Was hat es mit dem Trend «Bookshelf Wealth» auf sich?
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Was hat es mit dem Trend «Bookshelf Wealth» auf sich?

Pia Seidel
22.2.2024

Neben Cafécore, Western Gothic oder Hot Metal erobert gerade ein weiterer Wohntrend das Netz: «Bookshelf Wealth».

In letzter Zeit teilen Menschen auf TikTok und anderen digitalen Plattformen zahlreiche Videos und Fotos von ihrer eigenen Hausbibliothek. Architectural Digest (AD) bezeichnet diese Bewegung als ersten grossen Designtrend des Jahres. Laut dem Wohnmagazin habe «Bookshelf Wealth» – übersetzt Bücherregal-Reichtum – bereits Anfang Jahr 1,7 Millionen TikTok-Aufrufe gehabt. Zoomen wir rein und schauen, was es mit dem vermeintlichen Einrichtungstrend auf sich hat und wie du ihn umsetzt.

Klasse statt Masse

Der Bookshelf-Wealth-Bewegung geht es nicht darum, möglichst viele Bücher zu besitzen. Sie schlägt vielmehr vor, mit Büchersammlungen ein ansprechendes Zuhause zum Lesen zu schaffen. Die in San Diego ansässige Innenarchitektin Kailee Blalock ist mit ihrem Video zum Thema Bookshelf Wealth viral gegangen. Sie erklärt im AD-Interview, dass man, um den Trend umzusetzen, «den Akt schätzen muss, Dinge zu sammeln und dich mit Dingen zu umgeben, die deine Seele erfüllen.» Der Einrichtungstrend richtet sich somit an Leseratten, die wirklich gerne lesen und Räumen mit ihrer Sammlung einen gemütlichen Charakter verleihen wollen.

Bei Bookshelf Wealth wird das Lesen zelebriert ...
Bei Bookshelf Wealth wird das Lesen zelebriert ...
Quelle: Hübsch
... und die Lektüre zum Must-have, um ein heimeliges Zuhause zu gestalten.
... und die Lektüre zum Must-have, um ein heimeliges Zuhause zu gestalten.
Quelle: Hübsch
Die Hausbibliothek soll kuratiert sein und gemütlich wirken.
Die Hausbibliothek soll kuratiert sein und gemütlich wirken.
Quelle: Ferm Living

Kuratiertes Chaos: So geht Bookshelf Wealth

Um mit dem Bücherregal «reich» zu werden und den Raum so zu gestalten, dass er statt überladen, bewusst zusammengestellt und ruhig wirkt, beachtet die Bewegung folgende Dinge:

  • Bücher: Die ausgestellte Lektüre sollte tatsächlich gelesen worden sein oder gelesen werden und beim Einrichten vor Deko oder Kunst an erster Stelle stehen.
  • Standort: Büchersammlungen können in jedem Zimmer vorkommen, zum Beispiel an einer Wohnzimmerwand oder an einem Fensterplatz. Hauptsache, sie fallen auf.
  • Sammelsystem: Von Vitrinen über Bücher auf Stühlen bis hin zu massgeschneiderten Wandregalen – Aufbewahrungslösungen dürfen mit ihrem Design herausstechen, ganze Wände einnehmen oder sich über einen ganzen Raum erstrecken.
Die Lektüre kann in Schaukästen und Vitrinen wie ein Kunstwerk wirken.
Die Lektüre kann in Schaukästen und Vitrinen wie ein Kunstwerk wirken.
Quelle: Hübsch
  • Authentizität: Obwohl es bei den polished Pics schwerfällt zu glauben – bei allem sollte weniger das Styling im Vordergrund stehen, sondern das, was die Lesenden inspiriert und den Charakter des Zuhauses unterstreicht.
  • Zeit: Anstatt einem Trend hinterherzulaufen, ist es entscheidend, die Bücher für die Hausbibliothek langsam und bewusst zu erwerben.
  • Sitzmöbel: Gemütliche Sessel, Sitzbänke und Stühle bei der Büchersammlung sind ein Muss.
Für die Lesebereiche sind Sitzgelegenheiten essenziell.
Für die Lesebereiche sind Sitzgelegenheiten essenziell.
Quelle: Ferm Living
  • Tapeten, Wandfarbe oder Kunst: Charakteristische Bilder oder Muster können die Sammlung abrunden oder einrahmen.
  • Farbe, Textur und Grösse: Es sollte eine zusammenhängende Farbpalette geben. Auch wenn das bedeutet, dass der ein oder andere Buchumschlag abgenommen werden muss.
  • Deko und Kunst: Egal, ob Fotos, Kerzen oder Kunstwerke – alle Wohnaccessoires sollten Hobbys oder Interessen der Leseratten widerspiegeln.
Zum Abrunden des literarischen Looks sind Kunstwerke und Designobjekte erwünscht.
Zum Abrunden des literarischen Looks sind Kunstwerke und Designobjekte erwünscht.
Quelle: Ferm Living
Im besten Fall spiegeln sie das Gelesene wider.
Im besten Fall spiegeln sie das Gelesene wider.
Quelle: Ferm Living

Kritik am «stillen Luxus»

Obwohl hinter Bookshelf Wealth der Wunsch steckt, ein gemütliches Zuhause zu schaffen, befürchten viele, dass die Bewegung den übermässigen Konsum fördert und stille Statussymbole im Vordergrund stehen. Zum einen die vielen Bücher selbst. Zum anderen Kunstwerke oder gehypte Möbel. Gerade wird zum Beispiel das Kartell-Regal «Bücherwurm» gehypt. Es hat einen kunstvollen Charakter und ist perfekt, um Lese-Ecken hervorzuheben – kostet allerdings knapp 1000 Euro. Deshalb kursieren bereits erste DIY-Anleitungen für selbstgemachte Bücherwurm-Regale, wie die der YouTuberinnen namens «The Sorry Girls», um das Design erschwinglich zu machen.

Kartell Bookworm (820 x 20 x 19 cm)

Kartell Bookworm

820 x 20 x 19 cm

Kartell Bookworm (820 x 20 x 19 cm)
Regal

Kartell Bookworm

820 x 20 x 19 cm

In einem TikTok-Video äussert ausserdem Breana Reads, dass Bookshelf Wealth nur ein neues Buzzword für etwas sei, das ohnehin über die Jahre auf natürliche Art und Weise wächst. Pinterest prognostizierte beispielsweise 2021, dass die Hausbibliothek immer wichtiger wird. Nur hatte es keinen catchy Namen dafür.

Einrichtungstrend oder Wohnstil?

Neben dieser Kritik steht auch die Frage im Raum, ob Bookshelf Wealth überhaupt ein Trend oder vielmehr ein maximalistischer Wohnstil und eine gelebte Erfahrung von Menschen im Laufe der Zeit ist. Schliesslich spielen Bücher, seit es sie gibt, im Zuhause eine grosse Rolle, wie die Coffee Table Books «Books make a Home», «Bibliostyle» und «At Home with Books» veranschaulichen. Ob Trend oder Stil – Bücher lassen sich auch ganz ohne teure Möbel vielseitig und geschmackvoll ins Interieur integrieren. Den Beweis liefere ich dir in diesem Artikel:

  • Ratgeber

    Wie du Bücher Bände sprechen lässt

    von Pia Seidel

Mehr Tipps, wie du deine Hausbibliothek aufbauen kannst, findest du hier:

  • Ratgeber

    Schrittweise zur eigenen Bibliothek

    von Pia Seidel

Titelbild: Hübsch

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Wie ein Cheerleader befeuere ich gutes Design und bringe dir alles näher, was mit Möbeln und Inneneinrichtung zu tun hat. Regelmässig kuratierte ich einfache und doch raffinierte Interior-Entdeckungen, berichte über Trends und interviewe kreative Köpfe zu ihrer Arbeit. 


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