
Viel Neues, wenig Rundes: Turtle Beachs Command Series im Test
Touchscreen? Check. Hall-Effekt-Schalter? Check. Ansteckbarer Nummernblock? Check. Mit der Command Series KB7 und dem Keypad KP7 wagt Turtle Beach den grossen Wurf. Das Teil scheitert aber im Alltag an technischen Problemen und der schwachen Verarbeitung.
Turtle Beach krempelt nach der Übernahme von Roccat sein Tastaturlineup um. Die Command-Series besteht unter anderem aus der Tenkeyless-Tastatur KB7 und dem daran ansteckbaren Keypad KP7. Beide arbeiten mit magnetischen Schaltern. Die KB7 hat zudem einen 4,3 Zoll grossen Touchscreen. Das klingt nach einem spannenden Paket. Im Alltag bleibt davon allerdings weniger übrig, als ich gehofft hatte.

Billig statt Premium
Wer die Vulcan-Tastaturen kennt, erkennt einige Merkmale wieder: die freiliegende Aluminiumplatte, erhöhte Switches, flache Keycaps. Doch vieles ist anders. Das dunkelgraue Gehäuse mit messingfarbenen Akzenten besteht zu einem grösseren Teil aus Kunststoff.
Über den Funktionstasten sitzt eine zusätzliche Reihe mit vier dreieckigen Knöpfen. Die fühlen sich hart und billig an. Sie schalten in den Game-Modus, wechseln das Profil, stellen das Mikrofon stumm oder schalten die Beleuchtung aus. Auch das Drehrad und die beiden runden Medientasten oben links wirken minderwertig. Schade, dass Turtle Beach die Zusatztasten weder einheitlich gestaltet noch hochwertiger verarbeitet hat.

Für eine Tenkeyless-Tastatur ist die KB7 riesig. Sie ist 399 Millimeter breit, mit Handballenauflage 256 Millimeter tief und wiegt 858 Gramm, mit Auflage rund 1,1 Kilogramm. Die ansteckbare Handballenauflage aus Gummi sitzt erstaunlich fest und leitet das Licht der Beleuchtung durch ihr transparentes Material. Kann man mögen, muss man nicht. Ich finde, es sieht schlecht aus.
Den Biegetest besteht die Tastatur nicht. Schon wenn ich in der Mitte stärker drücke, gibt das Gehäuse nach. Wirklich schlecht ist das nicht, aber nach einem Premiumprodukt fühlt es sich auch nicht an.
Später kommt ein weiteres Problem hinzu: Weil mich das Teil zunehmend nervt, dazu liest du weiter unten mehr, lege ich es vorerst für ein paar Tage beiseite. Als ich sie für die Bilder wieder hervorhole, springt sie nicht mehr an. Das Teil ist defekt. Die Bilder in diesem Artikel zeigen deshalb ein zweites Exemplar aus unserem Lager.
In den Lieferumfang packt Turtle Beach etwas mehr als das Nötigste. Zur KB7 gehören vier Ersatz-Keycaps mit leicht anderer Textur, ein Keycap-Zieher, ein geflochtenes USB-C-auf-C-Kabel und ein Splitter-Kabel mit zwei USB-A-Steckern auf USB-C. Richtig gelesen: Damit die KB7 läuft, musst du entweder einen der raren USB-C-Steckplätze oder gleich zwei USB-A-Steckplätze deines PCs belegen. Grund dafür ist der Touchscreen, der besonders leistungshungrig ist.
Der Touchscreen ist nett und nervt trotzdem
Rechts oben, wo normalerweise die Navigationstasten sitzen, steckt der Touchscreen. Er ist hell, reagiert zuverlässig und lässt sich einfach bedienen. Per Wischen wechsle ich zwischen drei Seiten mit je zwölf Feldern. Dazu kommt eine Seite, auf der ich die Lautstärke einzelner Anwendungen regeln kann. Ich kann die Felder mit Nummernblock, Shortcuts, Systemwerten oder Verknüpfungen zu Discord, Steam, OBS und Streamlabs belegen. Wische ich vom oberen Bildschirmrand nach unten, öffne ich die Einstellungen für Auslösepunkt, Rapid Trigger, Makros und Beleuchtung.

Teilweise ist das praktisch. Trotzdem vermisse ich die physischen Tasten. Ich schreibe blind mit zehn Fingern. Wenn ich ständig auf den Bildschirm schauen muss, um Delete oder Insert zu treffen, bremst mich das aus. Während der zweiwöchigen Testzeit gewöhne ich mich nicht daran. Und länger werde ich die Tastatur nicht verwenden.
Zwei Geräte, die nicht recht zusammenpassen
Der KP7-Nummernblock funktioniert allein oder angedockt an die KB7. Über Schienen mit Kontaktpads lässt er sich ähnlich wie die Joy-Cons der Nintendo Switch mit der Tastatur verbinden. Das Umstecken ist fummelig. Immerhin hält das Keypad ordentlich, selbst wenn ich das ganze Setup herumtrage. Eine Arretierung gibt es nicht.
Das KP7 ist mehr als ein Nummernblock. Im Game-Modus wird es zur linken Tastaturhälfte mit WASD, Pfeiltasten und einer kurzen Leertaste für den Daumen. Dafür muss ich es aber links anbringen. Da ich normalerweise keinen Nummernblock verwende, geht das in Ordnung. Sowieso würde dieser links viel mehr Sinn ergeben– auch im Büro. Denn so kann ich die Zahlen eingeben und gleichzeitig die Maus bedienen. Es erfordert aber etwas Umgewöhnung.

Dazu kommen kleinere Schwächen. Die Beschriftungen der obersten Tastenreihe sind aufgedruckt und werden nicht von hinten beleuchtet. Das Daumenrad sowie die obere Taste sind wie bei der KB7 von minderer Qualität.
Die Hall-Effekt-Schalter sind okay, der Klang weniger
In beiden Geräten stecken die Titan Low-Profile Hall-Effect-Switches von Turtle Beach. Das sind lineare, magnetische Schalter. Unter dem Stängel sitzt ein Magnet, den ein Sensor auf der Platine misst. So lässt sich der Auslösepunkt zwischen 0,1 und 3,2 Millimetern frei einstellen. Die Schalter sind für 100 Millionen Anschläge ausgelegt und lassen sich ohne Löten austauschen. Ob auch Hall-Effekt-Switches anderer Hersteller funktionieren, ist unklar.
Die Switches selbst fühlen sich einigermassen geschmeidig an. Sie sind ab Werk geschmiert und wackeln kaum. Der Rest der Tastatur macht das Tippgefühl allerdings zunichte. Die Tasten klingen klackernd und hohl. Im Inneren fehlt Dämmmaterial. Auch die Stabilisatoren rasseln, obwohl sie geschmiert sind, und das Durchdrücken der Tasten fühlt sich irgendwie gummig an.

Die Keycaps gehen in Ordnung. Sie bestehen aus PBT im Doppelgussverfahren, die Beschriftungen werden also nicht verblassen. Die Caps sind allerdings eher dünn und niedrig. Die Beleuchtung kommt dank den hochliegenden Switches gut zur Geltung.
Hängende Tasten und zickende Software
Mein grösstes Problem ist die technische Umsetzung. Die KB7 startet träge. Während auf dem Bildschirm «Loading» steht, reagiert die Tastatur nicht. Ins BIOS komme ich so nur mit Glück.
Selbst beim Betriebssystem-Login muss ich teilweise warten, bis die KB7 einsatzbereit ist. Manchmal bleiben Tasten ohne erkennbaren Grund hängen. Dann hilft nur ein Neustart der Tastatur. Auch der Lautstärkemixer auf dem Display stimmt oft nicht mit der Systemlautstärke überein.
Am schlimmsten: Stecke ich das KP7 von einer Seite auf die andere, reagiert die KB7 nicht mehr. Erst wenn ich sie vom PC trenne und wieder anschliesse, funktioniert sie wieder.
Dazu kommt die Software Swarm II. Sie läuft ebenfalls zäh. Die Tastatur erkennt sie nur langsam, jede Änderung am Bildschirmlayout wird einzeln gespeichert und blockiert die App mit einem Ladebildschirm. Bei Hintergrundbildern ist es noch langsamer. Manchmal weichen Layout in der App und auf der Tastatur voneinander ab, und es gibt keine Möglichkeit, sie zu synchronisieren. Die Mikrofon-Stummschaltung und die Lichtsynchronisation zwischen den Geräten funktionieren nur, wenn Swarm II läuft.

Das ist schade. Denn die App bietet viele Funktionen: individuelle Auslösepunkte pro Taste, Rapid Trigger und die SOCD. Gerade bei Hall-Effekt-Tastaturen spielt die Software eine wichtige Rolle. Hier bleibt sie deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurück.
Immerhin: Turtle Beach veröffentlicht laufend Software- und Firmware-Updates. Vielleicht wird es also noch besser.
Fazit
Gute Ideen, schwache Umsetzung
Die Turtle Beach Command Series KB7 und KP7 bringen frischen Wind in die Tastaturwelt. Der Touchscreen, das modulare Keypad und die Hall-Effekt-Schalter sind spannende Ansätze.
Im Alltag überwiegen aber die Probleme. Die KB7 startet langsam, Tasten hängen, die Verbindung bricht beim Umstecken des KP7 ab. Dass das Keypad sich links und rechts anstecken lässt, ist cool, aber das Layout zwingt mir die Anwendung links beinahe auf. Der Touchscreen ersetzt Tasten, die ich blind treffen will und so nicht treffe. Dazu kommen ein mittelmässiges Tippgefühl, ein hohler Klang und eine langsame, fehleranfällige Software.
Mit 160 Franken für die Tastatur und 80 Franken für das Keypad ist das Paket teuer. Zu teuer. Dafür erwarte ich mehr Feinschliff. Wer eine Hall-Effekt-Tastatur sucht, findet bessere Alternativen. Turtle Beach hat ein gutes Konzept, muss aber noch nachbessern.
Pro
- Touchscreen mit vielen Funktionen
- Nummernblock lässt sich links oder rechts anbringen
- viele Einstellungen bei Auslösepunkt und Rapid Trigger
Contra
- lange Startzeit und hängende Tasten
- Verbindung bricht beim Umstecken des Keypads ab
- Keypad wirkt auf beiden Seiten wie ein Fremdkörper
- hohler, unfertiger Klang
- träge und fehleranfällige Software
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.
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