
Das Pixel 11 Pro XL ist ein super Smartphone und trotzdem muss ich viel meckern
Für sich betrachtet ist das Pixel 11 Pro XL ein wunderbares Smartphone. Aber es gibt da noch den Vorgänger. Ihm sieht es nicht nur zum Verwechseln ähnlich, sondern auch seine Ausstattung ist nahezu identisch.
Beim Pixel 11 Pro XL war Google nicht besonders kreativ. Äußerlich bietet das Smartphone neue Farben und innerlich mit dem Tensor G6 einen neuen Chipsatz. Die Kameras bleiben mit denen des Vorgängers identisch. Bei Display und Abmessungen gibt es minimale Veränderungen. Bei der kleinsten Speichervariante reduziert sich zudem der Arbeitsspeicher.
Eineiige Zwillinge
Die Preise können sich täglich verändern und variieren je nach Farbe und Speichergröße. Aber das ein Jahr alte Pixel 10 Pro XL ist mitunter für über 300 Franken weniger als das neue Pixel 11 Pro XL zu bekommen.
Die Ähnlichkeit setzt sich auf dem Datenblatt fort. Das Pixel 11 Pro XL ist nur 0,1 Millimeter (mm) kürzer und 0,1 mm breiter als sein Vorgänger. Oder anders gesagt: Die Hüllen würden passen – wären da nicht die Tasten an der rechten Seite. Deren Position hat Google verschoben. So wenig, dass es mit dem Auge kaum auffällt, aber genug, damit die Aussparungen der Hülle nicht passen.


Ebenfalls nur im direkten Vergleich mit dem Vorgänger fallen zwei Veränderungen am Display auf. Die Helligkeit im High-Brightness-Mode erhöht sich beim Pixel 11 Pro XL um 200 Nits auf 2400 Nits. Den Unterschied sehe ich, wenn ich beide Geräte nebeneinander halte. Aber das Pixel 10 Pro XL war mir bisher nie zu dunkel.

Zudem schafft es Google bei gleicher Diagonale und Auflösung, die Screen-to-Body-Ratio des Touchscreens von 88 auf 89,6 Prozent zu erhöhen. Das ist schön, aber mit bloßem Auge selbst im direkten Vergleich nur zu erahnen.
Das bewährte Kamerasystem darf weitermachen
Auf den Datenblättern sind nicht die kleinsten Änderungen zwischen den Kameras des Pixel 11 Pro XL und seinem Vorgänger zu erkennen. Das Gute ist: Mir haben die Bilder des Pixel 10 Pro XL schon ausgezeichnet gefallen.
Das Pixel 11 Pro XL verfügt über eine 50-Megapixel-Hauptkamera. Die Ultraweitwinkel- und die Telekamera bieten jeweils eine maximale Auflösung von 48 Megapixeln. Durch «Pixel Binning», das Zusammenziehen von Pixeln für eine bessere Bildqualität, haben die aufgenommenen Bilder standardmäßig nur eine Auflösung von zwölf Megapixeln.

Ich habe einige Bilder mit dem Pixel 11 Pro XL und seinem Vorgänger gemacht. Manchmal entdecke ich leichte Unterschiede. Deren Ursache dürfte aber vor allem den leicht unterschiedlichen Bildausschnitten geschuldet sein, da ich aus der freien Hand fotografiert habe. Die Software im Hintergrund trifft dann jeweils dezent andere Entscheidungen für die Verarbeitung. Für mich sind beide Smartphones gleich gut.
Mehr Leistung für die KI
Kommen wir zu dem Punkt, wo sich das Pixel 11 Pro XL wirklich von seinem Vorgänger unterscheidet: dem Chipsatz. Der Tensor G6 ist die nächste Generation von Googles eigenem Chipsatz und verspricht mehr Leistung als der Tensor G5 des Pixel 10 Pro XL.
In der Summe mehrerer Benchmark-Tests bietet der Tensor G6 jeweils etwa 20 Prozent mehr CPU- und GPU-Leistung als sein Vorgänger. Das ist gut, aber mit den Werten bleibt er immer noch hinter den Top-Chipsätzen von Qualcomm und Mediatek zurück. Der G6 reiht sich bei den oberen Mittelklasse-Prozessoren ein.
20 Prozent mehr Leistung klingen gut, sind aber kaum ein Kaufargument, wenn der Tensor G5 im Pixel 10 Pro XL alle Aufgaben zur vollen Zufriedenheit erledigt. Deswegen verweist Google darauf, dass der Tensor G6 auch besser für KI-Anwendungen geeignet ist. Schließlich sind die größten Neuerungen auf aktuellen Smartphones vor allem KI-Tools – allerdings funktionieren die wenigsten davon offline.
Zur Probe lasse ich trotzdem mit «Geekbench AI» und dem «AI Benchmark» zwei Apps laufen, die die KI-Leistung von Smartphones ermitteln. Ihre Ergebnisse sind eindeutig: Bezüglich KI legt der Tensor G6 eine ordentliche Schippe drauf. Beim AI Benchmark fällt die erreichte Punktzahl mehr als doppelt so hoch aus: 1732 Punkte statt 819 Punkte.

Viel mehr Zahlen bietet Geekbench AI. Für die CPU, GPU und die KI-Schnittstelle NNAPI gibt es jeweils drei Ergebnisse für «Single Precision Score», «Half Precision Score» und «Quantized Score». In jedem dieser Werte legt der Tensor G6 zu: mal dezent um etwa 40 Prozent bis hin zu einer Verzwanzigfachung des Ergebnisses.
Jetzt musst du nur noch KI-Tools finden, die lokal auf dem Gerät und nicht in der Cloud laufen.
Keine Änderungen bei der Akkulaufzeit
Den Akku hat Google beim Pixel 11 Pro XL verändert. Im Vergleich zum Vorgänger nimmt seine Kapazität allerdings um 85 mAh ab und liegt bei 5115 mAh. Die gemessene Akkulaufzeit unterscheidet sich nicht relevant vom Vorgänger. Damit macht sich weder die verkleinerte Kapazität noch eine verbesserte Energieeffizienz des Tensor G6 bemerkbar.

Die Ladeleistung lässt Google unverändert. Das Pixel 11 Pro XL nimmt über ein USB-C-Kabel bis zu 45 Watt entgegen und drahtlos mit bis zu 25 Watt über den Qi-Standard.
Fazit
Das beste Smartphone, außer man hat den Vorgänger
Das Pixel 11 Pro XL ist ein empfehlenswertes Smartphone, an dem man sehr lange Freude haben kann. Die Kameras liefern ausgezeichnete Bilder und die Leistung reicht völlig aus – auch wenn der Tensor G6 nicht mit den Chipsätzen anderer Top-Smartphones mithalten kann. Dafür hat er vor allem bei der KI-Leistung gegenüber seinem Vorgänger zugelegt.
Dazu kommen ein hervorragendes OLED-Display und eine ordentliche Akkulaufzeit sowie schnelle und langfristige Android-Updates.
Mein größter Kritikpunkt lässt sich auch positiv formulieren: Es gab nicht mehr viel zu verbessern. Die Veränderungen sind so gering, dass sich der Wechsel von ein oder zwei Jahre alten Vorgängern nicht lohnt. Beim aktuellen Preisunterschied lohnt sich dagegen eher der Griff zum Pixel 10 Pro XL, das immer noch sechs Jahre lang Softwareupdates erhält und die gleichen Kameras verbaut hat.
Pro
- mehr KI-Leistung
- schnelle und langfristige Softwareupdates
- aufgeräumte Oberfläche / nur ein Konto nötig
Contra
- wenig Veränderungen gegenüber Vorgänger
- Chip-Leistung auf Mittelklasse-Niveau
Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Digitec und Galaxus.
Unsere Expertinnen und Experten testen Produkte und deren Anwendungen. Unabhängig und neutral.
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