
Open-Source-Tipp: FFmpeg – die Multimedia-Maschine im Hintergrund
Im Multimediabereich ist FFmpeg eines der wichtigsten Open-Source-Pakete. Das Framework steckt in unzähligen Programmen – von Videokonvertern bis hin zu Streaming-Diensten. Was FFmpeg kann und warum die Version 9.0 «Lei» ein Meilenstein ist.
FFmpeg ist ein typischer Fall von Software, die fast jeder nutzt, aber kaum jemand kennt. Sie kann zwar eigenständig genutzt werden, steckt jedoch meist in anderen Programmen. Wenn du jemals ein Video konvertiert, einen Podcast aufgenommen oder einen Film gestreamt hast, war mit grosser Wahrscheinlichkeit FFmpeg beteiligt – vielleicht sogar ohne, dass du es mitbekommen hast. Das Open‑Source‑Framework arbeitet im Hintergrund, es ist die heimliche Maschine hinter unzähligen Anwendungen, von Videokonvertern wie HandBrake über Streaming‑Dienste bis hin zu Cloud‑Plattformen. Was FFmpeg so besonders macht, ist seine Vielseitigkeit: Es kann praktisch jedes Audio‑ und Videoformat lesen, schreiben, konvertieren, streamen und filtern.
Ein Open‑Source‑Projekt mit globaler Reichweite
Die Geschichte von FFmpeg beginnt im Jahr 2000, als der französische Entwickler Fabrice Bellard das Projekt startete. Der Name steht für «Fast Forward» und «mpeg» – eine Anspielung auf den MPEG‑Videostandard. Was als persönliches Projekt begann, ist heute eines der am weitesten verbreiteten Open‑Source‑Pakete überhaupt.
FFmpeg wird von einer internationalen Gemeinschaft von Entwicklern gepflegt und von unzähligen Unternehmen und Projekten genutzt. Die Software ist unter der LGPL‑Lizenz verfügbar, was bedeutet, dass sie auch in kommerziellen Produkten verwendet werden darf – solange die Bibliotheken dynamisch eingebunden werden. Das hat wesentlich zur heutigen Omnipräsenz von FFmpeg beigetragen.
Was FFmpeg alles kann
Wer FFmpeg nur als Videokonverter kennt, hat längst nicht alles gesehen. Das Framework kann weit mehr, als nur Dateien von A nach B bringen. Es kann beispielsweise Audio aus einem Video-File extrahieren, um daraus eine MP3 zu machen – oder jedes einzelne Frame eines Videos als Standbild speichern. FFmpeg kann live streamen, über HTTP, RTMP oder andere Protokolle, und es kann Filter anwenden, um Videos zu beschneiden, zu skalieren, zu drehen, zu spiegeln oder die Farben anzupassen.
Die wahre Stärke von FFmpeg zeigt sich darin, dass es in unzähligen anderen Programmen steckt. Der Videokonverter HandBrake nutzt FFmpeg-Bibliotheken für fast alle seine Encoding-Aufgaben. Der Media-Player VLC greift auf FFmpeg für die Dekodierung von Audio- und Videostreams zurück, während die Aufnahme- und Streaming-Software OBS Studio FFmpeg für die gesamte Multimedia-Verarbeitung verwendet. Der Video-Editor Shotcut verdankt seine breite Formatunterstützung ebenfalls FFmpeg.
MKVToolNix hingegen ist ein Sonderfall: Die grafische Benutzeroberfläche nutzt das Qt-Framework, das wiederum FFmpeg für die Wiedergabe von Vorschauen und für Audio/Video-Operationen verwenden kann. Die eigentlichen Kommandozeilen-Tools wie mkvmerge kommen aber ohne FFmpeg aus – sie verpacken nur vorhandene Streams, ohne sie zu kodieren oder zu dekodieren.
Doch du kannst FFmpeg auch alleine nutzen. Ein praktisches Beispiel: Wer eine Blu-ray mit HDR-Material für das Archiv oder den Media-Player platzsparend, aber qualitativ hochwertig in 2160p-Auflösung konvertieren möchte, könnte einen Befehl wie diesen verwenden:
ffmpeg -i bluray_quelle.m2ts -map 0:v:0 -map 0:a -map 0:s -c:v libx265 -crf 22 -preset slow -pix_fmt yuv420p10le -colorspace bt2020nc -color_trc smpte2084 -color_primaries bt2020 -x265-params "hdr10=1:repeat-headers=1" -c:a copy -c:s copy output_h265_4k_hdr.mkv
Die meiste Arbeit erledigt FFmpeg über die Kommandozeile – was kein Nachteil, sondern ein Vorteil ist. Denn so lässt es sich in Skripte und Automatisierungen einbinden. Wer mal ein ganzes Verzeichnis voller Videos in ein anderes Format konvertieren will, kommt mit einem einzigen Befehl aus. Wer tiefer einsteigen will, findet eine umfangreiche Dokumentation und tausende Anleitungen im Netz.
FFmpeg 9.0 «Lei» – ein Meilenstein
Am 4. August 2026 wurde FFmpeg 9.0 veröffentlicht, mit dem Codenamen «Lei». Der Name ehrt den chinesischen Entwickler Lei Xiaohua, der 2016 im Alter von 25 Jahren verstarb und massgeblich zur FFmpeg‑Community beigetragen hat. Es ist das erste Mal, dass ein grosser FFmpeg‑Release nach einer Person benannt wurde, die nicht aus der westlichen Wissenschaft stammt.
Die neue Version bringt eine Reihe von wichtigen Neuerungen. FFmpeg kann animierte WebP‑Dateien jetzt nativ decodieren, ohne auf externe Bibliotheken angewiesen zu sein – das macht den Weg frei für eine Ablösung von GIFs, die technisch veraltet sind.
Die GPU‑Unterstützung wurde massiv ausgebaut: Nvidia‑Nutzer profitieren von neuen Cuda‑Filtern für GPU‑beschleunigte Bildtransformationen, AMD erweitert sein Advanced Media Framework mit neuen Filtern für HDR‑Konvertierung und Bildratenumwandlung, und Apple‑Nutzer erhalten VideoToolbox‑beschleunigtes ProRes‑RAW‑Decoding. Dazu kommt der neue v360_vulkan‑Filter, der die Verarbeitung von 360°‑ und Panoramavideos direkt auf der GPU ermöglicht.
Besonders spannend ist die Integration von KI in die Videopipeline. Das DNN‑Backend unterstützt jetzt ONNX Runtime mit GPU‑Execution‑Providern – das bedeutet, dass KI‑Modelle für Super‑Resolution, Upscaling und Rauschunterdrückung direkt in der Videopipeline auf der GPU ausgeführt werden können. Dazu kommen Unterstützung für SMPTE‑2094‑50‑dynamische HDR‑Metadaten und die Fähigkeit, Dolby‑Vision‑HEVC‑Streams aufzuspalten.
Seit der letzten Version wurden über 2200 Code-Änderungen von mehr als 160 Entwicklern eingepflegt – FFmpeg 9.0 ist eines der umfangreichsten Updates seit Jahren.
Wer FFmpeg selbst ausprobieren möchte, findet es für sämtliche gängigen Betriebssysteme auf der Download-Seite. Die offiziellen Builds enthalten bereits alle gängigen Codecs – eine separate Installation ist nicht nötig.
Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.
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