Nokia X20 im Test: Das Update-Versprechen als Köder

Nokia X20 im Test: Das Update-Versprechen als Köder

Jan Johannsen
Hamburg, am 01.06.2021

Garantierte Softwareupdates für drei Jahre sind ein gutes Argument für das Nokia X20. Womit dich das große Mittelklasse-Smartphone darüber hinaus überzeugen will, erfährst du hier.

Nokia hat die Namenssystematik seiner Smartphones umgestellt. Das X20 ist zwar nur ein Mittelklassegerät, aber unter den Neuvorstellungen aus dem Frühjahr das am besten ausgestattete Modell. Einen direkten Nachfolger für das über ein Jahr alte Nokia 8.3 ist es nicht – auch wenn sich eine optische Ähnlichkeit beim Blick auf die Rückseiten nicht leugnen lässt.

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Großes Display und durchschnittliche Power

Mit einer Bildschirmdiagonalen von 6,67 Zoll ist das Nokia X20 bereits sehr groß. Umso mehr verwundern mich die vergleichsweise breiten Ränder um den Touchscreen. Mit ihnen wird das Smartphone zum Riesen in Hosen- oder Handtasche.

Die Full-HD+-Auflösung mit 2400×1080 Pixeln sorgt für eine scharfe Bilddarstellung. Weniger zufrieden stellt mich die Helligkeit. Sie wird vor allem bei Sonnenschein zu einem Problem. Selbst bei maximaler Helligkeit kann ich die Anzeige nur mühsam erkennen. Gerade jetzt wo der Sommer endlich richtig angefangen hat, will ich nicht auf Wolken hoffen, um ein Smartphone benutzen zu können.

Ein helleres Display wäre schön.
Ein helleres Display wäre schön.

Unter der Haube sind der Snapdragon 480 und acht Gigabyte Arbeitsspeicher dafür zuständig, dass das Nokia X20 läuft. In Geekbench 5 erreichen sie 512 und 1689 Punkte im Single- und Multi-Benchmark. Das sind durchschnittliche Werte. Also weder herausragend gut, noch dramatisch schlecht. In der Praxis bedeuten sie, dass du das Smartphone gut benutzen kannst. Apps starten zügig und nur besonders rechenintensive Vorgänge können mal eine Sekunde länger als bei besserer Hardware dauern. Sofern du dies verschmerzen kannst, ist hier alles fein.

5G hat das Nokia X20 übrigens auch an Bord. Seinen 128 Gigabyte großen Speicher, kannst du mit einer microSD-Karte erweitern. Das führt dann allerdings dazu, dass nur noch eine SIM-Karte in das Smartphone passt. Also: Entweder Dual-SIM oder microSD.

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Vier Linsen, drei Kameras und viele Aufnahmemodi

Auf der Rückseite des Nokia X20 befinden sich vier Kameralinsen. Der «Zeiss»-Schriftzug in ihrer Mitte weist deutlich auf die Kooperation des Smartphone-Herstellers mit dem Objektivhersteller hin. Dich erwartet eine Hauptkamera mit einem 64-Megapixel-Sensor. Seine Aufnahmen rechnet das X20 standardmäßig zu Fotos mit einer Auflösung von 16 Megapixeln herunter. Die Idee hinter diesem «Pixel Binning» genannten Verfahren ist, dass durch das Zusammenführen von vier zu einem Pixel die Bildqualität besser wird. Die weiteren Kameras nehmen Weitwinkelfotos mit fünf Megapixeln auf, liefern Informationen für Tiefenunschärfe im Portraitmodus oder lassen dich als Makrolinse sehr nah ans Motiv heran – allerdings nur mit einer 2-Megapixel-Auflösung.

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Es gibt keinen Grund den HDR-Modus beim Nokia X20 auszuschalten. Mit ihm sind Wolken am blauen Himmel zu erkennen und nicht nur eine überbelichtete weiße Fläche. Die Kontraste werden weniger und die Farben etwas intensiver. Die Detailgenauigkeit fällt hoch aus.

HDR aus.
HDR aus.
HDR ein.
HDR ein.

Die Weitwinkelkamera eröffnet dir zwar neue Perspektiven, bringt im Vergleich zur Hauptkamera allerdings auch einen deutlichen Qualitätsrückgang mit. Die Aufnahmen sind weniger detailgenau. Fünf Megapixel sind einfach nicht genug.

Hauptkamera.
Hauptkamera.
Weitwinkel.
Weitwinkel.

Der zweifache Zoom, der quasi innerhalb der hohen 64-Megapixel-Auflösung heranzoomt, sieht dagegen deutlich besser aus. Der in der Kamera verfügbare achtfache Zoom findet nur digital statt und ist qualitativ nichts anderes als eine Vergrößerung der Bilddatei, die du auch nachträglich anfertigen kannst.

2x Zoom.
2x Zoom.
8x Zoom.
8x Zoom.

Im Makromodus kommst du sehr nah an das Motiv heran. Allerdings liefert die 2-Megapixel-Kamera eine so schlechte Qualität, dass es die bessere Entscheidung ist, den größeren Abstand mit der Hauptkamera in Kauf zu nehmen und den gewünschten Ausschnitt auszuschneiden.

Mit der Makrokamera.
Mit der Makrokamera.
So nah komme ich mit der Hauptkamera heran.
So nah komme ich mit der Hauptkamera heran.

Der Nachtmodus sorgt bei Dunkelheit mit seiner längeren Belichtungszeit für deutlich schärfere und hellere Fotos. Für Weitwinkelaufnahmen und den Zoom gibt es keinen Nachtmodus und die Ergebnisse sind umnachtet.

Der Nachtmodus in Aktion
Der Nachtmodus in Aktion
Die Automatik der Kamera bei Nacht.
Die Automatik der Kamera bei Nacht.
Die Weitwinkelkamera kommt mit Dunkelheit nicht gut zurecht.
Die Weitwinkelkamera kommt mit Dunkelheit nicht gut zurecht.

Die Frontkamera im Displayloch hat eine Auflösung von 32 Megapixeln. Damit gelingen ihr in Bezug auf Detailgenauigkeit und Farben ordentlich Selfies. Auch hier lohnt sich der HDR-Modus. Allerdings beseitigt er nicht die Probleme, die die Frontkamera mit starken Kontrasten hat. Der Himmel im Hintergrund war sonnig, blau und leicht wolkig – nicht weiß.

HDR aus.
HDR aus.
HDR an.
HDR an.

Bei Selfies kannst du ebenfalls einen Nachtmodus nutzen. Dieser hellt die Bilder auf, verhindert aber nicht, dass die Qualität bei Dunkelheit mangelhaft ist.

Drei Jahre Softwareupdates

Das pure Android ohne eine zusätzliche Benutzeroberfläche bei Nokia ist in meinen Augen ein gewichtiges Argument für die Smartphones des Herstellers. Will ich einen Launcher haben, installiere ich ihn mir selber und alle Apps, die ich benutzen will, ebenfalls. Vorinstallierte Apps sind nicht nötig.

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Das pure Android hat einen weiteren Vorteil: Nokia muss vergleichsweise wenig Aufwand betreiben, um die Updates des Betriebssystems auf seine Smartphones anzubauen. Ein Grund, warum der Hersteller beim X20 eine Garantie über drei Jahre Softwareupdates gibt. Ausgeliefert wird das Smartphone mit Android 11 und wird entsprechend bis Android 14 aktualisiert.

Fingerabdrucksensor, Akku und etwas Nachhaltigkeit

Der Fingerabdrucksensor befindet sich an der Seite des Nokia X20 und ist gleichzeitig die Power-Taste. Einschalten und Entsperren funktioniert da in einer Bewegung. Kein auf der Rückseite herumtasten oder den Sensor hinter dem Display suchen. Im Alltag erkennt der Sensor meine Finger zuverlässig und entsperrt das Smartphone sehr zügig.

Fingerabdrucksensor an der Seite
Fingerabdrucksensor an der Seite

Im Lieferumfang des X20 befindet sich nur ein USB-Ladekabel, aber kein Netzteil mehr. Nokia will so die Umwelt schonen und kann sicherlich nebenbei auch die Kosten senken. Da die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass du mindestens ein Netzteil zu Hause hast, ist das nicht wild. Eine explizite Schnellladetechnologie gibt es nicht. Hier bist du darauf angewiesen, was dein Netzteil und das X20 im Zusammenspiel hinbekommen.

Bei mir war das Ladetempo des 4470-mAh-Akkus in Ordnung. Nicht so beeindruckend wie etwa bei WarpCharge von OnePlus, aber wiederum schnell genug, dass ich es nicht über die gesamte Nacht aufladen muss. Ist der Akku voll geladen, komme ich in der Regel gut mit ihm über den Tag.

USB-C- und 3,5mm-Anschluss.
USB-C- und 3,5mm-Anschluss.

Nach Angaben von Nokia ist die Hülle im Lieferumfang des X20 als Ausgleich für das Netzteil gedacht. Sie ist schlicht gehalten und besteht aus Bio-Kunststoff und damit in der Theorie kompostierbar. In der Praxis ist er zwar nachhaltiger als herkömmlicher Kunststoff, durchläuft aber immer noch einen deutlich längeren Zersetzungsprozess als organische Materialien.

Die Hülle aus Bio-Plastik
Die Hülle aus Bio-Plastik

Unspektakulär gut

Das Nokia X20 ist ein durchschnittliches Smartphone mit Vorteilen (pures Android + Updategarantie) und Nachteilen (Displaygröße und -helligkeit) und Vielem, was in Ordnung aber nicht herausragend ist: Leistung, Akku, Bildqualität. Die Auswahl an Mittelklasse-Smartphones mit ähnlicher Ausstattung und ähnlichen Preis ist groß. Trotz einiger Vorzüge landet das X20 da aber nicht ganz oben auf meiner Empfehlungsliste.

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Jan Johannsen
Jan Johannsen

Redakteur, Hamburg

Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Galaxus.de.

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