Canon EOS R3: Die Details zum neuen Flaggschiff
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Canon EOS R3: Die Details zum neuen Flaggschiff

David Lee
David Lee
Zürich, am 14.09.2021

Sport, Wildlife und Action: Die Canon EOS R3 ist auf Geschwindigkeit getrimmt. Auch bei Videos. Das spannendste Feature: Der Autofokus kann über den Blick durch den Sucher gesteuert werden.

Die Canon EOS R3 ist Canons erste professionelle, spiegellose Sport- und Actionkamera. Canon hat sie bereits in kleinen Häppchen vorangekündigt, jetzt liegen alle Informationen offiziell vor. Sie wird allerdings erst im November 2021 verfügbar sein.

EOS R3 Body (24.10 Mpx, Vollformat)
Kamera
Canon EOS R3 Body (24.10 Mpx, Vollformat)
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Schneller und lichtempfindlicher Sensor

In der R3 kommt ein neuer Sensor mit 24,1 Megapixeln zum Einsatz. Er ist rückseitig belichtet und mehrschichtig, wodurch eine hohe Lichtempfindlichkeit und ein hohes Auslesetempo erreicht wird.

Die Empfindlichkeit des Sensors kann bis auf 102 800 ISO hochgeschraubt werden. Durch die hohe Auslesegeschwindigkeit des Sensors sollen keine störenden Rolling-Shutter-Effekte auftreten. Aus dem gleichen Grund lässt sich der elektronische Verschluss auch zur Blitzsynchronisation mit einer Verschlusszeit von 1/250 Sekunde verwenden. Die kürzestmögliche Verschlusszeit beträgt elektronisch 1/64 000 Sekunde. Mechanisch liegt sie bei 1/8000 Sekunde.

Der Sensor ist stabilisiert. Laut Canon kompensiert dies zusammen mit der Objektivstabilisierung bis zu acht Belichtungsstufen.

Die Kamera schiesst bis zu 30 Bilder pro Sekunde mit Nachführung von Autofokus und Belichtungsmessung.

Details zum Autofokus

Der Autofokus verrichtet seinen Dienst bis zu einem Lichtwert von –7,5. Das entspricht einer Nachtszene ohne Mondschein oder Beleuchtung. Die R3 erkennt und trackt Menschen, Hunde, Katzen, Vögel sowie Rennfahrzeuge. Dabei lässt sich der Fokus sowohl auf den Fahrer oder die Fahrerin als auch auf das Fahrzeug legen. Bei Menschen kann die Kamera automatisch zwischen Gesicht, gesamtem Kopf und Körper umschalten, je nach Motivgrösse. Bei Tieren schaltet die R3 zwischen Gesicht und Körper um. Mit der R3 bringt Canon auch ein neues Autofokus-Bedienkonzept. Dieses sieht vor, dass jeder gewählte AF-Bereich auch mit Tracking verwendet werden kann.

Die spannendste Innovation der R3 ist der Eye-Control-Autofokus. Die Kamera erkennt, auf welchen Bildteil im Sucher du schaust, und fokussiert auf das entsprechende Motiv. Wie praktisch das ist, hängt davon ab, wie es umgesetzt ist. Ich werde in Kürze Gelegenheit haben, das zu testen. Der Wechsel zu einem anderen Motiv lässt sich vorübergehend deaktivieren, sodass der Fokus nicht durch unabsichtliche Blicke verändert wird.

Sucher, Bildschirm und Gehäuse

Der OLED-Sucher kann für Actionszenen auf eine Bildwiederholrate von 120 fps eingestellt werden. Für eine längere Akkulaufzeit sind auch 60 fps möglich. Der Sucher bietet eine Auflösung von 1600×1200 Pixeln, das sind knapp zwei Megapixel. In der Marketingsprache sind das dann 5,76 Mio. Bildpunkte, da hier die roten, grünen und blauen RGB-Subpixel einzeln gezählt werden. Beim Display dasselbe: Es bietet 4,15 Mio. Bildpunkte, also knapp 1,4 Megapixel. Es ist 3,2 Zoll gross und dreh- und schwenkbar.

Das Gehäuse verfügt über einen integrierten Batteriegriff, der den Akku LP-E19 verwendet. Der Schutz gegen Staub und Spritzwasser ist laut Canon auf dem gleichen Niveau wie bei der EOS-1D-Serie. Mit anderen Worten: sehr gut.

Starke Videofunktion

Die R3 ist auch eine sehr leistungsfähige Videokamera. 4K-Videos können mit 60 Bildern pro Sekunde in hoher Qualität aufgezeichnet werden: Sie werden aus einer 6K-Auflösung heruntergerechnet (Oversampling). In geringerer Qualität gibt es 4K sogar mit 120 fps. Daneben ist auch 6K in RAW möglich, hier liegt die höchste Framerate bei 60 fps.

Das Überhitzungsproblem der Canon EOS R5 und R6 ist offenbar gelöst: Die R3 kann 6 Stunden am Stück filmen, ohne sich zu überhitzen. Bei 120 fps sind es immer noch 1,5 Stunden.

Alle Qualitätsstufen lassen sich auch ohne externen Recorder aufzeichnen. Der SD-Kartenslot ist mit schnellen UHS-II-Karten kompatibel. Daneben hat die Kamera auch einen Slot für CFexpress Typ B.

Für die Videofunktion ist auch der Zubehörschuh interessant. Der ist mit dem Adapter für XLR-Mikrofone kompatibel. Er kann Zubehör mit Strom versorgen. Beispielsweise das digitale Mikrofon DM-E1D, das ab Februar 2022 für etwa 350 Franken oder Euro erhältlich sein soll.

21 zusätzliche Kontakte erweitern die Fähigkeiten des Zubehörschuhs.
21 zusätzliche Kontakte erweitern die Fähigkeiten des Zubehörschuhs.

Auch eine grosse Augenmuschel, wie man sie von Camcordern kennt, wird es als Zubehör geben. Canon plant ausserdem eine Halterung für das Smartphone, um dieses als grossen Bildschirm zu nutzen. Dafür ist noch kein Erscheinungsdatum bekannt.

Zwei neue Objektive

Gleichzeitig mit der EOS R3 kündigt Canon auch zwei neue Objektive an. Diese richten sich jedoch an eine andere Zielgruppe.

Da wäre zum einen ein ziemlich günstiges Weitwinkelobjektiv mit 16 Millimetern Brennweite und Offenblende f/2,8. Es soll eine sehr geringe Verzeichnung aufweisen und optisch in der gleichen Liga spielen wie das EF F2.8 14 L II. Bei Offenblende ist die Abbildungsleistung laut Canon sogar besser, trotz wesentlich tieferem Preis. Dies hat damit zu tun, dass gewisse Objektive für spiegellose Systeme einfacher zu bauen sind als für Spiegelreflexkameras. Bei Spiegelreflexkameras besteht zwischen Sensor und Objektiv ein viel grösserer Abstand, der bei starken Weitwinkelobjektiven entsprechend korrigiert werden muss.

Da die Canon EOS R und RP einen Crop bei 4K-Videos aufweisen, bietet sich das 16mm-Objektiv als Korrektur an: Es zeigt dann einen immer noch recht weiten Winkel, der etwa 25 Millimetern entspricht. Mit einer Naheinstellgrenze von 13 Zentimetern eignet es sich auch für Produktpräsentationen.

Das RF 16mm F2.8 STM ist voraussichtlich ab dem 14. Oktober 2021 lieferbar.

Das zweite neue Objektiv ist ein Telezoom mit einem Brennweitenbereich von 100 bis 400 Millimetern. Die Lichtstärke ist mit f/5,6 bis f/8 bescheiden, dafür ist das Objektiv relativ klein, leicht und günstig. Bei einem Gewicht von 635 Gramm ist es kaum grösser als eine Bierdose. Canon verfolgt hier ein ähnliches Konzept wie die bereits von mir getesteten RF 600 und RF 800 – nur weniger extrem.

Der Bildstabilisator des Objektivs kompensiert laut Hersteller 5,5 Belichtungsstufen. Es ist kompatibel mit den RF-Extendern. Die Naheinstellgrenze beträgt 88 bis 120 Zentimeter. Auch dieses Glas soll per 14. Oktober lieferbar sein.

100-400mm f/5.6-8 IS USM RF
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Canon 100-400mm f/5.6-8 IS USM RF
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David Lee

Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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