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Wildlight Entertainment/«Highguard»
Hintergrund

Vom Millionen-Slot zum Steam-Absturz: Der «Highguard»-Launch ist Drama pur

Debora Pape
30.1.2026

«Highguard» sollte der Überraschungshit der Game Awards werden – stattdessen kämpft das Spiel mit schlechten Bewertungen und schwindenden Spielerzahlen. Eine Chronik eines schnellen Absturzes.

Nicht jede gute Gelegenheit ist eine gute Idee. Manchmal entpuppt sich das vermeintliche Momentum als strategischer Fehler. Das erlebt aktuell das Entwicklerstudio Wildlight Entertainment. Der Release seines Free-to-Play-PvP-Shooters «Highguard» am 26. Januar ging, gelinde gesagt, mächtig in die Hose.

Sehr schlechte Bewertungen auf Steam und der Verlust von 90 Prozent der Spielerschaft nach nur wenigen Tagen sprechen eine deutliche Sprache – und das, obwohl das Game gar nicht so schlecht ist. Unweigerlich werden Erinnerungen an den desaströsen Launch von «Concord» im Jahr 2024 wach.

Die Teams müssen das Schutzschild der gegnerischen Basis durchbrechen.
Die Teams müssen das Schutzschild der gegnerischen Basis durchbrechen.
Quelle: Wildlight Entertainment

Dabei hätte alles so schön werden können, denn das Studio durfte das bis dahin nicht angekündigte Spiel am 11. Dezember während der renommierten Game Awards – quasi die Oscar-Show der Spielebranche – einem Millionenpublikum vorstellen. Der Gastgeber und Produzent des Preisverleihungsevents Geoff Keighley bot ihm den begehrtesten Slot des Abends für die Spielankündigung kostenlos an, weil ihm das Spiel gefällt. Wildlight Entertainment griff zu.

Normalerweise müssen Studios für einen Drei-Minuten-Trailer während der Game Awards viel Geld auf den Tisch legen: Von mehr als einer Million US-Dollar ist die Rede. Der «One last thing»-Slot ist normalerweise echten Blockbustern vorbehalten und wird deswegen alljährlich mit Spannung erwartet.

Und was kam? «Highguard», ein vollkommen unbekanntes Spiel eines erst 2022 gegründeten Studios. Schlimmer noch: ein weiteres Live-Service-Game in einem ohnehin überfüllten Markt.

Hier kannst du dir die Ankündigung und den Trailer ansehen:

Erinnerungen an «Concord» werden wach

Die Reaktion fiel entsprechend heftig aus. Spott, Häme und offene Ablehnung überschwemmten die sozialen Netzwerke. Unter dem Ankündigungstrailer auf YouTube ließen die User ihrer Enttäuschung freien Lauf: «braucht niemand», «generisch», «langweilig» – so lesen sich die Kommentare.

Da kommen Erinnerungen an das «Concord»-Desaster im Jahr 2024 auf: Das war ebenfalls ein Hero-Shooter, dessen Ankündigungstrailer bei der Spielerschaft durchfiel und nach dem Release kaum gespielt wurde. Nicht zuletzt, weil das Game nicht free-to-play war und 40 Euro/Franken kostete. Nur Tage später wurde das Game eingestellt und das Studio, das zu Playstation gehörte, nach wenigen Wochen aufgelöst.

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Davon ist bei Wildlight zwar keine Rede, doch das Team verpasste ebenfalls die Chance, vor dem Release auf die katastrophalen Reaktionen zur Ankündigung zu reagieren. Bis zum Launch des Games Ende Januar herrschte auf den offiziellen Kanälen Funkstille. Es gab keine Erklärungen oder weitere Infos zum Spiel. Damit folgten die Verantwortlichen ihrem ursprünglichen Plan, vor dem Release nicht über das Game zu sprechen – denn eine Vorab-Ankündigung war ursprünglich gar nicht vorgesehen.

Eigentlich war ein Shadowdrop geplant

In einer Gesprächsrunde erklärten vor wenigen Tagen zwei Top-Manager des Studios, Jason Torfin und Mohammed Alavi, dass «Highguard» eigentlich als Shadowdrop ohne Marketing erscheinen sollte. So hätte es die Chance bekommen, «für sich selbst zu sprechen», wie Torfin sagt.

Mit Shadowdrops hat das Team bereits gute Erfahrungen: Ein großer Teil der Angestellten hatte vor ihrem Wechsel zu dem Studio an «Apex Legends» und «Titanfall» mitgearbeitet. «Apex Legends» erschien 2019 als kostenlos spielbarer Shadowdrop und konnte sich als Platzhirsch im umkämpften Live-Service-Bereich positionieren.

Auf Reittieren erkunden die Teams die Umgebung und suchen nach Ressourcen.
Auf Reittieren erkunden die Teams die Umgebung und suchen nach Ressourcen.
Quelle: Wildlight Entertainment

Die Gelegenheit, «Highguard» während der Game Awards einem Millionenpublikum vorzustellen, wollte sich das Team offenbar nicht entgehen lassen. Doch die Verantwortlichen scheinen die Erwartungen an den prestigeträchtigen Slot unterschätzt zu haben.

Dafür spricht auch, dass der gezeigte Ankündigungstrailer für diese Situation vollkommen ungeeignet war. Er war eigentlich als Launch-Trailer für den Shadowdrop vorgesehen, wie Chad Grenier, Mitbegründer des Studios, Kotaku gegenüber einräumt. Zusammen mit dem Trailer, der auf schnelle Unterhaltung konzipiert war, sollte ursprünglich ein langes Deep-Dive-Video erscheinen, das die Spielmechaniken erklärt. Für sich allein stehend wirkt das Filmchen nicht überzeugend.

Ist das Game so schlecht, wie die Rezensionen sagen?

Auch negative Publicity ist bekanntermaßen Werbung – und weil «Highguard» kostenlos spielbar ist, waren genügend Gamer neugierig genug, es herunterzuladen. 100 000 gleichzeitig aktive Spielerinnen und Spieler kamen am Launchtag zusammen. Doch die Euphorie hielt nicht lange an: Schon nach zwölf Stunden waren nur noch 15 000 Gamer übrig und aktuell liegt die Spieleranzahl nur noch zwischen 5000 und 7000.

«Highguard» hat in wenigen Stunden einen Großteil seiner Spielerschaft verloren.
«Highguard» hat in wenigen Stunden einen Großteil seiner Spielerschaft verloren.
Quelle: SteamDB

Ein schneller Spielerschwund ist grundsätzlich kein Todesurteil für ein Game. Alavi sagt, das Game brauche keine riesige Spielerzahl. Es reiche ein harter Kern von Fans, die das Spiel mögen und ihm beim weiteren Wachstum die Treue hielten. Ob das passiert, lässt sich jetzt noch nicht sagen.

Die schlechten Bewertungen könnten allerdings neue Spielerinnen und Spieler abschrecken: Aktuell steht «Highguard» auf Steam bei «größtenteils negativ»: Nur 38 Prozent der mehr als 30 000 Bewertungen empfehlen das Spiel (Stand: 30. Januar).

Das zeichnet aber kein vollständiges Bild. Die Bewertungen auf Steam lassen sich nach der Spielzeit filtern, und die fällt bei den meisten Rezensionen sehr kurz aus. So haben mehr als 12 000 Rezensenten nicht einmal eine Stunde mit «Highguard» verbracht. Viele davon hinterlassen eine kurze, wenig aussagekräftige Bewertung: Hier liegt klassisches Review-Bombing vor. Dabei geht es Rezensierenden nicht um eine objektive Bewertung des Spiels, sondern um die Abstrafung des Studios.

Viele kritisieren die für zu wenige Kontrahenten zu großen Maps.
Viele kritisieren die für zu wenige Kontrahenten zu großen Maps.
Quelle: Wildlight Entertainment

Einer der größten validen Kritikpunkte ist, dass es mit 3v3 nur einen Spielmodus gibt und dafür die Karten zu groß sind. Es sei möglich, ein Match zu gewinnen, ohne das gegnerische Team überhaupt zu sehen. Das Sammeln von Waffen und Ressourcen fühle sich langweilig an, weil es durch die Größe der Karte selten spontane Kämpfe gebe. Einige Reviews beklagen zudem Performance-Probleme auf dem PC. Ein Patch drei Tage nach dem Launch soll die Leistung deutlich verbessern und bringt einige Quality-of-Life-Änderungen mit.

Nur 3349 Bewertungen wurden von Personen verfasst, die eine Spielzeit von mehr als fünf Stunden aufweisen. Und hier ist der Ton ein ganz anderer: 82 Prozent empfehlen das Spiel, es gilt somit als «sehr positiv». Der Tenor ist: Es gibt Ecken und Kanten, die das Studio ausbessern sollte, aber für eine Free-to-Play-Erfahrung ist das Game nicht schlecht. Es gibt auch keine Pay-to-Win-Mechanik: Über Mikrotransaktionen sind nur kosmetische Gegenstände und Skins erhältlich.

Wildlight hat zudem eine Roadmap für das erste Jahr nach dem Launch vorgelegt, die viel neuen Content verspricht.

Die Roadmap sieht viele neue Inhalte vor.
Die Roadmap sieht viele neue Inhalte vor.
Quelle: Wildlight Entertainment

Kriegt «Highguard» die Kurve?

In der Vergangenheit gab es schon viele katastrophale Launches und ein vorzeitiges Ende wie bei «Concord» ist nicht in Stein gemeißelt. Bei dem völlig verbuggten AAA-Titel «Cyberpunk 2077» lieferte CD Projekt Red nach und das Game wurde doch noch zum Erfolg. Noch desaströser war der Start von «No Man’s Sky», ein Spiel, das vor dem Launch viel zu hohe Erwartungen geschürt und nicht erfüllen konnte. Acht Jahre dauerte es, bis das Game durch viele kostenlose Updates auf Steam eine «sehr positiv»-Beurteilung erreichte.

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Beide Games gelten als Musterbeispiele dafür, dass ein schlechter Start nicht das Aus für ein Spiel bedeuten muss. «Highguard» bietet eine solide Grundlage und das Team arbeitet an kostenlosen Performance- und Content-Patches. Nun hängt alles davon ab, ob das reicht, um genügend Spielerinnen und Spieler zu überzeugen.

Das wird aufgrund des schlechten Starts und des übersättigten Marktes ein schweres Stück Arbeit. «Highguard» konkurriert im erweiterten Live-Service-Bereich mit Spielen wie «Apex Legends», «Titanfall 2», «Overwatch 2», «Arc Raiders» und «Rainbow Six Siege», von denen einige im Januar neue Inhalte veröffentlicht haben und damit viele Spielerinnen binden.

Titelbild: Wildlight Entertainment/«Highguard»

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Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.


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