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Paramount Pictures
Kritik

«Scary Movie 6»: Bin ich zu alt für diesen Scheiss?

Luca Fontana
3.6.2026

Früher fühlte sich «Scary Movie» wie ein Tritt gegen das Spiessertum an. Heute wirkt vieles wie eine überaus vorhersehbare Checkliste verbotener Witze. Laut ist der Film noch immer. Aber ist er auch lustig?

Keine Sorge: Die folgende Filmkritik enthält keine Spoiler. Ich verrate dir nicht mehr, als ohnehin schon bekannt und in den Trailern zu sehen ist. «Scary Movie 6» läuft ab dem 3. Juni in den Schweizer Kinos.

Meine Güte, wie alt war ich nochmals, als ich den ersten «Scary Movie» auf DVD zu sehen bekam? 12? 13? Ich weiss nur noch, wie verdammt lustig ich jeden noch so bescheuerten Witz fand. Gucke ich alte Clips, muss ich manchmal heute noch lachen. Ich sag nur:

«Wazzuuuuuuup!»

Klo-, Pups- und Sex-Witze – der Film parodierte nicht nur «Scream», «I Know What You Did Last Summer» und den Zeitgeist, sondern verstiess ganz bewusst gegen den guten Geschmack und sorgte beim braven Bürgertum für Kopfschütteln. Als junger Teenager fand ich das natürlich super. Super rebellisch.

Tja, und heute? Heute bin ich kein Teenager mehr. Und die Wayans-Brüder, die Schöpfer von «Scary Movie», fürchte ich, auch nicht mehr.

Die Wayans wollen's nochmal wissen

Zur Erinnerung: Keenen Ivory Wayans inszenierte den ersten «Scary Movie», seine Brüder Shawn und Marlon schrieben das Drehbuch und spielten die Hauptrollen. Das Ergebnis kostete 19 Millionen Dollar, spielte 278 Millionen ein und löste eine gewaltige Welle von schlecht produzierten Parodien aus. Nach Teil 2 aber verliessen die Wayans das Franchise im Streit mit Miramax. Das Studio machte trotzdem weiter.

Was dann folgte, ist die eigentlich pikante Geschichte: Jason Friedberg und Aaron Seltzer wurden dank einer WGA-Entscheidung als zwei der sechs Autoren des Originals kreditiert, obwohl sie am finalen Drehbuch keinen Anteil hatten. Das nutzten sie schamlos aus, um ihre eigenen Filme zu vermarkten. «Date Movie», «Epic Movie», «Meet the Spartans», «Disaster Movie» – alle beworben mit «From two of the six writers of Scary Movie!», alle qualitativ miserabel, alle auf Kosten eines Namens, den sie sich nicht verdient hatten.

Das Genre litt jahrelang darunter.

Jetzt sind die Wayans zurück. Mit dem Versprechen, so richtig auf den Putz zu hauen. Das hat ein bisschen was von Eminem, der schon 2002 sang, wie sich die Welt ohne ihn und seine ständigen Kontroversen «empty» anfühle. Als ob es uns heute an Kontroversen mangelte – die Songauswahl im Trailer ist so «in your face», dass es billig ist.

Egal. «Scary Movie 6» ist wieder da und macht vor nichts Halt: Cancel Culture, Political Correctness, Rassismus, Schwulenwitze. Alles halt, worüber sich gerade alle so aufregen. Und der Film will uns unbedingt zeigen, wie mutig und edgy er ist. Dass er sich Witze traut, die sich andere gerade nicht trauen. Was ja durchaus eine legitime Ambition wäre. Hat 2000 schon mal funktioniert. Nur wirkt das Ganze auf mich nicht mehr mutig, sondern wirklich einfach nur … anstrengend.

Dabei ist die Prämisse eigentlich clever: Ghostface hat es mal wieder auf die Originalfiguren abgesehen. Also auf Cindy Campbell, auf Brenda Meeks, überhaupt auf alle, die beim ersten Mal dabei waren. Wer diesmal hinter der Maske steckt und warum, hat etwas ausgesprochen Autobiographisches. Und wer die Geschichte des Franchises kennt, wird im Abspann unwillkürlich grinsen. Die Idee stimmt. Die Ausführung ist das Problem.

Oder liegt's an mir?

Bin ich das Problem?

Ernsthaft, ich frage mich das. Denn vielleicht gehöre ich inzwischen ja selbst zu genau jenem braven Bürgertum, dem «Scary Movie» damals ans Bein pinkeln wollte. Ich habe zu viele Filme gesehen, zu viele Reviews geschrieben, zu viele Witze analysiert. Vielleicht ist das der Preis. Dass ich nicht mehr einfach lachen kann, ohne gleichzeitig zu beobachten, warum ich lache. Oder eben warum nicht. Das macht eh alles weniger lustig.

Und dann sass ich noch kurz vor der Pressevorführung im Interview mit Shawn Wayans und Anna Faris – ein herrlich chaotisches Gespräch, das mir zeigte, wie aufrichtig die beiden mit diesem Projekt sind. Wie sehr sie es wirklich meinen. Faris, die jahrelang das Gefühl hatte, Hollywood nehme «Scary Movie» nicht ernst. Wayans, der mit echter Bitterkeit davon erzählt, wie andere das Genre in den Boden gestampft haben, während die Wayans draussen standen.

Das glaube ich ihnen. Ich glaube, dass sie's gut meinen. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, tut es mir leid, dass ich so wenig mit «Scary Movie 6» anfangen kann.

Aber dann erkläre mir mal jemand «The Naked Gun». Seth MacFarlanes Reboot mit Liam Neeson hat letztes Jahr wunderbar vorgemacht, wie man eine 1980er-Parodie in die Gegenwart transportiert – saulustig und trotzdem nie peinlich.

Eine Szene daraus: Frank Drebin Jr., der Detective, sucht in einer Bar nach einem Verdächtigen. Der Barkeeper will nicht helfen, denn Frank habe, im Namen der Gerechtigkeit, seinen Bruder erschossen. Frank kann sich nicht erinnern, er habe schon buchstäblich tausende Menschen erschossen. Der Bruder sei von hinten erschossen worden, als er weglief, meint der Barkeeper. Immer noch mindestens hunderte, meint Frank. «Unbewaffnet.» Jetzt noch fünfzig.

«Er war weiss.»

Endlich haut Frank mit einem breiten Grinsen die flache Hand auf den Tresen.

«Dann musst du Tony Roilands Bruder sein!»

Der Witz nimmt rassistische Polizeigewalt aufs Korn, ohne dass erklärt werden muss, wie, und ich lache mich kaputt. So funktioniert Humor.

Mut oder Lärm?

In «Scary Movie 6» hingegen besucht Ray, gespielt von Shawn Wayans, der damals das Drehbuch mitschrieb, eine Kirchgemeinde, die an jene aus «Sinners» erinnert. Er tritt ans Podest und verkündet stolz, von seiner «Krankheit» geheilt zu sein. Vom Schwulsein. Er falle jetzt nicht mehr auf Versuchungen herein. Nicht mehr auf hübsche Muskeln. Ölige Waschbrettbäuche. Lange, harte, dicke ... nun ja.

Während Ray leidenschaftlich glucksende Geräusche macht und vor seinem Gesicht wild gestikulierend lauter imaginäre … Lollis lutscht und damit unfreiwillig zeigt, dass er alles andere als «geheilt» ist, ist die Gemeinde natürlich empört.

«Every line will be crossed!», heisst es schon im Trailer. Dass sich das so bemüht anfühlt, als würde jemand bloss eine Checkliste von Verbotenem abhaken, damit’s abgehakt ist, hätte ich nicht gedacht.

Rat mal, wer in «Scary Movie 6» garantiert nicht schwul ist.
Rat mal, wer in «Scary Movie 6» garantiert nicht schwul ist.
Quelle: Paramount Pictures

Gute Comedy, finde ich, braucht kein Opfer, über das sie sich lustig macht. Sie braucht eine Beobachtung. Das heisst: Der Witz zielt nicht auf die marginalisierte Gruppe selbst – nicht auf Schwule, nicht auf People of Color, nicht auf Frauen. Er zielt auf die Absurdität, die Doppelmoral, das System, das diese Gruppen unterdrückt.

Der Unterschied ist fein, aber er ist alles.

«I’m the son of a mother, and some of my best friends are jewish» – «Barbie» wendet denselben Trick an wie «The Naked Gun»: Der Witz zielt auf die Doppelmoral, nicht auf die Gruppe. Und er erklärt sich selbst, ohne zu erklären.

Der «The Naked Gun»-Witz über Frank Drebin Jr. und den Barkeeper funktioniert, weil er nicht über Rassismus lacht, sondern mit dem Publikum gemeinsam auf die absurde Logik zeigt, die hinter rassistischer Polizeigewalt steckt. Der Witz ist auf der Seite des Opfers, nicht des Täters. Und er vertraut darauf, dass das Publikum das selbst merkt, ohne dass man es ihm erklärt.

Auch im Jahr 2026 macht sich «Scary Movie» noch über Behinderte lustig. Edgyyyyyyy!
Auch im Jahr 2026 macht sich «Scary Movie» noch über Behinderte lustig. Edgyyyyyyy!
Quelle: Paramount Pictures

«Scary Movie 6» hingegen vertraut seinem Publikum nie. Die Ray-Szene will zwar dasselbe leisten und über Homophobie und religiösen Eifer lachen. Glaube ich zumindest. Aber sie zielt letztlich nicht auf die Kirche, die Schwule für krank hält. Sie zielt auf Ray selbst, auf sein Schwulsein, auf seine Geilheit, auf seine Unfähigkeit, sich zu beherrschen. Die Gemeinde ist empört, klar. Aber der Witz lacht über ihn, nicht mit ihm. Das ist der entscheidende Unterschied. Denn so bleibt am Ende nicht das System als Zielscheibe, sondern der Schwule, der sich nicht im Griff hat …

So angestrengt lärmig geht's die ganze Zeit zu und her. Bis auf eine Szene, die Live-Streams wirklich gut aufs Korn nimmt. Aber was den Rest betrifft, scheinen die Wayans selbst vergessen zu haben, warum ihre Pointen damals in «Scary Movie 1+2» zwar oft an der Grenze des guten Geschmacks waren, aber trotzdem landeten. Nicht alle. Aber doch einige.

Auch heute noch.

Fazit

Ich *bin* zu alt für diesen Scheiss

Der erste «Scary Movie» wollte nie beweisen, dass er sich etwas traut. Er hat es einfach getan. Billig, laut, bescheuert – aber mit einer Treffsicherheit, die man ihm nicht zugetraut hätte und gerade darum für einen unerwarteten Mega-Erfolg sorgte.

«Scary Movie 6» hingegen will beweisen. Dass man noch jung, laut und ausdauernd ist. Genau das ist das Problem: Ich spüre den Aufwand, den die nunmehr über 50-jährigen Wayans betreiben. Ich spüre, wie sehr ihr Film möchte, dass ich ihn mutig finde. Wie geradezu verzweifelt sie hoffen, dass ich immer noch derselbe Teenager von damals bin.

Bin ich nicht. Und die Wayans leider auch nicht mehr.

Titelbild: Paramount Pictures

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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