
Hintergrund
Wie der «Solar Manager» den Sonnenstrom im Haus verteilt
von Martin Jungfer

Um satte 400 Prozent ist die Zahl installierter Batterien in der Schweiz gestiegen. Und das innerhalb von nur vier Jahren. Immer mehr Sonnenstrom kann damit für später aufgehoben werden.
Zum ersten Mal gibt es mit dem «Batteriemonitor Schweiz 2026» eine umfassende Studie über die Anzahl der Solarbatterien in der Schweiz. Demnach sind aktuell (Stand Ende 2025) rund 1500 MWh Speicherkapazität hinter dem Verteilnetz installiert, zum Beispiel in Kellern von Privathäusern oder in Handwerks- und Industriebetrieben. Die Menge an Strom genügt, um etwa 500 Einfamilienhäuser das ganze Jahr über mit Strom zu versorgen. Insgesamt können durch Speicher immerhin 3,8 Prozent des sogenannten Endstromverbrauchs lokal gedeckt werden.
Gemäss «Batteriemonitor» gibt es für das massive Wachstum in den vergangenen Jahren sowie für eine absehbar weitere positive Entwicklung mehrere Gründe:
Knapp 80 Prozent aller neu installierten Speicher stehen in Einfamilienhäusern. In Industrie und Gewerbe sowie in Mehrfamilienhäusern gibt es zwar ein stärkeres Wachstum, der Anteil der dort eingebauten Speicher ist allerdings mit jeweils unter zehn Prozent weiterhin eher klein.
Die Statistiken zeigen, dass die durchschnittliche Kapazität eines Speichers für ein Einfamilienhaus bei 12 kWh liegt, Tendenz ist leicht fallend. Der Grund dürfte sein, dass die Nachrüstung an Bedeutung gewinnt. Es werden also Häuser neu mit Speichern ausgestattet, die schon länger Solarmodule auf dem Dach haben.
Durch eine eigene Batterie steigt der Anteil des selbst verbrauchten Stroms, wodurch wiederum die Stromrechnung niedriger ausfällt. Laut Verband Swissolar ist die Eigenverbrauchsoptimierung in 95 Prozent aller Fällen, bei denen ein Batteriespeicher installiert wird, die wichtigste Motivation.
Gründe wie «Unterstützung der Netzstabilität» oder «Interesse an der Technologie» werden weit weniger genannt. Bei Batteriespeichern handelt vor allem der Home Oeconomicus.
Der Eigenverbrauch in einem Haus «nur» mit einer Photovoltaik-Anlage liegt in der Regel zwischen 20 und 30 Prozent. Mit einem Speicher erhöht sich die Quote deutlich auf 50 bis 80 Prozent – je nach Leistung der PV-Anlage, Grösse der Batterie und Verbrauch im Haus.
Viele Besitzerinnen und Besitzer von PV-Anlagen dürften jetzt auch anfangen zu rechnen, weil die Preise für Speicherlösungen in den vergangenen zwei, drei Jahren deutlich gesunken sind. So habe ich bei der Installation einer PV-Anlage auf unserem Haus vor sechs Jahren aus Kostengründen auf einen damals sehr teuren Speicher verzichtet. Zudem war Strom günstiger. Teils extreme Schwankungen durch aktuelle Kriege und Krisen waren kaum vorhersehbar.

Heute kostet die Installation eines Speichers weniger. Für eine Lösung mit 15 kWh Kapazität lag der Durchschnittspreis pro kWh im Jahr 2025 gemäss «Batteriemonitor» bei 586 Franken. Für etwa 8800 Franken bekommst du inzwischen einen Speicher, der nach einem sonnigen Tag locker für Kochen am Abend und Wärmepumpe, Wasserboiler sowie Komfortlüftung durch die Nacht reicht. Ist der Himmel bedeckt, hilft der Speicher ebenfalls. Vor zwei oder drei Jahren hätte ein 15-kWh-Speicher noch mehr als 12 000 Franken gekostet.
Wie schnell sich eine Investition in Batteriespeicher rechnet, hängt von vielen Faktoren ab. Mithilfe des KI-Tools Claude habe ich berechnet, wann sich die PV-Anlage bei mir zuhause amortisiert hätte. Ergebnis: nach sieben, spätestens zehn Jahren. Angenommen wurden Strompreise und Einspeisevergütungen auf stabilem Niveau. Diese können sich aufgrund der aktuellen politischen Weltlage und US-präsidialen Launen aber auch schnell ändern.
8800 Franken für eine 15-kWh-Batterie sind immer noch viel Geld. Inzwischen gibt es Speicher auf dem Markt, die zwar weniger Kapazität haben, dafür aber sehr einfach zu installieren und auch preiswert sind. So kostet ein 5-kWh-Modul bei uns im Shop nur rund 1200 Franken. Das Modell hat, soweit ich das einschätzen kann, das beste Verhältnis von Kapazität und Preis. Es kann einfach an die Steckdose angeschlossen werden und per App gesteuert werden. Hier sparst du auch die Kosten für den Elektriker.
Andere Hersteller, vor allem Ecoflow, bieten ebenfalls einfache Plug-and-Play-Heimspeicher. Sie können derzeit aber noch nicht mit dem Preisbrecher mithalten.
Andere Speicherlösungen, die es bei Galaxus gibt, haben höhere Kapazität. In der Regel sollten diese dann von einem Fachbetrieb installiert werden. Der weiss dann auch, ob das zum Beispiel mit dem bestehenden Wechselrichter kompatibel ist. Und ein Experte kann den Batteriespeicher im Idealfall auch mit einem smarten Energiemanagementsystem verbinden.
Die grösste Batterie könntest du allenfalls schon haben. Es ist die, die auf vier Rädern in deiner Garage steht, nämlich dein Elektroauto. Nach und nach ermöglichen Hersteller es, dass der Akku nicht nur geladen wird, sondern auch Strom abgeben kann. Das bidirektionale Laden erfordert jedoch meistens eine Investition in eine entsprechende Wallbox und in ein Energiemanagementsystem. Übrigens: Das Vorurteil, dass der Akku im Auto durch zu häufiges Laden und Entladen schneller altert, ist inzwischen grösstenteils widerlegt.
Ja, die Batteriespeicher sind bereits deutlich günstiger geworden. Bei Lithium-Ionen-Batteriepacks beträgt der Rückgang seit 2010 über 93 Prozent. Experten rechnen zwar mit weiteren Rückgängen, diese dürften aber nur noch bei drei bis fünf Prozent pro Jahr liegen. In der Schweiz sind die Preise für Speicher derzeit oft noch höher als zum Beispiel im benachbarten Deutschland. Wenn du darauf spekulieren willst, dass hiesige Anbieter ihre Preisgestaltung noch anpassen müssen, könnte sich das lohnen.
Oder du setzt auf neue Technologien abseits von Lithium-Eisenphosphat-Speichern. Natrium-Ionen-Batterien könnten als Alternative in Frage kommen. Zuletzt aber lag der Anteil an solchen «Salz-Speichern» bei gerade mal zwei Prozent, die Auswahl ist zudem gering. Es könnte noch etwas dauern, bis sich das durchsetzt.
Vielleicht ist also doch jetzt genau der richtige Zeitpunkt für einen Speicher.
Wenn du nicht zu den Nachrüstenden gehörst, sondern eine PV-Anlage neu installieren willst, ist der Fall klar. Matthias Egli, Direktor von Swissolar sagt:
«Es ist heute praktisch Standard, dass eine Solaranlage mit einem Speicher – mit einer Batterie – installiert wird.»
Jede neu installierte Batterie komme letztlich allen zugute, sagt Matthias Egli gegenüber dem SRF. «Das hat einen sehr positiven Effekt auf die Netzbelastung. Wir können mehr Anlagen an das gleiche Netz anschliessen, ohne es teuer auszubauen.» Lokal installierte Batterien würden dafür sorgen, dass der Strom vor Ort verbraucht wird. So muss er nicht abtransportiert werden. Kein Wunder, dass auch Swissgrid, die die Hochspannungsleitungen in der Schweiz betreibt, Batterien als wichtige Elemente im Stromnetz der Zukunft betrachten.
Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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