Mikroplastik: So reduzierst du den «unsichtbaren» Feind

Mikroplastik: So reduzierst du den «unsichtbaren» Feind

Vanessa Kim
Vanessa Kim
Zürich, am 17.08.2020
Bei jedem Waschgang gelangt Mikroplastik aus Textilien ins Abwasser. Mit einfachen Tricks schonst du langfristig die Umwelt.

Egal, ob Sportbekleidung, Unterhosen oder Fleecejacken – in deiner Garderobe wimmelt es nur so von Mikroplastik. Die keine fünf Millimeter grossen Kunststoffteilchen sind von blossem Auge kaum sichtbar und haften an Polymer-Textilien: Heute kommt kaum ein Kleidungsstück ohne Kunstfasern wie Polyester, Polyamid, Nylon, Lycra oder Elastan – auch bekannt als Stretch – aus. Der Vorteil dieser Gewebeart ist, dass sie pflegeleicht und (traurig aber wahr) günstig ist.

In der Waschmaschine sind Kunstfasern jedoch problematisch. Bei jedem Waschgang löst sich Mikroplastik von ihnen. Kläranlagen können die winzigen Partikel nicht filtern. So landen sie mit dem Abwasser in Seen und im Meer, wo sie die Flora und Fauna vergiften. Schliesslich gelangt Mikroplastik in die Nahrungskette. Forscher der australischen Universität Newcastle vermuten, dass wir pro Woche bis zu fünf Gramm Mikroplastik konsumieren. Die Menge entspricht etwa einem gestrichenen Teelöffel Tafelsalz.

Gemäss Greenpeace sind mehr als ein Drittel aller Mikroplastikpartikel in den Weltmeeren auf Kleider aus Kunststoff zurückzuführen. Mit diesen simplen Tricks leistest du zumindest beim Waschen einen kleinen, aber effektiven Beitrag zum Umweltschutz. Ein Muss, wenn du weniger Plastik verzehren willst.

Vor dem Waschen

Richtiges Einkaufen:
Bevor es überhaupt zu Mikroplastik im Abfluss kommt, solltest du Kunstfasern wie Elastan, Acryl und Polyester meiden. Laut Greenpeace bestehen 60 Prozent unserer Klamotten aus Polyester. Die britische Plymouth Universität hat in einer Studie untersucht, wie viele Kunststoffteilchen ein Polymer-Textil pro Waschgang à 30 bis 40 Grad Celsius ans Wasser abgibt. Bei einem Mischgewebe (aus Polyester und Baumwolle) sind es um die 138 000, bei Polyester 496 000 und bei Acryl 729 000 Partikel, die sich von Kunstfasern lösen.

Auch Mischgewebe kann Polymerfasern enthalten. Achte bei deinem nächsten Einkauf aufs Etikett. Bevorzuge stattdessen Naturfasern wie Leinen, Wolle, Merino, Kaschmir, Seide oder Hanf. Dazu gehört auch Baumwolle. Weil ihr Anbau aber alles andere als nachhaltig ist und dafür Unmengen an Wasser draufgehen, steht sie bei nachhaltigen Konsumenten in der Kritik.

Entsorge jetzt nicht alle deine bereits gekauften Polymer-Textilien. Behalte sie, statt sie mit neuen Stücken zu ersetzen. Damit schadest du ebenfalls der Umwelt. Was du hast, hast du. Wasch sie einfach weniger oft (siehe unten).

Waschmittel:
Nicht nur Kunstfasern, sondern auch Waschmittel enthalten winzige Kunststoffverbindungen, die Schmutz besonders effektiv entfernen. Greif stattdessen zu ökologisch abbaubaren Flüssig-Waschmitteln – Pulver enthält Schleifpartikel, das für noch mehr Faserbruch sorgt. Es gibt aber auch Alternativen wie Waschbälle, die mit negativen Ionen das Waschmittel ersetzen sollen. Ihre Wirkungsweise ist jedoch nicht wissenschaftlich belegt. Zudem sind sie aus Plastik.

Während des Waschens

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Nope, diese Ausnahme bestätigt die Regel. Wäschst du jeden Montag deine Klamotten, doch der Wäschekorb ist ausnahmsweise noch halb leer? Dann schieb die Hausarbeit auf, bis der Korb voll ist. Wenn du die Waschtrommel nicht voll belädst, ist die Reibung zwischen den einzelnen Kleidungsstücken besonders hoch. Die Folge: Es lösen sich noch mehr Fasern als nötig. Dasselbe gilt für den Schleudergang: Reduzier die Anzahl an Umdrehungen pro Minute.

Programmwechsel:
Wusstest du, dass das Schonwaschprogramm von allen Programmen die meisten Plastikteile freisetzt? Eine Studie der Universität Newcastle belegt, dass pro Waschgang bis zu 800 000 zusätzliche Partikel freigesetzt werden. Der Grund ist die höhere Wassermenge, die für zusätzlichen Faserbruch sorgt. Besser ist hingegen ein Waschgang à (maximal) 40 Grad Celsius und ein Kurz-Waschprogramm.

«Filtersysteme»:
Zukunftsmusik sind Mikroplastikfilter, die du an deiner Waschmaschine anschliesst. Eine akzeptable Alternative sind spezielle Waschbeutel, in denen du Kleidungsstücke aus Kunstfasern wäschst. Der Beutel soll während des Waschens das Mikroplastik auffangen.

Nach der Wäsche

Behandle deinen Wäschetrockner ab sofort wie Luft. Häng deine Kleider zum Trocknen auf. Der Tumbler entzieht Textilien Feuchtigkeit und löst zusätzlich weiteres Mikroplastik, das im Kondensationsverfahren im Wasserbehälter landet. Sobald du ihn leerst, landen auch diese Partikel im Abwasser.

Generell gilt: Reinige ein Kleidungsstück erst, wenn es wirklich schmutzig ist. Und nicht bereits nach einmaligem Tragen. Häng es zum Lüften an der frischen Luft auf. Einzelne Flecken kannst du auch lokal von Hand auswaschen. Erst, wenn ein Kleidungsstück den Flecken- und Geruchstest nicht besteht, gilt: ab in den Wäschekorb.

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Vanessa Kim
Vanessa Kim
Editor, Zürich
Wenn ich mal nicht als Open-Water-Diver unter Wasser bin, dann tauche ich in die Welt der Fashion ein. Auf den Strassen von Paris, Mailand und New York halte ich nach den neuesten Trends Ausschau und zeige dir, wie du sie fernab vom Modezirkus alltagstauglich umsetzt.

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