
Kritik
Rage Against The Machine: «Pragmata» ist ein Hit
von Rainer Etzweiler

Navi, Ashley, Roman: Diese Namen triggern bei Gamern flächendeckend Horror-Flashbacks und die Erinnerung an repetitive Phrasen und gescheiterte Missionen. Das sind die schlimmsten Companions aller Zeiten.
Diese Woche erscheint «Pragmata». Capcoms neue IP gefällt dank einer ausgeklügelten Puzzle-Shooting-Mechanik und dem Zusammenspiel zwischen Protagonist Hugh und seinem Sidekick Diana.
Das Androiden-Mädchen ist hilfreich, zurückhaltend und eine Bereicherung für die Story. Und damit das absolute Gegenteil von all den Personen, Viechern und Fabelwesen aus dieser Liste. Kaum ein anderer Gameplay-Faktor bringt Spielerinnen und Spieler so schnell auf die Palme wie unfähige oder lästige Sidekicks, die dich und sich selbst ins Pixel-Unglück stürzen.
Hier eine Auswahl der schlimmsten Spiele-Nervbratzen, angefangen mit dem offensichtlichsten Kandidaten.
«Hey, listen!» … «Hey, listen!» … «Hey, listen!». Nein, fuck! Ich weiss, was Sache ist, ich habe «Ocarina of Time» 12 000 Mal gespielt. Ich brauche kein überambitioniertes Glühwürmchen, das jeden meiner Schritte kommentiert. Gerüchteweise soll dieses Jahr ein Remake erscheinen und ich bete zu den Triforce-Göttinen, dass die Fee dabei weniger nervig ausfällt.
Honorable Mention: Fi aus «The Legend of Zelda: Skyward Sword». Ich wollte schon immer eine sprechende Komplettlösung, die mir sämtliche Rätsel spoilert. Said no one ever.

Bleiben wir kurz bei Nintendo: Tingle sieht aus, als ob er Kinder in sein Lebkuchenhaus lockt und zum Spass Schmetterlinge bügelt. In «Majora’s Mask» zieht er dich mit seinen überrissenen Preisen für Karten über den Tisch und in «Wind Waker» versklavt er seinen Bruder auf seiner Insel. Die heisst übrigens «Tingle Island» und spätestens seit dem Trump Tower wissen wir, dass nur narzisstische Soziopathen Zeugs nach sich selbst benennen.

Roman hat zwei Betriebsmodi: Bowlen und Betteln. Beides passiert garantiert dann, wenn du gerade in einer Schiesserei steckst oder eine Mission läuft. Immerhin: Die wandelnde Push-Nachricht hat einige lustige Memes hervorgebracht .

Wer ist dein grösster Widersacher in «The Elder Scrolls V: Skyrim»? Alduin, der Drache? Der Ebenerzkrieger? Die Eistrolle? Falsch, falsch und falsch! Es ist Lydia, die Nord-Kriegerin. Lydia ist eine der ersten Begleiterinnen, die dir das Spiel anbietet. Ihr erklärtes Ziel ist es, dein Abenteuerleben so anstrengend wie möglich zu machen. Sie bleibt in Türrahmen stecken, fällt Abgründe hinunter und beschwert sich, wenn du ihr etwas zum Tragen gibst. Drachenknochen sind nun mal schwer, Karen Lydia. Deal with it.
Du brauchst noch einen Grund? Bitte sehr: Lydia hasst Hunde.

Ja, es ist ein Baby. Und ja, Babys weinen. Das ist trotzdem kein Argument dafür, daraus ein Spielelement zu machen. Niemand hat je im Flugzeug gedacht: «Ich rücke mal näher zu dem schreienden Kind». Die meisten Gamer dürften einen kreischenden Sidekick ähnlich enthusiastisch begrüssen. Und wenn doch: Auf Youtube findest du einen 10-Stunden-Loop des Sound-Effekts. Gott weiss warum.
Honorable Baby-Mention: BB aus «Death Stranding»

Ah, Natalya. Deine Begleiterin im besten Konsolen-Shooter vor «Halo: Combat Evolved» verdient sich ihren Listenplatz gleich in mehreren Disziplinen. Zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehören: Langsam gehen, dir vor die Knarre laufen und den Alarm auslösen. Gleichzeitig spuckt sie pausenlos denselben Satz aus: «We should go to the main control room.» Girl, ich weiss. Wir wären schon längst dort, wenn du nicht den Überlebensinstinkt eines Lemmings hättest.
Natalyas Störrigkeit ist so berüchtigt, dass es einen Live-Action-Sketch davon gibt.

Preston spammt endlose Füller-Missionen mit seiner Leitphrase «Another settlement needs your help», was zuerst nervig, dann vorübergehend lustig und dann RICHTIG nervig ist. Dude, du hast eine Waffe und eine komplette Fraktion hinter dir. Wie wär’s, wenn du selbst mal etwas machst und dafür sorgst, dass das Commonwealth etwas sicherer wird? Du bist doch schon gross.
Ich muss meinen Sohn finden, meine Frau rächen und einen riesigen Roboter rebooten. Ich kann dir nicht ständig das Händchen halten.

Apropos fehlender Selbsterhaltungstrieb. Warum genau riskiere ich Kopf und Kragen für die NPCs in «Dead Rising»? Keiner davon trifft jemals eine gute Entscheidung. Sobald ich mich mehr als zwei Meter von ihnen entferne, vergessen sie, dass ich existiere und rennen dem nächstbesten Zombie in die Arme, wie eine Soldatenfrau ihrem lang vermissten Ehemann.

Es gab einen Moment in den frühen Neunzigern, in dem Sega ein einziges, klar definiertes Asset hatte: einen blauen Igel, der schnell rennt. Dann kam jemand auf die Idee, ihm einen zweischwänzigen Fuchs zur Seite zu stellen. Doch damit nicht genug: Es folgten ein schlecht gelauter Ameisenbär, eine pinke Stalkerin mit Riesenhammer, ein Krokodil-Detektiv, ein Edgelord-Igel, eine Fledermaus mit riesigen Hupen und zum Schluss ein sexuell unsicherer Brachiosaurus.
Ok, letzteres war gelogen, aber gemessen an den Bullshit-Charakteren, mit denen Sonic rumhängt, nicht komplett unrealistisch. Weniger ist manchmal mehr, auch wenn mir die Furry-Community da wohl widersprechen würde.

Slippy ist das Bermuda-Dreieck der Star-Fox-Staffel: Wo immer er auftaucht, verschwindet jegliche Kompetenz. Er fliegt in jeden Angriff, braucht permanent Rettung und schafft es dabei, deine komplette Aufmerksamkeit zu kapern, während der eigentliche Level im Hintergrund passiert. «Slippy's in trouble!» – Slippy ist immer in Trouble, das ist sein gesamter Persönlichkeitsbeitrag zur Franchise.

HEIL MICH DOCH EINFACH, DU INKOMPETENTER, PLATTFÜSSIGER DILETTANT!

«Days Gone» ist ein cooles Spiel, das von Sony zu Unrecht vernachlässigt wird. Das liegt zu keinem Teil an Deacon St. John. Die menschgewordene «Sons of Anarchy»-Fan-Fiction ist dermassen persönlichkeitsbefreit, dass ich irgendwann das Motorrad zum Hauptcharakter auserkoren habe, weshalb sich der Typ für diese Liste qualifiziert. Was für ein Langweiler. Next.

Irgendwo im Gearbox-Büro hat jemand entschieden, dass «nerviger Comic-Relief» ein Charakter-Arc ist. Drei Spiele lang. Das Ergebnis ist Claptrap: ein rollender Podcast, den niemand abonniert hat und trotzdem jeder hören muss. Der Angriff auf ihn zu Beginn von «Borderlands» ist der emotionale Höhepunkt der gesamten Franchise. Schade, dass er es überlebt.
Im (sehr schlechten) «Borderlands»-Film wird Claptrap von Jack Black vertont, aber selbst dessen unendliches Charisma konnte die Blechbüchse nicht erträglicher machen.

Man muss kein bunthaariger Woke-Warrior sein, um festzustellen, dass die «Persona»-Franchise einige ziemlich problematische Charaktere hat. Teddie führt diese Liste an. Vor seiner menschlichen Transformation tapst er als deformiertes Überraschungsei durch die Gegend, danach sieht er aus wie ein viel zu teurer Stricher. Anstrengend ist er in beiden Formen. Sein einziges Persönlichkeitsmerkmal ist seine chronische Triebhaftigkeit, die er gerne gegenüber 15- und 16-jährigen Mädchen äussert. Und das pausenlos, über eine Spieldauer von 70 Stunden hinweg. Ugh.

«We have Kanye West at home.»

Gute Absichten hin oder her – wer seinem eigenen Team sämtliche Materia klaut, während dieses Team gerade dabei ist, die Welt vor dem Untergang zu bewahren, hat die Prioritäten nicht ganz im Griff. Plötzlich steht man da: magisch entblösst, weltrettungstechnisch blockiert, und gezwungen, einen Nebenquest zu absolvieren, bevor man sich Sephiroth überhaupt wieder nähern darf. WTF, Yuffie? Ich dachte, wir sind Freunde?

Leon S. Kennedy hat Raccoon City überlebt, mehrere Mutanten-Endgegner erledigt und einen laufenden Bioterrorismus-Anschlag verhindert. Nichts davon hat ihn auch nur annähernd auf den Babysitter-Job vorbereitet, mit dem er in Südeuropa konfrontiert wird. Ashley schreit, stolpert und lässt sich im 30-Sekunden-Takt einfangen. Das Remake macht die junge Frau etwas geschickter. Betonung auf «etwas».

Die lang erwartete Fortsetzung von Nintendos Sci-Fi-Abenteuer hat verschiedene Probleme. Eins davon heisst Myles McKenzie. Der übereifrige Techniker deckt Samus ungefragt mit Tipps und Kommentaren zu, die jegliche Atmosphäre zerstören und tonal so gar nicht zur eher ernsthaften Serie passen. Kollege Domi hat es in seinem Review treffend auf den Punkt gebracht: «Halt die Fresse, Myles McKenzie!».

Ich habe «Animal Crossing» nicht gespielt. Ich weiss nicht, wer Barold ist. Ich weiss nicht, was Barold tut. Aber meine Frau hat gesagt, dass sie sich scheiden lässt, wenn ich ihn nicht in dieses Listicle aufnehme. Die anschliessenden Beschimpfungen kann ich nicht wiedergeben, sie legen aber nahe, dass es sich bei der pelzigen Kreatur um den Architekten von unaussprechlichen Gräueltaten handelt. Es sind immer die, die man am wenigsten vermutet.

In den frühen 90er-Jahren vererbte mir mein älterer Bruder sein NES mit «The Legend of Zelda» und startete damit eine Obsession, die bis heute anhält.
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