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Nintendo
Hintergrund

Vorschau: «Fire Emblem: Fortune's Weave» ist absolut überwältigend

Im September erscheint ein neuer Ableger von Nintendos «Fire Emblem»-Reihe. Ich habe das Strategiespiel bereits angespielt und bin begeistert. «Fortune's Weave» wird der nächste grosse Exklusivtitel für die Switch 2.

Überwältigend. So lassen sich die ersten 25 Stunden zusammenfassen, die ich für diesen Vorschaubericht mit «Fire Emblem: Fortune's Weave» verbracht habe. Ja, richtig gelesen. 25 Stunden. Nur für eine Vorschau.

Trotz fortgeschrittener Spieldauer habe ich immer noch das Gefühl, nur an der Oberfläche dessen gekratzt zu haben, was das monströse Strategie-Rollenspiel bietet. «Fire Emblem: Fortune's Weave» schickt sich an, eines der grössten und ambitioniertesten Spiele zu werden, die Nintendo in den vergangenen Jahren veröffentlicht hat.

Willkommen im Königreich Dagda.
Willkommen im Königreich Dagda.

Fünf Protagonisten, eine epische Story

Die Geschichte von «Fortune's Weave» dreht sich um die sogenannten Heroenspiele, einen brutalen Gladiatorenwettbewerb in der Hauptstadt des Königreichs Dagda. Dem Siegerteam wird ein beliebiger Wunsch erfüllt. Dementsprechend lockt das Turnier Kämpferinnen und Kämpfer aus dem gesamten Königreich an – darunter auch die Protagonisten des Spiels: Cai, Dietrich, Theodora und Leda.

Von links nach rechts: Cai, Dietrich, Eshmel (das bin ich), Theodora, Leda.
Von links nach rechts: Cai, Dietrich, Eshmel (das bin ich), Theodora, Leda.
Quelle: Nintendo

So, jetzt wird’s aber etwas komplizierter. Die eigentliche Handlung setzt einige Jahre nach den Heroenspielen an. Der zurückgekehrte Dämonengott Balor terrorisiert mit einer Armee von Untoten den Kontinent, Dagda steht vor dem Untergang und die vier Helden sind tot.

Zu Spielbeginn übernehme ich die Rolle des mysteriösen Kriegers (in meinem Fall: Kriegerin) Eshmel, der durch die Zeit reisen kann. Mein Ziel: Ich soll die vier Helden in der Vergangenheit vor ihrem Schicksal bewahren, damit sie mir in der Gegenwart im Kampf gegen Balor zur Seite stehen.

Eshmel reist in die Vergangenheit. Sie versucht die Helden aus dem Hintergrund zu lenken.
Eshmel reist in die Vergangenheit. Sie versucht die Helden aus dem Hintergrund zu lenken.

Ich entscheide, welchen der vier Helden ich in der Vergangenheit spiele und bei den Heroenspielen zum Sieg führe. Eshmel bleibt im Hintergrund und lenkt das Schicksal der Helden nur in entscheidenden Momenten in eine andere Richtung.

Jeder gerettete Held schliesst sich in der Gegenwart meiner Armee an. Theoretisch kann Eshmel auch ohne Unterstützung in den Kampf gegen Balor ziehen. Eine Ausgangslage, die mich an «The Legend of Zelda: Breath of the Wild» erinnert – auch dort konnte ich sofort nach Spielbeginn alleine zum Endboss Ganon stürmen.

Besonders cool: Ich entscheide, in welcher Reihenfolge ich die vier Protagonisten spiele – und ich kann jederzeit zwischen den vier Pfaden hin- und herwechseln. Hier: Dietrich.
Besonders cool: Ich entscheide, in welcher Reihenfolge ich die vier Protagonisten spiele – und ich kann jederzeit zwischen den vier Pfaden hin- und herwechseln. Hier: Dietrich.

Mir gefällt dieses Setup. Der Kontrast zwischen epischer «Ich muss die Welt retten»-Rahmenhandlung und den vier individuellen, intimeren Storys der Helden erzeugt eine spannende Dynamik. Ich lerne die Protagonisten und ihre Verbündeten richtig gut kennen, erfahre, was sie antreibt und welche Wünsche sie haben.

Für die Vorschau spiele ich drei Geschichten an. Cai ist ein unscheinbarer Junge aus einem Fischerdorf, der seinen Vater vor der Todesstrafe bewahren will. Dietrich ist ein mörderischer Psychopath und begnadeter Schwertkämpfer. Er nimmt am Wettbewerb teil, um endlich würdige Gegner zu finden. Seine trockene und gleichzeitig wahnsinnige Art sorgt für die lustigsten Momente im Spiel. Leda ist von Rache getrieben. Sie will an den Heroenspielen den Mann töten, der Jahre zuvor ihren Vater ermordet hat.

Die vierte Heldin, Theodora, spare ich mir noch auf.
Die vierte Heldin, Theodora, spare ich mir noch auf.

Besonders gelungen sind die Überschneidungen zwischen den Storypfaden. Mit Cai treffe ich im Spielverlauf etwa auf Dietrichs Team. Später spiele ich Dietrichs Storypfad und erlebe dieselbe Begegnung aus seiner Perspektive. Dadurch wirkt die nichtlineare Geschichte wie ein grosses Puzzle. Mit jedem Durchlauf erfahre ich mehr über die Charaktere und verstehe gewisse Mysterien besser, weil ich sie aus einer anderen Sichtweise betrachte. Ganz grosses Kino!

«Fire Emblem»-Kämpfe mit neuen Twists

Wer schon mal ein «Fire Emblem» gespielt hat, wird sich bei den rundenbasierten Kämpfen sofort zuhause fühlen. Ich kommandiere mein Team auf einem rasterbasierten Schlachtfeld. Jede Einheit gehört einer Klasse an und verfügt über individuelle Waffen, Reichweiten, Stärken und Schwächen.

Habe ich einen dummen Move gemacht, kann ich die Zeit mit magischem Sand zurückdrehen. Aber Achtung: Unendlich viel Sand habe ich nicht.
Habe ich einen dummen Move gemacht, kann ich die Zeit mit magischem Sand zurückdrehen. Aber Achtung: Unendlich viel Sand habe ich nicht.

Für den Erfolg essenziell ist das Wechselspiel zwischen verschiedenen Klassen- und Waffentypen. Bogenschützen sind gegen berittene Gegner effektiv, Magie hilft besonders gegen gut gepanzerte Feinde und flinke Einheiten können mächtige, aber schwerfällige Klassen mit Ausweichmanövern in den Wahnsinn treiben.

Die Angriffssequenzen sind hübsch anzusehen.
Die Angriffssequenzen sind hübsch anzusehen.

Für frischen Wind sorgen neue, unerwartete Waffen (unter anderem eine Sci-Fi-Pistole) und Klassen. Dazu gehören riesige, berittene Elefanten oder brachiale Streitwagen, die alles zerstören, was sich ihnen in den Weg stellt. Bisher habe ich diese neuen Klassen lediglich als Feinde erlebt – bis ich sie selbst freischalten kann, werden wohl noch einige Stunden vergehen.

Töröööö.
Töröööö.

Ebenfalls neu: die sogenannten «Brandattacken». Die vier Helden tragen magische Waffen, mit denen sie besonders mächtige Angriffe ausführen. Cai lässt den Boden unter den Füssen der Gegner brennen, Dietrich teleportiert sich übers Schlachtfeld und Leda beschwört wilde Bestien, die an ihrer Seite kämpfen.

Der Haken: Jede Brandattacke kostet Lebenspunkte. Der Einsatz dieser mächtigen Angriffe ist deshalb eine riskante Strategie, die den Verlauf einer Schlacht schnell in die eine oder andere Richtung kippen kann. Und weil sich die Brandattacken der vier Helden stark voneinander unterscheiden, fühlen sich die Schlachten in den verschiedenen Storypfaden jeweils einzigartig an.

Ledas Brandattacke im Einsatz.
Ledas Brandattacke im Einsatz.

Zwischen Brettspiel und Dungeon Crawler

In allen vier Storypfaden sind die Schlachten der Heroenspiele Fixpunkte in der Handlung. Die Teams rund um Cai, Dietrich, Leda und Theodora müssen sich in unregelmässigen Abständen im Kolosseum beweisen, um eine Runde weiterzukommen.

Zwischen den Schlachten haben die Teams frei und können machen, was sie wollen. In diesen Spielabschnitten wechselt «Fortune's Weave» in einen Life-Sim-Modus à la «Persona». Ich habe ein fixes Zeitbudget, das ich mit verschiedenen Aktionen aufbrauche.

In der Hauptstadt Dagsion kann ich Söldner rekrutieren, meine Skills trainieren, in Tempeln Segen (temporäre Perks für Schlachten) freischalten – und vieles mehr. Mit «Fire Emblem: Three Houses» hat die Spielreihe schon mit ähnlichen Life-Sim-Elementen experimentiert. In «Fortune's Weave» greifen die Mechaniken viel besser ineinander und wirken nicht aufgesetzt oder anstrengend.

Guten Appetit! Beim Abendessen stärke ich die Bande zwischen meinen Teammitgliedern – das eröffnet mir im Kampf neue Optionen.
Guten Appetit! Beim Abendessen stärke ich die Bande zwischen meinen Teammitgliedern – das eröffnet mir im Kampf neue Optionen.

Die Bewohner Dagsions kommen gelegentlich mit Nebenquests auf mich zu – auch diese belasten mein Zeitbudget. Je mehr Nebenmissionen ich erfülle, desto höher steigt meine Reputation und desto mehr Waffen, Items und Funktionen zum Zeitvertrödeln schalte ich frei.

Viele Nebenquests führen mich in die Welt ausserhalb der Stadtmauern. Die Übersichtskarte erkunde ich wie ein Brettspiel – jeder Zug kostet mich wertvolle Zeit. Planlos hin- und herzulaufen ist also keine gute Idee. Dabei gibt es verdammt viel zu entdecken: ferne Dörfer mit wertvollen Waren, Banditen, die verprügelt werden wollen und Geheimnisse, die zunächst nicht auf der Karte eingezeichnet sind.

Ich liebe die Übersichtskarte. Ich muss ALLES entdecken!
Ich liebe die Übersichtskarte. Ich muss ALLES entdecken!

Der bedeutendste Zeitvertreib auf der Übersichtskarte sind jedoch Dungeons. Ich suche Verliese nach wertvollem Loot ab und kämpfe gegen allerlei menschliche und tierische Feinde. Meine Ressourcen (Lebensenergie, Angriffspunkte und Magie) sind dabei begrenzt – jeder Ausflug ist auch ein Risiko.

Ab in den Dungeon!
Ab in den Dungeon!

Besonders beeindruckt mich das Kampfsystem der Dungeon-Ausflüge. Ich sehe Gegner in Echtzeit, kann vor ihnen wegrennen oder sie angreifen, um einen Kampf zu provozieren. Dann wechselt das Spiel in ein rundenbasiertes Kampfsystem, das an klassische JRPGs erinnert. Meinen Einheiten stehen dieselben Waffen und Angriffe wie in normalen Schlachten zur Verfügung – sie funktionieren hier aber teilweise völlig anders. So teilt sich mein gesamtes Team eine Lebens- und Magieleiste sowie «Verbindungspunkte», mit denen ich verheerende Kombo-Attacken auslöse.

Die Kämpfe fühlen sich fast wie ein neues Spiel an.
Die Kämpfe fühlen sich fast wie ein neues Spiel an.

Die Übersichtskarte und vor allem die Dungeons sind willkommene Neuerungen im «Fire Emblem»-Gameplay-Mix und lockern das ohnehin schon abwechslungsreiche Paket zusätzlich auf.

Endlich schön

Verglichen mit dem oftmals verwaschenen Grafikbrei der «Fire Emblem»-Spiele auf der ersten Switch gelingt Intelligent Systems ein gewaltiger grafischer Sprung. Wohlgemerkt: Atemberaubend sieht auch «Fortune’s Weave» nicht aus, aber die Optik überzeugt meistens.

Das Charakterdesign ist *Chef's Kiss*.
Das Charakterdesign ist *Chef's Kiss*.

Besonderes Lob verdienen die detaillierten Charaktermodelle und die wunderschönen Zwischensequenzen. Bisweilen habe ich das Gefühl, einen interaktiven Anime zu spielen.

Bei den Umgebungsgrafiken schwankt die Qualität weiterhin. Von wunderschönen Schlachtfeldern und Städten bis zu tristen Low-Poly-Umgebungen mit matschigen Texturen ist alles dabei. Das Artdesign überzeugt jedoch immer – mit einer Mischung aus Einflüssen aus dem antiken Rom, Griechenland und sogar Sci-Fi-Elementen.

Es gibt auch weniger schöne Momente.
Es gibt auch weniger schöne Momente.

Dieses Spiel wird meine gesamte Freizeit verschlingen

Ich weiss nicht, wann mich ein Spiel das letzte Mal so gepackt hat, wie «Fire Emblem: Fortune's Weave». Nintendo und Intelligent Systems haben Gameplay-Elemente aus vergangenen «Fire Emblem»-Titeln zu einem epischen und extrem ambitionierten Gesamtpaket geschnürt.

Nach 25 Stunden habe ich nur einen Bruchteil des süchtig machenden Potenzials dieses Strategie-Blockbusters erlebt. Und das Beste daran: Ich habe keine Ahnung, welche Gameplay-Überraschungen mich noch erwarten und wie die Zeitreise-Story ausgehen könnte. Sicher ist nur, dass ich in den kommenden Wochen neben diesem Monster-Strategiespiel keine Zeit für andere Games haben werde.

Wer braucht schon andere Hobbys neben «Fortune's Weave»?
Wer braucht schon andere Hobbys neben «Fortune's Weave»?

«Fire Emblem: Fortune's Weave» erscheint am 17. September für die Switch 2. Nintendo hat mir ein Testexemplar zur Verfügung gestellt. Ein ausführlicher Testbericht mit abschliessender Wertung folgt.

Titelbild: Nintendo

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Meine Liebe zu Videospielen wurde im zarten Alter von fünf Jahren mit dem ersten Gameboy geweckt und ist im Laufe der Jahre sprunghaft gewachsen.


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Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

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