GTX 1080 Ti vs. die anspruchsvollsten PC-Games, die es gibt

GTX 1080 Ti vs. die anspruchsvollsten PC-Games, die es gibt

Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Zürich, am 19.04.2017
Die GTX 1080 Ti soll die schnellsten Grafikkarte auf dem Markt sein – abgesehen von der neuen Titan Xp für Superreiche. Das wollen wir doch mal sehen. Wir lassen eine Asus Strix gegen die grössten Hardwarefresser aller Zeiten antreten und finden gleichzeitig heraus, ob 4K-Gaming endlich kompromisslos möglich ist.

«Willst du eine GTX 1080 Ti testen?», fragt mich mein Kollege aus der Hardware-Abteilung. «Na logo, her mit dem Teil», sag ich ohne zu zögern. Sein letztes Wort hab ich zwar gar nicht mehr mitbekommen, aber das macht nichts. Schreibe ich halt noch einen Test. Solche Opfer bring ich gerne für die digitec-User. Und was gäbe es für einen besseren Test, als Nvidias neues Flaggschiff gegen die hardware-intensivsten Games aller Zeiten antreten zu lassen – und ja, «Crysis» darf dabei natürlich nicht fehlen.

Einbau und Testsystem

Mir steht für den Test Asus’ übertaktete ROG Strix GTX 1080 Ti OC zur verfügung. 11 GB RAM und 1569 MHz Taktfrequenz. Da lacht das Herz. Also raus mit meiner uralten, verstaubten Gigabyte 1080 G1 Gaming. Die ist ja schon seit MONATEN in meinem PC.

Vor dem Einbau solltet ihr unbedingt abmessen, ob die Strix überhaupt in euer Gehäuse passt. Das hab ich natürlich nicht gemacht, sonst hätte der Kollege nur jemand anders zum Tester auserkoren. Was mir beim Vergleich mit der Gigabyte auffällt ist, dass Asus’ Karte ein gutes Stück länger ist. Dicker auch, aber das spielt in den meisten Fällen keine Rolle. Ich bin es mir längst gewohnt, dass Grafikkarten einen zusätzlichen Steckplatz verdecken. Mehr Sorgen macht mir die Länge: 29.8 Zentimeter ist das Teil lang. Gehts noch? Wie hätte es anders kommen sollen – die Karte ist zu gross für mein Gehäuse. Kurz überlege ich es mit Gewalt zu versuchen, aber ich seh schon das entsetzte Gesicht meines Kollegen vor mir und verscheuche den Gedanken. Glücklicherweise kann ich den Festplattenschacht bei meinem Medium-Tower NZXT H440 ganz leicht abschrauben. Schon passt die Strix als wär nichts gewesen.

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Mit etwas Improvisation hat es dann doch geklappt.

Das zweite, auf das ihr vor dem Kauf einer GTX 1080 Ti achten müsst, ist der Leistungsverbrauch. Die Strix wird mit zwei 6- oder 8-Pin-Steckern von eurem Netzteil mit Strom versorgt. Zwar sind die Ti-Modelle grundsätzlich sparsamer als ihre 1080er Pendants, aber die übertakteten Modelle brauchen immer noch ein gutes Stück Leistung. So saugt die Asus Strix bei voller Leistung bis zu 300 Watt. Ihr solltet also mindestens ein Netzteil mit 600 Watt verbaut haben.

Die viele Leistung macht sich erfreulicherweise nicht im entsprechenden Lärmpegel bemerkbar. Die Karte ist auch bei voller Last relativ leise. Eindeutig leiser als meine GTX 1080 Gigabyte G1 Gaming.

Mein Testsystem

  • OS: Windows 10 Pro
  • CPU: Intel i7 4770K @ 3.9 Ghz
  • RAM: 16 GB DDR3 Corsair Vengeance
  • Mainboard: Asrock Z97 Extreme6

Lasst die Spiele beginnen

Klar könntet ihr die GTX 1080Ti auch dafür einsetzen, euren 144Hz-Monitor so richtig auszureizen. Im folgenden Test interessiert mich aber die Leistung bei maximaler Pixelpracht. Schafft die 1080 Ti auch Auflösungen bis zu 3840 x 2160 Pixel mit konstant flüssiger Bildrate oder muss sie sich vor der Königsdisziplin beugen? Dafür serviere ich meinem Testkandidaten besonders schwer verdauliche Kost. Ich hab zehn Spiele rausgesucht, die schon bei Full HD den meisten Systemen einiges abverlangen.

Die Kandidaten

  • «Crysis»
  • «GTA V»
  • «Hitman»
  • «The Division»
  • «Far Cry Primal»
  • «The Witcher 3»
  • «Battlefield 1»
  • «Deus Ex Mankind Divided»
  • «Rise of the Tomb Raider»
  • «Ghost Recon Wildlands»

Getestet habe ich nach Möglichkeit mit maximalen Details und mit 4K-Auflösung. Wenn nicht anders erwähnt ohne V-Sync und Supersampling, dafür mit Anti Aliasing. Bei Spielen ohne integrierten Benchmark, habe ich das Programm Fraps zu Hilfe genommen.

«Crysis»

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«But can it run Crysis?» Zehn Jahre nachdem das Spiel erschienen ist, gilt es immer noch als DER Grafik-Benchmark. Als es rauskam, gab es praktisch keinen PC, der das Spiel mit allen Details flüssig darstellen konnte. Die Details wollte ich aber schon damals nicht runterschrauben und stattdessen hab ich mich mit ruckelnden Zwischensequenzen abgefunden. Hauptsache hübsch. Und hübsch ist selbst heute noch. Während die meisten Spiele mehr schlecht als recht altern, sieht «Crysis» auch heute noch sehr gut aus. Die Cryengine verlangt selbst aktuellen Spitzensystemen einiges ab. Bis zu einem gewissen Grad ist das wohl auch der mangelnde Optimierung zuzuschreiben, aber das Resultat bei so einem alten Spiel hat mich dann doch überrascht. Mit allen Details und in 4K sind 60 fps selbst mit einer GTX 1080 Ti nicht möglich. Das Spielgeschehen ist zwar immer noch wunderbar flüssig, aber ganz fürs Krönchen reichts dann doch nicht.

3840 x 2160, maximale Details, 8x AA, Durchschnitt 55 fps Minimum 42 fps

«Hitman»

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Die Glacier-2-Grafikengine, die «Hitman» antreibt, ist zwar sehr gut optimiert, verlangt bei maximalen Details aber dennoch eine ordentliche Maschine. Da oft sehr viele Charaktere die Levels bevölkern, ist zudem ein starker Prozessor angebracht. Dennoch zeigt sich die GTX 1080 Ti in «Hitman» auch mit meiner etwas älteren CPU von ihrer besten Seite und einer sehr hohen Bildwiederholrate.

3840 x 2160, maximale Details, SMAA, Durchschnitt 75 fps Minimum 45 fps

«GTA V»

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Die riesige Spielwelt mit den wuselnden Bewohnern ist ein Härtetest für jeden PC. Das Spiel skaliert sehr gut bei Systemen mit schwächeren Komponenten. Schaltet ihr aber alle Details hinzu wie Nvidias verbesserte Schattentechnik PCSS und Kantenglättung, dann zwingt Rockstars Gangster-Epos so manche Kiste in die Knie. «GTA V» läuft übrigens mit Rockstars eigener Engine Rage, die in älteren Ausführungen auch schon in «Red Dead Redemption» oder «GTA IV» zum Einsatz kam. Wie schon «Hitman» profitiert auch «GTA V» von einem starken Prozessor. MSAA hab ich auf 4x gestellt, damit ich Nvidias FXAA noch dazuschalten konnte. Mit 8x MSAA brach die Leistung zu fest ein. Besonders die Wettereffekte beeinflussen die Performance stark. Insgesamt gut spielbar, aber noch ein Stück von 60 fps entfernt.

3840 x 2160, maximale Details, 4xSMAA, Durchschnitt 46 fps Minimum 35 fps

«The Division»

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Mit dichtem Schneegestöber und beeindruckenden Lichteffekten gehört «The Division» zu den optisch beeindruckendsten Spielen. Das spiegelt sich natürlich auch in den Anforderungen wieder. Besonders wenn noch die Flammenwerfer-Jungs ihre Spielzeuge auspacken und eine ganze Truppe von Gegnern auf euch zustürzt, braucht ihr ordentliche Leistungsreserven. Die Snowdrop-Engine schöpft zudem Nvidias Gameworks Funktionen voll aus: HFTS, HBAO+, PCSS und wie die ganzen Sachen alle heissen. All das hat seinen Preis. Der integrierte Benchmark ist nicht unbedingt der repräsentativste, da es im Spiel noch deutlich intensivere Szenen gibt. Insgesamt ist «The Division» mit einer 1080 Ti und in 4K aber ganz ordentlich spielbar.

3840 x 2160, maximale Details, 1xSMAA Ultra, Durchschnitt 53 fps Minimum 30 fps

«Far Cry Primal»

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Das Steinzeit-Abenteuer beeindruckt mit weitläufigen Levels, vollgestopft mit Tieren und Menschen. Die Dunia-Engine setzt dabei wie auch andere Ubisoft-Spiele auf verschiedene Nvidia-Technologien. Obwohl optisch immer noch ein echter Hingucker, bleiben die Anforderungen an die Grafikkarte insgesamt im Rahmen. Dennoch verfehlt die Strix auch hier ganz knapp die 60er-Marke.

3840 x 2160, maximale Details, SMAA, Ultra-HD-Texturen, Durchschnitt 56 fps Minimum 49 fps

«The Witcher 3»

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Auch zwei Jahre nach Veröffentlichung noch immer eines der schönsten Spiele, die es gibt. Sicht bis in weite Ferne, im Wind rauschende Bäume, stürmischer Regen und detaillierte Gesichter verlangen auf höchster Detailsstufe ordentlich Power. Nur schon Nvidias Hair Works Feature, das Geralts Haare realistisch animieren soll, frisst einen Berg Leistung. Das Spiel skaliert allerdings sehr gut, so dass auch schwächere PCs kein Nachsehen haben. Ohne Hair Works läuft das Spiel im Schnitt mit 58 fps.

3840 x 2160, maximale Details, AA, Durchschnitt 47 fps Minimum 42 fps

«Battlefield 1»

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«Battlefield»-Spiele sind seit jeher für ihre imposante Grafik bekannt. Der neuste Teil bildet keine Ausnahme. Die Frostbite-3-Engine zaubert schaurig schöne Explosionen und Lichteffekte auf den Bildschirm. Wenn sich 64 Spieler auf die Mütze geben, Panzer aus allen Rohren feuern und auch noch das Wetter umschlägt, dann kocht es im PC-Gehäuse. Dennoch gehört auch «Battlefield 1» zu den besser optimierten Spielen und auch mit schwächeren Systemen ist es noch gut spielbar. Die 1080 Ti schafft es mit meiner CPU auf der Map «St. Quentin Scar» über 60 fps zu springen. Hier profitiert ihr deutlich von einer stärkeren CPU

3840 x 2160, maximale Details, SMAA, Durchschnitt 68 fps Minimum 53 fps

«Deus Ex Mankind Divided»

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Übersät mit Details, glänzenden Oberflächen und gestochen scharfen Texturen liefert «Deus Ex Mankind Divided» eine überzeugende Darstellung einer düsteren Sci-Fi-Zukunft. Die knackige Grafik zehrt dann auch gewaltig an euren Leistungsreserven. Sicherlich nicht eines der best optimierten Games, aber ein ansehnliches. MSAA musste ich für diesen Test weglassen, da das Spiel damit absolut unspielbar wird. Da 4K Kantenglättung praktisch überflüssig macht, ist das aber verschmerzbar. Dennoch wurde mein PC mit der Feature-Fülle wie dynamisches Licht, Tessellation und Kleiderphysik nicht wirklich fertig. Hier müsst ihr ein paar Details runterschrauben, wenn ihr in 4K spielen wollt.

3840 x 2160, maximale Details, ohne AA, Durchschnitt 39 fps Minimum 31 fps

«Rise of the Tomb Raider»

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Verschneite Berggipfel, blühende Täler und wundersame Ruinen stellt «Rise of the Tomb Raider» in einer atemberaubenden Pracht dar. Die Foundation-Engine führt eine der imposantesten Grafiken ins Feld. Auch hier bedienen sich die Entwickler bei Nvidias Effekte-Kiste namens Game Works. Die Beleuchtungstechnik VXAO (nur bei DX11) oder Pure Hair verlangen einiges an Leistung. Ohne Kantenglättung und sonst aber allen Tricks zugeschaltet, hüpft Lara im grossen und ganzen fast mit 60 fps durch die Gegend.

3840 x 2160, maximale Details, Ohne AA, Durchschnitt 57 fps Minimum 36 fps

«Ghost Recon Wildlands»

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Eine gigantische Spielwelt, üppige Vegetation und richtig schöne Wettereffekte sorgen dafür, dass man in «Ghost Recon Wildlands» auch bei etwas monotonem Gameplay noch Spass hat. Das Openworld-Spiel ist extrem detailliert und die Sichtweite ist erstaunlich. Besonders bei Gewitter-Effekten läuft euch ein Schauer über den Rücken. Wollt ihr mit allen Details auf Maximum spielen, braucht ihr eine starke Grafikkarte. Verzichtet ihr auf Kantenglättung, bringts euer PC aber bald mal auf eine stabile Framerate selbst in 4K.

3840 x 2160, maximale Details, SMAA, Durchschnitt 39 fps Minimum 32 fps

Die Resultate in der Übersicht

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Getestet bei 3840x2160p, maximalen Details und einem i7 4770K

So schlägt sich die GTX 1080 Ti mit einem i7 5960X @ 4.3 GHz gegen andere Grafikkarten.

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Bild: Guru3D

Fazit: Jaja, das passt

Die Asus ROG Strix 1080 Ti OC wird selbst mit den intensivsten Games fertig – und das in der Königsklasse 4K. Allerdings schafft sie das nicht unbeschadet. Den Zielwert von 60 fps erreicht sie mit meinem System nur selten. Eine stärkere CPU hilft ein Stück weit, primär liegt es an schlecht optimierten Spielen oder an enthusiastischen Grafikoptionen. Besonders Game Works macht jedem System zu schaffen. Kantenglättung werdet ihr ebenso in vielen Fällen ausschalten müssen, wenn ihr flüssig spielen wollt. Bei einer Auflösung von 3840 x 2160 Pixel ist das aber leicht zu verschmerzen. Insgesamt bin ich beeindruckt von der GTX 1080 Ti. Am liebsten würde ich sie behalten, aber das wird mein Kollege zu verhindern wissen. Mit kleineren Abstrichen oder einer schnelleren CPU ist Nvidias neues Flaggschiff für 4K-Games gerüstet. Und falls euch höhere fps wichtiger sind oder ihr euren 144Hz-Monitor richtig ausnutzen wollt, seid ihr ebenfalls gut bedient.

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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