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Jan Johannsen
Meinung

Alle zwei Jahre reicht! Der Smartphone-Zyklus muss langsamer werden

Die A-Serie von Samsung oder die T-Serie von Xiaomi sind für mich die aktuellsten Beispiele dafür, dass wir nicht jedes Jahr neue Smartphones benötigen. Fairphone machte es von Anfang an richtig.

Neue Smartphones langweilen mich immer öfter. Mein Fazit beim Testen lautet inzwischen oft: Besser als der Vorgänger, aber die Unterschiede sind so gering, dass man bedenkenlos zum günstigeren Vorjahresmodell greifen kann. Die technologische Entwicklung rechtfertigt keine jährlichen Updates mehr. Es geht nur noch ums Marketing. Daran würde auch die Rückkehr zu S-Modellen nichts ändern, wie Kollege Lorenz Keller sie vor über einem Jahr vorschlug.

Technologische Entwicklung hat Plateau erreicht

Die Entwicklung bei Smartphones macht längst keine Quantensprünge mehr. Displays und Kameras sind physikalisch kaum noch zu verbessern. Die Leistung der Top-Chips genügt problemlos für das, was 99 Prozent der Menschen mit ihrem Smartphone machen. Da lässt sich höchstens noch die Effizienz steigern.

Mit Silizium-Kohlenstoff-Batterien haben chinesische Hersteller zuletzt die Akkulaufzeiten erhöht. Für die neuen Software-Funktionen braucht es nur selten wirklich neue Hardware und die Änderungen am Design sind in der Regel dezent.

Gleichzeitig sorgt der von der EU vorgegebene verlängerte Software-Support dafür, dass die Geräte länger nutzbar sind und es attraktiver wird, ein oder zwei Jahre alte Modelle günstig zu kaufen. Zumindest die Konsumenten sind da schon weiter als die Hersteller und nutzen ihr Smartphone im Durchschnitt immer länger.

Positive Beispiele aus Amsterdam und London

Fairphone ist in dieser Hinsicht das Paradebeispiel. Der niederländische Hersteller stellt seine Smartphones von Anfang an im Zweijahresrhythmus vor – von einer Ausnahme abgesehen. Das Unternehmen hat sich aber auch der Nachhaltigkeit verschrieben, und für die wären jährliche Updates sehr hinderlich.

Beim Fairphone sorgt die Nachhaltigkeit als Leitgedanke von Anfang an für einen Zweijahresrhythmus.
Beim Fairphone sorgt die Nachhaltigkeit als Leitgedanke von Anfang an für einen Zweijahresrhythmus.

Nothing geht teilweise in die gleiche Richtung. Zumindest für das Topmodell heißt es, dass dieses Jahr keine substanziellen Verbesserungen gegenüber dem Phone (3) möglich sind und es deswegen vorerst kein Phone (4) gibt. Das hält den Hersteller aus London allerdings nicht davon ab, mit dem Phone (4a) und (4a) Pro bereits nach zwölf Monaten zwei neue Mittelklasse-Modelle vorzustellen.

Hersteller werden sich freiwillig kaum ändern

Freiwillig werden sich die Hersteller kaum vom Jahresrhythmus verabschieden. Zu abhängig sind sie davon, mit einem neuen Modell und der damit verbundenen Aufmerksamkeit ihre Verkaufszahlen anzukurbeln. Kein Firmenchef mit Investoren und/oder Aktionären im Rücken kann es sich erlauben, den Effekt nur noch alle zwei Jahre mitzunehmen.

Wie groß wäre der Abgesang, würde Apple nicht mehr jedes Jahr im Quartal nach der Vorstellung eines neuen iPhones Rekordzahlen verkünden? Ein normales Quartal würde sofort als Schwächephase oder gar als Anfang vom Ende aufgebauscht werden.

Mit der Umstellung auf einen Zweijahresrhythmus wird eine Firma wahrscheinlich keine nennenswerten Entwicklungskosten sparen und auch kaum weniger fürs Marketing ausgeben. Die Nichtumstellung der Produktionskapazitäten dürfte für die großen Hersteller mit ihren Stückzahlen ebenfalls kein finanzieller Anreiz sein.

Bleiben nur zwei Faktoren, die zum Zweijahresrhythmus führen könnten: politische Regulierung oder der Markt selbst. Eine entsprechende Regulierung wird derzeit allerdings nicht einmal in der EU diskutiert. Die aktuelle Speicherkrise könnte dagegen ihren Teil dazu beitragen. Zumindest gibt es Gerüchte, dass die günstigste Variante des Pixel 11 sogar weniger Speicher erhalten könnte als das Pixel 10. Das würde es noch schwieriger machen, das jährliche Update als Fortschritt zu verkaufen.

Titelbild: Jan Johannsen

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Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Digitec und Galaxus. 


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