Denon HEOS im Test – Die tollen Kleinen
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Denon HEOS im Test – Die tollen Kleinen

Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Zürich, am 29.12.2016
Denon legt mit seinem Heos-Multiroom-System die Messlatte für Klang hoch. Der Wermutstropfen ist die altertümliche Pairing-Methode.

Du magst deine Stereoanlage bestimmt, oder? Irgendwann hast du mal viel Geld ausgegeben für das System, hast vielleicht auch einen Subwoofer und/oder einen Verstärker dazu gekauft. Aber seien wir doch mal ehrlich, es wäre doch schon praktischer, wenn du deine Musik von Spotify direkt in dein Wohnzimmer bringen könntest. Da Stereoanlagen aber noch nicht zu den smarten Geräten gehören, ist das schwierig. Klar, du kannst dein Handy mit der Stereoanlage verkabeln. Auch irgendwie blöd, weil eines der Haupt-Features des Smartphones ist, dass es in deine Hosentasche passt. Darum: Musik via WLAN in mehrere Räume. Tolle Idee, oder? Da diese Multiroom-Systeme aber etwas teuer sind, teste ich sie für euch, damit ihr euch möglichst zurücklehnen und Musik geniessen könnt.

Die Speaker der Heos-Serie Denons sind massiv. Sie sind nicht übermässig gross, denn auch hier wird Kompaktheit gross geschrieben, aber sie sind deutlich grösser als die Speaker der Konkurrenten auf dem Markt. Sie sind auch schwerer, aber das ist eigentlich total irrelevant, weil die Idee hinter Multiroom-Systemen ist, dass du die Boxen irgendwo verstecken kannst und dann einfach wie magisch Klang im Raum ist. Daher versorgst du die Boxen einmal und dann ist gut.

Das archaische Setup

Denon ist eine der Traditionsmarken im Audio-Business. Im Jahre 1910 vom Amerikaner Frederick Whitney Horn mit japanischen Partnern als 日本電氣音響株式會社 – Nippon Denki Onkyo Kabushikigaisha – gegründet, war die Firma schnell als DEN-ON bekannt. In den über 100 Jahren hat Denon unter anderem die Pulse-Code Modulation von der Theorie in die Praxis geführt. Ein System, das die digitale Repräsentation von analogen Daten erlaubt. Die Technologie hat direkt zur CD geführt, deren Player die digitale Daten in analogen Sound konvertiert.

Kurz: Denon ist innovativ und hat eine Menge Geschichte, auf die das Unternehmen aufbauen kann.

Diese Geschichte wird zum grössten Problem des Multiroom Setups, das unter dem Namen Heos vertrieben wird.

Mein Test-Setup sieht so aus:

Nachdem ich die Boxen in praktisch jedem Zimmer aufgestellt habe – die Soundbar ins Wohnzimmer zum Fernseher, natürlich – habe ich mich an die Einstellung und Vernetzung der Geräte gesetzt. Wie bei jedem Multiroom-System hat Heos einen Sicherheitsmechanismus eingebaut. Dieser soll sicherstellen, dass ich nur auf meine Boxen zugreifen kann und nicht auf das Heos-System meines Nachbarn, das unter Umständen in WLAN-Reichweite sein könnte. Bei Sony-Systemen ist das die Verifizierung der Verbindung via NFC, bei Sonos musst du zwei Knöpfe zur Bestätigung drücken. Bei Denon ist das weit archaischer. Bei den Heos-Speakern musst du das Handy via 3.5mm-Klinkenstecker mit der Box verbinden.

Ja, der 3.5mm-Klinkenstecker. Derselbe Stecker, der im neuesten iPhone abgeschafft worden ist. Derselbe Stecker, der in kommenden Modellen anderer Handy-Hersteller wohl auch nicht mehr verbaut wird. Aktuell sieht es zwar düster aus für den Stecker mit Tradition, doch ist davon auszugehen, dass Denon sich dem anpassen wird, sobald die Notwendigkeit da ist. Dafür spricht nicht nur der Fakt, dass die Firma schon seit 100 Jahren im Business ist. Denn Denon blickt in die Zukunft, denn die Speaker sind in der Lage, High Definition Audio abzuspielen. Wenn du dir einen Gefallen tun willst, dann spiel eine FLAC-Datei über die Speaker ab.

Eine Stereoanlage, das weisst du so gut wie ich, ist etwas, das du dir kaufst und dann mehrere Jahre lang geniesst. Bei den Denon Heos läufst du akute Gefahr, dass du in fünf Jahren kein Gerät mehr hast, das ohne grösseren Aufwand oder Dongle-Geschichte aufgesetzt werden kann. Nach dem Setup stört vor allem das gigantische LED-Licht an den Speakers, aber das lässt sich per App ausschalten.

Das soll dich jetzt aber nicht vom Kauf abhalten, weil der Sound ist gut. Wirklich gut.

Die Kleinen machen den Unterschied

Vor allem sind es die kleinen Speaker, also die Heos 1er-Serie, die beeindrucken. Auf kleinem Raum hat Denon gezeigt, was der Traditionsbetrieb drauf hat. Die Speaker liefern für die Grösse schönen Sound und machen Laune. Sogar in der Küche, wo in der Regel grosses Remmidemmi herrscht, ist auch während der Dampfabzug rumort schöne Musik zu hören. Nicht, weil die Boxen so laut sind, sondern weil sie einfach guten Sound machen, der nicht laut sein muss, um gewissen Radau zu übertönen.

Die Heos 5er-Serie beeindruckt wirklich. Die Geräte haben in etwa das Format eines Toasters, sind vielleicht aber etwas grösser. Darin verpackt ist mehr Sound Power als in manch einer Stereoanlage. Tiefe Bässe, klare Hochtöne, mein Home Office ist gefüllt mit angenehmem Klang.

Soundbar
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Die Soundbar hingegen ist ein komischer Kandidat. Der Sound ist nicht schlecht. Im Gegenteil. In Kombination mit dem Subwoofer klingt «Mad Max: Fury Road» so furios, wie er klingen soll, aber die grosse Überraschung, der Wow-Effekt, bleibt aus. Die Soundbar liefert genau das, was sie soll, haut mich aber nicht um. Ich hoffe, dass das in deinem Wohnzimmer anders klingen wird, denn ohne die Soundbar ist das Home Cinema nicht komplett und wenn du dein Home Cinema System nicht in deinen Multiroom-Sound einbinden kannst, dann sind das doch verschwendete Speaker, nicht?

Streaming einfach gemacht

Die Heos App für Google Android und Apple iPhone ist eine Software, die du kaum brauchen wirst. Denn die Speaker können direkt via Spotify angesteuert werden, genau wie andere Streaming-Dienste, sofern diese offene Schnittstellen anbieten. Wenn du aber Lautsprecher gruppieren willst, dann brauchst du die App wieder. Gerne würde ich hier ein Widget sehen, mit dem ich Boxen einfacher gruppieren kann.

Ansonsten ist es nach dem initialen Setup möglich, die Heos-Speaker ohne Zugriff auf die Heos-App zu verwenden. Im Zeitalter, in dem es für alles mindestens eine App gibt, die gezwungenermassen verwendet werden muss, ist das sehr entspannend und wirklich nett. Für lokale Musik auf einem lokalen Server oder einem lokalen Gerät würde ich aber die Heos-App verwenden. Es geht auch über andere Apps, aber der Fokus in der Integration liegt klar auf Streaming-Diensten.

Das Fazit

Denon ist eine Traditionsmarke, die den jungen Hüpfern im Feld noch immer zeigen kann, was geht. Leider sind sie im Moment grade am Punkt angelangt, wo auf kritische Funktionalität nur durch Technologie Dritter zugegriffen werden kann. Das Problem: Diese Technologie – der 3.5mm-Klinkenstecker – sieht sich aktuell einer schwierigen Zukunft gegenüber. Daher, auch wenn ich die Audioqualität und die Hardware jedem empfehlen kann, würde ich – für ein Setup das so zukunftssicher wie möglich ist – auf die nächste Generation Heos-Speaker warten, auch wenn davon auszugehen ist, dass die aktuelle Speaker-Generation softwareseitig abgesichert wird.

Update 29.12.2016

Wie einige Kommentatoren und Denon Schweiz richtig erwähnt haben, ist es möglich, die Speaker auch mit einem RJ45-Kabel aufzusetzen. Dies habe ich in einem frühen Entwurf dieses Artikels mal erwähnt gehabt, dann aber festgesetellt, dass das Sätzlein, das ich da hatte, aus dem Nichts kam und nirgendwo hin ging und so den Textfluss erheblich gestört hat. Das war wohl eine Fehleinschätzung der Situation meinerseits für die ich mich entschuldige.

Daher, hier der Absatz, den ich hatte: Es ist auch möglich, die Denon-Speaker mittels Direktverbindung von Router und Speaker ins Netzwerk einzubinden. Das ist zwar etwas zukunftssicherer, aber extrem umständlich. Vor allem Subwoofer und Soundbar wollte ich nicht unnötig durch die Wohnung schleppen und meinen Router nicht extra vom obersten Regalfach herunternehmen, weswegen ich mein altes 145 Gramm schweres Samsung Galaxy S5 für das Setzo aus der Schublade geholt habe.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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