Was taugen Heimwerker-Apps?
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Was taugen Heimwerker-Apps?

Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger
Zürich, am 28.10.2021

Soll ich meine Wand streichen? Bohre ich jetzt gleich in eine Stromleitung? Hängt das Bild gerade? Gratis-Apps geloben Antworten auf diese Fragen, haben aber nicht immer die passende Lösung.

Beim Heimwerken tauchen immer wieder Probleme auf. Manchmal sind es die mangelnden Fingerfertigkeiten, manchmal die hohen Kosten und manchmal fehlende Werkzeuge oder Vorstellungskraft. Für den letzten Fall gibt’s allerlei Gratis-Apps, die weiterhelfen sollen. Klingt erst einmal gut, die Frage ist aber, ob sie tatsächlich etwas taugen. Ich habe mir fünf sinnvoll klingende Applikationen heruntergeladen und ausprobiert.

Online-Werkzeugkiste

Wer nicht oft werkt, wird viele hilfreiche Tools nicht zu Hause herumliegen haben. Und für das eine Bild, das die beste Freundin im ersten Lockdown selbst gemalt hat und das nun aus Liebe und schlechtem Gewissen an die Wand soll, lohnt es sich kaum, eine Wasserwaage zu kaufen. Dasselbe gilt für einen Dezibelmesser und die viel zu laute WG-Party im Haus gegenüber. In der App «Werkzeugkiste» findest du diese und weitere Hilfsmittel für die schnelle Überprüfung. Funktioniert tadellos, ersetzt aber die echten Werkzeuge nicht. Ich bin zumindest froh, habe ich eine Wasserwaage, die ich einfach hinstellen kann und die nicht – wie das Handy – gleich umkippt.

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Stromleitungen finden

Die Spitze des Bohrers liegt an der Wand auf. Genau zwischen zwei Körnern des Rauputzes. Eine Hand am Abzug, die andere für mehr Druck hinten am Gehäuse der Bohrmaschine. Nochmal kurz ein kontrollierender Blick, ob die Steckdose wirklich weit genug weg ist und dann drückst du ab. Du bist voller Hoffnung, dass du nicht auf eine Leitung treffen wirst, aber wirklich wissen tust du es nicht.

Hier sollen Apps wie «Magnetfeld & DC Strom Detektor» helfen. Die meisten neueren Smartphones haben einen Magnetfeldsensor, der normalerweise der Navigation dient. Er soll aber auch helfen, Stromleitungen in der Wand zu finden. Die App ist selbsterklärend, du musst bloss auf «Start» drücken und schon zeigt dir die App die magnetische Flussdichte in Mikrotesla. Damit du richtig misst, musst du erst kurz herausfinden, wo am Handy sich der Magnetfeldensor befindet. Fahre mit einem magnetischen Gegenstand, zum Beispiel einem Nagel, am Rücken des Phones entlang, während die Detektor-App läuft. Dort, wo sie am höchsten ausschlägt, liegt der Sensor. Bei mir ist das am oberen Rand. Auf dieser Höhe hältst du dein Handy nun an die zu bohrende Stelle und schaust, was passiert. Bleiben die Mikrotesla unten, ist alles gut. Schnellen sie in die Höhe, sollst du nicht bohren.

Auf Stahl vibriert das Handy wie wild in meiner Hand.
Auf Stahl vibriert das Handy wie wild in meiner Hand.

Soweit die Theorie. In der Praxis läuft das bei mir alles nicht so flüssig. Zwar schlägt die App beim ersten Test im Büro oberhalb von Steckdosen zuverlässig aus, doch bei mir zu Hause tut sich nichts. Entweder sind die Leitungen zu tief in der Wand oder isoliert.

Aber bei meiner Steckdose trotz laufendem Wasserkocher tut sich nichts.
Aber bei meiner Steckdose trotz laufendem Wasserkocher tut sich nichts.

Frag lieber beim Vermieter nach den Plänen oder, wenn du in einem Neubau wohnst, orientiere dich an den Installationszonen. Laut DIN-Norm 18015-3 dürfen Leitungen nur senkrecht im Abstand von 10 bis 30 Zentimetern zu Türen, Fenstern oder Ecken oder waagerecht im Abstand von 15 bis 45 Zentimeter von Boden oder Decke verlegt werden. In der Decke gilt dies übrigens nicht, da darf der kürzeste Weg gewählt werden. Auch in Altbauten besteht die Chance, dass die Leitungen irgendwie verlegt wurden.

Im orangen Bereich besser nicht bohren.
Im orangen Bereich besser nicht bohren.

Raum einrichten

Meine Visualisierungskraft ist übel. Ich muss die Kommode an fünf verschiedene Orte schleppen, um zu wissen, wo sie am besten aussieht. Geht’s dir ähnlich? Oder ziehst du in eine neue Wohnung und willst schon vorher alles perfekt durchgeplant haben? Auch hierfür gibt’s eine App: Room Planner. Dort kannst du einzelne Räume oder gleich die ganze Wohnung einrichten. Du wählst den richtigen Grundriss und kannst dann den Boden, die Wandfarbe und Möbel wählen. In der Gratis-Version hast du nur eingeschränkte Optionen. Deine virtuelle Wohnung schreit eher Ikea als Designklassiker. Aber um sich ein erstes Bild zu machen, reicht das. Hast du Innenarchitektur-Aspirationen, lohnt sich die Pro-Version.

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Endlich ein Arcade-Spiel. Auch solche Dinge kannst du dir ins Wohnzimmer stellen.
Endlich ein Arcade-Spiel. Auch solche Dinge kannst du dir ins Wohnzimmer stellen.

Wände streichen

Mein Freund würde das Wohnzimmer schon seit Ewigkeiten gerne in Petrol, einem dunklen Grünblau, streichen. Ich mag die Farbe sehr, bin aber doch zögerlich, ob das nicht zu krass ist. Aus dem Grund blieb sie bisher weiss. Jetzt habe ich aber eine App gefunden, mit der sich hunderte Farben virtuell an die Wand klatschen lassen. «Color Portfolio» heisst sie und bietet einen Foto- sowie einen Videomodus. Gehe gleich zum Videomodus, der funktioniert viel besser als der Fotomodus, wenn auch hier nicht alle Pixel perfekt koloriert sind. Bei einer Gratis-App vollkommen in Ordnung. Alles, was du machen musst, ist dein Handy senkrecht oder waagerecht Richtung Wand zu halten und diese auf deinem Bildschirm anzutippen. Ich bin Fan.

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Mengen abschätzen

Bei DIY-Projekten ist es nicht immer ganz einfach, abzuschätzen, wie viel Material du brauchst. Würde ich zum Beispiel wirklich mein ganzes Wohnzimmer tatsächlich in Petrol streichen wollen, hätte ich keine Ahnung, welche Menge an Farbe ich dafür bräuchte. Die App «Construction Calculator» soll helfen. Sie fordert mich auf, Höhe, Breite und Anzahl der Wände sowie den Preis für eine Gallone (Amerikaner…) einzugeben und spuckt mir dann Menge und Kosten der Farbe aus. Und das für eine neue und alte Wand. Ob die Zahlen korrekt sind, kann ich nicht hundertprozentig beurteilen, doch sie erscheinen mir einleuchtend. Auch die Rezensionen im Play Store lassen auf gute Resultate schliessen.

Das mit dem Preis pro Gallone ist etwas umständlich zu berechnen, aber für die reinen Mengenangaben passt die App.
Das mit dem Preis pro Gallone ist etwas umständlich zu berechnen, aber für die reinen Mengenangaben passt die App.

Fazit

Bei den Stromleitungen wäre ich ganz, ganz vorsichtig mit der App, aber auch den anderen kannst du nicht blind vertrauen. Sie sind als Unterstützung zwar durchaus zu gebrauchen, aber Mitdenken schadet nie. Bei der Wasserwaage musst du das Handy noch immer richtig halten, bei der Wandfarbe musst noch immer du selbst entscheiden, ob du Lust hast beim Auszug aus der Mietwohnung alles wieder zu überstreichen und der Raumeinrichter kommt nie ganz an die Realität heran. Alles in allem bin ich aber positiv von den Gratis-Heimwerker-Apps überrascht und bereue den belegten Speicherplatz nur bei den vier (!) verschiedenen Stromleitungsfindern.

Hast du eine Heimwerker-App, auf die du schwörst? Erzähle von ihr in den Kommentaren.

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Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger

Editor, Zürich

Meinen Horizont erweitern: So einfach lässt sich mein Leben zusammenfassen. Ich liebe es, neue Menschen, Gedanken und Lebenswelten kennenzulernen,. Journalistische Abenteuer lauern überall; ob beim Reisen, Lesen, Kochen, Filme schauen oder Heimwerken.

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