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Koffein bei Kindern: Forschende finden Veränderungen im Gehirn

Anna Sandner
6.11.2026

Schon geringe Mengen Koffein pro Woche hängen bei Kindern mit Schlafmangel und Auffälligkeiten im Gehirn zusammen. Forschende vermuten darin einen möglichen Risikofaktor für spätere Verhaltensprobleme. Warum trotzdem kein Grund zur Panik besteht.

Hier mal ein Schluck Cola oder Spezi, da ein Glas Eistee – während es einen riesigen Aufschrei gäbe, würden Eltern ihren Kindern morgens eine Tasse Kaffee servieren, schleicht sich Koffein über süße Getränke fast unbemerkt in den (Kinder-)Alltag. Ein bisschen Koffein wird schon nicht schaden, ist ja schließlich kein doppelter Espresso. Nur ist ein Kindergehirn eben keine verkleinerte Erwachsenenausgabe und reagiert bedeutend sensibler auf die psychoaktive Substanz.

Ein Forschungsteam des King’s College London zeigt nun anhand umfangreicher US-Langzeitdaten, dass bereits geringe Mengen Koffein mit messbaren Unterschieden in der Gehirnentwicklung von Neun- bis Elfjährigen zusammenhängen.

Auffällige Muster bei fast 10 000 Kindern

Für die Untersuchung nutzte das Team um Jiayi Zheng und Dr. Divyangana Rakesh vom King’s College London die Daten von 9632 Kindern aus der sogenannten ABCD-Studie (Adolescent Brain Cognitive Development) – der größten US-Langzeituntersuchung zur Gehirnentwicklung im Jugendalter. Neben Selbstauskünften zum wöchentlichen Konsum von Softdrinks, Tee oder Kaffee analysierten die Forschenden hochauflösende MRT-Scans des Gehirns sowie Angaben der Eltern zur Schlafdauer ihrer Kinder.

Das Ergebnis: Kinder, die mehr Koffein tranken, wiesen eine insgesamt geringere Oberfläche der Großhirnrinde (kortikale Oberfläche) auf. Der Effekt zeigte sich in 22 Regionen quer durch alle vier Hirnlappen – also genau dort, wo Impulskontrolle, Aufmerksamkeit und Gefühle verarbeitet werden.

Schon eine Portion pro Woche reicht

Überraschend ist dabei vor allem die geringe Menge. Die Auffälligkeiten im Gehirn waren schon ab einem einzigen koffeinhaltigen Getränk in der Woche messbar. Seniorautorin Dr. Rakesh sieht das als klares Indiz dafür, dass wir Koffein im Alltag junger Menschen deutlich unterschätzen:

«Koffein ist ein so normaler Bestandteil unseres täglichen Lebens, dass man leicht vergisst, dass auch junge Menschen es konsumieren. Studien zeigen, dass zwei Drittel der Jugendlichen mindestens einmal pro Woche Koffein zu sich nehmen. Obwohl es eine psychoaktive Substanz ist, ist es völlig unreguliert.»

Warum das Gehirn die Nachtruhe braucht

Biologisch ist der Hebel schnell gefunden. Denn Koffein besetzt im Gehirn genau jene Rezeptoren, an denen sonst der Botenstoff Adenosin andockt, um Müdigkeit zu signalisieren. Der Körper merkt schlicht nicht, wie erschöpft er ist und eigentlich schlafen sollte. Bei den untersuchten Kindern führte das auch ganz real zu kürzeren Schlafzeiten.

Schlafmangel ist für heranwachsende Gehirne heikel. Nachts sortiert das Gehirn Synapsen, baut ungenutzte Verbindungen ab und festigt Nervenbahnen. Fehlt diese Erholung, geraten Umbauprozesse ins Stocken. Das Forschungsteam beließ es deshalb nicht beim MRT-Scan, sondern befragte die Kinder ein halbes und anderthalb Jahre später erneut zu ihrem Wohlbefinden. Dabei zeigte sich ein wiederkehrendes Muster: Kürzere Schlafzeiten und geringere Hirnoberflächen waren mit mehr Ängsten, depressiven Verstimmungen und Impulsivität im späteren Verlauf verknüpft.

Koffein oder schlicht zu viel Zucker?

Das klingt alles ziemlich dramatisch, aber wie so oft in der Forschung müssen wir klar zwischen Kausalität und Korrelation unterscheiden. Die Forschenden haben nicht nachgewiesen, dass Koffein direkt psychische Probleme auslöst, sondern lediglich einen statistischen Zusammenhang zwischen dem Konsum und diesen Folgen festgestellt.

Hinzu kommt, dass die untersuchten Kinder ihr Koffein fast ausschließlich über gesüßte Softdrinks wie Cola zu sich nahmen. Damit ist automatisch ein zweiter Verdächtiger im Spiel: Zucker. Hohe Zuckermengen können über Entzündungsprozesse und Stoffwechselreaktionen die neuronale Vernetzung ebenfalls beeinflussen. Ob im Gehirn also tatsächlich das Koffein-Molekül spürbar war oder schlicht die Begleiterscheinungen von zu viel Limo, lässt sich in einer Beobachtungsstudie nicht sauber trennen. Erstautor Zheng ordnet das Ergebnis deshalb vorsichtig ein:

«Softdrinks enthalten viel Zucker und gehen oft Hand in Hand mit weniger gesunden Lebensgewohnheiten und risikofreudigerem Verhalten. Wir können die Rolle von Koffein daher noch nicht von allem trennen, was sonst noch dranhängt.»

Möglicherweise schlafen Kinder, die viel Cola trinken, also schlechter, weil sie abends länger vor Bildschirmen sitzen oder sich insgesamt unausgewogener ernähren. Die Studie liefert keinen Grund zur Panik. Eine solide Erinnerung daran, dass Koffein bei Kindern kein harmloser Durstlöscher ist, ist sie allemal.

Titelbild: Alleksana/Pexels

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Wissenschaftsredakteurin und Biologin. Ich liebe Tiere und bin fasziniert von Pflanzen, ihren Fähigkeiten und allem, was man daraus und damit machen kann. Deswegen ist mein liebster Ort immer draußen – irgendwo in der Natur, gerne in meinem wilden Garten.


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