Was bei grossen Poren hilft

Was bei grossen Poren hilft

Vanessa Kim
Vanessa Kim
Zürich, am 16.11.2020
Hast du mit erweiterten Poren auf deiner Nase und Wangenpartie zu kämpfen? Eine Dermatologin verrät, wie du ihnen den Kampf ansagst.

«Spieglein, Spieglein an der Wand…» Seit ich die magische Dreissig überschritten und mich mit den ersten Fältchen abgefunden habe, weist mich der Blick in den Spiegel auf einen weiteren «Makel» hin: Die Poren auf meinem Gesicht werden immer grösser. Nebst dem altersbedingten Elastizitätsverlust sorgen aber auch andere Faktoren für ein grobporiges Hautbild. Welche das sind und was du dagegen tun kannst, verrät die Dermatologin Kathrin Bänziger im Interview.

Was ist die Funktion von Poren?
Kathrin Bänziger: Poren sind die Ausführungsgänge der Talgdrüsen. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um Talg produzierende Drüsen. Talg besteht aus einem Fettgemisch sowie Proteinen und hat eine Schutzfunktion: Er bewahrt die Haut vor dem Austrocknen und schafft ein saures Milieu, das Krankheitserreger abwehrt.

Was sind die Ursachen für grosse Poren?
Von grossen oder groben Poren ist die Rede, wenn die bereits erwähnten Ausführungsgänge erweitert sind. Der Grad ihrer Ausprägung ist nicht nur von äusseren Umwelteinflüssen wie Sonneneinstrahlung, übermässigem Nikotin- und Alkoholkonsum abhängig, sondern ist auch genetisch bedingt. Wenn ein Elternteil oder beide Eltern davon betroffen sind, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass dein Hautbild ebenfalls grobporig ist.
Ausserdem kann auch ein Verschluss der Ausführungsgänge erweiterte Poren begünstigen. Mögliche Ursachen sind eine falsche Pflege, Hautkrankheiten wie «Akne vulgaris» oder eine starke Talgproduktion. Darum neigen Menschen mit fettiger Haut zu groben Poren.

Was kann ich präventiv dagegen unternehmen?
Bei einer starken Talgproduktion respektive grossen Poren ist die richtige Pflege essenziell. Quellende (Anmerkung der Redaktion: Die Haut wird mit quellenden Wirkstoffen kurzzeitig von innen aufgepolstert) oder fettende Kosmetik können die Poren zusätzlich verstopfen. Nicht-komedogene Cremes oder Gels – sprich: Im Produkt befinden sich keine Inhaltsstoffe, die Mitesser verursachen können – sind die beste Wahl. Vermeide Produkte mit pflanzlichen und tierischen Fetten sowie Mineralöle wie Silikon und Vaseline. Studiere vor dem Kauf einer neuen Pflege die Inhaltsstoffe. Ausserdem solltest du dein Gesicht jeden Abend gründlich reinigen. So befreist du es von Make-up- und Talgresten.

Wie behandle ich grossen Poren?
Retinolhaltige Seren oder Peelings haben einen exfolierenden Effekt. Nach dem Abschälen der Haut ist das Hautbild nicht nur verfeinert, sondern auch die Talgproduktion gesenkt. Da Nebenwirkungen wie Irritationen und eine hohe Lichtempfindlichkeit auftreten können, ist bei Retinol Vorsicht geboten. Während einer Schwangerschaft ist das Vitamin A sogar ganz tabu, da es dem ungeborenen Kind schaden kann.

Im Internet kursieren diverse «Hausmittel». Gibt es ein No-Go?
Ja, ich rate von Hausmitteln wie zum Beispiel Backpulver- oder Zitronensäuremischungen ab. Sie können bei einer hohen Dosierung zu einer toxischen Hautschädigung mit starken Irritationen führen. Insbesondere in Kombination mit Sonnenexposition.
Auch Make-up solltest du aufs Minimum beschränken, da es die Poren langfristig zusätzlich verstopft. Greif stattdessen zu einer leichten getönten Tages- oder Sonnencreme.

Gibt es einen SOS-Tipp?
Leider nein. Mit einem Fruchtsäurepeeling beim Dermatologen oder der Dermatologin kann jedoch ein kurzfristiger Effekt erzielt werden. Bei einem fruchtsäurehaltigen Produkt für den Heimgebrauch ist wie beim Retinol Vorsicht geboten.

Was bewirkt ein Fruchtsäurepeeling?
Neben dem bereits erwähnten, kurzfristigen Effekt und bei wiederholter Anwendung verändert das chemische Peeling die Textur der Haut. Zudem wird die Hauterneuerung beschleunigt und bei Akne Entzündungen reduziert. Zwei Wochen vor der Behandlung bei uns in der Praxis bereitet der Patient oder die Patientin die Haut mit einer Fruchtsäurecreme respektive -lotion vor, um sie an den sauren pH-Wert zu gewöhnen. In der Praxis reinigen und entfetten wir als Erstes die Haut. Anschliessend tragen wir das Fruchtsäurepeeling auf und neutralisiere es nach einigen Minuten – die Zeit hängt von der Stärke der Reaktion beziehungsweise Verträglichkeit ab – mit einer Neutralisierungscreme und waschen das Ganze wieder ab.

Nach zwei bis sieben Tagen schuppt sich die Haut leicht ab. Während dieser Zeit sollte aufs Sonnenbaden verzichtet werden. Ausserdem sind ein Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 50+ und eine intensive Feuchtigkeitspflege ein Muss. Je nach Therapieerfolg und individueller Verträglichkeit wird das Fruchtsäurepeeling nach vier Wochen wiederholt. Schöner Nebeneffekt: Die Poren sind nicht nur kleiner, sondern die Haut insgesamt strahlender.

Eine weitere Methode, um grosse Poren zu verfeinern, ist das Microneedling. Hier wird die Haut mit kleinen Nadelstichen minimal verletzt, wodurch die Kollagensynthese und Hauterneuerung angeregt werden. Je nach Intensität der Behandlung sind während der ersten drei Tage Rötungen sichtbar. Je nach gewünschtem Ergebnis kann Microneedling monatlich wiederholt werden.

Dr. med Kathrin Bänziger ist Dermatologin am «Dermatologischen Zentrum Zürich», Beckenhofstrasse 6, 8006 Zürich: www.dermazentrumzuerich.ch

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Vanessa Kim

Editor, Zürich

Wenn ich mal nicht als Open-Water-Diver unter Wasser bin, dann tauche ich in die Welt der Fashion ein. Auf den Strassen von Paris, Mailand und New York halte ich nach den neuesten Trends Ausschau und zeige dir, wie du sie fernab vom Modezirkus alltagstauglich umsetzt.

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