Heizstrahler: Künstliche Sonnenstrahlen nach der Dusche
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Heizstrahler: Künstliche Sonnenstrahlen nach der Dusche

Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger
Zürich, am 08.02.2021
Ein Heizstrahler im Bad erleichtert den Gang aus der Dusche ungemein. Sein Ruf aber lässt ein schlechtes Gewissen dem Klima gegenüber aufkommen. Doch wenn du es richtig machst, wird dir warm, dem Planeten aber nicht.

Einmal an der Schnur ziehen, Stufe 1. Nochmal ziehen, Stufe 2. Ein letztes Mal und die Maximalleistung ist erreicht. Auch ohne riesiges Handtuch friere ich nicht mehr. Dafür sorgt der Heizstrahler im Bad meiner Kindheit. Sein Infrarotlicht scheint wie künstliche Sonnenstrahlen auf meinen Rücken. Sein orangefarbenes Licht legt sich wie ein Blaufilter über die harte Realität nach dem Weckton. Wie ich ihn doch all die Jahre vermisst habe.

Halogenstrahler Venus
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Sonnenkönig Halogenstrahler Venus
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Im Bad bei mir zu Hause in Zürich gibt’s keine Heizung, ja nicht einmal eine eigene Türe. Mein Badezimmer ist ein gemauerter Schuhkarton integriert in einen Raum meiner 3-Zimmerwohnung. Vor allem im Winter weht eine leichte Brise, die mich schon beim Gedanken daran erschaudern lässt. Nicht so in meiner Elternwohnung im Aargau. Dort wird’s danke Infrarot-Wärmestrahler auf Strippenzug heiss. Keine Gänsehaut, kein Bekleiden von halbnasser Haut, nur damit ich nicht unterkühle. Auf einmal ist das Duschen wieder ein positiv konnotiertes Ritual in meiner Morgenroutine, selbst wenn ich dann noch nicht wach genug bin, um diese Worte formen zu können. Nicht nur die Wärme, sondern auch das sanfte orangene Licht hüllen mich in Wohlbefinden.

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Das schlechte Klima-Gewissen

Doch was ist mit dem Wohlbefinden von Mutter Erde? Sind Heizstrahler nicht enorme Energiefresser? Du hast recht. Unterdessen ziehe ich nicht mehr so leichtsinnig an der Strippe wie in jungen Jahren. Eine Infrarotheizung als alleinige Wärmequelle ist ineffizient, lässt dadurch die Heizkosten explodieren und ist dementsprechend in dieser Form in der Schweiz verboten. Weiterhin erlaubt ist sie aber als komfortunterstützende Heizung, wie im Bad meiner Eltern.

Dort kommt der Heizstrahler nur wenige Minuten zum Einsatz und hat nicht zum Ziel den ganzen Raum zu heizen. Entgegen einem normalen Heizkörper wärmt der Infrarotstrahler nicht die Luft (Konvektionswärme), sondern direkt die Objekte (Strahlungswärme). Sie wärmt also binnen Sekunden meinen Rücken, bräuchte aber ewig, um die Temperatur im ganzen Bad zu erhöhen. Ausserdem geht beim Heizen mit Strom viel mehr Energie verloren als bei Gas. Der fossile Brennstoff wird direkt in thermische Energie umgewandelt, wohingegen Strom erst im Kraftwerk (am besten aus erneuerbarer Energie) erzeugt werden muss, der dann von der Elektroheizung in Wärme umgewandelt wird. Es braucht also einen Schritt mehr. Dafür hat Erdgas die bekannten Nachteile eines fossilen Brennstoffs. Heisst, dass die Vorräte endlich sind und beim Fracking wie auch bei der Verbrennung Treibhausgase freigesetzt werden - wenn auch weniger als bei Öl oder Kohle. Biogas ist zwar sauberer, aber auch noch nicht das Gelbe vom Ei. Am besten du setzt auf eine Erdreich-Wärmepumpe, die mit Ökostrom betrieben wird. Aber ich drifte ab.

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Mein Herz brennt für Heizstrahler

Meine Liebe zum Heizstrahler wurde dieser Tage neu entfacht. Darum habe ich das Bedürfnis, eine Lanze für das Luxusgut zu brechen. Da ich mich nie lange im Bad aufhalte, sondern nur punktuell Wärme benötige, kann ich die Heizung dauerhaft runterdrehen und dafür bei Bedarf kurz ein paar Infrarotstrahlen auf meine Haut treffen lassen. So halten sich der Energieverbrauch und die Heizkosten in Grenzen. Wenn du dazu noch Ökostrom beziehst, ist das umso besser. Und die positiven Effekte für meinen Energiehaushalt dürfen auch nicht vergessen werden: Mein Körper muss sich nicht selbst um Aufwärmung bemühen und meine Laune ist am Morgen ohne Kältestrarre um einiges besser. Deshalb geniesse ich den Strahler für wenige Minuten in vollen Zügen, solange ich hier im Aargau Urlaub von der Zürcher Innenstadt mache.

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Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger

Editor, Zürich

Meinen Horizont erweitern: So einfach lässt sich mein Leben zusammenfassen. Ich liebe es, neue Menschen, Gedanken und Lebenswelten kennenzulernen,. Journalistische Abenteuer lauern überall; ob beim Reisen, Lesen, Kochen, Filme schauen oder Heimwerken.

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