
«Onimusha: Way of the Sword» Vorschau: Capcom kann’s einfach
«Onimusha: Way of the Sword» krönt ein unglaubliches Jahr für Capcom. Das herrlich brutale Schwert-Abenteuer wird ein Fest für Fans japanischer Actionspiele.
Was zur Hölle ist los bei Capcom? Das japanische Studio hat dieses Jahr bereits zwei GOTY-Anwärter veröffentlicht – «Resident Evil Requiem» und «Pragmata». Im September öffnet das Unternehmen die Höllenpforten und lässt mit «Onimusha: Way of the Sword» allerlei dämonisches Gesocks auf die Welt los.
Im Rahmen einer Preview habe ich bereits drei Stunden lang Dämonen abgeschlachtet. Ich bin mir sicher: «Onimusha» ist der nächste grosse Capcom-Hit. Switch-2-Spieler können sich zudem über eine nostalgische Überraschung freuen.
Auf Dämonenjagd mit dem Seelenstaubsauger
Mein Preview-Build setzt dort an, wo die bereits veröffentlichte «Onimusha»-Demo (für PS5, Xbox und PC) aufhört. Der Protagonist Musashi vermöbelt seinen Erzrivalen Ganryu im Kiyomizu-dera-Tempel. Nach getaner Arbeit erkunde ich die dämonenverseuchte Tempelanlage weiter und lande plötzlich in einer albtraumhaften Parallelwelt.

Quelle: Capcom
Dort gilt es, wie es sich für ein «Onimusha» gehört, ganz viele Dämonen zu killen. «Onimusha: Way of the Sword» fühlt sich an wie ein Action-RPG der alten Schule. Mit Schwert und Bogen metzle ich mich durch Gegnerhorden. Ich greife mit schnellen oder besonders mächtigen Schwerthieben an, weiche mit perfektem Timing aus oder pariere gegnerische Attacken mit einem Konter. So dezimiere ich die Ausdauerleiste der hässlichen Feinde – ist sie leer, setze ich zu einem verheerenden und herrlich brutal inszenierten Finisher an.

Quelle: Capcom
Die Genma – so der Name der dämonischen Feinde – hinterlassen nach ihrem Ableben viele bunte Seelen. Die saugt Musashi mit seinem magischen Handschuh auf. Rote Seelen geben mir Erfahrungspunkte, gelbe Seelen füllen meine Lebensanzeige und blaue Seelen brauche ich, um besonders starke Spezialattacken mit meiner Oni-Waffe aufzuladen.
Das Einsaugen der farbigen Sammelstücke ist sehr befriedigend und macht meinen Fortschritt im Spiel greifbarer. Sehr cool finde ich, dass einige Bosse herumschwirrende Seelen selbst einsaugen, wenn ich nicht schnell genug bin. So werden sie im Verlauf des Bosskampfes immer stärker.

Ist «Onimusha» zu einfach?
Auch wenn die ganzen Seelen und Melee-fokussierten Kämpfe unweigerlich an Soulslike-Titel erinnern, hat das Game wenig mit dem ultraharten Subgenre zu tun. Es gibt keine Lagerfeuer. Die Zeitfenster zum Blocken und Parieren sind erstaunlich gnädig. Bei meinem virtuellen Ableben werde ich nicht bestraft – das heisst, ich verliere keine Erfahrungspunkte und werde von minutenlangen Walkbacks gänzlich verschont.

Quelle: Capcom
Nach der Veröffentlichung der «Onimusha»-Demo im Juni machten sich einige Fans Sorgen, dass Capcoms Schwertspiel gar viel zu einfach sein wird. Der Preview-Build bestärkt diese Sorgen zunächst.
Ich spiele auf dem schwierigeren «Action-Modus» (die einfachere Stufe heisst «Story-Modus») und metzle mich in der ersten halben Stunde problemlos durch Genma-Horden. Auch der erste Bossfight, «Daidara, der sabbernde Vielfrass» ist relativ easy. Mit der richtigen Strategie ist der dicke Dämon in Nullkommanix Geschichte.

Quelle: Capcom
Nach dem Bossfight folgen wieder jede Menge Mobs, die ich problemlos filetiere. Es dauert rund eineinhalb Stunden, bis ich das erste Mal so richtig gefordert werde. Ich trete gegen einen besonders fiesen Boss an, dessen Körper aus Dutzenden von Armen und Händen besteht: Rasho-gan. Ein ekelhafter und höchst unangenehmer Zeitgenosse.

Quelle: Capcom
Der Difficulty Spike ist riesig. Ich werde mit Schwert, Projektilen und Magie attackiert, muss Angriffsmuster auswendig lernen und meine Ressourcen geschickt einsetzen.
Ich sterbe. Und sterbe. Und sterbe nochmal, bis ich das armselige (Pun intended) Arschloch endlich mit einem spektakulären Finisher zersäge.

Quelle: Capcom
Ähnlich fühle ich mich auch beim letzten Bossfight meiner Vorschau-Demo. Byakue ist ein gorillaähnlicher Gegner mit Riesenaxt. Sein groteskes Fell besteht aus unzähligen japanischen Bannzetteln und Ritualpapieren, die mit zunehmendem Schaden in Blut getränkt werden.
Auch Byakue versohlt mir den Arsch. Bei ihm lerne ich, wie wichtig es ist, gegnerische Ausdauerleisten mit perfekten Kontern zu leeren. Abwarten, parieren, Gegenangriff. Und das alles wiederholen, bis der Finisher freigeschaltet wird.

Quelle: Capcom
Insgesamt ist meine Preview-Session also geprägt von ultraleichtem Dämonen-Fussvolk und herausfordernden Bossfights. Ich bin überrascht, wie gross das Delta zwischen den beiden Gegnertypen ist. Werden die regulären Feinde im späteren Spielverlauf stärker werden? Oder bleiben sie Kanonenfutter, an dem ich nach harten Boss-Dämonen Dampf ablassen kann?
Auch wenn mich der schwankende Schwierigkeitsgrad noch etwas ratlos zurücklässt, bin ich zuversichtlich, dass Capcom im fertigen Spiel eine gute Balance finden wird. Und die wichtigste Erkenntnis ist für mich ohnehin die: Egal, ob ich mich problemlos durch Mobs metzle oder mir die Zähne an Endgegnern ausbeisse – in jeder verbrachten Minute mit dem Preview-Build bereitet mir das gelungene Kampfsystem und das Seelensaugen verdammt viel Spass.

Quelle: Capcom
Lineare Action und Sightseeing in Kyoto
Abgesehen vom Kampfsystem folgt «Onimusha» der etablierten Formel, die Capcom bereits in «Resident Evil Requiem» und «Pragmata» so erfolgreich umgesetzt hat. Das Spiel bietet grösstenteils lineare Levelabschnitte, in denen abseits des Hauptfades Geheimnisse versteckt sind.
Die Rätsel sind bedeutend einfacher als in Capcoms diesjährigen Zombie- und Sci-Fi-Titeln. Mal betätige ich Schalter mit Pfeil und Bogen und mal suche ich versteckte Gegenstände, die an schwer erreichbaren Orten liegen. Die Rätsel sorgen nicht für rauchende Köpfe, sondern lockern das Pacing und die Action lediglich etwas auf.

Quelle: Capcom
Gespannt bin ich im fertigen Spiel auf die Hub-Stadt Kyoto. Dort erledige ich in einer offenen Spielwelt neben meiner Hauptmission auch kleinere Sidequests für die Bewohnerinnen und Bewohner. Die leiden besonders stark unter der Dämonenplage. Je weiter ich in der Story voranschreite, desto mehr Stadtteile schalte ich frei.
Die Stadt dient auch als Bühne für spannende Geschichten, die sich Schritt für Schritt entwickeln. Ich erfahre etwa, dass der Dämon Rasho-gan einen Schrein korrumpiert hat. Er tritt als Gottheit auf, die jeden am Schrein geäusserten Wunsch erfüllt – allerdings auf denkbar grausame Weise. Ein junges Mädchen wünscht sich, nie wieder Shamisen spielen zu müssen. Daraufhin hackt ihr der Dämon die Finger ab. Ein alter Mann möchte von seinen Knieschmerzen befreit werden, also nimmt ihm der Dämon gleich das ganze Bein. Ich liebe solche Hintergrundgeschichten und bin gespannt, was mir die Stadt noch bieten wird.

Quelle: Capcom
Wii-Nostalgie auf der Switch 2
Hinweis: Alle bisherigen Screenshots im Beitrag stammen aus der PS5-Version. Nachfolgend siehst du nur noch Screenshots aus der Switch-2-Version.
Zum Schluss des Preview-Events hat Capcom noch eine besondere Überraschung parat. Ich darf die Switch-2-Version von «Onimusha: Way of the Sword» im Handheld-Modus testen. Falls du «Resident Evil Requiem» oder «Pragmata» auf der Switch 2 gespielt hast, weisst du, was dich erwartet. Capcoms RE Engine und Nintendos Handheld harmonieren wunderbar.
Im mobilen Modus läuft das Game mit 30 bis 40 FPS und mit hochskalierter 900p-Auflösung. Capcom findet die richtigen Kompromisse, um Nintendo-Fans ein möglichst gleichwertiges Erlebnis zu stationären Konsolen zu bieten. Die visuelle Identität des Titels bleibt ohne grössere Abstriche erhalten.

Quelle: Capcom
Im TV-Modus sieht «Onimusha» noch besser aus. Auch hier läuft das Game mit geringerer Framerate (ebenfalls zwischen 30 und 40 FPS) und Auflösung (1080p). Wer nicht genau hinschaut, wird jedoch kaum Unterschiede zur «grossen» PS5-Version merken. Erstaunlich, was auf einem so kleinen und vergleichsweise günstigen Handheld alles möglich ist.
Einige Eindrücke der Switch-2-Version (TV-Modus):

Quelle: Capcom

Quelle: Capcom

Quelle: Capcom
Abgesehen vom grafischen Genuss bietet Capcom Nintendo-Fans eine nostalgische Steuerungsvariante. Das gesamte Game lässt sich mit Bewegungssteuerung spielen. Ja, richtig gelesen. Der rechte Joy-Con fungiert dabei als Schwert. Je nachdem, in welche Richtung ich schwinge, führe ich unterschiedliche Angriffsarten aus.
Beim Spielen überkommen mich nostalgische Emotionen. Ich fühle mich 20 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt, als ich das erste Mal «The Legend of Zelda: Twilight Princess» auf der Wii gezockt habe. Oh Mann, ich habe diese Fuchtelsteuerung vermisst.

Quelle: Capcom
Mit dem Joy-Con als Schwert werden die Bosskämpfe noch schwerer. Nicht, weil die Steuerung unpräzise wäre – das Game reagiert schnell und zuverlässig auf meine Inputs. Das Problem ist, dass ich mit den Bewegungen mehr Zeit für Angriffe benötige. Fuchteln geht halt länger als Knöpfedrücken.
Falls du also Angst hast, dass «Onimusha» zu einfach wird, greifst du zur Switch-Version mit Bewegungssteuerung. Ich freue mich jedenfalls schon auf all die Joy-Con-Virtuosen, die ihre eingerosteten Wii-Fuchtelkünste in verrückten Speedruns auspacken werden.

Quelle: Capcom
«Onimusha: Way of the Sword» erscheint am 4. September für PS5, Xbox Series X/S, Switch 2 und PC. Capcom hat mich zum Preview-Termin in Hamburg eingeladen und die Reisekosten übernommen. Ich habe die PS5-Pro- und Switch-2-Version angespielt.
Meine Liebe zu Videospielen wurde im zarten Alter von fünf Jahren mit dem ersten Gameboy geweckt und ist im Laufe der Jahre sprunghaft gewachsen.
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