Crosley C62 im Test: Ein unkomplizierter Plattenspieler

Crosley C62 im Test: Ein unkomplizierter Plattenspieler

Jan Johannsen
Hamburg, am 12.12.2019

Egal ob du die Plattensammlung aus dem Keller holst oder neues Vinyl kaufst: Zum Abspielen brauchst du einen Plattenspieler. Mit dem Crosley C62 habe ich mir ein Modell mit integrierten Verstärker angeschaut. Sein Vorteil: Da zwei Lautsprecher zum Lieferumfang gehören, ist keine weitere Technik nötig.

Optisch bekommt der Crosley C62 mit seinem Walnussholz-Look einen Haken auf der Retro-Checkliste. Er könnte die letzten paar Jahrzehnte bei Oma und Opa auf dem Dachboden gestanden haben. Sein aktuelles Herstellungsdatum belegt der Plattenspieler unter anderem mit der Bluetooth-Verbindung zum Smartphone.

Schneller, unkomplizierter Aufbau

Beim Aufbau des Crosley C62 ist Wissen aus meinen Kindertagen gefragt: So lange ist es nämlich her, dass ich zum ersten Mal Lautsprecher per Kabel angeschlossen habe. Und das nicht mit einem Stecker, sondern mit blanken Kabelende. Das ist dank der Klemmen am Plattenspieler kein Problem – auch wenn ich in den letzten Jahren größtenteils kabellos unterwegs bin.

Einen kleinen Fauxpas leiste ich mir dann aber doch. Trotz vorhandener Stromversorgung drehte sich der Plattenteller nicht. Des Rätsels Lösung: Ich hatte den Antriebsriemen vergessen und erst mit diesem bestand die Verbindung von Motor und Plattenteller. Zu meiner Verteidigung: Um den Aufbau der Plattenspieler haben sich früher immer meine Eltern gekümmert. Ich habe nur Platten gehört und meine kleine Sammlung mit den drei ??? und Reggae-Singles für den Test wieder ausgegraben.

Die Anschlüsse auf der Rückseite.
Die Anschlüsse auf der Rückseite.
Der Antriebsriemen
Der Antriebsriemen

Steht der Crosley C62 an seinem auserkorenen Platz, sorgt sein Gewicht – hier hilft der integrierte Verstärker – dafür dass er sicher steht. Ist sein Untergrund nicht total wackelig, ist er stabil genug, dass du durch das Zimmer gehen kannst. Hüpfen ist aber nicht angebracht. Sprich: Absolutes Tanzverbot.

Wie es sich für einen guten Schallplattenspieler gehört, kannst du beim Crosley C62 zwischen zwei Geschwindigkeiten – 33 und 45 Umdrehung in der Minute – wählen sowie Vinylscheiben mit 7, 10 oder 12 Zoll Durchmesser auflegen. Ein Adapter für die kleineren Singles mit dem größeren Loch in der Mitte befindet sich im Lieferumfang.

Tempo wechseln und Bluetooth einschalten.
Tempo wechseln und Bluetooth einschalten.
Bereit für Alben und Singles.
Bereit für Alben und Singles.

Das Rauschen der Schallplatte

Die Schutzabdeckung der Nadel abnehmen, den Arm mit dem Hebel anheben, über die Schallplatte schieben, die sich automatisch zu drehen anfängt und über den Hebel den Arm auf das Vinyl absenken. Das ist schon was anderes als bei der CD auf «Play» zu drücken oder bei Spotify einen Song zu wählen. Es dauert länger, aber dadurch komme ich auch mehr zur Ruhe und nehme die Musik bewusster war. Sie ist nicht mal eben schnell nebenbei eingeschaltet. Wenn die Platte zu Ende ist, ist sie zu Ende. Leider fährt der Tonabnehmer des Crosley C62 dann nicht alleine in seine Startposition zurück. Das musst du machen. Immer! Sonst dreht sich die Platte ewig weiter.

Über die Lautsprecher des Crosley C62 kommt der typische Schallplatten-Sound inklusive Rauschen und Knarzen. Insgesamt fällt der Klang warm aus, ist klar und deutlich. Die Höhen und Mitten sind aber nicht so filigran getrennt, wie es bei einigen Bluetooth-Lautsprechern der Fall ist. Bass ist Mangelware. Egal wie sehr er im Song dröhnt, aus den Boxen kommt er nicht heraus. Dafür brauchst du dann doch noch einen extra Subwoofer.

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Aber selbst ohne den Bass sind Lautsprecher des Crosley C62 sehr laut. Trotzdem konnte ich die Lautstärke maximal bis zu Hälfte aufdrehen. Erstens wurde es mir im Raum zu laut und zweitens machten die Boxen da nicht mehr mit. Für eine normale Zimmerlautstärke reicht das untere Drittel der Skala.

Hast du mal keine Lust auf typischen Platten-Sound oder willst etwas hören, das du nicht auf Vinyl hast, kannst du auch andere Abspielgeräte per Audiokabel als Quelle an den Verstärker des Crosley C62 anschließen oder dein Smartphone per Bluetooth verbinden. An der Soundqualität der Lautsprecher ändert sich dadurch nichts, nur das typische Knacken und Rauschen der Schallplatte fällt weg.

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Beim Plattenauflegen sind mir zwei Dinge negativ aufgefallen: Der Hub des Tonabnehmerarms ist sehr gering und geht auch nicht bis zum Ende mit. Wenn die Nadel in der Mitte der Schallplatte kreist, reicht es nicht sie mit dem Hebel anzuheben, du musst den Arm direkt anheben. Zusammen mit der filzartigen Unterlage ergibt sich ein weiteres Problem. Die Unterlage ist nicht nur vergleichsweise dick, sondern auch so leicht, dass sie sich nicht selber gerade auflegt. Das kann dazu führen, dass die Schallplatte nicht ganz eben liegt. Beim Hören ist das kein Problem, fällt aber auf, wenn die Nadel eigentlich über dem Vinyl schweben sollte und trotzdem immer wieder in Berührung mit der Platte kommt.

Fazit: Endlich mal wieder die alten Schallplatten hören

Der Crosley C62 bringt dir den typischen Schallplatten-Sound in die Wohnung, stößt mit seinem Klangbild aber nicht in die höchsten Qualitätsregionen vor. Wer sich selbst als audiophil bezeichnet, wird keine Freude haben. Aber für solche Leute ist der C62 auch gar nicht gedacht: Er ist eine gute Kompromisslösung, wenn du mit wenig Aufwand wieder in deine alten Schallplatten reinhören willst ohne dir dafür eine komplette HiFi-Anlage zuzulegen. Es war schön mal wieder alte Singles und Platten von «Nikitaman» oder «Tripping The Light Fantastic» aufzulegen, die ich nicht auf CD habe und die es auch nicht zu den Streamingdiensten geschafft haben, und bei den drei ??? ertönt die alte Titelmelodie. Nostalgie pur!

Der Aufbau erfordert keine besonderen Vorkenntnisse, die Nutzung ist einfach und die Lautsprecher für das Smartphone nutzen zu können, ist eine nette Zugabe.

Übrigens: Wenn du deine alten Schallplatten wieder hören willst, brauchst du neben dem Plattenspieler auch eine passende Staubbürste.

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Jan Johannsen
Jan Johannsen

Content Development Editor, Hamburg

Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Galaxus.de.

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