
Open-Source-Tipp: Mealie räumt meine Rezeptsammlung auf
Mit Mealie digitalisiere ich Kochrezepte, importiere neue per URL, Foto oder Video und teile die Sammlung mit Familie und Freunden. Das Open-Source-Tool läuft selbst gehostet auf meinem Unraid-Server – inklusive KI-Unterstützung und Tablet-App.
In unserer Küche gibt es eine Schublade, die ich längst hätte aufräumen müssen. Darin lagen ausgedruckte Kochrezepte, handschriftliche Notizen und ausgerissene Magazinseiten. Früher waren die Blätter sauber. Heute tragen sie Spuren von Tomatensauce, Mehl, Öl und anderen kulinarischen Zwischenfällen.
Das Problem war nicht nur die Optik. Wenn ich ein Rezept suchte, wühlte ich oft lange in der Schublade. Manchmal fand ich es gar nicht. Und wenn, fehlte die Seite mit Mengenangaben oder Zubereitungszeit. Die Schublade war ein kleines Archiv des schlechten Gewissens.

Seit einiger Zeit läuft Mealie, ein Open-Source-Rezeptmanager, auf meinem Unraid-Server. Er macht aus der chaotischen Papierablage eine digitale Sammlung. Ich kann Rezepte durchsuchen, sortieren und erweitern. Früher wühlten wir uns durch zusammengeheftete oder lose Ausdrucke. Heute finde ich Rezepte über Titel, Zutaten, Kategorie oder Tag.
Mealie begeistert nicht nur meine Söhne und mich, die technikaffinen Familienmitglieder. Meine Frau ist alles andere als ein Tech-Nerd – aber auch sie ist dem Reiz der digitalen Rezeptsammlung erlegen.
Eine Rezeptsammlung für zu Hause
Mealie ist im Kern eine Rezeptverwaltung. Ich erfasse Anleitungen, ergänze Bilder und ordne sie mit Kategorien oder Tags. So entsteht aus verstreuten Ausdrucken, Browser-Lesezeichen und Screenshots eine nutzbare Sammlung.
Von einem digitalen Kochbuch spreche ich trotzdem nicht. Mealie ist für mich die Rezeptsammlung; in ihr gibt es aber Kochbücher, die die Sammlung thematisch ordnen – etwa nach Familienrezepten, Lieblingsgerichten oder saisonalen Ideen.
Besonders praktisch finde ich den Internet-Import. Statt ein Rezept aus einem Foodblog abzuschreiben oder auszudrucken, füge ich die URL in Mealie ein. Die Software übernimmt Titel, Zutaten, Zubereitungsschritte und weitere Angaben. Das klappt nicht bei jeder Webseite gleich gut, weil Rezeptseiten technisch unterschiedlich aufgebaut sind. Meist reicht das Ergebnis aber als Grundlage, die ich anschliessend manuell korrigiere.
Mealie speichert auch den Originallink. Wenn ich später zur Quelle will, muss ich nicht suchen. Bei Blogs oder Magazinen ist das hilfreich. Dort stehen oft zusätzliche Hinweise, Varianten oder Kommentare.

Noch wichtiger sind für mich die eigenen Rezepte. Viele liegen nicht als Datei vor, sondern als Ausdruck, Notiz oder Screenshot. Mealie macht daraus einen übersichtlichen Eintrag. Darin stehen Zutaten, Anleitung, Bild, Portionsgrösse, Kategorie und Tags.
Einfache Handhabung, wenn der Server schon da ist
Mealie ist keine Lösung für alle. Ich betreibe das Tool auf meinem Unraid-Server. Dort ist die Anwendung als Docker-Container installiert. Das war für mich naheliegend, weil der Server ohnehin läuft und bereits andere Dienste beherbergt.
Wer nur eine Rezept-App sucht, erreicht sein Ziel mit einer Cloud-Lösung wie Choosy. Wer aber ohnehin ein NAS oder einen Heimserver betreibt, bekommt einen schönen Zusatz. Mealie gehört zu den Tools, bei denen ich mich frage, warum ich sie nicht schon früher entdeckt und installiert habe.

Nicht nur im Heimnetz
Mealie läuft bei mir im lokalen Netzwerk. Aber ich habe die Anwendung über den Nginx Proxy Manager von aussen erreichbar gemacht. So können weitere Familienmitglieder, Freunde und Bekannte ebenfalls darauf zugreifen und Rezepte digitalisieren.
Damit ist Mealie nicht nur unser persönliches Rezeptarchiv. Alle, die Zugriff haben, erweitern die Sammlung. Jemand findet ein gutes Rezept, importiert es oder erfasst es manuell. Danach können alle anderen es ebenfalls nutzen.
Self-Hosting wird damit anspruchsvoller. Sobald ein Dienst von aussen erreichbar ist, muss ich genauer hinschauen: Benutzerkonten, Passwörter, Updates, Backups und Sicherheit werden wichtiger. Das gehört zum Preis, wenn aus einem privaten Dienst eine gemeinsame Rezeptsammlung wird.

Auf dem Tablet wird Mealie küchentauglich
Mealie läuft im Browser. In der Küche ist das nicht ideal. Dort will ich nicht mit Maus und Tastatur arbeiten – ich will ein Rezept vor mir haben. Deshalb habe ich die Apps MealieSwift und Mealie Recipes installiert. Wermutstropfen: Beide Apps gibt es nur für iOS-Geräte. Sie machen aus dem Serverprojekt ein Werkzeug für die Küche. Die Rezeptsammlung liegt auf dem Tablet neben dem Herd.
MealieSwift nutze ich in der Premium-Version auf iPhone und iPad – für mich derzeit die angenehmste App zum Kochen. Der Kochmodus hält das Rezept übersichtlich auf dem Bildschirm. Die einzelnen Schritte lassen sich so einfacher abarbeiten; integrierte Timer ersetzen den Küchenwecker.
Mealie Recipes habe ich ebenfalls installiert. Die App bleibt näher an der klassischen Mealie-Nutzung: Rezepte anzeigen, durch die Sammlung gehen, Funktionen wie Einkaufslisten nutzen.

KI hilft beim Digitalisieren
Mealie bindet KI-Funktionen ein. Bei mir sind in den Gruppeneinstellungen entsprechende AI-Provider hinterlegt: gpt-4o-mini als Standardanbieter für Text und Bilder, dazu whisper-1 für Audio- und Videofunktionen.
Das klingt zuerst nach Spielerei. Aber Rezepte kommen selten sauber strukturiert daher. Mal importiere ich eine Webseite, mal fotografiere ich ein altes Rezept, mal geht es um Inhalte aus einem Video. Genau hier sehe ich den Nutzen von KI.
Besonders spannend finde ich den Import per Foto. Ich fotografiere ein ausgedrucktes oder handschriftliches Rezept und Mealie erstellt daraus einen strukturierten Eintrag. Für meine alte Rezeptschublade ist das fast die wichtigste Funktion – ich muss nicht jedes Blatt abtippen.
In der Praxis klappt das gut. Die Schoggitorte war mein erster Test: Zutaten und Zubereitungsschritte hat Mealie sauber erkannt. Einen Schönheitsfehler gibt es aber: Das Foto des handschriftlichen Rezepts wird automatisch als Hauptbild übernommen und zuoberst platziert – und sieht in der Übersicht zwischen den appetitlichen Food-Fotos verloren aus. Das Bild muss ich manuell ersetzen.

Mealie kann eine Video-URL auswerten und die Tonspur transkribieren. Daraus erstellt die Anwendung ein Rezept. Ob das bei jeder Plattform und jedem Link gleich gut klappt, ist offen. Für Rezepte, die heute oft als Video kursieren, ist das ein hilfreicher Ansatz. Allerdings wird das Video in der Originalsprache zu einem Rezept verarbeitet. Die Kochanweisungen müssen also unter Umständen noch selbst übersetzt werden, wenn das Rezept in Deutscher Sprache in die Sammlung soll.
Natürlich kann ich das Ergebnis nicht blind übernehmen. So muss ich bei Mengenangaben, Garzeiten oder Zutaten prüfen, ob alles stimmt. Trotzdem nimmt mir die KI den mühsamsten Schritt ab: Sie macht aus einem Bild, einer alten Vorlage oder einer Videoquelle ein brauchbares digitales Rezept.

Kategorien sind nützlich – aber schnell chaotisch
Je mehr Rezepte in Mealie landen, desto wichtiger wird Ordnung. Kategorien und Tags helfen enorm. Gleichzeitig entsteht ein neues Problem: Wenn alle frei benennen, heisst Ähnliches plötzlich unterschiedlich. Dann steht ein Rezept unter «Pasta», ein anderes unter «Nudeln» und ein drittes unter «Teigwaren».
Deshalb arbeite ich mit einer definierten Kategorienliste. Kategorien beschreiben bei mir die Rezeptart – etwa Hauptgericht, Suppen, Salate, Dessert oder Backen. Jedes Rezept soll genau eine solche Hauptkategorie erhalten.
Tags nutze ich für die feinere Einordnung: Zutaten, Saison, Ernährungsform, Anlass oder Länderküchen wie Schweizer, thailändische, italienische oder mexikanische Küche. So bleibt die Hauptstruktur übersichtlich, ohne dass wichtige Details verloren gehen.
Damit ich das nicht manuell pflegen muss, baue ich eine n8n-Automation. Sie soll periodisch Rezeptdaten abrufen und analysieren – Titel, Beschreibung und Zubereitung. Mithilfe der in Mealie integrierten KI setzt sie anhand meiner definierten Liste eine Kategorie und passende Tags und bereinigt gleichzeitig uneinheitliche oder doppelte Begriffe.
Der Workflow ist noch in Arbeit. Die Richtung ist aber klar: Rezepte sollen nicht nur digital vorliegen, sondern sauber eingeordnet sein. Aus der digitalen Rezeptsammlung wird so Schritt für Schritt ein kleines Ordnungssystem.

Rezeptvorschläge statt «Was essen wir heute?»
Mealie würfelt Rezeptvorschläge nicht einfach aus. Ich kann angeben, welche Zutaten ich zu Hause habe. Mealie sucht passende Rezepte aus meiner Sammlung und zeigt, welche Zutaten noch fehlen.
Das löst ein alltägliches Problem: Im Kühlschrank liegt etwas, im Vorratsschrank steht noch mehr herum. Trotzdem fällt mir nichts ein. Aus der Frage «Was essen wir heute?» wird: «Was können wir mit dem kochen, was da ist?»

Wochenplan und Einkaufsliste warten noch
Mealie kann Rezepte einem Wochenplan zuweisen und daraus Einkaufslisten erstellen. Diese Funktionen reizen mich – im Alltag haben wir sie aber noch nicht genutzt. Erst will ich die Sammlung sauber erfassen und kategorisieren.
Die Einkaufsliste ersetzt nicht den Blick in den Vorratsschrank. Mealie weiss nicht, ob noch drei Zwiebeln oder genug Olivenöl da sind. Sind die Rezepte sauber gepflegt, entsteht daraus schnell eine brauchbare Liste.
So nutzt bei uns jeder Mealie etwas anders: Meine Söhne und ich machen Krafttraining – uns interessieren neben dem Geschmack auch Eiweiss, Kohlenhydrate und Kalorien bei der Essenswahl und Mealie kennt auch diese Werte. Meine Frau arbeitet in der Gastrobranche und probiert gerne neue Rezepte aus. Ich will vor allem Ordnung.

Was mich stört
Mealie ist nicht perfekt. Der Import aus dem Internet funktioniert nicht bei jeder Webseite gleich gut. Manche Rezepte kommen sauber an, andere brauchen Nacharbeit. Zutatenlisten können falsch getrennt sein. Bilder fehlen. Manchmal fasst Mealie mehrere Zubereitungsschritte zu einem einzigen Schritt zusammen.
KI löst nicht jedes Problem. Sie strukturiert Inhalte, macht Vorschläge und wertet Bilder sowie Videos aus. Trotzdem muss ich das Ergebnis kontrollieren. Eine falsch erkannte Mengenangabe oder eine falsche Zutat ist mehr als ein Datenfehler – im schlimmsten Fall ruiniert sie das Gericht.
Das Digitalisieren alter Papierrezepte bleibt ebenfalls Arbeit. Wer eine volle Schublade an einem Wochenende übertragen will, verliert schnell die Geduld. Ich gehe deshalb anders vor: Wenn ich ein Rezept ohnehin koche oder suche, landet es in Mealie. So wächst die Sammlung langsam, aber sinnvoll.
Dazu kommt die Pflege der Sammlung. Je grösser sie wird, desto wichtiger werden konsistente Kategorien, Tags und Benennungen. Genau deshalb beschäftige ich mich mit Automationen – nicht, weil Mealie ohne sie unbrauchbar wäre, sondern weil eine wachsende Sammlung sonst irgendwann unübersichtlich wird
Und dann bleibt das Thema Self-Hosting. Wer Mealie selbst betreibt, trägt Verantwortung für Updates, Backups und Erreichbarkeit. Wenn die Anwendung von aussen erreichbar ist, steigt diese Verantwortung. Für mich ist das kein Nachteil, weil ich solche Systeme gerne betreibe.

Für wen sich Mealie lohnt
Mealie lohnt sich, wenn du regelmässig kochst und Self-Hosting nicht abschreckend findest. Deine Rezepte musst du damit nicht mehr ständig suchen. Papierstapel, Screenshots, Browser-Lesezeichen und Messenger-Chats landen an einem Ort.
Kochst du nur selten und hast fünf Lieblingsrezepte, brauchst du vermutlich keinen eigenen Dienst. Wächst deine Sammlung aber ständig, hilft dir Mealie beim Ordnen. Später kannst du damit auch Mahlzeiten planen und Einkaufslisten erstellen.
Wenn mehrere Personen mitmachen, wird aus der Rezeptsammlung ein gemeinsames Archiv. Jeder kann Rezepte ergänzen, suchen und später wieder nutzen.
So geht es weiter
Die Schublade in unserer Küche ist noch nicht leer. Aber sie verliert langsam ihre Bedeutung – Rezept für Rezept.
Mealie hat mein Küchenchaos nicht über Nacht gelöst – aber es hat daraus eine überschaubare Aufgabe gemacht. Genau das macht gute Open-Source-Software für mich aus: Sie muss nicht spektakulär sein. Manchmal reicht es, wenn sie eine nervige Sache zuverlässig besser macht.
Oder, in diesem Fall: Wenn sie verhindert, dass ein gutes Rezept in einer Schublade verschwindet.
Journalist mit mehr als 20 Jahren Erfahrung – mehrheitlich im Online-Journalismus in verschiedenen Positionen. Mein Hauptarbeitsinstrument? Ein Notebook – am besten mit Internetverbindung. Diese Geräte haben es mir so sehr angetan, dass ich Notebooks und Computer immer wieder auch gerne auseinanderschraube, repariere und neu aufsetze. Warum? Weil es Spass macht!
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