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Produkttest

Mit der Canon R8 Mark II kannst du es besser, aber nicht länger

David Lee
27.9.2026
Bilder: David Lee

Die neueste Systemkamera aus dem Hause Canon ist insgesamt ein gelungener Wurf. Sie hat aber auch einen völlig unnötigen Schwachpunkt.

Eine Redewendung auf Englisch lautet: If it ain't broke, don't fix it – wenn etwas nicht kaputt ist, dann reparier es nicht. Bei der neuen Canon EOS R8 Mark II wirkt es ein wenig so, als hätte der Hersteller genau das getan. Das Design der bisherigen Canon-Kameras war alles andere als kaputt, die Ergonomie hervorragend. Dennoch wurde das Gehäuse nun komplett überarbeitet und dürfte sich wohl auch in künftigen Kameras so ähnlich wiederfinden.

Ergonomie und Bedienung

Das kantige Design soll sich an Canon-Spiegelreflexkameras der 1980er-Jahre anlehnen. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass es auch den Sony-Kameras ähnelt. Finde ich schade, denn ich mag es, wenn sich die Marken auch äusserlich unterscheiden. Ausserdem fand ich die Ergonomie bei Canon immer leicht besser als bei Sony.

Schlecht fühlt sich das neue Design aber keineswegs an. Dort, wo Finger und Daumenballen sitzen, ist das Gehäuse noch immer genügend abgerundet. Der Handgriff hätte für meinen Geschmack ruhig etwas dicker ausfallen können. Meine Finger stossen vorne an, obwohl sie nicht besonders lang sind. Das hat aber weniger mit dem neuen Design zu tun, sondern eher damit, dass die R8 Mark II ein kompaktes Gehäuse hat. Es lässt sich durch einen Griff erweitern. Tatsächlich fühlt sich das komfortabler an. Auf Zeige-, Mittel- und Ringfinger hat es aber keinen Einfluss.

Rückseite mit dem Erweiterungsgriff.
Rückseite mit dem Erweiterungsgriff.

Schon fast überflüssig zu erwähnen: Alles wirkt sehr solide, nichts klappert, knarzt oder lottert. Die Knöpfe haben den richtigen Widerstand, nicht zu leicht, nicht zu streng.

Die Kamera hat keine mechanischen Arretierungen, aber eine Lock-Taste. Das Modusrad kann damit nicht gesperrt werden, es ist jedoch nicht anfällig für versehentliche Verschiebungen.

Ein deutlicher Fortschritt ist der Mini-Joystick, der beim Vorgängermodell fehlt. Damit kann ich das Autofokusfeld einfacher verschieben. Er kann auch bei der Menü-Navigation nützlich sein.

Bildstabilisator: nur Vorteile

Die zweite grosse Neuerung gegenüber dem Vorgänger ist der eingebaute Bildstabilisator (IBIS, in-body image stabilization). Anders als das neue Design ist dieser unkontrovers und fraglos positiv. Allerdings war es auch etwas schräg, dass die erste R8 keinen hatte – Nikons Konkurrenzmodell, die Z5, hatte von Beginn weg einen.

Der Bildstabilisator ermöglicht Aufnahmen in der Nacht aus der freien Hand. Auch bei mehr Licht ist er nützlich: Die ISO kann heruntergedrückt werden, die Bilder rauschen weniger. Schliesslich ermöglicht der IBIS ein ruhigeres Bild bei Videoaufnahmen und ein weniger zittriges Sucherbild bei Teleaufnahmen. Der CIPA-Wert von 7,5 Lichtstufen entspricht heutigen Standards und macht einen riesigen Unterschied gegenüber Kameras ohne Stabilisator.

Ohne Strassenbeleuchtung mit verdecktem Mond reicht es immer noch für ein unverwackeltes Bild. 0,5 Sekunden, 24mm, 25600 ISO.
Ohne Strassenbeleuchtung mit verdecktem Mond reicht es immer noch für ein unverwackeltes Bild. 0,5 Sekunden, 24mm, 25600 ISO.

Sport und Wildtiere kein Problem

In jüngerer Vergangenheit hat Canon auch bei den günstigen Kameras Autofokus-Systeme mit guter Motiverkennung eingebaut. Zum ersten Mal aufgefallen ist mir das beim Test der Canon EOS R50. Ich erwartete also viel – und wurde nicht enttäuscht.

Ein erster kurzer Test mit Basketball- und Fussballjongleuren zeigte praktisch durchs Band korrekt fokussierte Bilder. Danach konzentrierte ich mich auf Vögel. Positiv überrascht hat mich, dass die Motiverkennung sogar durch Baumzweige und -blätter hindurch funktioniert. Das war bislang bei allen Tests schwierig bis unmöglich.

Selbst zwischen Zweigen erkennt die Kamera den Vogel.
Selbst zwischen Zweigen erkennt die Kamera den Vogel.

Auch sonst klappte die Erkennung problemlos. Selbst wenn der Vogel dunkel ist und das Auge praktisch nicht sichtbar – die Motiverkennung stellt aufs Auge scharf. Grössere Vögel erwischte ich auch im Flug problemlos. Dort ist allerdings die eher niedrige Auflösung ein Nachteil, da es selten gelingt, einen Vogel gross ins Bild zu holen. Mit einer R5 bist du da besser dran.

Der Autofokus ist bei fliegenden Greifvögeln kein Problem – aber nur selten bringt man sie so gross ins Bild wie hier. Oft reicht dann die Auflösung nicht mehr aus.
Der Autofokus ist bei fliegenden Greifvögeln kein Problem – aber nur selten bringt man sie so gross ins Bild wie hier. Oft reicht dann die Auflösung nicht mehr aus.

Mit der Pre-Recording-Funktion kannst du Fotos eine halbe Sekunde lang «rückwirkend» aufnehmen, wenn du den Auslöser halb durchgedrückt hältst. Im Unterschied zu früher werden diese Bilder jetzt als ganz normale Aufnahmen gespeichert und nicht mehr in ein umständliches Container-Format gesteckt. Schade, dass die Funktion nur in der Maximalgeschwindigkeit von 40 FPS zur Verfügung steht und nicht zum Beispiel 20 Bilder auf eine Sekunde verteilt.

Der Pufferspeicher reicht für 73 RAW-Bilder oder 190 JPEGs. Das sind 30 Prozent mehr als beim Vorgänger, was meistens ausreicht. Dadurch, dass du bei Pre-Recording an 40 FPS gebunden bist, kann es aber schon mal eng werden. Und die Kamera braucht mindestens zehn Sekunden, um den Inhalt des Puffers auf die Karte zu schreiben. Während dieser Zeit kannst du keine Fotos machen.

Der mechanische Verschluss ist mit sechs Bildern pro Sekunde für heutige Verhältnisse langsam. Er ist aber die einzige Möglichkeit, den Rolling-Shutter-Effekt zu verhindern. Dieser ist zum Glück nicht allzu stark ausgeprägt. In meinem allseits beliebten Ventilatortest schneidet die R8 Mark II kaum schlechter ab als die Canon EOS R6 Mark III oder die Sony Alpha 7 V.

Canon EOS R8 Mark II
Canon EOS R8 Mark II
Sony Alpha 7 V (oben links), Canon EOS R6 Mark III (oben rechts), Sony Alpha 7 IV (unten links), mechanischer Verschluss (unten rechts).
Sony Alpha 7 V (oben links), Canon EOS R6 Mark III (oben rechts), Sony Alpha 7 IV (unten links), mechanischer Verschluss (unten rechts).

Praktische Video-Funktion

Das Pre-Recording steht auch für Videos zur Verfügung – hier mit komfortablen drei oder fünf Sekunden. Foto- und Video-Modus sind getrennt, wobei du auch im Foto-Modus spontan ein Video aufnehmen kannst. Bei 4K-Videos gibt es auch in höheren Framerates von 50 und 60 FPS keine Abstriche: Oversampling-Qualität garantiert scharfe Aufnahmen und der Bildausschnitt bleibt derselbe. 4:2:2, 10 bit und Canon-Log 3 sind ebenfalls dabei.

Praktisch für Videos ist der voll bewegliche Bildschirm, auf dem du dich selbst sehen kannst. Ein Tally Light signalisiert von vorne, ob die Aufnahme läuft. Anders als beim Vorgängermodell ist das Kartenfach auf der Seite. Dadurch kannst du die Speicherkarte herausnehmen und einsetzen, ohne die Kamera vom Stativ zu nehmen. Es gibt allerdings weiterhin nur einen Kartenslot. Auch hier verweise ich auf die Nikon Z5, die schon in der ersten Version zwei Fächer hatte.

Der HDMI-Anschluss läuft über eine Micro-Buchse. Micro-HDMI ist etwas fummelig, aber in dieser Preisklasse ist das normal. Für eine HDMI-Buchse in voller Grösse musst du auf die wesentlich teurere R6 Mark III ausweichen.

Die Anschlüsse der R8 Mark II.
Die Anschlüsse der R8 Mark II.

Die Kamera kann automatisch unscharf stellen – ein cooler Effekt zum Abschluss eines Videos oder vor einem Schnitt. Von Hand ist es schwierig, das regelmässig und immer gleich hinzukriegen. Diese Defokus-Funktion ist gut versteckt in den Einstellungen zur Tastenbelegung. Man kann sie zum Beispiel auf die Sternchen-Taste legen und dabei Geschwindigkeit und Grad der Defokussierung wählen. Drücke ich während einer Aufnahme auf die Taste, stellt die Kamera allmählich unscharf.

Allerdings sieht man auch einen leichten Ruckler, wenn ich auf die Taste drücke. Ob der Effekt auch via Smartphone-App ausgelöst werden kann, habe ich nicht herausgefunden – die App erkannte zum Testzeitpunkt die Kamera noch nicht.

Kurz ausprobiert habe ich auch die Produktpräsentation. Dabei stellt die Kamera automatisch auf ein in die Kamera gehaltenes Objekt scharf – und wechselt wieder auf die Gesichtserkennung, wenn das Objekt weg ist. Zum ersten Mal gesehen habe ich das Feature vor sechs Jahren bei der Sony ZV-1, mittlerweile gibt es das auch bei anderen Marken. Canon nennt es «Autofokus für Nahaufnahme-Demos». Es funktioniert einwandfrei.

Was nicht so toll ist

Der Sensor liegt beim Objektivwechsel offen da. Nur bei den teuersten Modellen bietet Canon an, dass sich der Verschlussvorhang beim Ausschalten über den Sensor legt und ihn schützt. Das verstehe ich nicht ganz – ein sauberer Sensor ist weder ein Luxus noch ein Profi-Feature.

Der Sensor ist beim Objektivwechsel ungeschützt.
Der Sensor ist beim Objektivwechsel ungeschützt.

Der grösste Schwachpunkt der R8 Mark II ist eindeutig der Akku. Die Kapazität des LP-E17 beträgt nur 1040 mAh – das ist extrem wenig, selbst eine halbwegs moderne Kompaktkamera wie die Canon G7x III hat mehr. Dementsprechend kurz sind die Akkulaufzeiten. Mit 4K und 50 FPS reicht der Akku gerade mal für 40 Minuten Video. Immerhin überhitzt die Kamera dabei nicht.

Ausserdem ist die Akkuanzeige ungenau. Selbst im Menü kann ich mir keine Prozentangabe anzeigen lassen. Ich sehe nur, ob der Akku voll, halb voll oder viertel voll ist. Das hat mich im Test auf dem falschen Fuss erwischt: Eben noch wurde der Akku als voll angezeigt, eine knappe Stunde später blinkte die rote Warnmeldung und ich musste nach Hause. Ein Zweitakku ist bei dieser Kamera Pflicht.

Links das Akkufach der Canon EOS R5 II, rechts der R8 Mark II.
Links das Akkufach der Canon EOS R5 II, rechts der R8 Mark II.

Fazit

Mit einem Zweitakku passt das

Gute Porträt- und Landschaftsfotos ermöglichen die meisten Kameras. Die Canon EOS R8 II taugt aber auch für Sport, Action und Wildtierfotografie. Die Motiverkennung des Autofokus ist hervorragend, die Serienbildgeschwindigkeit sehr hoch und Pre-Recording ein willkommene Ergänzung für die Action- und Wildlife-Fotografie. Die Videofunktion bietet mit 4K60-Oversampling, einer Aufnahmeleuchte, einem Präsentationsmodus und einer Defokus-Funktion ein praktisches und leistungsfähiges Gesamtpaket.

Die R8 Mark II verwendet einen schon älteren Sensor, der weder besonders schnell noch besonders hochauflösend ist. Das ist der Hauptunterschied zu einem teuren Modell wie der R5 Mark II. Auch die übrigen Kritikpunkte sind alle typisch für eine Kamera, die nicht im High-End-Bereich angesiedelt ist – und insofern nicht überraschend. Das Preis-Leistungs-Verhältnis passt auf jeden Fall. Das einzige, was ich auch bei dem günstigen Preis nicht okay finde: Dass Canon keinen grösseren Akku verwendet. Das würde nicht nur die Laufzeit verbessern, sondern auch die Ergonomie, weil der Handgriff grösser würde.

Pro

  • sehr gute Motiverkennung
  • hohe Serienbildgeschwindigkeit
  • Joystick
  • gute Performance bei wenig Licht
  • Pre-Recording
  • praktische Video-Features
  • moderater Preis

Contra

  • schwache Akkulaufzeit
  • unpräzise Akkuanzeige
  • mittelmässige Auflösung
  • Pre-Recording nur in Maximalgeschwindigkeit
  • Rolling Shutter und langsamer mechanischer Verschluss
  • keinen Slot für zweite Speicherkarte
  • Sensor beim Objektivwechsel ungeschützt
Produktbild Canon EOS R8 Mark II Body CENV (24.20 Mpx, Vollformat)
Kamera
Neu
EUR1799,–

Canon EOS R8 Mark II Body CENV

24.20 Mpx, Vollformat

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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