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Meinung

Kosmetik und Greenwashing: Es muss nicht alles «öko» sein

Als Käuferin von Naturkosmetik war ich immer skeptisch gegenüber dem grünen Marketing regulärer Hersteller. Dass die EU mit neuen Regeln dem Greenwashing einen Riegel vorschiebt, finde ich gut. Es gibt ja hoffentlich noch andere Verkaufsargumente.

Ich gehöre zu den Personen, die vor dem Kauf der neuen Gesichtscreme oder eines Lippenstifts erst einmal die Tube umdrehen und die Inhaltsstoffe auf der Rückseite scannen. Mithilfe der App «CodeCheck» versuche ich, gewisse Stoffe zu vermeiden – und solchen natürlichen Ursprungs den Vortritt zu geben. Deshalb benutze ich seit mehr als zehn Jahren hauptsächlich Naturkosmetik.

Als Naturkosmetik-Käuferin hat mich beim Beauty-Shopping immer wieder und immer häufiger ein gewisses Gefühl begleitet: Misstrauen. Das tauchte auf, wenn ich von meiner grünen Insel – dem bescheidenen Regalabschnitt für Naturkosmetik – ins «verbotene Reich» der regulären Hersteller rüberspähte.

Das «verbotene Reich» gönnte sich in den vergangenen Jahren nämlich ein grünes Makeover. Plötzlich tauchten auch da Schriftzüge auf, die «natürliche» Formulierungen oder «cleane» Inhaltsstoffe anpriesen. Auch die Verpackungen erlebten einen Wandel. Die Behälter von Shampoo oder Conditioner waren laut Aufdruck plötzlich klimaneutral produziert, «recycelbar» oder sogar bereits rezykliert. Irgendwann waren es nicht mehr nur die Tuben von Weleda, Farfalla oder Biokosma, die sich mit Blättern und grünen Details schmückten.

Aus Neugier nahm ich immer wieder ein paar dieser Produkte genauer unter die Lupe. Vielleicht war der Radius an Produkten, die für mich infrage kommen, ja gerade dabei, sich zu erweitern? Leider nein. Meine naive Hoffnung wurde meistens im Keim erstickt. Trotz grün anmutender Verpackung waren in den Produkten Stoffe anzutreffen, die für mich als Naturkosmetik-Käuferin nicht zu einem «grünen» Produkt passen: zum Beispiel erdölbasierte Inhaltsstoffe wie Paraffine, Mikroplastik oder synthetische Substanzen, die im Verdacht stehen, hormonell zu wirken.

Immer auf dem Prüfstand bei mir: die Inhaltsstoffe.
Immer auf dem Prüfstand bei mir: die Inhaltsstoffe.
Quelle: Shutterstock/Alive Color Stock

Auch die Umweltversprechen auf den Verpackungen waren nicht immer verlässlich. Gerade erst untersagte das Landgericht Düsseldorf L’Oréal Nachhaltigkeitsaussagen auf der Verpackung eines Haarfärbemittels des Tochterunternehmens Garnier: Die angepriesenen Umweltvorteile waren zu schwammig formuliert. Doch bereits 2022 hatte die Changing Markets Foundation Recycling- und Nachfüllversprechen von L’Oréal, P&G und L’Occitane kritisiert. Sie bemängelte unter anderem missverständliche Angaben zum Recyclinganteil von Verpackungen und hinterfragte den Umweltnutzen von schwer recycelbaren Nachfüllbeuteln.

Wer grün werben will, muss jetzt liefern

Weshalb konnten diese Hersteller so grün auftreten, ohne ihre Aussagen nachvollziehbar zu belegen oder tatsächlich umweltschonendere Verpackungen zu verwenden? Ein stiller Groll begleitete mich einige Jahre bei meinen Runden durch den Supermarkt oder die Drogerie.

Bis vor drei Wochen – als mein Unmut offenbar erhört wurde. Und zwar von der Europäischen Union. Denn eine neue Regulierung geht genau dieses Thema an. Ich war wohl nicht die Einzige, die sich daran störte, dass sich gewisse Marken mit vermeintlich grünen Federn schmückten.

Seit dem 27. September gelten die neuen Vorgaben der EmpCo-Richtlinie. Ihr Ziel – unter anderem – genau solche irreführenden Aussagen in Bezug auf Nachhaltigkeit zu verhindern. Denn mit der neuen Richtlinie müssen Unternehmen ihre Nachhaltigkeits-Claims nach strengeren Regeln formulieren und belegen.

Wer eine Creme als «natürlich», «nachhaltig» oder «clean» beschreibt und damit pauschal Umweltvorteile suggeriert, muss dafür eine offiziell anerkannte, besonders gute Umweltleistung nachweisen können. Zudem müssen Nachhaltigkeitssiegel auf einem Zertifizierungssystem beruhen oder von staatlichen Stellen festgelegt sein. Hersteller dürfen also keine selbst erfundenen Nachhaltigkeitssiegel ohne eine solche Grundlage verwenden. Genau so etwas hatte ich mir erhofft!

Für Hersteller bedeutet die neue Regulierung erst einmal viel Arbeit – und Bürokratie. Sogar Befürworter betonen, dass die Umstellung aufwendig und kostspielig sei. Wie bei vielen anderen EU-Regulierungen gibt es Schattenseiten. Das ist mir klar.

Doch aus Sicht einer Konsumentin finde ich, dass es ein Schritt in die richtige Richtung ist, von dem hoffentlich auch die Schweiz profitiert. Auch wenn die EmpCo hierzulande nicht gilt, kann ich mir gut vorstellen, dass internationale Hersteller ihre für den EU-Markt angepassten Verpackungen auch in der Schweiz verwenden werden – statt für den kleineren Schweizer Markt eigene Varianten zu gestalten.

In der Schweiz verlangt das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) seit Anfang 2025 bereits ausdrücklich überprüfbare Belege für klimabezogene Aussagen wie «klimaneutral» oder «Net Zero». Die EmpCo-Richtlinie geht aber über solche Klimaangaben hinaus und stellt zudem konkrete Anforderungen an Nachhaltigkeitssiegel.

Ob in der EU oder in der Schweiz: Im Kern geht es um Ehrlichkeit. Weniger geschönte Nachhaltigkeits-Claims schaffen Raum für andere, im besten Fall ehrlichere Aussagen über ein Produkt. Für Konsumentinnen und Konsumenten ist es doch viel interessanter zu wissen, was die Creme denn tatsächlich ist, wenn sie nicht mehr pauschal als «natürlich», «nachhaltig» oder «clean» bezeichnet werden kann.

Es gibt auch andere Verkaufsargumente

Dazu kommt, dass ein Kosmetik-Produkt ja nicht einmal das Etikett «öko» braucht, um erfolgreich zu sein. Das beste Beispiel dafür ist Vaseline. Selbstbewusst prangt der Schriftzug «Petroleum Jelly» auf der Vorderseite des Plastikbechers. Vaseline – oder der Hauptinhaltsstoff Petrolatum – ist ein verfeinertes Nebenprodukt der Erdölindustrie.

Vaseline ist ein beliebtes Produkt in der Körperpflege.
Vaseline ist ein beliebtes Produkt in der Körperpflege.
Quelle: Shutterstock/Towfiqu ahamed barbhuiya

Trotzdem ist sie ein Verkaufsschlager im Kosmetikbereich. Auch hier auf Galaxus. Das liegt vermutlich vor allem daran, dass Vaseline genau das tut, was sie verspricht: Petrolatum hat einen stark okklusiven Effekt – das heisst, es bildet eine Schutzschicht auf der Haut und reduziert den Feuchtigkeitsverlust. Bei rauen und trockenen Hautstellen kann das helfen. Zudem ist Vaseline sehr preiswert.

Auch wenn ich als Naturkosmetik-Fan lieber zu Sheabutter oder Pflanzenöl greife statt zu Vaseline, respektiere ich die klare Ansage auf der Verpackung. Andere Marken könnten sich davon ein Stück abschneiden.

Fazit

Wer mir eine Creme mit grünen Versprechen verkauft, soll auch zeigen können, was dahintersteckt. Viele Naturkosmetik-Hersteller lassen ihre Produkte schon lange freiwillig nach festen Zertifizierungsstandards überprüfen. Ich finde es nur fair, auch von regulären Herstellern ähnliche Belege zu verlangen, wenn sie von einem grünen Image ihrer Produkte profitieren wollen.

Überzeugt ein Produkt mit seiner Qualität, braucht es sowieso keine geschönten Umweltversprechen. Und wenn Herstellern ausser «öko» kein Verkaufsargument einfällt, sollten sie vielleicht am Inhalt der Tube arbeiten.

Titelbild: Shutterstock/Alive Color Stock

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«Ich will alles! Die erschütternden Tiefs, die berauschenden Hochs und das Sahnige dazwischen» – diese Worte einer amerikanischen Kult-Figur aus dem TV sprechen mir aus der Seele. Deshalb praktiziere ich diese Lebensphilosophie auch in meinem Arbeitsalltag. Das heisst für mich: Grosse, kleine, spannende und alltägliche Geschichten haben alle ihren Reiz – besonders wenn sie in bunter Reihenfolge daherkommen. 


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