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Surface Studio – Erwartungen vs. Realität

Mariana Hurtado
Mariana Hurtado
Bern, am 11.05.2017
Video: Stephanie Tresch
Exquisites Design, kraftvolle Leistung, nahtlose Interaktion zwischen Hardware und Software, ein grosses Preisschild. Vor fünf Jahren wäre das die Beschreibung eines neuen Apple-Produkts gewesen. Aber hier gehts um den neuesten Versuch von Microsoft, den Creative-Markt zu erobern, und dieses Mal hat der Konzern gute Karten in der Hand.

Es ist eine Weile her, seit Microsoft der Welt den ersten Desktop-Computer vorgestellt hat, der komplett von ihnen selbst hergestellt wurde. Es schien ziemlich offensichtlich, dass sie uns – also Creative Professionals wie Grafiker und Designer – im Visier haben. Spätestens nach der Keynote und der Produktevorstellung war das mehr als nur klar. Aus diesem Grund habe ich meine Erwartungen kundgetan, was das Surface Studio zum Apple-Killer bei den Desktop-Computern machen könnte.

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Lasst uns starten mit meiner früheren Liste:

Praktisch keine Parallaxe

Mit den Surface-Laptops zu arbeiten, ist bereits eine Freude. Microsoft hat sich nun entschieden, einen Schritt weiter zu gehen und die bereits bewährte Experience der N-Trig-Technologie in sein brandneues, fantastisch aussehendes Surface Studio zu bringen.

In diesem Fall wäre einer der Hauptkonkurrenten Wacom. Ihre Spitzenprodukte tendieren dazu, eine merkliche Lücke zwischen der Spitze des Stifts und der Bildquelle, wo das Gezeichnete erscheint, zu haben. In der Fachsprache ist das die Parallaxe. Das ist beim Surface Studio nicht der Fall. Ich habe von einigen Künstlern gelesen, die Verzögerungen während der Arbeit berichten, die habe ich selbst aber während einem Tag harter Arbeit mit dem Surface Studio nicht erlebt.

Druckempfindlichkeit

Wie bereits erwähnt, arbeiten wir hier mit dem mehr oder weniger gleichen Stift und den gleichen Einstellungen wie bei einem Surface-Laptop, das heisst mit 1024 Druckempfindlichkeitsstufen. Das ist die Hälfte eines beliebigen Cintiq-Tablets. Wenn Microsoft im Creative-Sektor mitreden will, müssten sie schon mit den 8192 Stufen mithalten können, die Wacom beim Cintiq Pro und dem Mobile Studio Pro bieten. Dafür müsste man aber ein wenig Parallaxe in Kauf nehmen. Parallaxe oder nicht, der Entscheid und die Kompromissbereitschaft liegt bei dir.

Versteht mich nicht falsch, die Arbeit mit dem Surface Studio hat sich immer noch fantastisch angefühlt. Aber ich kann mir vorstellen, dass Künstler, die sich ihre guten alten Pen-Tablets gewohnt sind, die Schwächen bemerken werden. Falls du jedoch deine professionelle Erfahrung ohne eine Vergleichsmöglichkeit direkt mit dem Surface Studio startest, wirst du mit dieser luxuriösen High-End-Leinwand definitiv verwöhnt sein.

Kurz vor dem Dreh des Videos: Mariana ist nach wie vor vom Surface Studio begeistert

Als zusätzlicher Bonus kann der Stift magnetisch an der Seite des Bildschirms befestigt werden. Das ist eine ziemlich elegante Lösung, den Stift nicht ständig zu verlieren. Wenn du einen Kugelschreiber im Alltag verlierst, ist das ja nicht weiter schlimm. Aber den einen Stift, den du für das Surface Studio hast, willst du behalten.

Das reicht für mich aber nicht, um Microsoft zu vergeben, dass sie den einzigen Button am Stift nicht einstellbar gemacht haben. Dieser funktioniert ausschliesslich als Rechtsklick. Das ist für Creative Professionals schlicht inakzeptabel, denn das ist eine der Schlüsselfunktionen, die von uns geschätzt wird. Aber, es besteht noch Hoffnung: Diese Schwäche könnte mit einem Software-Update behoben werden.

Intuitive Surface Dial Werkzeuge

Hier bin ich sehr enttäuscht. Nicht nur ist der Dial nicht im Lieferumfang enthalten, er wird auch kaum unterstützt. Die Ausnahmen sind bei Programmen von Dritten rar gesät.

Ein Beispiel: In Adobes Photoshop kann der Dial nur rein- oder rauszoomen oder das Bild drehen. Aber das kann ich auch mit den von Smartphones her bekannten Fingergesten tun. Daher sehe ich den Sinn im Dial im Kontext des Surface Studio schlicht noch nicht. Da muss noch bedeutend mehr kommen.

Als der Dial vor ein paar Monaten veröffentlicht wurde, habe ich ihn am Surface Laptop mit einem der unterstützten Programme ausprobiert, und es war eine Freude. Dank ein paar Funktionen, die ich noch bei keinem anderen Gadget gefunden habe – wie dem fliessenden Wechsel der Stiftfarbe – habe ich Potential in ihm gesehen.

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Dieses Gadget wurde angeblich entwickelt, um mit dem Studio zusammenzuarbeiten. Nun hatte ich hier aber nur noch einen glänzenden Briefbeschwerer neben meinem kraftvollen Computer und nichts von den versprochenen Funktionen des Dials. Es wurde mir gesagt, ein Farbwähler oder ein Lineal würden erscheinen, wenn ich den Dial auf dem Bildschirm platziere. Und nun? Jetzt habe ich nur Dreck vom optisch sauberen Schreibtisch auf den Bildschirm gebracht. Du musst mit Sketchable arbeiten oder ihn einfach für die Lautstärke von Spotify benützen, um einen wirklichen Nutzen zu erhalten.

Softwarekompatibilität

Die technischen Daten ergänzen das sehr ausgewogene Design wunderbar. Das Surface Studio ist stark genug, um jedes gewünschte Programm flüssig und mit der Stabilität von Windows 10 laufen zu lassen. Was könnten wir uns mehr wünschen?

Einige Programme werden nicht sehr schön aussehen auf dem 28” PixelSense Display, ältere Software die nicht optimal hochskaliert zum Beispiel. Du wirst dich mit unscharfem Text oder verschwommener Grafik abfinden müssen. Es sollte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis das mit Updates behoben wird.

Neue Player

Bei einem solch revolutionären Desktop-Computer wie dem Surface Studio habe ich mir mehr Software erwartet, die direkt auf Creative Professionals abzielt und die Hardware für die Zielgruppe ergänzt. In dieser Hinsicht ist nicht viel passiert, aber es bleibt noch Zeit, das zu ändern. Immerhin haben wir alle ja auch immer Gedacht, wir würden bis ans Ende unserer Tage mit Apple-Computern arbeiten.

Fazit

Das Surface Studio bietet viel mehr als jedes zurzeit erhältliche Apple-Produkt. Es ist unfair, es mit Wacom oder einem anderen Stift-Display zu vergleichen, denen meistens die Rechenleistung fehlt, um mithalten zu können.

Etwas, das ich wegen der hervorragenden Umsetzung der Hardware fast vergessen hatte zu erwähnen, ist die Zero Gravity Hinge. Sie ist sehr einfach anzupassen und hat mir erlaubt, stundenlang bequem und ohne jegliche Kompromisse in jeder Körperhaltung oder -position zu arbeiten. Kein Abmühen, kein zusätzlicher Effort notwendig. Eine solche Ergonomie bei einem Screen entwickelt für Hochleistungs-Einsätze im künstlerischen Bereich ist eine wahre Revolution für Dauernutzer.

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Surface Studio (28" (70cm), 8GB, 1TB, HDD)
Microsoft Surface Studio (28" (70cm), 8GB, 1TB, HDD)
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Surface Studio (28" (70cm), 16GB, 1TB, HDD)
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Surface Studio (28" (70cm), Intel Core i7, 32GB, 128GB, SSD, 2TB, HDD)
Microsoft Surface Studio (28" (70cm), Intel Core i7, 32GB, 128GB, SSD, 2TB, HDD)
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Alles in allem ist das Surface Studio ein starker Desktop Computer mit dem eleganten Design, das man von Apple erwarten würde, den Möglichkeiten eines Wacom Pen Tablets, entwickelt um Windows 10 perfekt zu unterstützen und das bestmögliche Erlebnis auf dem Markt zu bieten.

Machen wir uns nichts vor: Von Apple kommt derzeit einfach keine wirkliche Innovation mehr. Ich kann mir vorstellen, dass Designagenturen ihre alten iMacs in der nahen Zukunft auf Surface Studios upgraden. Und ich hoffe wirklich, dass der Rest der Industrie sich Notizen macht, bei all den Hits, die Microsoft in ihrem ersten Versuch gelandet hat.

Ich ziehe meinen Hut vor euch, Microsoft.

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Surface Studio (28" (70cm), 8GB, 1TB, HDD)
Microsoft Surface Studio (28" (70cm), 8GB, 1TB, HDD)
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Surface Studio (28" (70cm), 16GB, 1TB, HDD)
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Surface Studio (28" (70cm), Intel Core i7-7820HQ, 32GB, 2TB, HDD)
Microsoft Surface Studio (28" (70cm), Intel Core i7-7820HQ, 32GB, 2TB, HDD)
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Mariana Hurtado
Mariana Hurtado
Grafik-Designerin, Bern
Grafik-Designerin, Pokémon-Trainerin, tech-savvy und keine Schriftstellerin. Seit 2014 bin ich in der Schweiz. Ich führe einen steten Kampf gegen schlechtes Design.

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