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Paramount Pictures
Kritik

«Street Fighter» drückt die richtigen Knöpfe, macht aber nichts daraus

Patrick Vogt
15.10.2026

Mit viel Liebe fürs Detail und haufenweise Fanservice bringt «Street Fighter» das Kultspiel und die 1990er-Jahre auf die Leinwand. Jetzt müsste der Film nur noch gut sein.

Keine Sorge: Diese Filmkritik ist spoilerfrei. Ich verrate dir nicht mehr, als ohnehin bekannt und in den Trailern zu sehen ist. «Street Fighter» läuft ab sofort im Kino.

«Round 1 – Fight!», ich weiss nicht, wie häufig ich diese Ansage im Sommer 1993 gehört habe, aber es war bestimmt unangemessen oft. Es war das Jahr, in dem wir uns unter Freunden mit «Street Fighter» für den Super Nintendo virtuell auf die Mütze gaben, was das Zeug hielt. Das Spiel bescherte uns einen Heidenspass, ausgelassenen Siegesjubel, Wutausbrüche inklusive zerstörter Joypads und kurzzeitige Freundschaftsabbrüche. An all diese Dinge erinnert mich der neue «Street Fighter»-Film – den ich ansonsten ziemlich zum Vergessen finde.

Darum geht's

Die beiden Kampfkünstler Ryu (Andrew Koji) und Ken (Noah Centineo) waren einst wie Brüder, doch wegen eines einschneidenden Ereignisses haben sie sich seit Jahren nicht mehr gesehen. Gelegenheit für ein Wiedersehen bietet 1993 das World Warrior Tournament, zu dem Chun-Li (Callina Liang) beide einlädt. Ryu hatte dieses Kräftemessen vor sechs Jahren gewonnen, was allerdings nicht ohne Nebenwirkungen blieb. Zum neuen World Warrior Tournament aufgerufen hat der durchgeknallte Diktator M. Bison (David Dastmalchian), der damit seine eigenen sinistren Pläne verfolgt. Na dann: «Round 1 – Fight!» Oder so.

Street Fighters, wohin man schaut

Seit dem allerersten «Street Fighter»-Spiel von 1987 sind zahlreiche weitere Titel dazugekommen; der bislang letzte – «Street Fighter 6» – kam 2023 raus. Auch verfilmt wurde das weltweit bekannte und beliebte Prügelspiel schon: Da wäre zum einen «Street Fighter» mit Jean-Claude Van Damme von 1994. Der ist halt so schlecht, dass er schon wieder schlecht ist – was mein 17-jähriges Ich freilich ganz anders sah. Dann doch lieber «Street Fighter II – The Animated Movie» aus demselben Jahr. Zu «Street Fighter: The Legend of Chun-Li» (2009) kann ich nichts sagen, weil ich ihn nie gesehen habe. Was sich angesichts der höchst bescheidenen Bewertungen wohl auch nie ändern wird.

«Round 2 – Fight!»

Nun schafft es also ein neuer «Street Fighter»-Film auf die Leinwand. Verantwortlich dafür ist Kitao Sakurai, der unter anderem bei mehreren Folgen von «Beef» und «Twisted Metal» Regie geführt hat. Seine Umsetzung atmet den Geist der Spiele wie keine andere Realverfilmung zuvor. Das Setting, die Charaktere, ihre Outfits, Special Moves und Hintergrundgeschichten – das alles schreit nach «Street Fighter 2». Die Story wiederum – die notabene auf ein Post-it passt – orientiert sich an der «Street Fighter Alpha»-Reihe.

Den Film 1993 anzusiedeln, also in dem Jahr, wo «Street Fighter 2» für die Konsole weltweit für Furore sorgte, ist ein schlauer Zug von Sakurai. So wimmelt es nicht nur von Bezügen und Easter Eggs zum Spiel, auch die 90er klingen ständig durch. Davon zeugen neben dem Soundtrack und dem MTV-Logo auch Szenen im Anime-Stil ebenjener Zeit. Das weckt nostalgische Gefühle – zumindest bei denen, die diese Dekade selbst erlebt haben. Doch das Schwelgen in Erinnerungen an die «gute alte Zeit» macht noch keinen guten Film. Das ist bei «Street Fighter» leider nicht anders.

Diese Chun-Li hier ist mindestens genauso schlagkräftig wie im Game.
Diese Chun-Li hier ist mindestens genauso schlagkräftig wie im Game.
Quelle: Paramount Pictures

«You lose»

Regisseur Sakurai nimmt sich viel Zeit, die Geschichte auszufächern und die Figuren einzuführen. Weil sich der Film in erster Linie um sie und ihre Beziehung dreht, liegt der Schwerpunkt dabei auf Ryu und Ken. Im weiteren Verlauf kommen die anderen Charaktere dazu, die einen prominenter, andere beiläufiger. Was sie alle gemeinsam haben: Sie kommen ihrem Game-Vorbild nahe. Dass das zum Teil natürlich comichaft und überzeichnet aussieht, ist zweifellos ein bewusster Fanservice. Mir hat's gefallen. Was mir nicht gefällt, ist, wie wenig Sakurai aus dieser sorgfältig herausgearbeiteten Exposition macht.

Sobald das Turnier beginnt, verkommt genau das zur Nebensache – und der Film zu einem heillosen Durcheinander. Und als ob's das mit dem Plot gewesen wäre, reiht sich zeitweise eine zusammenhanglose Szene an die andere, sodass ich mich fragen muss, ob ich möglicherweise den Kontext verschlafen habe (nein, hab ich nicht!). Streckenweise wähne ich mich in einem Videoclip. Das mag zu MTV von damals passen, dem Film tut diese «Schnittkunst» aber keinen Gefallen. Im Rahmen des Showdowns gibt's dann doch nochmals etwas Story – nur um dann ein Ende draufzusetzen, das ich schlichtweg als Frechheit empfinde. Aber hey, Hauptsache, an einer Fortsetzung wird schon fleissig geschrieben, wie der Regisseur selbst sagte …

Um Dhalsim aus dem Game zu zitieren: «Now you've realized the inner mysteries of yoga!»
Um Dhalsim aus dem Game zu zitieren: «Now you've realized the inner mysteries of yoga!»
Quelle: Paramount Pictures

Die schauspielerischen Leistungen hauen mich auch nicht vom Hocker. Damit habe ich bei einer «Street Fighter»-Verfilmung ehrlich gesagt auch gar nicht gerechnet. Am besten gefallen mir noch Vidyut Jamwal als Dhalsim und Akuma-Darsteller Joe Anoa'i, der Wrestlingfans besser als «Roman Reigns» bekannt sein dürfte. David Dastmalchian («Prisoners», «The Suicide Squad») übt sich als Bison im (bewussten oder unbewussten) Overacting, und mit Cody Rhodes als Guile hat ein weiterer Wrestler den einen oder anderen Moment auf seiner Seite. Der Rest spielt diskret bis hölzern. Überhaupt nicht überzeugt bin ich von Noah Centineo. Da er als Ken eine der Hauptrollen spielt, ist das natürlich fatal. Aber ich nehme ihm schlicht gar nichts ab.

Oh, fast vergessen: Jason Momoa darf als CGI-Blanka auch noch ein bisschen mittun. Was soll ich dazu sagen? Grosser Name, nicht viel dahinter. Arbeitet Momoa daran, als nettes Gimmick nichts Wirkliches zu einem Film beizutragen («Supergirl»)? Ich würde ihn gerne mal wieder ernster nehmen, so wie beispielsweise in der Serie «See».

«Das ist blaues Licht.» – «Und was macht es?» – «Es leuchtet blau.»
«Das ist blaues Licht.» – «Und was macht es?» – «Es leuchtet blau.»
Quelle: Paramount Pictures

«Fight»

Bei einem Film wie «Street Fighter» geht's doch in erster Linie ums Kämpfen und weniger ums Schauspielern, einverstanden. Doch das eine muss das andere nicht automatisch ausschliessen, oder? Die Kampfszenen und -choreografien sind jedenfalls gelungen, wenn auch manchmal arg zusammengeschnitten, wenn nicht gar verschnitten. «Street Fighter»-gerecht bekommst du auch Special Moves wie etwa den Hadouken oder E. Hondas «Hundred Hand Slap» zu sehen.

Gerne hätte ich auch mehr Duelle im Rahmen des World Warrior Tournaments gesehen. Damit die Kämpfe trotzdem nicht zu kurz kommen, verlagert sie das Drehbuch an Nebenschauplätze. Das wirkt in einigen Fällen gelungen, in anderen albern. Ähnlich verhält es sich mit den Dialogen, wobei dort der «albern»-Faktor überwiegt. Die Gags zünden selten, was vielleicht auch daran liegt, dass der Humor in den 90ern stecken geblieben ist. Und ich bin nun mal nicht mehr 16.

Mit «Street Fighter 2» für den Super Nintendo habe ich früher viele, viele Stunden verbracht und mich nie gelangweilt. Nach zwei Stunden «Street Fighter» habe ich mehr als genug vom Film. Schade.

Du fährst mir nicht noch einmal so nah auf, das sag ich dir!
Du fährst mir nicht noch einmal so nah auf, das sag ich dir!
Quelle: Paramount Pictures

Fazit

«Street Fighter» kann's nicht wirklich besser, dafür länger – viel länger

«Street Fighter» drückt die richtigen Nostalgieknöpfe bei einem 90er-Teenager wie mir. Für den Fanservice hat mir jedenfalls schon der Trailer gereicht. Ich erkenne auch die Ansätze, daraus ein stimmiges Ganzes zimmern zu wollen. Beim Setting und den einzelnen Charakteren kommen denn auch so richtige «Street Fighter»-Vibes auf. Doch leider läuft der Film irgendwann komplett aus dem Ruder, sodass hinten und vorne nichts mehr so richtig zusammenkommt. Hartgesottenen Fans der Spielreihe mag das keine Rolle spielen, ich fand's auf Dauer einfach nur noch anstrengend. Apropos Dauer: Der Film ist mit zwei Stunden viel zu lang. Eine halbe Stunde kürzer hätte ihm garantiert gutgetan.

Versteh mich nicht falsch: Ich habe im Vorfeld nicht viel erwartet – im besten Fall einen rundenbasierten Kampfsportfilm à la «Bloodsport» im Stile der «Street Fighter»-Games. Doch davon habe ich für meinen Geschmack viel zu wenig bekommen. Die schauspielerischen Leistungen sind bestenfalls durchschnittlich. Dafür begeistert mich der Soundtrack aus den 1990er-Jahren. Er und ein paar tolle Kämpfe können «Street Fighter» trotzdem nicht retten. In diesem Sinne: Game Over!

Titelbild: Paramount Pictures

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Ich bin Vollblut-Papi und -Ehemann, Teilzeit-Nerd und -Hühnerbauer, Katzenbändiger und Tierliebhaber. Ich wüsste gerne alles und weiss doch nichts. Können tue ich noch viel weniger, dafür lerne ich täglich etwas Neues dazu. Was mir liegt, ist der Umgang mit Worten, gesprochen und geschrieben. Und das darf ich hier unter Beweis stellen. 


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