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Oliver Fischer
Produkttest

Kein 35-Liter-Rucksack reicht für einen 6-Tage-Trip? Dieser schon

Mit dem Zug in sechs Tagen durch zwei Städte. Dafür brauche ich einen ordentlichen Koffer, oder? Nicht unbedingt, wenn ich stattdessen einen robusten, cleveren Rucksack mit 35 Litern Packvolumen habe. Ich habe es mit dem Global Travel Pack von Matador ausprobiert. Spoiler: Ich würde es wieder tun.

Wenn ich für zwei bis fünf Tage verreise, sei es geschäftlich oder privat, nutze ich dafür normalerweise meine italienische Leder-Umhängetasche, neudeutsch Weekender genannt. Die habe ich vor rund 15 Jahren in einem kleinen Ladenlokal in einer winzigen Gasse in einem toskanischen Dorf beim Täschner, der sie eigenhändig gefertigt hat, gekauft. Für multiple Hundert Euro.

In den Herbstferien bin ich mit meiner Familie sechs Tage in Salzburg und Wien gewesen. Gereist sind wir mit dem Zug, in zwei Etappen hin, mit dem Nachtzug wieder nach Hause. Das wäre im Normalfall gerade so an der Grenze gewesen für meine Ledertasche. Dieses Mal habe ich mich aber sogar für ein noch etwas kleineres Gepäckstück entschieden: Von meinem Chef Martin Jungfer wurde ich zu Testzwecken mit dem Matador Global Travel Pack Rucksack ausgestattet. Laut Hersteller eignet der sich «für alle, die einen zuverlässigen Reiserucksack für Flugreisen, Geschäftsreisen und längere Abenteuer suchen». Ich habe die 35-Liter-Version in der Farbe «Juniper», also Dunkelgrün, bekommen.

6-Tage-Material

Als ich mir den Rucksack am Tag vor der Abreise so anschaue, habe ich meine Bedenken, ob er genug Platz für meine Habseligkeiten bietet, die daneben ausgebreitet liegen:

  • 1 Paar Jeans
  • 1 Pullover
  • 6 Paar Socken
  • 6 Paar Unterhosen
  • 6 T-Shirts
  • 1 Hemd
  • 1 Neccessaire
  • 1 Case für E-Zahnbürste
  • 2 Powerbanks
  • 2 Netzteile für Ladekabel
  • 4 Ladekabel
  • 4 Bücher
  • 1 Reisetagebuch
  • 1 Sony A7 V R mit Sony FE 24-240mm f/3.5-6.3 OSS Objektiv
  • 1 Ladestation mit 2 Kamera-Akkus

Tatsächlich findet alles mehr oder weniger komfortabel Platz in den Fächern des Matador-Rucksacks.

Einmal das ganze Material in Auslage.
Einmal das ganze Material in Auslage.
Zwischenschritt in den Packsets von Galaxus.
Zwischenschritt in den Packsets von Galaxus.
Das alles muss da rein.
Das alles muss da rein.
Alles findet problemlos Platz.
Alles findet problemlos Platz.
Der vordere Deckel lässt sich von Oben gut öffnen.
Der vordere Deckel lässt sich von Oben gut öffnen.
Im flachen Fach auf dem Deckel finden z.B. Bücher ihr Plätzchen.
Im flachen Fach auf dem Deckel finden z.B. Bücher ihr Plätzchen.

Und davon gibt es wirklich zahlreiche neben dem grossen Hauptfach, in dem meine Kleider, das Necessaire und die Zahnbürste verschwinden. Der Deckel auf der Vorderseite, der sich wie bei einem Koffer komplett aufklappen lässt, verfügt auf der Aussen- und der Innenseite über mehrere flache und zwei tiefere Kompartimente. Im flachen Aussenfach finden alle vier Bücher gut Platz, so dass ich im Zug jederzeit auf meine Lektüre zugreifen kann. In den Innenfächern verschwinden die diversen Netzteile und Ladekabel, sowie das Tagebuch und die Powerbanks – wobei der Bereich mit den Powerbanks auch von aussen über einen Reissverschluss zugänglich ist, sodass ich auch ohne den Deckel zu öffnen an den Inhalt komme.

Am Rücken des Rucksacks befindet sich ein flaches Kompartiment für Tablets oder Laptops. Da ich weder noch dabei habe, sind dort die diversen ausgedruckten Zugtickets verstaut. An beiden Aussenseiten verfügt der Rucksack über zwei ziemlich tiefe Fächer aus elastischem Gewebe, wo zum Beispiel Trinkflaschen oder Regenschirm sehr gut Platz finden. Darin entdecke ich zusätzlich zwei kleine separate Taschen: eine für einen Block Seife und eine für Schlüssel, Portemonnaie oder Kartenhalter, die mit Klettverschlüssen an anderen Taschen befestigt werden kann. Erstere wäre wohl für die oben erwähnten «längeren Abenteuer» irgendwo in der Wildnis gedacht.

10 Kilogramm Material

Jedenfalls bekomme ich alles, was ich für eine Woche in zwei Städten und in österreichischen Zügen brauche, recht komfortabel in dem 35-Liter-Matador unter. Vollgepackt wiegt er knapp zehn Kilo. Auf dem Rücken fühlt sich das schon einigermassen massiv an, aber auch nicht so sehr, dass ich mir für die Strecken, die ich damit zu Fuss unterwegs sein werde, Sorgen machen müsste.

Das bestätigt sich dann auch immer wieder: Der Rucksack hat kompaktes Handgepäckformat und passt im Zug problemlos in alle möglichen Lücken und Fächer. Auch beim Umsteigen auf vollen Bahnhöfen, in der U-Bahn, im Hotellift und im Nachtzug habe ich keinerlei Schwierigkeiten ein Plätzchen für mein Gepäckstück zu finden und das Gewicht macht mir nie Probleme.

In dem Gepäckfach im Zug findet der Rucksack immer Platz.
In dem Gepäckfach im Zug findet der Rucksack immer Platz.

Ein Feature, das ich tatsächlich nie benutzt habe, ist ein Fach hinter dem Rückenpolster. In das könnte ich die – übrigens sehr breiten und gut gepolsterten – Träger und den Hüftgurt schieben, um aus dem Rucksack quasi eine Tragtasche zu machen. Das kann in Zügen mit schmalen Gepäckablagen über den Sitzen oder in Flugzeugen praktisch sein, um den Global Travel Pack noch kompakter zu machen.

Weich gepolsterter Rücken und Tragesystem:
Weich gepolsterter Rücken und Tragesystem:
Die Trageriemen lassen sich ausklinken ...
Die Trageriemen lassen sich ausklinken ...
... und hinter dem Rückenpolster versorgen.
... und hinter dem Rückenpolster versorgen.

Was der Matador bei all seinen zahlreichen Vorteilen nicht hat, ist ein Regenschutz, den man über das ganze Gepäckstück ziehen könnte. Gemäss Herstellerangabe sei das Material «wetterfest» und die Reissverschlüsse versiegelt. Was Ersteres genau heisst, ist mir nicht ganz klar, Letzteres aber sieht man auf den ersten Blick. Richtig nass war es während der Ferienwoche nie, aber einen kurzen Fussmarsch im Nieselregen mussten wir in Salzburg tatsächlich unternehmen. Diesen «Härtetest» haben Material und Reissverschlüsse souverän gemeistert.

Die verschweissten Reissverschlüsse ...
Die verschweissten Reissverschlüsse ...
... sind wasserfest.
... sind wasserfest.
Auch das Material des Matador lässt Regenwasser nicht ins Innere durch.
Auch das Material des Matador lässt Regenwasser nicht ins Innere durch.

Das fehlende Teil

Nach einer Woche in drei Zügen, zwei Hotels, mehreren U-Bahnen und zu Fuss kann ich bestätigen: Der Matador Global Travel Pack ist ein wirklich gutes Gepäckstück für eine Person und Trips von zwei bis sechs Tagen. Wobei ich sagen muss, sechs Tage sind definitiv die Obergrenze. Und es kommt sehr auf die Umstände der Reise an: Wohin geht sie, in welcher Jahreszeit, wie sind die Wetteraussichten vor Ort? Diese Fragen spielen eine zentrale Rolle, ob du mit den 35 Litern zurechtkommen kannst. Und wenn du für jeden Abend noch ein Extra-Outfit fürs edle Restaurant oder den Ausgang brauchst, kommt ein so kompaktes Gepäckstück sicher nicht in Frage.

Es gibt den Rucksack allerdings auch in einer 45-Liter-Version, mit der du nochmal einiges mehr an Packvolumen hättest. Und in einer 30-Liter-Version, die wirklich nur für verlängerte Wochenenden reichen sollte.

Und nun zum eigentlichen (und einzigen) Nachteil, den ich am Global Travel Pack sehe: Es ist ein zu grosser Rucksack, als dass du ihn vor Ort als Daypack nutzen würdest. Und ein zu kleiner, als dass du, wie beim Backpacking, ganz selbstverständlich noch einen zweiten, kleineren Rucksack mitnehmen würdest. Wenn du in den Ferien im Alltag sowieso ohne Tasche oder Tagesrucksack unterwegs bist, kann dir das egal sein, mich stört es. Ich habe ein einigermassen voluminöses Portemonnaie, Schlüssel, Telefon, Taschentücher, Fisherman’s Friends, eine Wasserflasche und in den Ferien eine Kamera dabei. Das alles kann und will ich nicht nur in Hosen- und Jackentaschen versorgen können. Ein nicht zu grosses Gepäckstück, das ich jeden Tag und überall mitnehmen kann, ist für mich essentiell.

Fannypacks oder Herrenhandtaschen sind nicht mein Fall, würden dieses Problem aber lösen. Ich denke mir, dass ich auf kürzeren Trips – zwei bis vier Tage – im Rucksack noch genügend Platz hätte, um eine Umhängetasche oder ein kleines Daypack unterzubringen, um vor Ort dann mein Alltagsgepäckstück zu haben. Das hängt aber definitiv von der Menge Kleidung ab, die du für deine Zwecke einpackst – und ob du überhaupt so ein Gepäckstück brauchst.

Fazit

Ein hochwertiger Rucksack für Kurztrips

Der Matador Global Travel Pack ist ein wirklich guter Rucksack. Qualitativ hochwertige, gut verarbeitete Materialien, zahlreiche Fächer, um unterschiedlichste Dinge gut erreichbar zu verstauen und ein Hauptfach, das Stauraum für einen Trip von fünf bis sechs Tagen bieten kann. Er trägt sich auch vollgepackt angenehm dank der guten Polsterung. Dazu kommen clevere Features wie die kleinen Extrataschen, die wasserfest verschweissten Reissverschlüsse, das verstaubare Tragesystem und das von vorne vollständig zugängliche Gepäckfach.

Als Weekender taugt der Rucksack vor allem, wenn du ein praktisches, robustes Gepäckstück brauchst und weniger ein stylisches. Eigentlich ist der Travel Pack ein 5-Sterner, ich ziehe für den Umstand, dass er mir nicht als Daypack taugt, aber einen ab. Für unser Familien-Adventswochenende in Montreux Ende November werde ich ihn auf jeden Fall trotzdem erneut zum Einsatz bringen.

Pro

  • wasserabweisende Reissverschlüsse
  • robustes, wasserabweisendes Material
  • zahlreiche Fächer
  • bequemes Tragesystem
  • grosses Packvolumen

Contra

  • eher hochpreisig
  • zu gross als Daypack
Produktbild Matador Global Travel Pack (35 l)
Rucksack
EUR335,95

Matador Global Travel Pack

35 l

Titelbild: Oliver Fischer

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Weltenbummler, Wandersportler, Wok-Weltmeister (nicht im Eiskanal), Wortjongleur und Foto-Enthusiast.


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