

Marimekko «One Line a Day» – das schönste Tagebuch, das ich wirklich benutze
Ich bin kein Tagebuchmensch. War ich nie. Bis ich dieses Journal mit dem ikonischen Mohn-Print von Marimekko gesehen habe – und plötzlich motiviert war. Spoiler: Ich bereue es nicht.
Ein Tagebuch zu führen klingt nach schlechtem Gewissen an Tagen, an denen du es nicht schaffst. Und nach dem leeren Blatt, das dich jeden Abend anklagt. «One Line a Day» von Chronicle Books denkt das anders: eine Zeile, fünf Jahre lang, immer wieder auf der Seite. Das Versprechen dahinter ist gross – du blätterst irgendwann zurück und siehst auf einen Blick, was dich genau heute vor einem, zwei, drei Jahren bewegt hat.
Ich war skeptisch. Und dann hat's funktioniert.
Marimekko: Blumen als Haltung
Wer den Markennamen «Marimekko» hört, sieht wahrscheinlich sofort den Mohn vor sich. Grosse, runde Blüten in Rot, Schwarz, Weiss. Das Muster heisst Unikko – Finnisch für Mohn – und wurde 1964 von Maija Isola entworfen. Die Gründerin von Marimekko hatte damals angekündigt, nie Blumenmuster zu drucken. Isola zeichnete den Unikko aus Trotz. Das Muster wurde zum Bestseller und ist heute eines der bekanntesten Textildesigns der Welt. In dieser Geste steckt etwas typisch Nordisches: Eigensinn, der sich auszahlt.

Was die «One Line a Day»-Serie so besonders macht: Es gibt regelmässig neue Cover-Editionen, die aussehen wie Coffee-Table-Books. Du kaufst nicht einfach ein Tagebuch. Du wählst ein Objekt, das du gerne auf dem Tisch liegen lässt. Die Marimekko-Ausgabe mit dem Unikko-Print ist eine davon. Wer einmal angefangen hat zu sammeln, hört wahrscheinlich nicht mehr auf.
Das Cover gibt's auch mit den klassischen roten Mohnblumen. Ich hab mich für Blau entschieden – etwas zurückhaltender, aber im Bücherregal trotzdem ein Hingucker.
Das Konzept: radikal niederschwellig
Eine Zeile pro Tag. Fünf Jahre lang. Das Layout ist so gestaltet, dass du beim Schreiben immer siehst, was du am selben Datum in den Vorjahren notiert hast.

Haptik und Verarbeitung
Das Buch liegt gut in der Hand, der Einband ist fest, der Unikko-Druck hochwertig. Nichts blättert mit der Zeit ab oder verwischt. Das Papier ist dünn genug, dass das Buch nicht zu klobig wirkt, aber solide genug für Kugelschreiber oder Fineliner. Dank Lesebändchen bin ich sofort auf dem richtigen Datum.

Alltag: Funktioniert das wirklich?
Ich bin eigentlich kein Journaling-Typ. Der Gedanke, abends eine halbe Seite zu füllen, löst bei mir eher Widerstand als Entspannung aus. Aber eine Zeile? Das geht irgendwie.
Überraschend ist, dass ich es vermisse, wenn ich mal auf Reisen bin. Weil ich das Buch nicht unnötig oft transportieren möchte, lasse ich es zu Hause. Stattdessen halte ich meine Zeile im Handy fest und trage sie später nach. Nicht ideal. Die Notizen auf dem Handy fühlen sich flüchtiger an, vergänglicher. Das Buch gibt dem gleichen Satz mehr Gewicht.

Ich bin keine Musterschülerin
Jeden Tag, ohne Ausnahme? Nein. Es gibt Wochen, da liegt das Journal drei Tage unberührt auf dem Nachttisch. Aber das ist für mich kein Scheitern, sondern fast ein eigenes Feature. Wenn ich mich dann hinsetze und die fehlenden Tage nachtrage, entsteht ein kleiner Rückblick auf die Woche. Was war eigentlich wichtig? Was ist schon wieder vergessen gegangen? Das hat eine andere Qualität als die tägliche Routine – weniger Achtsamkeit, mehr Perspektive.

Fazit
Klein, konsequent, schön
Wer Tagebuch führen will, aber nicht weiss, wo er oder sie anfangen soll, ist hier richtig. Eine Zeile täglich ist ein Format, das tatsächlich (fast immer) funktioniert. Und wenn das Cover des Tagebuchs von Marimekko ist, fällt der erste Griff zum Stift noch leichter. Ich behalte das Ritual bei.
Zwei Einschränkungen: Handschrift ist Pflicht. Und wer sich nicht kurz fassen kann, wird leiden.
Pro
- ikonisches Unikko-Design von Marimekko
- radikal einfaches Konzept: eine Zeile pro Tag
- fünf Jahre auf einen Blick am selben Datum
- Cover-Editionen so schön wie Coffee-Table-Books
- ideal für alle, die ins Journaling einsteigen wollen
Contra
- kein Platz für ausführliche Einträge

Wie ein Cheerleader befeuere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratierte ich einfache und doch raffinierte Interior-Entdeckungen, berichte über Trends und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit.
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