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Pech mit dem Stichtag: Der Geburtsmonat beeinflusst, wie gesund Schulkinder essen

Anna Sandner
16.2.2026

Wie der Geburtsmonat über die Gesundheit entscheidet: Die Jüngsten einer Klasse essen weniger Gemüse, trinken mehr Softdrinks und sind öfter übergewichtig.

Wer in der Schule immer zu den Jüngsten zählte, kennt das Gefühl, ständig aufholen zu müssen. Eine neue Studie der Universität Trier zeigt, dass dieser «Relative-Age-Effekt» nicht nur bei den Noten oder im Sport eine Rolle spielt, sondern auch auf dem Teller landet. Das Ergebnis: Die Jüngsten einer Klasse essen ungesünder und haben ein messbar höheres Risiko für Übergewicht.

Dr. Sven Hartmann und sein internationales Team nahmen dafür eine riesige Datenmenge unter die Lupe. Sie analysierten die Angaben von rund 600 000 Schülerinnen und Schülern zwischen zehn und 17 Jahren aus 30 europäischen Ländern. Die Datenbasis dafür lieferte die WHO-Langzeitstudie «Health Behaviour in School-Aged Children» aus den Jahren 2001 bis 2018.

Ein kleiner Altersunterschied mit gewichtigem Effekt

Konkret fanden die Forschenden heraus, dass die jüngsten Kinder eines Jahrgangs eine um rund zwei Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit für Übergewicht haben als ihre älteren Klassenkameradinnen und -kameraden. Klingt nach wenig? Ist es aber nicht.

Du kannst dir das so vorstellen: Nimmst du eine Gruppe von 100 älteren Schulkindern, sind statistisch gesehen etwa 14 von ihnen übergewichtig. Bei einer gleich großen Gruppe der jüngsten Schülerinnen und Schüler desselben Jahrgangs sind es dagegen 16. Nur aufgrund des Geburtsmonats sind also in jeder Hunderter-Gruppe zwei Jugendliche mehr betroffen. Was wie eine kleine Schwankung scheint, hat auf die Gesamtbevölkerung einen deutlichen Effekt.

Mehr Softdrinks, weniger Gemüse

Doch es geht nicht nur ums Gewicht, sondern auch um die Muster beim täglichen Essen. Die Jüngeren greifen seltener zu Gemüse, trinken dafür mehr Softdrinks und lassen häufiger Mahlzeiten ausfallen. Ein Effekt, der besonders bei Jungen durchschlägt. Paradoxerweise machen sie gleichzeitig öfter Diäten. Wichtig für die Einordnung: Die Forschenden haben andere Faktoren wie den Wohlstand der Familie oder die Haushaltsgröße statistisch herausgerechnet. Untersucht wurden zudem nur Länder, in denen alle Kinder zum gleichen Stichtag eingeschult werden – föderale Systeme mit unterschiedlichen Terminen wie in Deutschland oder der Schweiz blieben außen vor, um die Daten sauber zu halten.

Schon länger bekannt: Jüngere haben es schwerer

Das Phänomen ist in der Wissenschaft nicht neu. Wer kurz vor dem Stichtag für die Einschulung Geburtstag hat, ist oft bis zu zwölf Monate jünger als die Sitznachbarin oder der Sitznachbar. Eine britische Studie mit über einer Million Kindern zeigte bereits 2019, dass der Altersunterschied innerhalb einer Klasse nicht ohne Folgen bleibt. Die Jüngsten haben demnach ein erhöhtes Risiko für eine ADHS-Diagnose. Außerdem sind sie anfälliger für Depressionen. Erst 2025 bestätigte eine norwegische Registerstudie, basierend auf den nationalen Gesundheitsdaten von über 1,1 Millionen Heranwachsenden, diese Relative-Age-Effekte erneut.

Die Trierer Studie liefert nun das fehlende Puzzleteil zum Ernährungsverhalten und fand nebenbei auch hier schlechtere Noten und weniger Sport bei den «Spätgeborenen».

Warum essen Jüngere ungesünder?

Warum das Geburtsdatum entscheidet, ob eher Apfel oder Schokoriegel im Magen landet, ist noch nicht endgültig geklärt. Studienautor Hartmann hat aber eine Vermutung: «Die relativ jüngeren Schülerinnen und Schüler haben möglicherweise häufiger mentale Probleme, die wiederum ungesundes Essverhalten verstärken können». Dazu kommt womöglich sozialer Druck. Wer jünger ist, orientiert sich oft an den Älteren und übernimmt dabei auch deren schlechte Angewohnheiten. Allerdings bleiben diese Mechanismen bisher Hypothesen. Die Studie zeigt zwar die statistischen Zusammenhänge, liefert aber keinen Beweis, dass Stress oder Schlafmangel die direkten Auslöser sind.

Noch eine interessante Beobachtung: Die Jüngeren lassen häufiger das Frühstück weg. Die Forschenden interpretieren das als mögliches Zeitproblem, das direkt auf die Waage durchschlägt. Jüngere Kinder brauchen oft mehr Schlaf. Wenn die Schule früh beginnt, wird die Zeit knapp und das Frühstück fällt dem Zeitdruck zum Opfer, was wiederum Heißhungerattacken und ungesunde Snacks im Tagesverlauf begünstigt.

Schulmahlzeiten mildern den Effekt

Die Studie hat aber neben den schlechten Nachrichten auch Lösungsansätze in petto. Der Ländervergleich hat gezeigt, dass die negativen Effekte dort deutlich kleiner ausfallen, wo es flächendeckende Schulmahlzeiten gibt. Hartmann rät deshalb zur Aufmerksamkeit: «Es ist wichtig, Eltern und Lehrkräfte für die besonderen Herausforderungen der relativ jüngeren Schülerinnen und Schüler zu sensibilisieren». Denn ob sich das Essverhalten im Erwachsenenalter von allein wieder angleicht, ist mangels Langzeitdaten noch offen.

Auch an der Uhrzeit könnte man drehen. Ein späterer Schulbeginn würde sogar doppelt helfen. Die Jugendlichen bekämen den Schlaf, den sie brauchen, und hätten morgens Zeit für ein ordentliches Frühstück.

Titelbild: Andres Ayrton/Pexels

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Wissenschaftsredakteurin und Biologin. Ich liebe Tiere und bin fasziniert von Pflanzen, ihren Fähigkeiten und allem, was man daraus und damit machen kann. Deswegen ist mein liebster Ort immer draußen – irgendwo in der Natur, gerne in meinem wilden Garten.


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