So kommen mit Thule Velos aufs Autodach – trotz rätselhafter Anleitung

So kommen mit Thule Velos aufs Autodach – trotz rätselhafter Anleitung

Martin Jungfer
Martin Jungfer
Zürich, am 13.08.2021
Ich bin handwerklich nicht sonderlich begabt. Trotzdem habe ich es geschafft, dass die Velos der Familie mit in die Ferien kommen – dank eines Thule-Dachträgersystems. So hat die Montage geklappt.

Irgendwann ist auch der grösste Kofferraum zu klein für all das Zeug, das als Familie mit in die Ferien muss. Dieses Jahr war’s so weit. Es geht an den Strand, Fräulein Tochter ist alt genug und hat den sturen Kopf von ihrem Vater, um ihre Wünsche durchzusetzen. Ausserdem fährt sie inzwischen so sicher Velo, dass auch ihr Zweirad und die der Eltern mitkommen sollen.

Nur wohin damit? Der Familienkombi hat keine Anhängerkupplung. Und mir graut davor, so ein Gestell auf den Kofferraumdeckel zu montieren. Deshalb habe ich mich für eine Dachträger-Lösung entschieden.

Velo aufs Auto – mit diesen *Dach- und Heckträgern** klappt's
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Velo aufs Auto – mit diesen Dach- und Heckträgern klappt's

Dachträger: ein Glossar

Wingbar, T-Nut, Fussteil… Im Folgenden schreibe ich von Dingen, die wie Technologie aus dem oder für das Weltall klingen. Daher ein kurzer Überblick. Was ist was? Und wofür?

Hier sind Dachträger und Fussteil bereits verbunden. Das Fussteil wird auf die Reling am Autodach gesetzt und dann festgeschraubt.
Hier sind Dachträger und Fussteil bereits verbunden. Das Fussteil wird auf die Reling am Autodach gesetzt und dann festgeschraubt.

Dachreling: An den äussersten Rändern des Autodachs links und rechts angebrachte Streben über die ganze Länge des Dachs. Zwischen diese Halterungen können dann die Querträger fixiert werden, diese heissen meist «Dachträger».

Haltepunkte: Autos ohne Dachreling haben am Dach meist Stellen, an denen Fussteile für Dachträger befestigt werden können. Diese Haltepunkte sind unter dem Dichtungsgummi zu finden.

Dachträger: Sind die Basis für alles, was du aufs Dach laden willst, egal ob Velos, Kajak oder Dachbox. Die Dachträger werden als Paar quer zur Dachreling auf dem Autodach montiert. Bei Thule haben diese Dachträger Namen wie «Wingbar» oder «Squarebar». Es gibt Träger, die eher auf hohe Lasten ausgerichtet sind und solche, die möglichst aerodynamisch sind.

Fussteil: Um die Dachträger am Auto zu befestigen, gibt es Fussteile. Sie sind die Verbindung zwischen Dachreling und Dachträger. Weil du zwei Dachträger hast, brauchst du vier Fussteile. Hersteller von Dachträger-Systemen wie Thule haben Fussteile, die aus zwei Elementen bestehen. Einer Halteklammer zum Festschrauben und dem Fuss an sich.

Herausforderung Nummer 1: Finde den richtigen Dachträger

Die Autoindustrie hat offensichtlich ebenso wenig wie die Dachträgerindustrie grosses Interesse an Standardisierung. So muss ich auf diversen Seiten mit Autozubehör im Internet recherchieren, welche Dachträger für welche Autos passen. Eine Angabe zum Hersteller, also zum Beispiel VW oder BMW, alleine genügt übrigens nicht. Fast immer ist auch noch das Modell gefragt, oft sogar noch das Baujahr. Sieht so aus als wechselten die Hersteller ihre Dachreling-Konfiguration ähnlich häufig wie H&M seine Modekollektion.

Irgendwann habe ich dann genug Konfigurator-Tools gesehen und benutzt. Die Firma Thule aus Schweden als Marktführer punktet bei mir mit einem Konfigurator auf der eigenen Website. Ich entscheide mich für ein Set aus Dachträgern und Fussteilen zur Befestigung an der Dachreling unseres Autos. Bestellt wird natürlich bei Galaxus, nicht bei Thule.

Zusätzlich zu den Wingbars in «aerodynamisch vorteilhaftem Flügeldesign» landen drei Dachfahrradträger im Galaxus-Warenkorb, die gemäss Angaben auf der Thule-Website mit der Wingbar Evo kompatibel sind.

Wenn du dich mit dem Thema Dachträger schon einmal beschäftigt hast, bist du beim Blick auf meine Produktauswahl womöglich stutzig geworden.

Zurecht.

Ich habe ein wichtiges Teil bei der Bestellung vergessen: das Montage-Kit. Ohne dieses kannst du deine Fussteile zwar an die Wingbar montieren, aber nicht die Fussteile an die Dachreling. Habe ich natürlich erst gemerkt, als ich alles ausgepackt habe und das System montieren wollte. Ich nehme mir fest vor, nächstes Mal auch das Kleingedruckte zu lesen.

Hier unten rechts steht’s geschrieben. Wer nicht lesen will, muss nachbestellen.
Hier unten rechts steht’s geschrieben. Wer nicht lesen will, muss nachbestellen.

Ich bügle meinen Fehler auf Kosten der Schweizerischen Post und seinem Paketfahrer aus und bestelle das fehlende Teil.

Kit 186009
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Thule Kit 186009
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Einen Tag später ist die Nachlieferung da und somit alles komplett. Der Zusammenbau kann beginnen.

Herausforderung Nummer 2: Gummileisten in die T-Nut der Wingbar drücken

Es sieht so einfach aus im Video (siehe unten). Aber ich habe doch einige Mühe, die beiden Gummileisten in die Nut einzulegen. Flutscht’s einmal nicht richtig und du drückst zu fest, verformt sich der Gummi minimal, und beim zweiten Versuch ist es dann noch einmal mühsamer. Nach einigen Flüchen ist es dann aber doch geschafft: zweimal zwei Gummileisten sind an ihrem Platz in der Aluschiene. Dafür schmerzt der Daumen vom Drücken auf die Gummileiste. Kollege Dominik Bärlocher, der als Auto-Mann in der Redaktion diesen Text vor dem Erscheinen gegengelesen hat, empfiehlt für solche Fälle «einen dicken Karton und einen Gummihammer». Merke ich mir.

Die Gummileisten sind in der Aluschiene, die Fussteile montiert.
Die Gummileisten sind in der Aluschiene, die Fussteile montiert.

Als nächstes bekommen die Wingbars je zwei Füsse. Die insgesamt vier Fussteile erweitere ich mit den Teilen aus dem Montage-Kit so, dass sie an die Reling auf dem Autodach montiert werden können. In der Box mit den Montage-Kits sind vier Hartgummi-Teile zu finden, die unten an die Füsse passen. Das nimmt mir die Sorge, dass ich mit den aus Hartplastik und massivem Metall gefertigten Fussteilen Reling oder Autodach zerkratze.

Die beiden Wingbars mit den Fussteilen sollen gemäss Anleitung in einem Abstand von 70 Zentimetern aufs Autodach. Ob eher vorne, eher mittig oder eher hinten ist nicht näher angegeben. Ein Studium der Video-Anleitung hilft dabei. Ich montiere den hinteren Träger etwa auf der Höhe der C-Säule. Die vordere Schiene ist dann knapp vor der A-Säule. Kauf dir einen Meter, wenn du keinen hast. Sonst wird's nachher mühsam.

Jetzt noch die beiden Wingbars so schieben, dass sie auf beiden Seiten gleich weit über die Füsse hinausragen. Dabei und beim Festschrauben lerne ich mein Auto durch Umrunden besser kennen. Ich muss gemäss Anleitung nämlich jeden Fuss mit dem mitgelieferten Inbus-Montageschlüssel erst zu 50 Prozent festziehen, noch einmal den Sitz der Fussteile prüfen, und dann richtig fest ziehen. Was richtig fest ist, verrät mir ein Klacken. So weiss ich, dass das Drehmoment stimmt.

Herausforderung Nummer 3: Montage der Fahrradträger auf dem Dach

Drei Velos müssen aufs Dach. Sobald die Trägerkonstruktion fest sitzt, mache ich mich an die Veloträger. Ich habe mich für die preisgünstigste Variante entschieden, den «FreeRide», laut Thule ein «funktionaler, bedienerfreundlicher Fahrradträger für aufrechten Fahrradtransport, der alle Basisanforderungen erfüllt.»

Meine drei Exemplare bereite ich noch auf dem Boden für die Montage auf dem Dach vor. Beim ersten dauert das noch ungefähr 20 Minuten – unfassbar kryptischer Anleitung sei Dank. Da sind Wirbelsturm-artige Pfeile gemalt, ein Popeye-Bizeps, etliche Ausrufezeichen. Gibt es eigentlich ein Wörterbuch «Deutsch–Symbolisch/Symbolisch–Deutsch»?

Es ist ausserdem ein ziemliches Gefrickel, die Schrauben in die Gewinde im Bolzen zu bekommen und sie genau so weit hineinzudrehen, bis ich mit etwas Kraft noch den Hebel umlegen kann. Immerhin: Das zweite Exemplar schaffe ich in 10 Minuten, das dritte noch etwas schneller.

Vielleicht bin ja auch ich das Problem – aber diese Anleitung finde ich kryptisch.
Vielleicht bin ja auch ich das Problem – aber diese Anleitung finde ich kryptisch.

Dann kommen die Dinger aufs Dach. Dazu muss ich die Hebel wieder öffnen und pro Träger jeweils ein Metallplättchen vorne und zwei hinten unter der Gummileiste in die Aluschiene einführen. Immer schön gleichmässig vorne und hinten, damit sich nichts verkantet. Die Abstände zwischen den Trägern schätze ich grob und hoffe, dass die Velos sich nachher nicht mit den Lenkern in die Quere kommen.

So schlecht war meine Schätzung nicht, wie ich feststelle, als ich die Velos aufs Dach hieve. Das 18-Zoll-Puky unserer Tochter kommt in die Mitte. Links und rechts ist Platz für Papis und Mamis Bike. Befestigt werden die Velos am Unterrohr des Rahmens sowie mit Felgenhaltebändern nach dem Prinzip von Kabelbindern vorne und hinten.

Geschafft! Die Velos sind auf dem Dach.
Geschafft! Die Velos sind auf dem Dach.

Die Demontage der Träger nach der Rückkehr aus den Ferien war im Vergleich zum Aufbau ein Kinderspiel. Nachdem ich ungefähr 40 Gramm Insektenleichen abgewaschen habe, sind die Veloträger und die Wingbars samt Füssen jetzt im Keller eingelagert bis zum nächsten Einsatz.

Fazit

Meine Dachträger-Premiere war durchwachsen. Dass ich insgesamt drei Kartons benötige, um ein Dachträgersystem erfolgreich auf dem Auto zu montieren, weiss ich, falls ich jemals wieder ein Auto mit Dachträger ausstatten müsste.

Wingbars, Füsse und Montagekit sind sauber verarbeitet. Am Ende wackelt nichts mehr. Kleinigkeiten nerven mich trotzdem. Warum muss ich die Gummileisten noch zurechtschneiden und selbst in die Wingbars drücken? Warum sind die Schlösser nicht schon montiert?

Richtig geärgert habe ich mich über die gedruckte Anleitung. Die kommt ohne Text aus. Was sicher gut ist für Thule, weil man das nicht übersetzen und auch weniger Papier bedrucken muss. Ich finde die Zeichnungen zum Teil jedoch sehr verwirrend und unklar – auch weil Thule eine Anleitung für verschiedene Trägersysteme gemacht hat und man immer erst noch das passende Bild für das System finden muss, das man gekauft hat. Und in Sachen Symbole und Zeichnungen dürfen sich die Schweden von Thule gerne etwas von ihren Landsleuten bei Ikea abschauen. Dort gibt’s deutlich weniger verwirrende Bildsprache.

Das Video ist hier um Längen besser – auch wenn ich die «Pause»- und «Zurück»-Buttons bei Youtube arg strapazieren musste. Die Montage hat am Ende nämlich natürlich länger gedauert als die 4:43 Minuten Spieldauer des Videos. Nach gut drei Stunden war die Konstruktion auf dem Dach. Rund 20 Minuten später waren die Velos festgemacht.

Hat sich ein bisschen angefühlt wie ein Marathon. Wie auch dort zählt für mich vor allem eines: Ziel erreicht. Was tut man nicht alles für die Familie.

Fräulein Tochter war übrigens dann zwischen Strand und Pool und bei Temperaturen um die 30 Grad dann doch nicht mehr so heiss aufs Velofahren.

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Martin Jungfer
Martin Jungfer

Head of Content, Zürich

Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.

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