
Kaufen KI-Firmen jetzt palettenweise Gaming-Grafikkarten?
Es sind Bilder, die an den Kryptoboom erinnern: Hunderte RTX 5090 liegen bereit für den Einbau in Multi-GPU-Systeme. Dieses Mal nicht fürs Minen, sondern für KI. Ob die Fotos echt sind, ist allerdings offen.
2800 Franken kostete die ROG Astral RTX 5090 zum Launch im Februar 2025. Anfang August 2026 waren es knapp 3700 und Mitte September sind es über 5300 Franken. Bislang wurde vor allem die Speicherkrise für die hohen Preise verantwortlich gemacht. Unternehmen wie Nvidia fokussieren sich nicht mehr auf Gamer, sondern auf KI mit dedizierten Produkten. Als Folge werden Gaming-Grafikkarten zum raren Gut und teurer. Nun kommt eine weiterer Faktor hinzu.
Bilder des Technologie- und Computer-Onlinemediums HKEPC aus Hongkong zeigen massenweise RTX-5090-Grafikkarten, die – vermeintlich – in Racks für KI-Nutzung eingebaut werden.

Quelle: HKEPC
Offene Fragen bezüglich Authenitzität
Hier gleich zwei Einwände zu den Bildern. Erstens ist es nicht klar, ob die Fotos tatsächlich aus KI-Firmen stammen, die die Karten entsprechend einsetzen. Zweitens ist für mich auch nicht klar, ob die Bilder echt sind. Bei obigem Bild habe ich den Verdacht, dass es mit KI erzeugt ist. Sieh dir nur den rechten Stapel an, hier gibt es bei den Schriftzügen Indizien, dass das Bild mit KI erzeugt wurde:

Quelle: HKEPC
Das Titelbild oben hingegen sieht authentisch aus, was wiederum für die Echtheit der News von HKEPC spricht.
Gaming-Karten, aber nicht für Gamer
Die Fotos sind angeblich bei Firmen entstanden, die KI-Server zusammenbauen. Zu sehen sind Paletten voll mit neuen RTX-5090-Grafikkarten. Original verpackt und nur darauf wartend, verbaut zu werden. Das sind wohlgemerkt keine RTX PRO 6000 oder sonstige dedizierte Rechenzentrums-Beschleuniger. Es handelt sich um dieselben Geforce-Karten, die Nvidia dir und mir als Gaming-Hardware verkauft.
Wieso ausgerechnet eine RTX 5090 und keine dedizierte Karten? Mit 32 GB GDDR7 und 1792 GB/s Bandbreite ist eine RTX 5090 für Inferenz ausreichend. Datacenter-Beschleuniger sind zudem monatelang ausverkauft, Geforce-Karten stehen im Regal. Jedoch dürften gemäss Nvidia End User License Agreement Geforce Karten gar nicht für den Serverbetrieb eingesetzt werden – ausgenommen sind Blockchain und Kryptomining.
Der Kryptoboom ist zurück, nur die Aufgabe hat sich geändert
Während des Kryptobooms kauften Mining-Firmen Geforce-Karten in grossem Stil, während Gamer vergeblich nach normalen Preisen suchten. Nvidia reagierte damals mit sogenannten Lite-Hash-Rate-Versionen mehrerer RTX-30-Karten, welche die Ethereum-Mining-Leistung drosselten, ohne die Gaming-Performance anzutasten. Die Sperre wurde 2022 zwar grösstenteils umgangen, machte die LHR-Modelle für grosse Miner aber immerhin fast ein Jahr lang unattraktiver.
Jetzt ist es KI statt Krypto. Das Resultat für dich sieht aber verdächtig ähnlich aus. Auffällig: Auf den neuen Bildern sind keine China-spezifischen RTX 5090 D-Variante zu sehen. Nvidia hatte bei der RTX 5090 D die KI-Leistung bereits gedrosselt, um US-Exportbestimmungen einzuhalten, während die Gaming-Spezifikationen weitgehend erhalten blieben.
Nvidia weiss also ganz genau, wie man eine Gaming-Karte für gewisse KI-Workloads unattraktiver macht, ohne die Spieleleistung zu beschneiden. Getan hat der Hersteller nichts. Warum auch: Ob die Karte in deinem Gehäuse oder in einem Serverrack landet, ändert an Nvidias Marge nichts. Solange das so bleibt, bleibt die RTX 5090 zwar technisch eine Gaming-Karte – bezahlbar für Gamer ist sie keine mehr.
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
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