
Meinung
«The Mandalorian and Grogu»: Warum mich der Trailer nicht überzeugt
von Luca Fontana

Ich hätte nur sieben Minuten mit Jon Favreau reden dürfen. Es wurden elf. Was der «The Mandalorian»-Schöpfer in dieser Zeit über Druck, Neuanfänge und den schlechtesten Sitz im Haus verriet.
Als letzten September der erste Teaser zu «The Mandalorian and Grogu» erschien, war ich nicht begeistert. Ich schrieb damals, der Film wirke wie «eine überlange Serien-Episode im Sonntagsanzug» – und ich meinte das nicht als Kompliment. Gerade die Optik schien bescheiden für das, was Lucasfilm als grosse Kinorückkehr von «Star Wars» vermarkten wollte.
Ich meine, sechs Jahre nach «The Rise of Skywalker» geht’s endlich wieder ins Kino – und das soll schon alles sein?
Vor zwei Wochen durfte ich vorab die ersten 30 Minuten des Films sehen. 30 Minuten, die mich zumindest ins Grübeln gebracht haben. Der Film beginnt mit einer grossen Actionsequenz, die eindeutig nicht für einen 65-Zoll-Fernseher gemacht wurde. Das Budget ist sichtbar, der Anspruch spürbar. Meine Skepsis ist nicht verschwunden, aber sie hat Risse bekommen.
Kurz danach sitze ich «The Mandalorian»-Schöpfer und Regisseur Jon Favreau gegenüber. Nunja, nicht physisch. Virtuell. Aber ich darf mit ihm reden. Sieben Minuten wären geplant gewesen. Es werden elf.
Das Interview wurde am May the Fourth aufgezeichnet.
Ich steige direkt mit den gemischten Reaktionen auf den Teaser und die Serienoptik-Vorwürfe ein. Ob ihn das beschäftigt habe, ob er sich beim Drehen des Films gefragt habe, wie man diese Linie zwischen echtem Kinofilm und dem Look hält, der «The Mandalorian» überhaupt erst gross gemacht hat.
Favreau lächelt. So, wie jemand lächelt, der diese Spannung kennt und akzeptiert hat. «Ich habe gelernt, den Blick auf das Wesentliche zu richten», sagt er. «Darauf, den besten Film zu machen, den du machen kannst. Wenn die Leute ihn lieben, fügt sich alles. Und wenn nicht – das kannst du nicht wirklich kontrollieren.» Dann fügt er etwas hinzu, das mich tatsächlich überrascht: «Als Regisseur hast du stets den schlechtesten Sitz im Haus.»

Das ist keine Ausrede, merke ich, sondern eine ehrliche Beschreibung dessen, was Filmemachen bedeutet: Du steckst monatelang in einem Tunnel, einem dunklen Raum, steckst all deine ganze Energie in ein Projekt – und dann öffnest du der Welt die Türen. Was jetzt kommt, liegt nicht mehr in deiner Hand.
Wie es sich anfühlt, wenn ein Film dann eben nicht so gut beim Publikum ankommt wie erhofft, beschreibt er mit einem schlichten Bild: «Wenn du als Koch ein Essen zubereitest und die Leute lassen die Hälfte auf dem Teller liegen, macht dich das traurig. Wir machen das hier, weil wir Menschen glücklich machen wollen. Das ist alles.»
Glücklich machen. Genau das hat «The Mandalorian» anfangs geschafft. Vor allem, weil die Serie für «Star Wars»-Verhältnisse schon fast radikal war – radikal klein. Nicht Budget-mässig. Aber erzählerisch. Mit einer bisher unbekannten Hauptfigur, ohne Jedi, ohne Skywalkers, ohne galaktisches Schicksal. Eine Ecke des «Star Wars»-Universums, die mit dem grossen Rest erst mal nichts zu tun hatte und gerade deshalb so erfrischend war.
Doch mit jeder Staffel wurde die Serie grösser, vernetzter und schwerfälliger. Staffel 3 hat Fässer aufgemacht, die der Film jetzt wieder schliessen muss: Bo-Katan, das geschrottete Darksaber, die Wiedergeburt von Mandalore. Din Djarin selbst wurde zeitweise sogar zur Nebenfigur seiner eigenen Serie degradiert.
Ich frage, ob das ein bewusster Entscheid war – oder ob das «Mandoverse» nicht eine Falle ist, in die man allzu leicht tappt. «It's a trap!», sozusagen. Admiral Ackbar lässt grüssen.

Favreau nickt. «Jede Geschichte wird komplexer mit der Zeit. Deshalb sieht man auch immer wieder Reboots und Spin-Offs – man will zurück zum Kern dessen, was die Geschichte einst ausmachte.» Dann kommt eine schöne, blumige Metapher: «Geschichten zu erzählen ist wie einen Garten zu pflegen. Manchmal muss man wieder stutzen.»
Der Umstieg auf das Kinoformat, sagt er, habe ihm genau diese Möglichkeit gegeben. Die eines Neustarts. Vielleicht sogar fürs ganze Universum. Staffel 1 hat das schon einmal geschafft – nach «Rise of Skywalker», als noch niemand wusste, wer dieser Kopfgeldjäger war und alle trotzdem gebannt zugeschaut haben.
Das Fundament von «The Mandalorian» sei aber über alle drei Staffeln hinweg immer dasselbe geblieben, betont Favreau: ein kampferprobter Krieger und ein kleines, scheinbar wehrloses Wesen, das auf ihn angewiesen sei. «Ob das ‹Leon the professional› ist, ‹Logan› oder ‹Hard Boiled› – diesen Archetyp kennen die Menschen und sie lieben ihn.»
Genau deshalb funktioniere «The Mandalorian and Grogu» auch als Einführung in «Star Wars», fügt der Regisseur hinzu, nicht bloss als Fortsetzung der Serie. Damit sind wir wieder beim Thema Neuanfang: «Wer zuvor die Serie noch nicht gesehen hat, soll trotzdem Freude am Film haben können.»
«Star Wars» kehrt nach nunmehr sechs Jahren ins Kino zurück. Das hatte nicht nur praktische Gründe: «The Last Jedi», «Solo: A Star Wars Movie» und vor allem «The Rise of Skywalker» wurden vom Publikum so stark kritisiert, dass man sich eine Weile lang gar nicht mehr traute, viel Geld in noch einen Kinofilm zu investieren. Schon gar nicht, wenn «The Mandalorian» gleichzeitig die Serientauglichkeit von «Star Wars» unter Beweis stellte.
Ich frage, ob jemand bei Lucasfilm deshalb je zu ihm gesagt habe: «Bitte vermassel das Kino-Comeback nicht!» Favreau lacht. Kurz, echt. «Nein. Aber den Druck spürst du trotzdem – nicht wegen der Grösse des Projekts, sondern weil du dein Publikum nicht enttäuschen willst.»
Und dann sagt er etwas, das über den Film hinausgeht. Er spricht davon, dass «Star Wars» in Wahrheit seit jeher Generationen verbindet, nicht spaltet – Generationen, die alle mit ihrer eigenen Version der Galaxis aufgewachsen sind. Die ersten mit der Original-Trilogie, die nächsten mit den Prequels, dann jene mit den Sequels und den Serien.
An der «Star Wars Celebration» sehe man all diese Generationen nebeneinander, sagt er – und sie hängen miteinander ab. «Das passiert heute nicht mehr oft. Miteinander abzuhängen. Alle haben mittlerweile ihren eigenen Algorithmus, ihren eigenen Feed, und schauen Serien für sich allein. Selbst meine Frau schaut etwas völlig anderes als ich, und ein Blick auf ihr Netflix-Profil zeigt mir auf einen Schlag, wie unterschiedlich unsere Geschmäcker sind.»
Kino hingegen, wenn es funktioniert, ist das Gegenteil davon: ein gemeinsamer Raum, eine geteilte Erfahrung. Deshalb glaube er fest weiter an dieses Format. Das ist kein Marketing-Satz. So spricht jemand, der wirklich noch daran glaubt.
Ehrlich gesagt: halb. Favreau hat mich nicht von meiner Skepsis geheilt. Die grossen Fragen – etwa, ob der Film visuell wirklich für die grosse Leinwand taugt und nicht nur für sehr, sehr teures Streaming – die beantwortet kein Interview, das mir den Film (natürlich) schönreden will. Die beantwortet nur das Werk selbst, der bei uns in der Schweiz am 20. Mai auf der grossen Leinwand erscheint.
Aber eines hat das Gespräch verändert: Ich zweifle nicht mehr daran, dass Favreau noch weiss, woher diese Geschichte kommt. Was er zurückschneiden oder gar ganz stutzen muss. Und dass er eh den schlechtesten Sitz im Haus hat – so oder so.
Vielleicht reicht das für das Comeback, das «Star Wars» verdient.
Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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