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Florian Bodoky
Produkttest

Sennheiser Momentum 5 Wireless: Viel Feinschliff, nachhaltige Investition

Der Momentum 5 Wireless bleibt seiner Soundsignatur treu, legt aber bei Akku, Bedienung und ANC zu. Mit dem austauschbaren Akku setzt Sennheiser zudem auf eine längere Lebensdauer.

Nach dem erfolgreichen Release des Momentum 4 hat sich Sennheiser in die Beobachterrolle begeben und zugeschaut, wie andere Hersteller Jahr für Jahr nachlegen. Nach vier Jahren Pause kommt nun die fünfte Iteration der Momentum-Serie auf den Markt. Ich habe den Momentum 5 zuhause und unterwegs getragen und wollte wissen, ob die Sennheiser-Ingenieure die vier Jahre gut genutzt haben.

Design: vorsichtig aufgewertet statt neu erfunden

Auf den ersten Blick sieht der Momentum 5 seinem Vorgänger sehr ähnlich: grosse, ovale Ohrmuscheln mit Kunstlederapplikation, ein Kunststoffgehäuse und Stoffbezug an den Bügeln. Ob der mit der Zeit siffig wird, etwa nach häufiger Nutzung im Regen? Vermutlich.

Ein paar sanfte Renovation entdecke ich bei genauerem Hinsehen aber doch: Die Touchfläche geht ohne Kante in die Ohrmuschel über, die Mikrofone sind farblich frech, aber hübsch abgesetzt und das Herstellerlogo hat ebenfalls ein Redesign erfahren.

Im Grossen und Ganzen bleibt Sennheiser seiner unauffälligen, seriösen Designsprache ohne Firlefanz treu. Ein «Back to the Roots» mit den extern verlaufenden Metallbügeln gibt es aber nicht.

Der  Momentum 5 weist sanfte Renovationen an den richtigen Stellen auf.
Der Momentum 5 weist sanfte Renovationen an den richtigen Stellen auf.

Während ich mich mit dem Design gut anfreunden kann, ärgert mich etwas anderes: Der Faltmechanismus fehlt. Sennheiser macht damit den gleichen Fehler wie Sony. Anders als die Japaner hat sich das Unternehmen von den klagenden Stimmen nicht beirren lassen und hält daran fest. Schade. Du kannst die Ohrmuscheln lediglich um 180 Grad drehen, etwa wenn du den Kopfhörer um den Hals trägst.

Mit 290 Gramm wiegt der Momentum 5 ungefähr so viel wie sein Vorgänger. Sennheiser nutzt am Headband wohlweislich ein noch weicheres Material, sodass ich auch nach längerem Hören keinen Druck spüre. Und auch Brillenbügel bereiten keine Mühe. Wie bei allen Ohrmuscheln aus Kunstleder staut sich nach einiger Zeit spürbar Wärme. Das ist bei geschlossener Bauweise leider kaum zu vermeiden.

Das trapezförmige Case ist äusserst flach und schlank. Laut Sennheiser fällt es rund 20 Prozent kleiner aus als das des Vorgängers. Praktisch: Auf der Rückseite befindet sich eine Mulde, die du als Griff benutzen kannst. Dazu kommen ein stabiler Reissverschluss und genügend Platz für USB-C- und Klinkenkabel.

Sennheiser bringt ein flaches, praktisches Case.
Sennheiser bringt ein flaches, praktisches Case.

Sound: erstaunlich charaktervoll

Sennheiser verbaut den gleichen 42-mm-Treiber wie im Momentum 4. Wenn du also eine radikal neue Soundsignatur erwartest, wirst du enttäuscht. Aber: Der Momentum 5 liefert quer durch die Genres ein rundes, angenehmes Klangbild. Der Bass ist kräftig und bis in die Tiefe präsent. Auf knackigen Wumms ist er allerdings nicht gepolt, sondern kommt eher weich rüber. Manchmal fehlt ihm dadurch etwas Kontur. Für richtig druckvollen Bass greifst du deshalb am besten zum EQ in der App.

Traditionell liegt die Stärke der Momentum-Serie in den Mitten. Und so ist es auch dieses Mal: Stimmen klingen detailreich und angenehm natürlich. Synthesizer-Riffs und E-Gitarren wirken gut abgestimmt und schneiden nicht in die Ohren. Die Höhen bleiben ebenfalls sauber und werden nicht spitz. Allerdings gehen die Tunes auch nicht immer bis in die letzte Spitze. Wer extrem aufgelöste Höhenwiedergabe sucht, wird hier wohl nicht ganz glücklich. Insgesamt bietet der Momentum 5 eine qualitativ hochwertige, warme Wohlfühl-Abstimmung.

Für Enthusiasten legt Sennheiser nebst dem üblichen USB-C- auch ein Klinkenkabel mit. Zudem unterstützt der Hörer Bluetooth 5.4 (das 6.0-Upgrade hat Sennheiser bereits versprochen) sowie auf Android aptX Lossless. Bei Apple läuft die Übertragung weiterhin über AAC.

Bedienung: ein Knopf, eine Touchfläche, fertig

Ein grosses Plus bietet Sennheiser bei der Bedienung: Es gibt EINEN Knopf. Damit schaltest du den Kopfhörer ein und aus oder startest das Pairing. Alles andere läuft über die Touch-sensitive Fläche an der rechten Ohrmuschel. Horizontales Wischen überspringt Lieder, Vertikales verändert die Lautstärke, einzelnes Tippen pausiert die Wiedergabe. Doppeltes Wischen aktiviert respektive deaktiviert die Geräuschunterdrückung. So musst du nicht mehr blind nach Tasten suchen oder dir 20 verschiedene Touchgesten merken.

Weitere Steuerungsoptionen bietet die Smart Control Plus App von Sennheiser. Sei aber vorgewarnt: Hier erwartet dich eine unfassbare Fülle von Einstellmöglichkeiten. Der ANC- und Transparenzmodus lassen sich stufenlos einstellen. Zudem kannst du GPS-gebundene Soundzonen definieren. Ein Hörtest erstellt anhand deines Gehörs ein persönliches Equalizer-Profil. Und dieser Hörtest ist sehr präzise. Kein Wunder: Sennheiser gehört der Firma Sonova, die Hörgeräte herstellt.

Der EQ arbeitet mit acht Bändern mit einem Regelbereich von plus/minus 6 dB. Sennheisers HDB 630 ist hier noch präziser mit seinem parametrischen EQ und freien Frequenzwerten. Aber für den Preis ist das ein guter Job. Du kannst hier auch eigene Presets zusammenstellen und einen Vorher-Nachher-Vergleich ziehen.

Für Raumklang unterstützt der Momentum 5 zudem Dolby Atmos und Head-Tracking. Das ist bei Filmen cool, allerdings mache ich einen deutlichen Delay aus, wenn ich den Kopf zur Seite und wieder zurück drehe. Dies ist schade.

Sennheiser holt beim ANC auf und verbaut austauschbaren Akku

Acht Mikrofone, vier pro Seite, verbaut Sennheiser im Momentum 5. Dauerhaft dröhnende Frequenzen filtert das ANC damit gut heraus, ebenso Stimmen, Ventilatoren und andere typische Pendel- und Bürogeräusche. Bei plötzlichen Geräuschen oder bei besonders hochfrequentem Lärm (Zugbremsen) reagieren der XM6 von Sony und die AirPods Max 2 nach meinem Eindruck schneller. Der Momentum 5 braucht hier einen Moment länger gebraucht, um die entsprechende Frequenz zu «bekämpfen».

Beim Transparenzmodus kann Sennheiser dagegen mit den Referenzmodellen mithalten. Du kannst Umgebungsgeräusche stufenlos und angenehm «reinlassen». Das Grundrauschen anderer Modelle höre ich hier nicht und auch von künstlich angehobenen Frequenzen bleibe ich verschont. Selbst Windgeräusche bleiben angenehm zurückhaltend. So lässt sich gut telefonieren.

Es gibt nur einen Button und die Mikrofone sind farblich hervorgehoben.
Es gibt nur einen Button und die Mikrofone sind farblich hervorgehoben.

Und das ziemlich lange: Bei aktivierter Geräuschunterdrückung gibt Sennheiser die Akkulaufzeit mit bis zu 57 Stunden an. Auch das Aufladen geht schnell: Zwar wartest du zwei Stunden für eine Ladung von 0 auf 100, aber nur zehn Minuten für eine Wiedergabedauer von bis zu sieben Stunden. Ausserdem verbaut Sennheiser eine Smart-Charging-Funktion. Diese lädt den Akku immer nur bis 80 Prozent. Dies verlängert die Lebensdauer.

Aber nicht nur die lange Lauf- und Lebenszeit macht den Akku im Momentum 5 speziell. Auch die Austauschbarkeit ist cool. Der 700-mAh-Zellenblock lässt sich nämlich mit einem Kreuzschlitz-Schraubenzieher aus dem Gehäuse holen. Zum Einzelkauf sind die Ersatzakkus bei Sennheiser aber noch nicht gelistet.

Fazit

Durchdacht, weiterentwickelt und nachhaltig

Der Momentum 5 Wireless ist eine durchdachte Weiterentwicklung, für die sich Sennheiser Zeit gelassen hat. Der Klangcharakter bleibt seinem Vorgänger ähnlich. Dafür dreht der Hersteller an praktisch allen anderen Schrauben: ANC wird deutlich besser, die Codec-Vielfalt wird grösser, der Akku wird ausdauernder und austauschbar. Auch die Telefonie hat in meinen Augen ein Upgrade erfahren.

Wenn du ohnehin Sennheiser-Fan bist, lohnt sich der Kauf allemal. Auch preislich klettert er nicht ganz auf die Höhen von Sony und Bose (zum Verkaufsstart). Nur wer ein Bassmonster will – oder ein Die-Hard-ANC-Anhänger ist – kann es sich erlauben, den Momentum 5 Wireless nicht in die engere Auswahl zu nehmen.

Pro

  • angenehm zu tragen
  • klare Mitten
  • starker Akku

Contra

  • ANC bei hohen Frequenzen noch ausbaufähig
  • Delay beim Head-Tracking
  • nicht faltbar
Sennheiser Momentum 5 (ANC, 57 h, Kabellos)
Kopfhörer
EUR399,–

Sennheiser Momentum 5

ANC, 57 h, Kabellos

Titelbild: Florian Bodoky

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Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.


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