Meinung

Wenn Highend auf top Preis-Leistungs-Verhältnis trifft: Garmin Edge 1040 Solar vs Bryton Rider S800

Zwei Velocomputer im Vergleich. Was spricht für den Garmin Edge 1040 Solar und was für den Bryton Rider S800? Soviel sei schon verraten: Beide haben viele Stärken und nur wenige Schwächen.

Wer braucht schon einen Velocomputer, dachte ich früher. Heute bin ich schlauer und weiss, ich brauche einen Velocomputer. Und hier gleich ein Disclaimer dazu: Es geht nicht darum, am Sonntagmorgen gemütlich zur Bäckerei ums Eck zu radeln, sondern mit dem Bike Sport zu treiben und möglichst viele Daten zu sammeln. Umso mehr, umso besser.

Giant Revolt: das Gravelbike als Sportgerät.
Giant Revolt: das Gravelbike als Sportgerät.
Foto: Patrick Bardelli

Garmin Edge 1040 Solar

Das Nervige vorneweg. Es kommt immer wieder vor, dass sich mein Android-Phone und der Edge 1040 Solar suchen. Und nicht finden. Dieselbe Erfahrung hat kürzlich auch mein Chef mit seiner Venu 2 Plus gemacht. Ähnlich verhält es sich mit der Fenix 6 Pro von Garmin, die ich ebenfalls nutze. Auch hier bleibt mir mit schöner Regelmässigkeit nichts anderes übrig, als wahlweise die App, das Gerät oder beides neu zu starten, um eine Verbindung herzustellen. Garmin und Bluetooth scheinen generell nicht immer Best Buddies zu sein.

Falls du zu den Garmin Hatern gehörst und nun noch mehr Negatives zum Produkt lesen möchtest, muss ich dich enttäuschen. Denn das wars auch schon mit Kritik meinerseits am Edge 1040 Solar. Ausser zum Preis vielleicht. Aber dazu später mehr. Ansonsten bin ich nämlich mit diesem Velocomputer happy.

Das Teil ist vollgepackt mit Technologie, aber ich will dich nicht mit technischen Details zupflastern. Alle Infos dazu findest du hier. Allerdings musst du wissen, dass für viele Funktionen zusätzliche Produkte wie Trittfrequenz-Sensor, spezielle Garmin-Pedale oder ein Herzfrequenz-Brustgurt gekauft werden müssen. Diese belasten das Budget zusätzlich. Egal, ob einzeln oder im Bundle gekauft. Das ist aber bei anderen Herstellern auch so. Neben Geschwindigkeits- und Trittfrequenzmesser ist für mich vor allem der Brustgurt wichtig, da ich es vom Laufen gewohnt bin, mit der Herzfrequenz zu trainieren. Auch wenn wohl viele andere Biker mit Wattzahlen arbeiten.

Solarladung

Das vermutlich wichtigste Feature des Edge 1040 Solar ist, wie es der Name sagt, die Power Glass-Solarladelinse. Diese soll die Akkulaufzeit laut Garmin bei Tagestouren im Energiesparmodus um bis zu 42 Minuten pro Stunde verlängern, bei anspruchsvoller Nutzung sollen es bis zu 20 Minuten pro Stunde sein. Okay, es ist Herbst, die Sonne steht bereits recht tief und Wolken schieben sich immer wieder vor den Himmelskörper. Trotzdem sind die drei Minuten zusätzliche Akkunutzung, die heute bei einer Fahrzeit von 1:12 Stunden zusammengekommen sind, doch ein wenig mickrig.

Beim Kleingedruckten auf der Garmin-Webseite finde ich betreffend Solarladung dann noch diesen Zusatz: «Durchgängig 75.000 Lux bei Touren am Tag». Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, bei wie vielen Lux ich heute unterwegs war. Es ist mir auch egal, drei Minuten sind halt nicht 20 Minuten. Und ja, ich bin mit anspruchsvoller Akkunutzung unterwegs. Wenn ich zu Hause schon im Stromsparmodus lebe, dann kompensiere ich das halt ein bisschen auf meinem Gravelbike. Jetzt habe ich doch noch etwas zum Kritisieren gefunden.

Garmin Edge 1040 Solar: ein mögliches Setup des Displays.
Garmin Edge 1040 Solar: ein mögliches Setup des Displays.
Foto: Patrick Bardelli

Bryton Rider S800

Bryton wer, Bryton was? Bryton Rider S800. Ein Brand aus Taiwan, den ich bisher noch nicht kannte. Und dementsprechend auch mit der Produktwelt nicht vertraut war. Das hat sich in den letzten paar Wochen jedoch geändert. Und das ist gut so.

Beim Rider S800 handelt es sich um den leistungsstärksten Velocomputer von Bryton. Auch er ist mit Hightech vollgepackt, jedoch ohne Solarpanel und darum nicht ganz so teuer wie der Edge 1040. Ausserdem ist die Verarbeitung nicht so hochwertig wie bei der Konkurrenz von Garmin. Die Halterung beispielsweise ist beim S800 aus Plastik, beim Edge 1040 aus Metall.

Links: Garmin Edge 1040 Solar, rechts: Bryton Rider S800.
Links: Garmin Edge 1040 Solar, rechts: Bryton Rider S800.
Foto: Patrick Bardelli

Im Gegensatz zu Garmin gibt es bei Bryton bezüglich Bluetooth-Konnektivität nichts zu mäkeln. Das funktioniert alles reibungslos. Der S800 und die App finden sich stets auf Anhieb. Auch Geschwindigkeits- und Trittfrequenzsensor sind nach dem Koppeln immer rasch verbunden. Ebenso wie der Brustgurt, den es, wie die anderen Sensoren, einzeln oder im Bundle zu kaufen gibt. Das ist top. Auch die Akkulaufzeit von bis zu 36 Stunden bei voller Nutzung ist mehr als ausreichend. Zumindest für meine Bedürfnisse.

Im Gegensatz zu Garmin gibt es bei Bryton nur drei Fahrradprofile: Strasse, Indoor und MTB. Das ist ein wenig schade, wenn man bedenkt, dass Gravel seit einiger Zeit der grosse Trend im Velobereich ist. Sei's drum, ich zeichne meine Fahrten jeweils mit der Roadbike-Funktion auf.

Abstriche muss sich der S800 im Vergleich zum Edge 1040 Solar auch bei der Qualtität des Displays gefallen lassen. Trotz der verbauten MIP-Technologie (Memory In Pixel), die in Verbindung mit einer internen Reflexionsschicht die Ablesbarkeit des Bildschirms im Sonnenlicht verbessern soll, schneidet Garmin hier in meinen Augen besser ab.

Im Schatten gibt es keine grossen Unterschiede, was die Lesbarkeit der Displays angeht.
Im Schatten gibt es keine grossen Unterschiede, was die Lesbarkeit der Displays angeht.
Foto: Patrick Bardelli

Ein cooles Feature des Rider S800 ist die lückenlose Aufnahme. Wenn ich mit dem Bike stehen bleiben, stoppt die Aufzeichnung automatisch. Fahre ich weiter, nimmt Bryton seine Arbeit wieder auf. Das funktioniert auch dann, wenn das Gerät ausgeschaltet ist. Nach erneutem Einschalten des Rider S800 wird die Aufnahme fortgesetzt. Das gefällt mir sehr.

Edge 1040 Solar oder S800: Welcher Velocomputer soll es sein?

Damit sind wir wieder bei der Anfangsfrage: Wer braucht eigentlich einen Velocomputer? Ich kann hier nur für mich sprechen, respektive schreiben. Ich nutze mein Bike, wie erwähnt, als Sportgerät. Und fahre damit in der Regel bei mir in der Region auf mir bekannten Strassen und Wegen. Ich nutze also zum Beispiel das Kartenmaterial überhaupt nicht. Entsprechend kann ich dazu weder in Bezug auf den Edge 1040 Solar noch den Rider S800 eine Aussage treffen. Bei beiden Geräten sind die GPS-Daten exakt. Bei identischen Routen misst der Rider S800 150 Meter weniger. Was bei einer Strecke von gut 22 Kilometern einer Abweichung von unter einem Prozent entspricht. Kann gut sein, dass ich die eine oder andere Kurve ein wenig enger gefahren bin. Also eine zu vernachlässigende Abweichung.

Mich interessieren sowieso hauptsächlich Leistungsdaten wie die maximale Sauerstoffaufnahme unter Belastung, kurz VO2max, mein Belastungsfokus oder wie sich eine bestimmte Aktivität auf meinen Trainingszustand auswirkt. Hier liefern sowohl Garmin als auch Bryton mit den entsprechenden Apps eine Fülle an Informationen.Seit Jahren bin ich mit diversen Produkten im Garmin-Universum unterwegs. Entsprechend habe ich mich an die Art der Daten und deren Darstellung gewöhnt. Das mag mit ein Grund sein, weshalb mich hier der Edge 1040 Solar eher überzeugt als der Rider S800.

Garmin Connect mit den neuen Staminadaten und dem Trainingseffekt.
Garmin Connect mit den neuen Staminadaten und dem Trainingseffekt.
Foto: Patrick Bardelli
Die Bryton Active App mit klassichen Daten wie Herzfrequenz und Tempo.
Die Bryton Active App mit klassichen Daten wie Herzfrequenz und Tempo.
Foto: Patrick Bardelli

Was super funktioniert, und zwar in beide Richtungen, ist das Koppeln mit den diversen Sensoren (Brustgurt, Geschwindigkeitsmesser und Trittfrequenzsensor). Der Edge 1040 Solar erkennt die Bryton-Produkte und umgekehrt. Funktioniert alles problemlos.

Zusammenfassung Garmin Edge 1040 Solar

Den Garmin Edge 1040 gibt es sowohl mit als auch ohne Solarfunktion. Mit dem entsprechenden Preisunterschied. Bei beiden Modellen ist die Akkulaufzeit meiner Meinung nach überragend. Wenn du mit dem grossen Budget unterwegs bist, kannst du dir den Solar-Luxus leisten. Ansonsten geht's auch ohne. Insgesamt kommt der Edge 1040 hochwertiger daher als der Rider S800. Die Verarbeitung ist edler, ebenso die Lesbarkeit des Displays bei Sonnenschein. Und ich bin ein Fan der Garmin-Datenaufbereitung. Kurz: ein Highend-Produkt fürs grosse Portemonnaie.

Zusammenfassung Bryton Rider S800

Ein neuer Brand für mich, mit einem neuen Produkt, das mit seinem Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt. Der Bryton Rider S800 punktet mit seinem soliden Design und der einfachen Bedienung. Alles funktioniert auf Anhieb, die Qualität der Daten ist mit denen von Garmin vergleichbar. Einzig in der Fülle der Informationen haben die Amerikaner leicht die Nase vorne. Das kompensiert Bryton beim Preis. Du suchst einen GPS-Velocomputer, der fast keine Wünsche offen lässt und mit rund 450 Franken im mittleren Preissegment liegt? Dann könnte der Rider S800 eine Option für dich sein. Für mich ist er es allemal.

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