
Kunstmesse, aber Design: meine Highlights von der Art Basel 2026
An der Art Basel entscheiden oft nur Sekunden, was deinen Blick auf sich zieht – zwischen Millionen-Kunstwerken und, ausgerechnet, einer Kirche. Auch dieses Jahr hat sich wieder spannendes Collectible Design versteckt.
Offiziell dreht sich an der Art Basel ja alles um Kunst. Inoffiziell pirscht sich auch dieses Jahr wieder einiges an Collectible Design durch Hallen, Showrooms und Satelliten-Events. Ich habe mich für dich diszipliniert durch die Art Basel, die Maze, die Swiss Design Awards und den Social Club Basel geschoben und mich nur auf Möbel und Co. konzentriert. Mein persönliches Highlight: eine Designausstellung in einer echten Kirche. Aber zuerst der Reihe nach.
Die Bank mit den Fliegen
Für den Brunnen auf dem Messeplatz der Art Basel hat Nairy Baghramian ihr Werk «Modèle vivant (S'empilant)» installiert: vier skulpturale Gruppen, die biomorphe Formen mit geometrischen Stützstrukturen verbinden. Als Art Basel Gold Awardee bespielt die Berlinerin den sonst übersehenen Brunnen. Abstrakte Alu-Güsse in zarten Farben balancieren scheinbar prekär auf polierten Stahlarmaturen, ohne die Wasserspiele des Brunnens zu stören. Daneben steht eine Sitzbank, gekachelt und übersät mit fotografischen Abdrücken von Fliegen.


Eine Arbeit, die zwischen Körper, Ruhe und Schwebezustand liegt. Und die du kaum erwartest, wenn du eigentlich nur am Brunnen vorbeischlendern willst.
Lehm zeichnet seine eigene Landkarte
Sieben Siebschalen schweben im Raum, jede gefüllt mit einer anderen Lehmsorte. Über ein Jahr lang haben Roger Boltshauser und sein Team Fundproben aus der ganzen Schweiz gesammelt, um Ursprung, Tragfähigkeit, Farbigkeit und Eigenschaften des Materials zu untersuchen. In der Installation setzen die Siebschalen diese Lehmsorten in Bewegung, und am Boden formt sich nach und nach eine eigene Landkarte. Eine Topografie aus Farben, Texturen und Herkunft.


Was zufällig aussieht, ist eigentlich ein präziser Prozess aus Zersetzung, Sortierung und Wiederverbindung, sinnlich erfahrbar. Zu sehen ist «Map of Clay» noch bis zum 21. Juni bei den Swiss Art Awards während der Art Basel.
Wenn der Ölkanister zur Lampe wird
Alfredo Aceto baut Lampen aus alten Motorölbehältern als Fuss, kombiniert mit ganz gewöhnlichen Lampenschirmen. Auf den Behältern sind noch Logos und Gebrauchsspuren zu sehen, fast wie ein Upcycling-Projekt inklusive eigenem Grafikdesign. Aus Industrieschrott wird so ein Wohnaccessoire mit Geschichte.



Seine vielen verschiedenen «Oil Lamps» wurden sowohl bei den Swiss Design Awards als auch im Social Club Basel präsentiert.
Ein Stuhl aus reiner Abstraktion
Wie weit lässt sich ein Stuhl reduzieren, ohne seine Funktion zu verlieren? Genau das fragt sich Syndicate Architects bei der «Polygon»-Kollektion, die Design auf abstrakte, geometrische Elemente herunterbricht, inspiriert von Computergrafiken der frühen 90er.


Beim «Polygon Chair» sind es einzelne, vertraute Bauteile, die für sich genommen komplett abstrakt bleiben. Erst in der Kombination entsteht ein Objekt mit erkennbarer Bedeutung. Die Verbindung zwischen den Elementen ist dabei bewusst so flüchtig gehalten, dass sie ihre abstrakte Qualität nicht verlieren: ein vertrauter Gegenstand, zusammengesetzt aus reiner Abstraktion, fast wie eine Computergrafik. Zu sehen ist die Kollektion im Gebäude des Basel Social Club.
Ein Klassiker trägt Perlen
Was passiert, wenn du einen Designklassiker neu interpretierst? Hella Jongerius hat sich den «Chair One» von Konstantin Grcic vorgenommen und dessen knallrotes, geometrisches Gestell teilweise mit handgeknüpftem Baumwollseil sowie handglasierten Porzellanperlen umwickelt.



Das Ergebnis: ein Stuhl, der zwischen Industriedesign und Handwerkskunst pendelt – herausgepickt von der Galerie Kreo.
Ein Stuhl als Willkommensgeste
Satyendra Pakhalé bezeichnet sich selbst als «kulturellen Nomaden»: aufgewachsen in Indien, ausgebildet in Indien und der Schweiz, heute mit Studio in Amsterdam. Genau diese Mischung aus traditionellem Handwerk und neuer Technologie zeigt sich im «Flower Offering Chair», einem seiner bekanntesten Werke, die von der Ammann Gallery an der Maze/Design Basel gezeigt wurden.


Für Pakhalé geht’s dabei nicht ums simple Sitzen, sondern um eine Geste des Willkommens, symbolisch wie ein Blumenstrauss, den du jemandem überreichst.
Ein alter Entwurf, neu gerollt
Manchmal lohnt sich ein zweiter Blick auf alte Ideen: Der «Dyad Stool» von Edward Robinson geht zurück auf einen seiner ersten Entwürfe noch aus Studienzeiten, ursprünglich produziert 2010.


In dieser zweiten Edition wird das Stück in Form und Material verfeinert und in Paris mittels Metalldrücktechnik gefertigt: Zwei Aluminiumhälften werden einzeln geformt und dann nahtlos zusammengerollt. Erhältlich in zwei Grössen als Standardversion in poliertem Aluminium oder als Kinderversion, ebenfalls poliert oder in sechs Lackfarben. Ausgestellt von Jousse Entreprise.
Wie ein Cheerleader befeuere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratierte ich einfache und doch raffinierte Interior-Entdeckungen, berichte über Trends und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
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