
Oppo Find X10 Pro Max im Test: das 200-Megapixel-Triple bei Flutlicht und Nieselregen
Oppo ist stolz auf die drei 200-Megapixel-Kameras des Find X10 Pro Max. Bei Sonnenschein habe ich auch keine Zweifel daran und packe das Smartphone zum Länderspiel mit ein. In Bremen warten allerdings Nieselregen und Flutlicht.
Dienstagnachmittag im Oktober, meine Begleiterin schimpft über Tommi Schmitt. Dieser hatte den Fußweg entlang der Weser zum nach dem Fluss benannten Weserstadion empfohlen. Doch bei Nieselregen ist der Weg nicht so schön wie bei Sonnenschein. Das muss auch ich feststellen. Ich kann zwar viele Fotos unter widrigen Bedingungen mit dem Find X10 Pro Max aufnehmen, muss aber die Bilder vom Gerät in Hamburg nachholen.

Das 200-Megapixel-Triple
Es ist nur ein Testspiel, aber für mich das erste Länderspiel. Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft empfängt das Team aus Japan. Dritter gegen Fünfter der Fifa‑Weltrangliste. Das Weserstadion ist mit über 26.000 Menschen gut gefüllt. 42.100 würden maximal hereinpassen. Und ich versuche, das alles mit den drei 200-Megapixel-Kameras des Find X10 Pro Max festzuhalten.
Die Hauptkamera bietet eine Brennweite von 24 Millimetern (mm) im KB‑Äquivalent und verfügt über einen 1/1,3 Zoll großen Sensor. Bei der Ultraweitwinkelkamera sind es 13 mm und 1/1,56 Zoll. Die Telekamera weist die gleiche Sensorfläche auf und verdreifacht mit 70 mm in etwa die Brennweite der Hauptkamera. Um zu schauen, was die hohe Auflösung bringt, nutze ich auch die digitale sechsfache Vergrößerung, die mir die Kamera-App anbietet.

An so einem Abend merke ich, wie intensiv ich die Kameras benutze. Am meisten ist die Telekamera im Einsatz, denn ich will im Stadion näher dran sein. Die Hauptkamera kommt eher nur für die Atmosphäre zum Einsatz, und die Ultraweitwinkelkamera nutze ich sogar nur im XPan-Modus, den Hasselblad als Kooperationspartner auf Oppos Smartphones bringt.
Ultraweitwinkelkamera in der Flutlichtfalle
Der XPan-Modus macht die Aufnahme zu einem schmaleren Streifen bzw. einer Panorama-Aufnahme. Da passt das Weserstadion perfekt rein. Außerdem stehen mir Filter zur Auswahl, die verschiedene analoge Filmtypen nachahmen sollen.

Bereits bei diesem Bild zeigt sich die Schwierigkeit für die Smartphone-Kamera. Das Flutlicht im Stadion ist hell genug für die Fernsehkameras, aber nicht für die kleinen Sensoren. Der Nachtmodus springt noch nicht an, aber die Lichtempfindlichkeit wird erhöht und die Belichtungszeit verlängert. Das macht die Aufnahmen pixeliger und lässt bewegte Dinge unscharf werden.
Die gute Nachricht: Bei besserem Licht liefert auch die Ultraweitwinkelkamera gestochen scharfe Aufnahmen. Zumindest in der Bildmitte, zu den Rändern hin nimmt die Verzerrung stark zu.

Schaltet sich der Nachtmodus ein, sind die Aufnahmen ebenfalls schärfer als im Flutlicht.

Mittendrin statt nur dabei: Mit der Telekamera auf dem Platz
Durch den Sitzplatz ist mein Bewegungsradius während des Spiels eingeschränkt. Die Telekamera holt verschiedene Dinge trotzdem näher heran. Vor allem das Spiel. Mit der dreifachen Vergrößerung bin ich aber immer noch so weit weg, dass ich den Jubel über den Ausgleich mit ins Bild bekomme.

Auch hier ist die Belichtungszeit für schnelle Bewegungen zu lang. Fast alle Spielerinnen sind verschwommen. Da der Sensor eine sehr hohe Auflösung bietet, probiere ich die sechsfache Vergrößerung aus. Für den Digitalzoom sollten genug Pixel vorhanden sein. Ich bekomme mit ihm auch besser Spielszenen eingefangen.

Allerdings bleibt auch hier die Belichtungszeit ein Problem. Zudem macht sich die Nachbearbeitung der Bilder bemerkbar. Da scheint eine KI zu versuchen, mehr Schärfe ins Bild zu bringen. Beim Rasen gelingt es ihr auch, jedoch nicht bei den Spielerinnen. Die sind bei genauerer Betrachtung unschärfer – inklusive einer unscharfen Umrandung um sie herum.

Und auch bei der Telekamera bleibt die Feststellung: Bei Tageslicht und mit dem Nachtmodus sehen die Bilder besser aus als bei Flutlicht.


Die Hauptkamera ist lichtstärker
Die Hauptkamera hält gut Flaggen fest, die vor meiner Nase geschwenkt werden. Sie ist mit f/1,5 lichtstärker als die beiden anderen Kameras (f/2,1 und f/2,2) und verfügt über einen größeren Bildsensor: 1/1,3 Zoll gegenüber 1/1,56 bei den anderen zwei Kameras. Das ist nicht viel, genügt aber, um beim Flutlicht weniger pixelige Aufnahmen zu liefern.

Die Hauptkamera nutze ich auch, um zu schauen, welche Vorteile mir die hohe Auflösung bieten kann. Normalerweise betreibt das Find X10 Pro Max «Pixel Binning». Das bedeutet, es zieht nebeneinanderliegende Pixel zusammen. Dadurch soll sich die Bildqualität verbessern – und die Dateien werden auch kleiner. Bei meinem Beispiel sind es 9,6 Megabyte für das Standardbild mit 26 Megapixeln und 46,3 Megabyte für die 200-Megapixel-Variante.

Die Aufnahme mit 200 Megapixeln erlaubt dir, einen Ausschnitt in besserer Qualität zu vergrößern. Allerdings macht das die Telekamera mit ihren kleingerechneten Aufnahmen noch besser als die Hauptkamera ohne Einschränkung.
Als Fazit vom Länderspiel bleibt: Mit den Kameras des Find X10 Pro Max lassen sich hervorragende Fotos machen, die Physik aber nicht austricksen. Ich würde mir zudem für die Telekamera noch etwas mehr Brennweite wünschen.
Großes, helles Display und ein wasserdichtes Gehäuse
Das 6,78 Zoll große AMOLED-Display erweist sich als einwandfreier Sucher für die Kamera. An dem Abend scheint zwar nicht die Sonne, aber am nächsten Tag ist das Display mit seinen 2000 Nits im High-Brightness-Modus auch bei Sonnenschein problemlos abzulesen.

Gorilla Glass Victus 2 auf der Vorderseite und ein Aluminiumrahmen sorgen dafür, dass das Find X10 Pro robust ist. Für die Rückseite aus Glas macht Oppo keine Angabe zum verwendeten Material. Das steht einer IP69-Zertifizierung nicht im Weg. Das Smartphone ist nicht nur für 30 Minuten in bis zu 1,5 Meter Tiefe wasserdicht, sondern übersteht auch Strahlwasser. Um den norddeutschen Nieselregen muss ich mir also keine Sorgen machen.

Jede Menge Power
Nicht nur für die Bildverarbeitung dient die Rechenkraft des Dimensity 9600 Pro. Dem neuesten Chipsatz von Mediatek stehen zwölf Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite. Zusammen sorgen sie dafür, dass Fotos und Videos zügig gespeichert sind, und auch die Bearbeitung geht schnell vonstatten. Einzige die KI-Tools brachen etwas länger, weil sie Daten in die Cloud schicken. Dafür trägt der Chipsatz aber nicht die Verantwortung.
Im Durchschnitt verschiedener Benchmarks liegt der Dimensity 9600 Pro mit anderen Top-Chipsätzen gleichauf und schneidet sogar etwas besser ab. Ich habe den Snapdragon 8 Elite Gen 5 und den Exynos 2600 von Samsung zum Vergleich genommen. Allerdings hat Qualcomm bereits den Snapdragon 8 Elite Extreme Gen 6 vorgestellt, der in der nächsten Smartphone-Generation wahrscheinlich noch bessere Werte erreicht. Der Dimensity genügt mir aber völlig.
Verkleinerter Akku mit sehr langer Laufzeit
Den Tagesausflug nach Bremen hält der Akku des Find X10 Pro Max problemlos durch. Kein Wunder, messe ich im Akkutest doch eine Laufzeit von 25 Stunden und 20 Minuten – bei Dauernutzung und im «ausgewogenen Modus», wohlgemerkt. Das Smartphone bietet mir auch noch einen Energiespar- und einen Hochleistungsmodus an, die sich jeweils positiv und negativ auf die Akkulaufzeit auswirken. In unserer Bestenliste liegt das Pro Max übrigens auf dem dritten Platz nach zwei anderen Geräten von Oppo.

Und das, obwohl Oppo den Akku des Find X10 Pro Max für Europa verkleinert hat. Nicht weiter ausgeführte Regularien sollen dafür sorgen, dass das Smartphone nicht wie in China über eine Kapazität von 8000 mAh verfügen kann. 7150 mAh müssen für Europa genügen. Das sind immerhin 100 mAh mehr als beim Find X9 Ultra, das damit in unserem Test aber über zwei Stunden länger durchgehalten hat.
Beim Laden nimmt das Find X10 Pro Max bis zu 80 Watt über seinen USB-C-Anschluss entgegen. Die Ladeleistung ist allerdings von den Standards des Netzteils abhängig und das Maximum soll nur mit der Supervooc-Technologie von Oppo erreicht werden. Die gleiche Einschränkung gilt für das drahtlose Laden mit bis zu 50 Watt. Hier heißt der dafür nötige Standard Airvooc. Weniger Einschränkungen gibt es, wenn du andere Smartphones mit dem Pro Max laden willst. Drahtlos gibt es bis zu 10 Watt weiter.
Wenig KI und zu viele Werbe-Apps
Oppo liefert das Find X10 Pro mit Android 17 aus und verpasst ihm mit ColorOS 17 seine eigene Benutzeroberfläche. Neben optischen Ähnlichkeiten zu Liquid Glass von iOS gehören auch einige Apps von Oppo dazu. Fünf neue Android-Versionen soll das Smartphone erhalten und sechs Jahre lang mit Sicherheitsaktualisierungen versorgt werden.

Gemini ist als KI-Assistent vorinstalliert. Die Auswahl eigener KI-Tools fällt im Vergleich zu Samsungs Galaxy AI klein aus. Oppo bietet unter anderem Hilfe beim Schreiben, Übersetzen und Transkribieren. Zudem gibt es mit dem Mind Space eine Sammelstelle für Screenshots, Notizen und Gedanken, und die KI behält die Übersicht.
Für eine unverbindliche Preisempfehlung von 1799 Euro, die Oppo für das Find X10 Pro Max abruft, sind mir zu viele Apps von Drittanbietern vorinstalliert. Bei sehr günstigen Geräten bin ich bereit, diese Werbe-Apps hinzunehmen, damit der Hersteller den Preis um jeden Euro drücken kann. Wenn ich dagegen einen vierstelligen Betrag ausgebe, will ich nicht erst einmal etliche Apps deinstallieren müssen. Ich will nach dem Einrichten nur noch die nervige DFB-Ticket-App installieren müssen und dann Fotos beim Länderspiel machen.

Fazit
Überzeugendes Smartphone für viel Geld
Bei schlechten Lichtverhältnissen kommen auch die drei 200-Megapixel-Kameras des Find X10 Pro Max an ihre physikalischen Grenzen. Aber insgesamt liefern sie hervorragende Bilder. Persönlich würde ich mir aber mehr Zoom beim Teleobjektiv wünschen.
Davon abgesehen lässt das Oppo-Smartphone keine Wünsche offen. Egal ob Display, Akku oder Leistung – ich bin überzeugt. Einzig bei der Software ist mir die an Liquid Glass orientierte Oberfläche zu wenig eigene Kreativität und die Werbe-Apps nerven.
Die 1799 Euro sind zwar nur die unverbindliche Preisempfehlung von Oppo, aber auch für ein einwandfreies Smartphone wie das Find X10 Pro Max verdammt viel Geld. In der Realität wird der Preis wahrscheinlich schnell sinken, aber die Frage bleibt: Es gibt doch viel günstigere Modelle, die kaum schlechter sind. Spontan fällt mir das Pixel 11 Pro XL ein – mit fünffacher Telekamera und ohne Drittanbieter-Apps.
Pro
- hervorragendes Kamerassystem
- sehr lange Akkulaufzeit
- viel Rechenkraft
Contra
- sehr hoher Preis
- viele vorinstallierte Drittanbieter-Apps
Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Digitec und Galaxus.
Unsere Expertinnen und Experten testen Produkte und deren Anwendungen. Unabhängig und neutral.
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