
Dieser Schulthek aus Deutschland passt perfekt zur Schweiz
In der Primarschule sind viele Schultheke zu gross für die paar Sachen, mit denen die Kinder unterwegs sind. Ein Familienunternehmen aus Köln will es besser machen: Der Bagg von Kwio ist schlanker, eleganter und erweiterbar.
Erstklässler erinnern mich oft an Spongebob: Sie sehen aus wie ein Rechteck mit Armen und Beinen. Der Schulthek wirkt viel zu gross, die Kinder verschwinden dahinter. Noch dazu ist er meistens ziemlich leer. Beim Rennen klappert eine einsame Znünibox hin und her und der Coolness-Faktor des Dino-Musters nimmt von Tag eins an kontinuierlich ab. Sechsjährige wünschen und tragen, was sie bei anderen sehen – und die Eltern blättern bereitwillig viel Geld dafür hin.
Bekannte Marken wie Ergobag und Step by Step dominieren das Bild auf dem Pausenplatz. Andere Konzepte begegnen mir selten.
An einem etwas abseits gelegenen Messestand an der Kind + Jugend in Köln entdecke ich jedoch ein Modell, das sich auf den ersten Blick vom Einheitslook abhebt: Es ist von Kwio, heisst Bagg und fällt vor allem mit seinem Rolltop, den kompakten Massen und dinolosen Designs auf.

Familiensache Schulrucksack
Ich komme mit Minka Frackenpohl ins Gespräch, die das Familienunternehmen gemeinsam mit ihrem Mann Thorsten gegründet hat. Er ist der Produktdesigner und CEO, sie leitet als COO das operative Geschäft. Wir sind schnell auf einer Wellenlänge, weil wir Kinder in ähnlichem Alter und vergleichbare Erfahrungen mit der Schulausrüstung gemacht haben. Unser Fazit: Weniger wäre in der Primarstufe oft mehr gewesen.
Der Gedanke spiegelt sich im Design des Bagg wider, den Minka mir im Detail zeigt: Mit 19 Zentimetern ist er flacher als die gängigen Modelle. Dadurch sitzt das Gewicht näher am Rücken. Sein Rolltop sorgt für eine variable Höhe und schliesst, entgegen meiner Befürchtung, nicht fummelig, sondern schnell und zuverlässig.

Er schnappt oben magnetisch zusammen und der Clip am Gummiband findet ebenfalls magnetisch ins Ziel. Den Clip kann ich an zwei unterschiedlichen Positionen festklammern, so variiert das Volumen des Rucksacks zwischen 19 und 22 Litern. Eine Jacke oder ein Pullover hat bei verschlossener Tasche unter dem Spanngummi auch noch Platz.

«Am besten fotografierst du ihn mit Blitz», sagt Minka, denn die gesamte Fläche des Rucksacks reflektiert. Einen Blitz habe ich leider nicht dabei. Aber im Schein meiner kleinen Videoleuchte sehe ich, wie das Material reagiert. Dieser Sicherheitsaspekt fügt sich schön ins Design ein.
Farbspiele und ein spezielles Tragesystem
Generell werden Eltern, die Wert auf die Optik legen, Freude am Bagg haben. Minka und Thorsten Frackenpohl störten sich daran, dass die meisten Produkte wie Spielzeug gestaltet sind und entsprechend kurz dem schnell wechselnden Geschmack der Kinder entsprechen. Sie wollten ein Design, das dauerhaft funktioniert. Ihr Rucksack wirkt farbig und fröhlich, ohne durch wilde Muster zu dick aufzutragen.

Details wie die Reissverschlüsse und das aufgestickte Logo bilden einen farblichen Kontrast. Die Abdeckungen der beiden isolierten Aussenfächer für Znünibox und Trinkflasche lassen sich ebenfalls austauschen. Das bietet die Möglichkeit, etwas mit dem Aussehen zu spielen und den Rucksack zu personalisieren.
«Das ist also euer Gegenentwurf zu den Kletties», sage ich und denke an die vielen Tier- oder Sportmotive, mit denen Kinder ihren Thek verzieren. «Genau, so etwas wollten wir nicht», bestätigt Minka.
In anderen Punkten reiht sich der Bagg mit gewohnten Features auf dem Markt ein: Er besteht aus recycelten Materialien, hat die übliche wasserdichte Bodenwanne und wiegt 1300 Gramm. Speziell ist dagegen das selbst entwickelte Tragesystem: Dieses lässt sich nicht nur in der Höhe verstellen, sondern wächst auch in der Breite mit. Es ist für Kinder zwischen 100 und 150 Zentimetern Körpergrösse ausgelegt.

Schlanke Lösungen sind gefragt
All das finde ich mindestens so interessant wie die Erkenntnis, dass der Bedarf für schlankere Schultaschen offenbar auch in Deutschland wächst. Ich dachte, jenseits der Grenze, wo der Thek zum Ranzen wird, schleppen die Kinder immer noch mehr durch die Gegend.
Das jedenfalls war ein Teil der Antwort, die meine Kollegin Katja Fischer auf Anfrage von der Marke Step by Step bekam: «In der Schweiz scheint das teilweise so zu sein, dass die Kids weniger mitnehmen müssen.» In Deutschland und Österreich sei das oft anders: «Da tragen die Kleinen nicht selten bereits ziemlich viel Inhalt mit sich herum.»
Katjas Text und die Diskussion darunter lesen sich wie eine Argumentesammlung dafür, dass zumindest in der Schweiz weniger mehr ist. Beispiel gefällig? «Der gesamte Text spricht mir sowas von aus der Seele. 1 Rüebli, 2 Darvida, 2 A4 Blätter... Und nach 3 Jahren mega uncool», lautet ein Kommentar.
Noch gibt’s Kwio nicht in der Schweiz
Um fair zu bleiben: Auch die gängigen Marken bieten kompakte und leichte Modelle an. Es gibt diverse ab 19 Litern Volumen und 860 Gramm Gewicht. Sie sind nur kastiger und so kindlich gestaltet, dass sie selten die dritte Klasse überleben.
Die Hersteller können es verschmerzen, weil sie mit Marken wie Satch und Coocazoo auch gleich Produkte für die nächste Alterskohorte anbieten. Das ist natürlich gut fürs Geschäft und die Kundschaft zahlt, wenn's um die Schule geht, bereitwillig.
Auch für den Bagg von Kwio musst du im üblichen Set mit Turnbeutel, Wechselcover und zwei Mäppchen (Etuis) 250 Euro ausgeben. Das ist viel Geld und viel Material. «Leider können wir das Mäppchen noch nicht mit Stiften gefüllt anbieten», sagt Minka entschuldigend – und ich lache, weil Stifte bei den Ergobags meiner Kinder zwar dabei, aber überflüssig waren. «In der Schweiz kein Problem», entgegne ich. Gab’s alles in der Schule. In Deutschland ist das anders. Dort müssen die Eltern das Material selbst besorgen.
Gefühlt ist Kwio wie für hiesige Bedürfnisse gemacht. Leider ist die Marke bislang nicht in der Schweiz vertreten. Es gibt da, anders als für das Geschäft innerhalb der EU, ein paar Hürden ... Aber ich habe Minkas Kontakt intern weitergegeben und frage dich, was du vom Bagg hältst.
Bagg von Kwio
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Einfacher Schreiber, zweifacher Papi. Ist gerne in Bewegung, hangelt sich durch den Familienalltag, jongliert mit mehreren Bällen und lässt ab und zu etwas fallen. Einen Ball. Oder eine Bemerkung. Oder beides.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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