

Parodontitis: Wenn das Fundament wackelt

Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats, also des Gewebes, das deine Zähne im Kiefer verankert – wie das Fundament eines Hauses. Ist es dauerhaft entzündet, wird der Untergrund porös und der Halt nimmt ab. Anders als eine kleine Verletzung, die nach zwei Tagen heilt, ist Parodontitis ein permanenter Schwelbrand in deinem Körper, der das ganze System durchgehend belastet.

Was das Herz mit den Zähnen zu tun hat

Eine Entzündung bleibt selten auf eine Stelle im Körper beschränkt. Bakterien und Entzündungsbotenstoffe aus dem Mund können in die Blutbahn gelangen. Das Problem dabei ist, dass auch Arterienverkalkung (Atherosklerose) ein entzündlicher Prozess ist. Die Sorge der Fachleute: Wer eine chronische Entzündung im Mund ignoriert, befeuert womöglich systemische Prozesse, die auch den Gefäßen schaden.

Der Haken: Wer verursacht was?

Warum empfehlen Fachleute dann nicht einfach Zähneputzen als «Herzinfarkt-Prävention»? Weil zwar klar ist, dass schlechte Mundhygiene und Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufig zusammen auftreten (Korrelation), aber es keinen abschließenden Nachweis dafür gibt, dass Parodontitis die Gefäßkrankheiten tatsächlich auslöst (Kausalität).

Ein Statistik-Klassiker erklärt das Dilemma: An Tagen mit hohem Eiscreme-Verkauf bekommen besonders viele Menschen einen Sonnenbrand. Verursacht das Eis den Sonnenbrand? Natürlich nicht. Beides liegt an der Sonne. Sie ist der gemeinsame Faktor, der sowohl zu mehr Eis-Konsum als auch zu höherer Sonnenbrandgefahr führt. Ähnlich sieht es beim Körper und der Zahnputz-Herzinfarkt-Frage aus: Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes oder Stress wirken wie die Sonne. Sie schaden sowohl dem Zahnfleisch als auch den Blutgefäßen. Wer nur beobachtet, sieht den Zusammenhang, übersieht aber leicht die gemeinsame Ursache dahinter.

Warum Putzen trotzdem die beste Wette ist

Hier endet der Vergleich mit dem Eiscreme-Beispiel allerdings. Denn auch wenn du kein Eis isst, verringert du damit keinesfalls deine Sonnenbrand-Wahrscheinlichkeit. Bei der Zahnhygiene sieht es anders aus: Verhinderst du eine offene Entzündung im Mund, schonst du damit höchstwahrscheinlich auch deine Gefäße.

Deshalb hat die American Heart Association (AHA) vor Kurzem ihr wissenschaftliches Statement aktualisiert. Die Hinweise wiegen inzwischen so schwer, dass man Parodontitis nicht mehr ignorieren kann. Zwar fehlt weiterhin der harte Beweis, dass eine Zahnfleischbehandlung den Herzinfarkt direkt verhindert. Aber eines steht fest: Die Behandlung von Parodontitis senkt nachweislich die systemische Entzündungslast im Körper. Und da Entzündungen Gift für die Gefäße sind, raten die Fachleute dringend dazu, das Risiko im Mund zu minimieren.

Insofern ist die Wette eigentlich recht einfach: Wenn du deine Zähne gut pflegst, gewinnst du in jedem Fall ein gesundes Lächeln und frischen Atem. Und falls die Forschung in ein paar Jahren den Kausalbeweis endgültig liefert, haben dein Herz und deine Gefäße den Bonus schon längst mitgenommen.

Titelbild: Shutterstock

13 Personen gefällt dieser Artikel


User Avatar
User Avatar

Wissenschaftsredakteurin und Biologin. Ich liebe Tiere und bin fasziniert von Pflanzen, ihren Fähigkeiten und allem, was man daraus und damit machen kann. Deswegen ist mein liebster Ort immer draußen – irgendwo in der Natur, gerne in meinem wilden Garten.


Hintergrund

Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

Alle anzeigen

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

  • Ratgeber

    «Am Ende haben Sie mehr Zähne im Mund!»

    von Stephan Lamprecht

  • Ratgeber

    So findest du die elektrische Zahnbürste, die zu dir passt

    von Stefanie Lechthaler

  • Ratgeber

    Auf den Milchzahn gefühlt: Zahnärztin beantwortet die wichtigsten Fragen

    von Katja Fischer

Kommentare

Avatar