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Stephan Lamprecht
Produkttest

Hoch hinaus: Brettspiel «Alto» von Helvetiq

Sechzehn Plättchen, ein paar Holzscheiben, zwei Spielende: Beim ersten Blick auf die kleine quadratische Schachtel erwartest du einen eher simplen Zeitvertreib. Hier steckt aber mehr drin, als die Verpackung vermuten lässt.

In einer hübsch gestalteten kleinen Schachtel kommt «Alto» daher. Mit einer Kantenlänge von gut zehn Zentimetern und einem Gewicht von 140 Gramm passt das Spiel in jede Tasche. Ein echtes Reisespiel eben. Überrascht bin ich von den 18 Spielscheiben aus Holz. Für den Preis von rund 16 Euro hätte ich eher Kunststoff vermutet.

Vor dem Spiel kommt der Aufbau. Mit den Plättchen wird ein Raster aufgebaut. Darin werden die Spielsteine verteilt.
Vor dem Spiel kommt der Aufbau. Mit den Plättchen wird ein Raster aufgebaut. Darin werden die Spielsteine verteilt.

«Alto» erinnert mich von der Grundidee etwas an den Klassiker «Mühle». Die Spielenden versuchen, sich durch taktische Bewegungen ihrer Spielscheiben zu behindern und gleichzeitig möglichst hohe Stapel zu bilden.

Einfaches Regelwerk

Die Regeln sind in ein paar Minuten erfasst. Die sechzehn Plättchen (mit bedruckter Vorder- und Rückseite) muss ich in ein Raster von vier mal vier legen. Zuerst liegt die helle Seite oben.

Die zwei Spielenden wählen jeweils eine Farbe und setzen abwechselnd ihre Holzscheiben in die Aussparungen der Plättchen. Eine Scheibe bleibt zur Sicherheit übrig, damit sich die beiden am Ende auch noch an ihre Farbe erinnern.

Beginnen darf immer der oder die Jüngste. Der Aufdruck auf den Plättchen bestimmt, in welcher Richtung ich mit einer Scheibe einen Zug machen darf. Diagonal, orthogonal, in beliebiger Richtung.

Beim Ziehen bin ich nicht an «meine» Farbe gebunden. Auch die Scheiben meiner Kontrahentin kann ich verschieben. So ergeben sich Stapel und das ist auch der Sinn des Spiels. Denn je nachdem, an welcher Position im Stapel sich eine Scheibe befindet, gibt es Punkte. Manchmal darf ich auch einen Stapel komplett bewegen.

Sobald ich mit einer Scheibe ein Plättchen zurücklasse, muss ich es auf die schwarze Seite herumdrehen. Beim nächsten Mal, wenn es genutzt wird, verschwindet es vom Spielfeld.

Zu Spielbeginn sieht alles noch ordentlich und übersichtlich aus. Die ersten vier Züge sind gemacht, die Farbe der Plättchen hat sich verändert.
Zu Spielbeginn sieht alles noch ordentlich und übersichtlich aus. Die ersten vier Züge sind gemacht, die Farbe der Plättchen hat sich verändert.

Das Spiel ist zu Ende, wenn keine gültigen Züge mehr möglich sind. Dann folgt die Punktevergabe. Die Höhe gewinnt: Deine weiter oben in den Stapeln platzierten Scheiben erhalten mehr Punkte. Liegt eine deiner Scheiben auf der sechsten Ebene, erhältst du dafür sechs Punkte.

Das Schöne an «Alto» ist, dass sich das Spielprinzip tatsächlich von selbst erschließt. Die Anleitung ist klar und nach wenigen Zügen komme ich ins Spiel. Weil die Regeln so einfach sind, ist «Alto» auch für jüngere Kinder geeignet.

Die Optionen schrumpfen mit dem Spielfeld

Bei dem einfachen Regelwerk hatte ich befürchtet, dass schnell Langeweile aufkommt. «Alto» bietet aber eine erstaunliche Spieltiefe. Es wirken gleich zwei Mechanismen zusammen.

Da die Plättchen nach einem Zug die Farbe wechseln, ist es unmöglich, Züge und Wege lang im Voraus zu planen. Denn die erlaubten Spielzüge unterscheiden sich auf beiden Seiten des Plättchen. Kaum hast du dir einen Weg überlegt, um einen möglichst hohen Stapel anzusteuern, macht dein Gegenüber einen Zug und das Plättchen verändert die Route.

In der Endphase reduzieren sich die Zugmöglichkeiten deutlich.
In der Endphase reduzieren sich die Zugmöglichkeiten deutlich.

Und das Spielfeld wird im Laufe der Zeit immer kleiner. Jedes Mal, wenn ein Plättchen zum zweiten Mal genutzt wird, verlässt es das Spielfeld. Das 4×4-Raster wird kleiner, der Spielraum enger, die Entscheidungen umso zwingender. Was in der Mitte der Partie noch großzügig wirkte, wird gegen Ende zum Engpass.

Genau hier liegt für mich der besondere Reiz von «Alto»: Es ist kein reines Strategiespiel, das sich vollständig berechnen lässt. Die wechselnden Zustände der Plättchen plus die Überlegungen deines Gegenübers sorgen für Überraschungsmomente.

Strategie trifft Zufall: ein fairer Kompromiss

«Alto» hat einen Mittelweg zwischen Strategie und reinem Glück gewählt. Wenn dir komplexe Strategiespiele wie Schach gefallen, dürftest du «Alto» als zu schwach empfinden. Denn so richtig kontrollieren und planen kannst du bei «Alto» die Spielzüge eben nicht.

Und eine Partie ist auch wesentlich schneller zu Ende als Schach. Durchschnittlich haben meine Runden rund 15 Minuten gedauert. Das ist gerade, wenn du mit Kindern spielst, nicht zu lang. Und auch die Vorausschau und Planung der eigenen Züge dürfte (Schul-)Kinder nicht überfordern.

Zwei Spielende, eine Viertelstunde, ein klares Ziel.

Fazit

Klein, clever, kurzweilig

«Alto» ist kein Spiel, das die Welt neu erfindet. Es ist schnell aufgebaut, hält dich durch seine Überraschungsmomente bei der Stange und bietet 15 bis 20 Minuten Spielspaß. Das schrumpfende Spielfeld, die sich verändernden Plättchen und das Stapel-Prinzip ergänzen sich zu einem stimmigen Gesamtpaket.

Ein Zweipersonenspiel für zwischendurch, das trotzdem Köpfchen verlangt.

Pro

  • originelle, leicht verständliche Spielidee
  • Spieltiefe auch für Kinder geeignet
  • Spieldauer perfekte Abwechselung zwischendurch
  • schön ausgestattet (Spielsteine aus Holz)
Helvetiq Alto (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch)
Kartenspiele
EUR16,10

Helvetiq Alto

Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch

Titelbild: Stephan Lamprecht

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Hamburger, Leseratte, Eishockey-Fan. Papa und Grosspapa. Bastelt ständig an seinem Smarthome herum. Interessiert an DIY, Outdoor, Mode und Kosmetik.


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