So wirst du lästiges Klappern deiner mechanischen Fertigtastatur los

So wirst du lästiges Klappern deiner mechanischen Fertigtastatur los

Kevin Hofer
Kevin Hofer
Zürich, am 20.12.2021

Wenn deine Tastatur klappert, hilft schmieren. Ich verrate dir, wie du das bei deiner mechanischen Fertigtastatur machst.

Endlich liegt die mechanische Tastatur deiner Träume vor dir – und dann das: Beim Tippen klappert sie wie deine Zähne an einem eisigen Abend. Das muss nicht sein. Mit einfachen Mitteln eliminierst du das lästige Geräusch.

Was lärmt da eigentlich?

Für das Klappern verantwortlich sind die sogenannten Stabilisatoren. Bei jeder Tastatur sind einige Tasten länger als andere. Typischerweise sind das Shift, Leertaste oder Backspace. Die müssen zusätzlich stabilisiert werden. Denn je nachdem wo du sie drückst, soll sich die Taste gleich verhalten und nicht wackeln. Dazu wird eine Metallstange verwendet. Die verbindet ein Ende der Tastenkappe über Kunststoffstücke mit dem anderen. Zu kompliziert? Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:

So sieht ein Stabilisator aus. In der Mitte die Metallstange, links und rechts davon die Kunststoffteile, die sich mit der Taste auf und ab bewegen.
So sieht ein Stabilisator aus. In der Mitte die Metallstange, links und rechts davon die Kunststoffteile, die sich mit der Taste auf und ab bewegen.

Die Kunststoffstücken links und rechts bestehen aus zwei Teilen: der Halterung, die an der Platte der Tastatur befestigt wird, und dem Stängel, der sich in der Halterung auf und ab bewegt. Wenn sie schlecht geschmiert sind, hört es sich etwa so an:

Was brauchst du, um das Klappern zu killen?

Vier Dinge benötigst du :

  1. Schmiermittel
  2. Spritze mit Aufzieh-Nadel
  3. Tücher zum Reinigen
  4. Tastenkappen-Zieher oder Büroklammer

Beim Schmiermittel kannst du auf Silikonfett setzen. Alternativ ist spezielle Schmiere für Tastaturen möglich. Da eignet sich Krytox 205G0 oder G-Lube, welche es im Shop zu kaufen gibt.

Die Spritze mit Aufzieh-Nadel bekommst du in der Apotheke, Tücher und Büroklammer hast du sicher zu Hause.

So wird’s gemacht

Bevor es losgeht, solltest du deine Arbeitsfläche vorbereiten. Ich empfehle dir eine Unterlage, bei der es egal ist, wenn sie schmutzig wird. Denn das Schmierfett hinterlässt auf Textilien Flecken.

Zuerst musst du die entsprechenden Tastenkappen entfernen. Falls du keinen Tastenkappen-Zieher hast, kannst du eine Büroklammer zurechtbiegen. Damit gehst du unter die Kappe und ziehst diese hoch. Das wiederholst du auf der anderen Seite.

Sobald du die Tastenkappe abgezogen hast, liegen der Taster und die Stabilisatoren offen.
Sobald du die Tastenkappe abgezogen hast, liegen der Taster und die Stabilisatoren offen.

Als Nächstes steht das Aufziehen an. Bei diesem Schritt benötigst du die Aufzieh-Nadel noch nicht. Denn das Schmierfett ist zu dick, als dass es sich durch die Kanüle aufziehen liesse.

Keine Sorge, wenn beim Aufziehen nicht wahnsinnig viel Schmiere reinkommt. Etwas landet immer in der Spritze.
Keine Sorge, wenn beim Aufziehen nicht wahnsinnig viel Schmiere reinkommt. Etwas landet immer in der Spritze.

Da das Schmiermittel dickflüssig ist, muss dieser Schritt wohl mehrmals wiederholt werden. Danach steckst du die Nadel auf. Den Stängel ziehst du nach oben. Mit der Nadel der Spritze gehst du auf der Seite rein, auf der die Metallstange aus dem Loch im Stängel herausschaut. Dann drückst du das Schmierfett heraus. Überflüssige Schmiere entfernst du mit einem Tuch.

Da die Schmiere durch die dünne Kanüle muss, kann auch etwas mit Druck rausspritzen. Glücklicherweise leitet G-Lube nicht. Es entsteht kein Schaden, wenn etwas daneben geht.
Da die Schmiere durch die dünne Kanüle muss, kann auch etwas mit Druck rausspritzen. Glücklicherweise leitet G-Lube nicht. Es entsteht kein Schaden, wenn etwas daneben geht.

Das wiederholst du am anderen Ende des Stabilisators. Steck die Tastenkappe wieder auf. Ist das Klappern verschwunden? Ja? Gut. Falls nicht, gibst du noch mehr Schmierfett rein. Dieses Mal jedoch von der Seite, wo die Metallstange in das Kunststoffstück hineingeht.

Hat’s geklappt? Bei mir hört sich die Leertaste jetzt so an:

Definitiv nicht perfekt, aber bereits viel besser als vorher. Ich könnte es mit noch mehr Schmiere versuchen. Dass ich hier kein besseres Resultat hinbekomme, liegt an der Tastatur: Auch aus einem VW Golf machst du mit Tuning keinen Ferrari.

Bei der vorliegenden Tastatur scheppert zudem sogar der Taster, und der Stabilisator macht ein Tickgeräusch. Dieses kommt durch eine nicht perfekt flache Metallstange zustande. Ich müsste also erst den Taster entlöten, um den Stabilisator ganz zu entfernen und die Stange flach drücken. Dieser Aufwand ist es mir bei der Testtastatur nicht wert.

Bonus: Stängel schmieren

Falls du findest, die Stabilisatoren reiben beim Herunterdrücken und Heraufspringen zu fest, kannst du den Stängel noch schmieren. Dazu nimmst du einen feinen Pinsel mit wenig Schmiere drauf – hier empfehle ich dir Krytox 205G0 oder G-Lube, da Silikonfett zu dickflüssig ist. Die Schmiere gibst du dann links und rechts auf den Stängel.

Hier hat's etwas viel Schmiere auf dem Stängel. Überflüssige Schmiere wische ich mit einem Tuch weg.
Hier hat's etwas viel Schmiere auf dem Stängel. Überflüssige Schmiere wische ich mit einem Tuch weg.

Dank diesem Trick hört sich deine mechanische Tastatur (hoffentlich) gleich viel besser an.

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Kevin Hofer

Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.


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