digitec-Kunde, als er die Preise für die Nvidia 2080 sieht (Abb. ähnlich)
digitec-Kunde, als er die Preise für die Nvidia 2080 sieht (Abb. ähnlich)
HintergrundGaming

Mimimi: Community Edition

Aurel Stevens
Aurel Stevens
Zürich, am 21.08.2018

Sie ist da: Nvidias neue Grafikkarten-Generation. Die Preise sorgen für gehobene Augenbrauen in der Community. Um es nett auszudrücken. Ein guter Zeitpunkt für ein Mimimi mit vertauschten Rollen.

*Schluck!* Bitte waaaaas? *Hust!* Über 1300 Franken für die neue Nvidia 2080 Ti?

«LMAO. I knew I was in for a laugh, but you people are freaking comedians :’)»
– Calib4n
«1000 franken für die 2080 hahahahahaha, könnt ihr behalten!»
– eichof99
«999$ = 1400CHF. 699$ = 1000CHF. NOPE»
– Fendera

...die restlichen Kommentare kannst du hier lesen.

Ich versuche hier nicht, die Preispolitik von digitec zu verteidigen. Das ist nicht mein Job. Ich kann aber versuchen zu erklären, wie Preise entstehen.

Nvidia sagt, dass die 2080 Ti 999 $ kostet. Bei euch kostet die 2080 Ti 1350.–. Ihr macht also 351.– Franken Gewinn pro Karte!

Nein.

Wie viel Gewinn macht ihr denn pro Karte?

Das darf ich nicht sagen.

Nicht mal ungefähr?

Die 2080 Ti für über 1300 Franken kaufen wir für weit über 1000 Franken ein.

Die Preise sind also extrem hoch, weil die Lohnkosten in der Schweiz so hoch sind?

Nein. Zwar sind in Europa Medikamente, Nahrungsmittel, Kosmetik oder Zeitschriften und viele andere Dinge günstiger als in der Schweiz. Bei der Elektronik hat die Schweiz aber sehr konkurrenzfähige Preise. Beispiel: Das iPhone X mit 256 GB Speicher in Grau. Kostet bei digitec derzeit 1257 Franken. In Deutschland ist das günstigste Angebot umgerechnet über 1275 Franken.

Die Löhne spielen also keine Rolle?

Doch. Die sind aber nicht zentral.

Und was ist dann zentral?

Marktmechanismen, Lohnniveau und Konsumverhalten. Du willst möglichst wenig für ein Produkt bezahlen. Der Hersteller will möglichst viel Geld verdienen. Nvidia stellt aber nur die Chips her. ASUS, MSI & Co. stellen die Grafikkarten her und liefern sie an Importeure oder Grosshändler. Diese wiederum liefern an die Endverkäufer wie digitec. Alle Involvierten wollen ihren Teil vom Kuchen.

Das erklärt aber nicht, weshalb Nvidia die Karte in der Präsentation für 999 Dollar anpreist und ihr über 1300 Franken verlangt!

Hersteller, die global tätig sind, teilen die Erdkugel traditionell in verschiedene Marktsegmente auf, die sehr grob Wirtschaftsräume abbilden:

  • Asien-Pazifik (APAC)
  • Europa-Arabien-Afrika (EMEA)
  • Nord- und Südamerika (AMER)

Die Firma setzt Basispreise für die verschiedenen Segmente. Die Wirtschaftsräume werden dann nochmals in Regionen unterteilt, die politischen bzw. regulatorischen Räumen folgen. Für uns ist das der EWR. Je grösser das Unternehmen, desto wahrscheinlicher hat es noch eine spezifische Ländervertretung.

Die Endhersteller analysieren das Preisniveau der Wirtschaftsräume und versuchen den Preis zu optimieren, also möglichst hoch anzusetzen. Für Binnenmärkte wie Europa muss der Preis identisch sein. Sonst importieren deutsche Händler die Grafikkarten einfach beispielsweise aus Polen, solange es dort noch welche hat.

Das ist aber gemein für polnische Gamer!

Völlig korrekt. In Polen lag der Medianlohn 2017 bei 980 Euro. Der Durchschnitts-Pole arbeitet also über einen Monat für so eine Grafikkarte. Ein absolut irrer Luxusartikel. Deshalb könntest du langsam mit dem Jammern aufhören.

Nein, das ist einfach wahnsinnig teuer!

Nun, zunächst gibt es die neuen Karten nur in homöopathischer Dosierung. Das heisst, das Angebot ist knapp. Es braucht relativ wenige Käufer, die bereit sind, viel zu bezahlen.

Es gibt tatsächlich Leute, die zu diesem Preis kaufen?

Oh ja. Je gehobener das Modell, desto mehr Bestellungen. Die GeForce RTX 2080 Ti DUAL O11G wurde öfter vorbestellt als die RTX 2080 Ti TURBO 11G.

Die Antwort, weshalb die Grafikkarten so teuer sind, ist also: Weil der Bestand zu dem Preis verkauft werden kann. Die Konsumenten sind schuld.

Die sind aber doof!

Und du bist schlauer. Also reg dich lieber nicht weiter drüber auf. Oder werde schwach und greif trotzdem zu. Du willst es doch!

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Aurel Stevens
Aurel Stevens

Chief Editor, Zürich

Ich bändige das Editorial Team. Hauptberuflicher Schreiberling, nebenberuflicher Papa. Mich interessieren Technik, Computer und HiFi. Ich fahre bei jedem Wetter Velo und bin meistens gut gelaunt.

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