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Produkttest

Die Panasonic Lumix L10 ist keine Fujifilm X100VI

David Lee
19.10.2026
Bilder: David Lee

Eine Kamera mit handlichen Abmessungen und fest verbautem Objektiv: Die Panasonic Lumix L10 sieht aus wie eine Alternative zur Fujifilm X100VI. Es gibt jedoch bedeutende Unterschiede.

Theoretisch ist die Panasonic Lumix L10 schon seit Juni 2026 erhältlich, aber die Stückzahlen scheinen arg limitiert zu sein. Ich bekam mein Testexemplar erst im Oktober. Mein erster Gedanke beim Auspacken: «Das ist keine Kompaktkamera mehr.» Die L10 ist etwa so gross wie eine kleine Systemkamera oder wie die Fujifilm X100VI. Und wesentlich grösser als die Ricoh GR IV. Obwohl sie einen kleineren Sensor als die beiden hat. Damit du die Grössenverhältnisse sofort siehst, zeige ich dir den Vergleich von Camerasize.com.

Geht so mit kompakt: Die Ricoh GR IV ist deutlich kleiner.
Geht so mit kompakt: Die Ricoh GR IV ist deutlich kleiner.
Quelle: camerasize.com

Vergleich mit Vorgängermodell und Konkurrenz

Es ist nicht nur die Grösse und die schlechte Verfügbarkeit, welche die Panasonic Lumix L10 mit der Fujifilm X100VI gemeinsam hat. Beide Kameras kommen mit fest eingebautem Objektiv und im Retro-Design daher. Ein wichtiger Unterschied: Die L10 hat ein Zoom-Objektiv, während bei der Fujifilm X100VI eine Weitwinkel-Festbrennweite zum Einsatz kommt. Das Zoom-Objektiv steht etwas weiter hervor. Da aber beide Kameras sowieso kaum in eine Hosentasche passen, ist das kein echter Nachteil.

Das Objektiv steht auch im eingefahrenen Zustand weiter hervor.
Das Objektiv steht auch im eingefahrenen Zustand weiter hervor.
Quelle: camerasize.com

Das Objektiv hat eine aufs Kleinbild umgerechnete Brennweite von 24 bis 75 Millimetern und kam schon bei der LX100 II von 2018 zum Einsatz. Diese kann man als Vorgängermodell sehen, auch wenn sie vom Namen her einer anderen Reihe angehört.

Die Panasonic Lumix L10 als Fujifilm X100VI mit Zoom zu bezeichnen, wäre aber falsch. Die effektiv nutzbare Auflösung ist nur halb so hoch, das Bedienkonzept unterscheidet sich stark, ebenso viele Details. Einen ersten Überblick gibt die Tabelle.

Bedienung: anfänglich schwierig, dann okay

Die Panasonic-Kamera hat viele Buttons, deutlich mehr als bei der Konkurrenz von Fujifilm. Vielleicht sind es sogar zu viele. Die Wiedergabetaste liegt praktisch unter dem Daumen – kein Wunder, drücke ich sie hin und wieder versehentlich.

Liegt der Daumen flach auf der Rückseite, betätige ich damit die Wiedergabetaste.
Liegt der Daumen flach auf der Rückseite, betätige ich damit die Wiedergabetaste.

Die L10 hat auf der Frontseite kein Wählrad, nur auf der Rückseite. Das Steuerkreuz lässt sich ebenfalls drehen, womit man dann doch zwei Räder zur Verfügung hat. Für die Blende braucht es kein Wählrad, sie lässt sich am Objektiv einstellen. Man kann die Einstellung aber auch auf ein Drehrad legen.

Für Letzteres muss am Objektiv «A» eingestellt sein. Das ist anfangs verwirrend, denn mit «A» wird keineswegs die Blendenautomatik (S- oder P-Modus) aktiviert. Dies geschieht über das Moduswählrad. Das Bedienkonzept der Fujifilm X100VI finde ich diesbezüglich wesentlich intuitiver. Dort gibt es auch ein Rad für die Verschlusszeit, beide können auf automatisch gestellt werden. Dadurch ergeben sich die Modi P, S, A und M von selbst, es braucht kein Moduswählrad. Bei der Panasonic Lumix L10 hingegen schon.

Die L10 hat einen Blendenring, aber kein Verschlusszeit-Rad.
Die L10 hat einen Blendenring, aber kein Verschlusszeit-Rad.

Die Kamera lässt sich sehr frei konfigurieren. Das ist gut – und meiner Meinung nach auch nötig, denn die Werkseinstellungen sind nicht immer besonders sinnvoll. Zum Beispiel konnte ich das Autofokus-Feld zu Beginn nur über den Touch-Screen verschieben; unpraktisch, wenn ich durch den Sucher blicke. Es war aber kein Problem, die Feldwahl auf die linke Taste des Steuerkreuzes zu legen.

Das Objektiv lässt sich nur elektronisch zoomen – über eine Wippe am Auslöser oder über den Zoomring am Objektiv. Da ich nicht zwei Bedienelemente für exakt dasselbe brauche, bin ich froh, dass ich den Zoomring auch anders belegen kann. Zum Beispiel kann ich so die ISO-Wahl direkt zugänglich machen. Oder ich aktiviere beim Ring den Step-Zoom und über die Wippe wird stufenlos gezoomt. Bei manuellem Fokus wird der Ring zum Fokusring.

Flexible Seitenverhältnisse

Freude machen mir die Schieber direkt am Objektiv, mit denen ich den Fokusmodus und das Seitenverhältnis wählen kann. Das war schon bei meiner LX3 aus den Nullerjahren so; Panasonic ist diesem Konzept treu geblieben. Damit verbunden ist auch eine ungewöhnliche Nutzung der Sensorfläche.

Je nach Seitenverhältnis nutzt die Panasonic Lumix L10 einen unterschiedlichen Bereich des Sensors.
Je nach Seitenverhältnis nutzt die Panasonic Lumix L10 einen unterschiedlichen Bereich des Sensors.

Der Sensor ist etwas grösser als der Bildkreis. Egal ob 4:3, 1:1, 16:9 oder 3:2 – in keinem Seitenverhältnis wird die gesamte Sensorfläche genutzt. Der Sensor hat 26 Megapixel, aber effektiv nutzbar sind nur 20. Der Vorteil dabei: Es gibt mehrere gleichwertige Seitenverhältnisse. Die meisten Kameras können alternative Seitenverhältnisse nur erzeugen, indem sie das Originalbild beschneiden. Die Panasonic-Kamera ist dagegen flexibel. Das alte Feature passt erstaunlich gut in die heutige Medienlandschaft.

Bildqualität: wie immer

Früher war die Bildqualität das Wichtigste bei einem Kameratest; heute ist das ein Punkt, der unter «ach ja, übrigens» läuft. Die Sensoren sind selten neu, und wenn doch, bringen sie kaum Verbesserungen bei Bildrauschen und Dynamik. Kurz gesagt: Man kenntʼs, und es ist okay. Aber kein Kaufgrund für ein neues Gerät.

Das ist auch bei der L10 nicht anders. Der Sensor fand schon in den Systemkameras GH7 und der G9II Verwendung. Für das relativ kleine MFT-Format ist er sehr gut – wenig Rauschen, viel Dynamik.

Harte Kontraste lassen sich durch die hohe Dynamik gut ausgleichen.
Harte Kontraste lassen sich durch die hohe Dynamik gut ausgleichen.

Das Objektiv hat einen eingebauten Bildstabilisator. Nicht aber der Sensor. Das reicht für Belichtungszeiten bis etwa 1/10 Sekunde aus der freien Hand. Bei meinem Exemplar sind im Weitwinkel die Ränder unscharf. Ansonsten liefert es die geforderte Schärfe. Die genaue Schärfeleistung eines Objektivs kann von Gerät zu Gerät variieren.

Nachtaufnahme bei ISO 1600 und 1/5 Sekunde aus der freien Hand. Bei dieser Verschlusszeit waren mehrere Versuche nötig.
Nachtaufnahme bei ISO 1600 und 1/5 Sekunde aus der freien Hand. Bei dieser Verschlusszeit waren mehrere Versuche nötig.

Autofokus ohne auffällige Schwächen

Nicht nur der Sensor, sondern auch der Autofokus verrichtet seine Arbeit bei schwachem Licht gut. Selbst nachts stellt die Kamera problemlos scharf. Dabei kommt ein rotes AF-Hilfslicht zum Einsatz. Der Autofokus ist aber nicht unbedingt auf dieses Licht angewiesen, denn er funktioniert auch bei Distanzen über drei Metern noch.

Wie heute üblich, erkennt auch die Panasonic Lumix L10 Motive wie Gesichter, Augen, Tiere oder Fahrzeuge. Es gibt keine automatische Motivwahl; «Tiere» ist aber doch sehr allgemein. Hunde und Katzen erkennt die Kamera gut. Für Vögel hat das Objektiv zu wenig Brennweite, darum habe ich das gar nicht getestet.

Die Kamera hat eine AF-On-Taste, aber keine Taste, die alle Autofokus-Optionen öffnet. Das ist aber kein Problem, weil sich alles umprogrammieren lässt. Zum Beispiel kann ich eine Funktionstaste mit dem AF-Modus belegen. Dieser ermöglicht nicht nur die Wahl des Fokusfelds, sondern auch der Motiverkennung. Nur die Umschaltung zwischen AF-S und AF-C ist so nicht erreichbar.

Im Makro-Modus sind auch Nahaufnahmen möglich. Im Weitwinkel kann man das Motiv fast berühren und immer noch scharf stellen. Im Tele bringe ich leider keine solche Vergrösserung zustande. Ausserdem gibt da der Autofokus ein fehlerhaftes Feedback: Er signalisiert mir, dass er scharfgestellt hat, obwohl das nicht der Fall ist.

Im Makromodus kommt man extrem nahe heran – leider nur im Weitwinkel.
Im Makromodus kommt man extrem nahe heran – leider nur im Weitwinkel.

Speed und Rolling Shutter

Die Kamera erreicht mit dem mechanischen Verschluss eine Serienbildgeschwindigkeit von 9 Bildern pro Sekunde. Das ist weder besonders schnell noch besonders langsam, es reicht für die meisten Zwecke. Mit dem elektronischen Verschluss schafft die Kamera 30 Bilder pro Sekunde. Hier stellt sich die Frage nach dem Rolling-Shutter-Effekt. Bei sehr schnellen Bewegungen verformen sich die Linien mit dem mechanischen Verschluss, wenn der Sensor nicht schnell genug ausgelesen werden kann.

Der Ventilatortest zeigt, dass der elektronische Verschluss brauchbar ist. Die Rotoren verformen sich sichtbar, aber ich habe diesbezüglich schon weit Schlimmeres gesehen.

Lumix L10 mit mechanischem Verschluss
Lumix L10 mit mechanischem Verschluss
Lumix L10 mit elektronischem Verschluss
Lumix L10 mit elektronischem Verschluss
Canon EOS R6 Mark III (el.)
Canon EOS R6 Mark III (el.)
Canon EOS R7 (el.)
Canon EOS R7 (el.)

Video: viele Formate, wenig Anschlüsse

Die Kamera verfügt über eine riesige Auswahl an Video-Qualitätseinstellungen. Die höchste davon kann sich sehen lassen: 5632×1976 bei 60 Frames pro Sekunde (FPS). Dies entspricht dem Seitenverhältnis 17:9. Dazu gibt es auch so etwas Ähnliches wie Open Gate. Echtes Open Gate würde bei dieser Sensornutzung keinen Sinn ergeben, aber im Seitenverhältnis 4:3 schafft die Kamera eine Video-Auflösung von 5184×3888 – wenn auch nur mit 30 FPS. Selbstverständlich sind auch ganz gewöhnliche Formate wie 4K/UHD möglich – in Oversampling-Qualität.

Trotz dieser beeindruckenden Spezifikationen bietet die Kamera kein Spitzen-Gesamtpaket für Video. Erstens fehlen wichtige Video-Anschlüsse. Weder ein HDMI- noch ein Kopfhörerausgang sind vorhanden – in dieser Preisklasse ungewöhnlich. Hinzu kommen Probleme mit Überhitzung. Im Test lief die Kamera in der höchsten Aufnahmequalität bei Zimmertemperatur gerade mal 11 Minuten, bevor sie sich wegen Überhitzungsgefahr ausschaltete. Dies trotz optimaler Wärmeabfuhr: Sie stand frei auf einem Stativ und hatte den Bildschirm ausgeklappt. Bei einem weiteren Test mit UHD-Auflösung und 50 FPS verstrichen 25 Minuten bis zum Überhitzungs-Ende.

Starker Akku, aber auch energiehungrig

Im relativ grossen Gehäuse hat ein grosser Akku Platz. Er fasst 2200 mAh – das ist mehr als doppelt so viel wie bei der LX100 II und deutlich mehr als bei der Fujifilm X100VI. Die effektive Akkulaufzeit ist nicht ganz so eindrücklich – offenbar ist der Prozessor energiehungrig. Mit dem elektronischen Sucher schafft die Kamera im CIPA-Testverfahren 410 Fotos, die Fuji 310. Die Fujifilm-Kamera bietet zudem neben dem elektronischen auch einen optischen Sucher, mit dem sie 450 Fotos schafft. Bei Panasonic gibt es diese Möglichkeit nicht.

Panasonic liefert weder ein Ladegerät noch ein Ladekabel mit. Da die meisten Leute bereits ein USB-C-Ladekabel besitzen, ist das nicht unbedingt schlecht, es vermeidet Elektroschrott. Aber man muss es wissen, wenn man die Kamera bestellt.

Fazit

Eine flexible Alltagskamera

Die Panasonic Lumix L10 eignet sich gut für Street-Fotografie und Reisen. Darüber hinaus ist sie eine gute Alltagskamera für alle, die nicht immer mit dem Smartphone knipsen wollen. Für Sport- und Wildtierfotografie ist sie wegen der kurzen Brennweite nur sehr eingeschränkt tauglich, obwohl der Autofokus und die Geschwindigkeit dafür gerüstet wären.

Im Vergleich mit der Fujifilm X100VI ist die Panasonic Lumix L10 die flexiblere Kamera. Einerseits wegen des Zoom-Objektivs, andererseits wegen der freien Wahl der Seitenverhältnisse. Flexibler heisst aber nicht besser. Die effektiv nutzbare Auflösung ist gerade mal halb so hoch, die Anschlüsse sind mager. Das Objektiv wird stabilisiert, nicht aber der Sensor (bei Fujifilm ist es umgekehrt). Und der hybride Sucher der X100VI bleibt weiterhin ein Alleinstellungsmerkmal von Fujifilm.

Völlig anders ist auch das Bedienkonzept. Meiner Meinung nach ist es weniger stimmig als bei Fujifilm, aber nach einigen individuellen Anpassungen durchaus alltagstauglich. Die grosse Stärke ist auch hier die Flexibilität: Die Konfigurationsmöglichkeiten sind endlos, jede Taste lässt sich mit einer beliebigen Funktion versehen.

Zwiespältig ist die Videofunktion: Einerseits überzeugt sie durch eine gute Bildqualität und eine immense Auswahl an Formaten. Andererseits enttäuscht sie durch fehlende Anschlüsse und schnelle Überhitzung. Letzteres macht im Videogebrauch auch die eigentlich gute Akkulaufzeit zunichte. Für Fotos jedoch ist der starke Akku ein echtes Plus.

Pro

  • Objektiv vielseitig verwendbar
  • brauchbar bei wenig Licht
  • gute Videoqualität
  • solide Akkulaufzeit
  • flexible Seitenverhältnisse ohne Verlust
  • frei konfigurierbar

Contra

  • nicht wirklich kompakt
  • eher tiefe Auflösung
  • HDMI- und Kopfhörerausgang fehlen
  • Wiedergabe-Button anfällig für versehentliches Drücken
  • nicht besonders durchdachte Werkseinstellungen
  • keine Sensor-Bildstabilisierung
Produktbild Panasonic Lumix L10 (24 - 75 mm, 20.40 Mpx, 4/3)
Kamera
EUR1499,–

Panasonic Lumix L10

24 - 75 mm, 20.40 Mpx, 4/3

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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